Native speaker

Kurzmitteilung

Heute sind zwei neue (deutsche) Freiwillige angekommen und haben die deutsche Mehrheit der Freiwilligen noch verstärkt: Im Moment sind wir sechs Deutsche und eine Engländerin. Als wir uns unterhielten, fragte einer der neuen die Britin, woher sie komme, worauf sie „from England“ antwortete. Er sagte: „It’s good to have native speakers around.“

Nun wundere ich mich, ob nicht Daher, zur Zeit der einzige Palästinenser auf dem Hof der „native speaker“ ist. Eine seltsame Situation hier auf dem Weinberg, wenn Freiwillige die Mehrheit sind und man zu weit entfernt ist, um täglich andere „native speakers“ zu treffen.

Am Donnerstag fängt inshallah unser Arabischkurs an. Vielleicht kann ich dann mehr in Kontakt mit den echten „native speakern“ treten.

Arabengdeutsch

Auf dem Weinberg sind frei nach Jesaja 2,2 viele Nationen vertreten, die alle ihre Sprache sprechen. Da sind zum einen die Nassargroßfamilie, die zum Teil auf dem Berg wohnt und natürlich arabisch spricht und manche auch englisch. Dazu kommen noch die Kurz- und Langzeitfreiwilligen Zur Zeit sind wir 9 Freiwillige, 4 Deutsche, 2 Italiener, 2 Franzosen und ein Grieche. Unsere Verkehrssprache ist Englisch, was seltsame Situationen hervorruft, da keine/r von uns MuttersprachlerIn ist.

Die meisten Freiwilligen sind noch vom Weinlesecamp da und werden nächste Woche abreisen. Ich selbst bin dann ja auch auf der CPT-Inforeise. Wo wir auch wieder dieses Arabengdeutsch sprechen werden.

„Yalla!“ ruft Daher. „Yalla“ ist ein Universalwort, wie , „Vamos“ (spanisch), „Yaha“ (guarani), oder „Pack‘ mer’s!“ (bayerisch). Es bedeutet alles zwischen, „gehen wir“, „fang an“ und „beeil dich“.

„schwaie, schwaie“ ist das Gegenteil und entspricht dem paraguayischen „tranquilo“ ziemlich genau. Oder dem tilheinschen „Lieb sein, lieb sein“

Ansonsten ist mein Arabischvokabular nicht existent noch sehr eingeschränkt.

Aber mit meinem Arabengdeutsch komme ich wohl vorerst zurecht.

GYS vorbei

Der zweite Weltjugendgipfel der Mennos war ein super Wochenende!

Ich habe super Leute kennen gelernt und es war ein toller Anfang für die Weltkonferenz, die heute beginnen wird.

Ein paar Bilder kann man hier finden, es waren laut ein paar Leuten, mit denen ich sprach 700 Teilnehmer!

Das Motto „Dienen: Lebe den Unterschied!“ hatte mich sehr gereizt, aber er kam in den kleinen Gesprächen besser raus als im offiziellen Programm, wobei die Delegierten in ihrem Programm vielleicht mehr darüber machten.

Morgens und abends leitete jeweils ein Kontinent den Gottesdienst. Am eindrücklichsten war für mich der nordamerikanische Gottesdienst, in dem die Delegierten aus Kanada  und USA für die Politik ihrer Länder und die teils arrogante Art wie ihre Kirche bis jetzt aufgefasst hat für Vergebung bat.

Mein Mund brauchte eine ganze Weile bis er sich wieder schließen konnte. So viel Einsicht hätte ich nicht von ihnen erwartet und ich vergab ihnen von ganzem Herzen – auch wenn ich weniger Anlaß dazu hatte als die südlichen Kontinente… Da aber niemand öffentlich reagierte ging Micky dann auf die Bühne und sagte, wie sehr es sie bewegt hatte und vergab ihnen – in kleineren Gespärchen ist glaube ich noch viel passiert.

Ich traf viele junge Menschen, die eine andere Hautfarbe, Kultur und Sprache haben als ich und dennoch meine Überzeugungen teilten, die Jesu Joch auf sich nehmen und ihm folgen wollen, woher er geht. Und ich traf leider auch einige, die meine Hautfarbe hatten, in meiner (oder einer ähnlichen) Kultur lebten und meine Sprache sprachen, für die es nur eine Gelegenheit war ein paar ihrer Freunde zu treffen, die wie sie waren.

Dank meiner Sprachkenntnisse konnte ich oft im interkulturellen Dialog helfen und spanisch-deutsch, oder spanisch-englisch (selten auch englisch-deutsch) dolmetschen

Ich traf viele bekannte Gesichter, aber ich fand nicht die Zeit mich mit ihnen zu unterhalten, weil ich immer irgendjemand traf, den ich nicht kannte und der eine interessante Geschichte hatte.

Am letzten Tag wurden uns die Ergebnisse der Delegierten vorgestellt, woraus sich noch eine interessante Diskussion über Frieden und Military Counseling Network ergab – es scheint das MCN in den USA noch ein wenig unbekannt ist… Daran nahmen aber wenige Teilnehmer teil, weil es zeitgleich mit dem Essen war, wie unterschiedlich doch manche Prioritäten sind.

