„Was fällt Ihnen eigentlich ein, die Polizei in Frage zu stellen?“

Das wurde mein Vater heute gefragt, als er die Vertreter der Staatsgewalt daraufhin wies, dass sie Unrecht hatten.

Aber erstmal die ganze Geschichte:

Wir liefen gerade durch Augsburg, als plötzlich ein Polizeiauto durch die Straße fuhr und ein Beamter einen ausländisch aussehenden Fahradfahrer anschnauzte: „Hier ist eine Einbahnstraße! Sie müssten eigentlich 15€ Strafe bezahlen!“

Der irritierte Mann stieg von seinem Rad ab und schob weiter. Wir liefen verwundert weiter, weil Wolfgang sich sicher war, dass die Einbahnstraße wegen Bauarbeiten zur Sackgasse geworden war und deshalb in beide Richtungen geöffnet war, und die Polizist kam ihrer „Pflicht“ weiter nach und ermahnte reihenweise die Radfahrer.

Als wir das Ende der Straße – von wo das Polizeiauto gekommen war – erreichten, sahen wir folgende Schilder:

schilderdschungel

Interpretation: Die Einbahnstraße ist aufgehoben, es ist eine Sackgasse, in welche die Einfahrt verboten ist, aber Anlieger sind frei.

Lachend beschlossen wir, die Reaktion der Staatsgewalt abzuwarten, wenn sie das einstweilige Ende der Straße (die Sackgasse) entdecken würde. Doch diese war damit beschäftigt, aus ihrem Fahrzeug lässig Bürger zu belästigen, und irgendwann hielt mein Vater es nicht mehr aus, ging zu ihnen hin und machte sie darauf aufmerksam, dass aus der Richtung, aus der sie gekommen waren, das Einbahnstraßenschild durchgestrichen war.

Die Antwort steht oben.

Nun bringt mich das zum Nachdenken. Was fällt mir eigentlich ein, die Polizei in Frage zu stellen?

Wie wäre es damit:

-Es ist das Recht eines jedes Bürgers, Widerstand zu leisten, wenn er vom Staat unterdrückt wird (so ungefähr in Art.20§4 des Grundgesetzes(GG))

– In Deutschland herrscht laut Art.5 des GG Meinungsfreiheit

– Die Polizisten haben in diesem Fall unsinnig gehandelt und damit Steuergeld verschwendet, als Steuerzahler ist es unser Recht und Pflicht, auf solche Verschwendung aufmerksam zu machen und sie zu unterbinden

All meine Vorurteile gegenüber der Polizei wurden mal wieder bestätigt – sind es am Ende gar keine?

Anlieger freiabsteigen, aber man darf durch

Hier der Schilderdschungel von der anderen Seite, der es deutlich macht, dass man als Fahrradfahrer zwar zwischendurch absteigen müsste, aber passieren dürfte. Die Stelle, wo man absteigen sollte, war vom Standpunkt des Polizeiautos gar nicht einsehbar, also konnten sie gar nicht nachweisen, dass ein Vergehen vorliegt. Der Verkehrsfluss verlief die ganze Zeit ohne Probleme und entlastete eine andere Straße, so dass Radfahrer sicher fahren konnten..

Räuber Hotzenplotz und Rückblende

Die Sendungen der Augsburger Puppenkiste sind mir neben „Sendung mit der Maus“ als DAS Fernseherlebnis meiner Kindheit in Erinnerung geblieben – man merkt, ich bin ohne Kabelfernsehen groß geworden.

Als wir beschlossen nach Augsburg zu fahren, war – trotz Jakob Fugger und der Täufergeschichte, die dort mit dem Blut der Märtyrer geschrieben wurde – meine erste Assoziation: „Da ist doch die Puppenkiste!“

Und so waren wir heute im „Räuber Hotzenplotz“. Das typische Publikum bestand aus Großeltern, oder Eltern und Kindern zwischen 4 und 10. Ich fiel da irgendwie raus…

Die Interpretation war voll von bayerisch sprechenden Marionetten (außer dem intellektuellen, großen, bösen Petrosilius Zwackelmann) und Liedern.

