Schule aus!

Nach fast viermonatiger Tortur war gestern mein letzter Schultag.

Frisch geduscht und mit Kamera bewaffnet kam ich in Ñandejara an. Wie jeden Freitag versammelten sich die oberen Klassen zum Flaggen hissen und während wir warteten, bemerkte ich, dass ich die Batterien für die Kamera vergessen hatte. Während ich noch versuchte von Klassenkameraden einen Ersatz auszuleihen, bemerkte ich eine Klassenkameradin, die auf der Tribüne verschwörerisch mit einer Lehrerin tuschelte und dabei immer wieder zu mir schaute.

Wenig später wusste ich, was sie getuschelt hatten: Ich wurde nach vorne gerufen, sollte ein paar Worte sagen, was ich nutzte, um meinen Mitschülern die Schuld daran zu geben, dass ich nicht wie erwartet fröhlich über das Ende meiner Zeit in Ñandejara war, und schließlich beteten sie noch für mich und meine Reise.

Dann ging es in den fast normalen Unterrichtsalltag, aber jeder Lehrer wollte noch einige letzte Worte an mich richten. Den ganzen Tag über signierten Schüler und Lehrer meine Schuluniform, bis man keinen freien Platz mehr finden konnte, weshalb mein vierjähriger Gastbruder kurzer Hand in zehn Zentimeter großen Lettern über die anderen Unterschriften schrieb. Die Lösung eines Mitschülers sah dagegen so aus, einfach auf meinen Nacken und meine Arme auszuweichen…

Meine Klasse hatte eine Torte organisiert; aber bevor wir sie anschneiden durften, musste ich ein Bonbon, das hineingesteckt war, mit dem Hand herausfischen – angeblich eine paraguayische Tradition. Naiv, wie ich nun mal bin, tat ich wie mir geheißen und gerade als ich es versuchte drückte man meinen Kopf hinein, die ganze Nase versank in Tortenschaum.

Zum Glück hatte ich morgens noch die Nase gewaschen und so konnten wir denn Rest dann noch essen, wobei der massenhaft vorhandene Schaum viele Gesichter verzierte.

Um halb sechs war der Schultag schließlich zu Ende, wir machten ein Klassenfoto und nach einem kleinen Abenteuer war ich stolzer Besitzer von 140 an diesem Tag geschossenen Fotos.

Ich verabschiedete mich von allen und ließ mir Emailadressen geben, um wenigstens virtuell Kontakt halten zu können.

Es ist schon seltsam, da gehe ich jeden Tag zur Schule und werde vor Langeweile fast verrückt und doch bin ich ein wenig traurig nicht mehr dort hinzugehen.

Aber am Montag muss ich nochmal hin, wenn auch nicht in den Unterricht – ich muss meine Bescheinigung abholen, dass ich all die Zeit „regelmäßig die Schule besucht habe“.

Und jetzt habe ich 11 Wochen frei, unterbrochen nur vom ersten und letzten Schultag in der Klasse 11c.

Noch ein Wort an alle Neider: Selbst mit dieser langen freien Zeit hole ich nicht all die Ferienzeit und Feiertagszeit von euch ein, ganz zu schweigen von der Zeit, die ich mehr Unterricht hatte als ihr.

Und wozu geht man denn ins Ausland, wenn nicht um frei zu haben?!

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