Als der GYS schließlich war, kamen Freiwillige von einer anderen Organisation, um die Bühne anzubauen, außer mir wollte niemand ihnen helfen und die Theorie des Gipfels in die Praxis verwandeln.

metalinguistische Reflexionen – übersprachliche Betrachtungen

Eine Sache, die mich an der Schule besonders aufregt, ist, sind Definitionen und der ständige Gebrauch von einsprachigen Wörterbüchern. Den größten Teil des tatsächlichen Unterrichts schreiben wir einfachste Erklärungen von Begriffen ab und  bei jedem Text benutzen meine Klassenkameraden Wörterbücher, um die komplizierteren Begriffe zu verstehen. Das hört sich jetzt sehr arrogant an: Ben regt es auf, dass andere nicht alles sofort verstehen. Aber so meine ich das gar nicht.

Meine Kritik bezieht sich auf zwei Punkte. Erstens finde ich die Schule müsste Kindern beibringen einen Text zu verstehen, auch wenn man nicht alle Wörter kennt und diese aus dem Zusammenhang erschließen. Zweitens hatte ich an die Abschlussklasse irgendwie höhere Erwartungen.

Als ich weiter über das Problem nachdachte stellte ich eine weitere Schwierigkeit fest:

Spanisch ist eine romanische Sprache und daher sehr vom Latein geprägt. Als Lateinschüler merke ich dies und es hilft mir enorm beim Verstehen von Texten; dazu kommt noch, dass die Fachbegriffe diesselben wie im Deutschen sind, nur mit spanischen Endungen. Sie kommen aus Latein, Griechisch (und Hebräisch), den klassischen Sprachen des Abendlandes.

Die Alltagssprache jedoch ist weniger romanisch und hat viele iberische Wörter, hier in Paraguay auch noch Guaranieinflüsse.

Außerdem hat ihnen niemand gezeigt Wortteile, die eine immer gleichbleibende Bedeutung haben zu erkennen und sich daraus den Sinn eines Wortes zu erschließen.

Der wichtigste Punkt allerdings ist, dass es im Deutschen zu fast jedem (klassischen) Fremdwort ein „deutsches“ Synomyn gibt, das an sich den Begriff schon erklärt. So zum Beispiel Präsenz-Gegenwart, realisieren-verwirklichen, Ministerium-Dienst, Moment-Augenblick (in Ordnung, da hat sich die Bedeutung leider ein wenig verändert), Quantität-Menge, Qualität-Güte, die Liste kann man ewig weiterführen.

Dieses umfangreiche Vokabular-Wortschatz an Synomymen-Zwillingswörtern haben wir den Sprachgesellschaften zu verdanken, die während der Aufklärung überall gegründet wurden, zu verdanken. Diese machten es sich zur Aufgabe, die teutsche (wie man es damals noch nannte) Sprache vor allem von lateinischen, griechischen und französischen Begriffen zu reinigen, wobei sie es manchmal ein wenig übertrieben, beziehungsweise keine guten neuen Wörter fanden: Tageleuchter für Fenster, Jungfernzwinger für Nonnenkloster, Zitterweh für Fieber, Löschhorn für Nase, Meuchelpuffer für Pistole. Meistens übersetzten sie das Wort aber einfach nur ins Deutsche

Manchmal haben die Fremdwörter aber auch eine andere Konnotation-Beiklang, wie zum Beispiel in Kollaborateur und Mitarbeiter

So viel zur Vergangenheit. Heutzutage haben wir dank Internet(-Zwischennetz?), Rock-(Fels?) und Rap- (Vergewaltigung??!!)Musik viele Anglizismen wie cool, und Homepage, die wir alle benutzen.

Ist auch nicht schlimm, bloß was wird aus unserer Muttersprache?

Dazu kommt noch eine viel bedenklichere Sache: Große Zeitungen, wie die ZEIT und Süddeutsche nennen in ihrer Netzausgabe die Übersetzung des Begriffes Homepage in Heimatseite beim Netzauftritt der NPD „krampfhaft“ (ich finde den Artikel leider nicht mehr – habe also keinen Beleg dafür, kann mich aber genau dran erinnern). Bin ich jetzt ein Nazi, weil ich die deutsche Sprache erhalten will?!

Nein, bin ich nicht. Erstens lege ich Wert auf deutsche Sprache, nicht auf Nationalstaat, oder Ariertum, was weder die aktuellen Skinheads – dann müssten sie sich nämlich Hautköpfe nennen -, noch ihr großes Vorbild Adolf tun. Dieser wurde nämlich vom Allgemeinen Deutschen Sprachverein (ansonsten leider große Verehrer des Deutschtums) wegen seinem exzessiven-ausschweifenden Gebrauch von Fremdwörtern kritisiert-gerügt, worauf dieser sie durch einen Erlass quasi-sozusagen verbot.

Also was haben wir gelernt? Fremdwörter sind gut, wenn man will, dass einen niemand versteht, aber manchmal sollte man auch verständliche Wörter benutzen, damit wir unsere Zeit nicht mit Definitionen abschreiben verschwenden.