Großmutter und Räuber HotzenplotzIrgendwie erinnerte mich die ganze Vorstellung zum Einen an meine Kindheit, aber unerwarteterweise auch an meine Brüder Martin und Joel, die mir das ganze mit ihren eigenen Puppen vorgespielt hatten und ich hatte ihnen das Buch von Ottfried Preußler vorgelesen.

Ihr fehlt mir…

In der israelitischen Kultusgemeinde

Heute war ich zum ersten Mal in einer Synagoge.

Davor sah ich mir die Dauerausstellung über die jüdische Geschichte im Raum Augsburg und die Wechselausstellung „(M)Ein gewisses jüdisches Etwas“ an. Zu jener hatte das Kulturmuseum einfach dazu aufgerufen etwas, was für die Besucher typisch jüdisch ewar mitzubringen und die Geschichte dazu aufzuschreiben.

Am bewegendsten fand ich die Geschichte einer jungen Frau, die das Nachthemd ihres Großvaters gebracht hatte. Die Geschichte dahinter war die folgende:

Der Großvater war immer sehr distanziert und die Enkel konnten nie richtig in Kontakt mit ihm treten, obwohl er sie auf Reisen einlud. Er zeigte sich auch immer nur im Anzug und gab ihnen förmlich die Hand. Selbst vor seinem alten Haus in Augsburg, dass er wegen der Verfolgung durch die Nazis Richtung USA verlassen musste konnte der gehemmte Mann nichts aus seiner Vergangenheit erzählen.

Dann erkrankte er an Demenz, vergaß seine Gehemmtheit und sprudelte nur so vor Geschichten und umarmte seine Enkelkinder.

Die junge Frau war sehr dankbar dafür, dass sie so richtig mit ihrem Großvater in Kontakt treten konnte.

Die Synagoge durfte ich nur mit Kopfbedeckung betreten. Zum Glück gab es Papierkippas, die ich gleich mitgenommen habe.ich mit Kippa und Schläfenlocken

Die Synagoge war trotz der schwarzen Steine hell und ich fühlte mich mit meinen geistlichen Vorfahren verbunden. Ob die Synagogen, in denen Jesus predigten aussahen wie diese hier?

Das Bild vom Inneren habe ich nicht selbst gemacht, photographieren ist im gesamten Bereich leider verboten.

Als wir noch einen Cappuccino im Cafe der Kultusgemeinde tranken und überlegten, ob wir koschere Gummibärchen kaufen sollten, hörten wir einem Gespräch zu, in dem zwei Kinder eines im 3. Reich aus Augsburg vertriebenen Juden, von ihrem Vater berichteten und eine Frau vom Museum protokollierte es und versuchte mehr über ihn zu erfahren. Eine der ersten Fragen: „War er ein säkularisierte Jude, oder ein orthodoxer?“

Antwort: „Er spendete der Synagoge Geld.“

Frau vom Museum: „Also säkularisiert.“

Eine kurze Bemerkung zum Titel: „Israelitische Kultusgemeinde“ steht am Eingang. Die Synagoge ist nur der Gottesdienstraum, der Rest nicht.

Zum Staat Israel gab es keine Aussage.

Gigantische Gartenzwerge

Gestern war unser erster Tag des Familienurlaubs in Augsburg. Beim Spaziergang betraten wir den Bischofsgarten, in dem nun auch der gemeine Pöbel wandeln darf und auf den Bänken oder gar im Gras mit einem Buch aus dem öffentlichen Bücherschrank dort entspannen darf. Ein Relikt aus den Zeiten, als dort nur der Bischof von Augsburg spazieren durfte, sind diese sechs Zwerge, die es ihm angetan hatten:

Zwerg #1Zwerg #2

Zwerg #3Zwerg #4

Zwerg #5Zwerg #6