Außerhalb des Kleiderschranks

In meinen Gesprächen mit alten Freunden und wenn ich zu all den alten Orten gehe fühle ich mich, als sei hier keine Zeit vergangen. Viele meiner früheren Klassenkameraden studieren jetzt, oder arbeiten, und doch mir kommt es so vor als hätten sie sich nicht verändert.

 

Ich bin aus Narnia durch den Wandschrank wieder in die echte Welt getreten und während dort ein Jahr verging, ich zahllose Abenteuer erlebte und in der Zeit gealtert bin, sind hier nur ein paar Augenblicke vergangen. Die Erinnerungen bleiben bei mir, aber wie Lucy, die in Narnia zur Frau wurde, bin ich hier doch nur ein Kind und falle sofort in alte Verhaltensmuster zurück, weil die Menschen um mich herum sich exakt wie früher verhalten.

Wenn Palästina mein Narnia war und hier alles gleich geblieben ist, waren meine Erfahrungen überhaupt wirklich? Wenn ich von dem erzähle, was ich gesehen und getan habe, habe ich das Gefühl, dass die Leute zögern mir zu glauben. Sie vertrauen mir, aber meine Worte scheinen einfach zu unglaublich. Wird meine Geschichte dadurch nicht in gewisser Weise zum Märchen? Ist das nicht das, was ein Märchen zum Märchen macht? Geschichten, die wir nicht wagen, zu glauben? Wir würden es nicht aushalten, in einer Welt zu leben, in der es Hexen gibt und sprechende Wölfe, die unsere Großmütter fressen. Aber es gibt Eltern in unserer Welt, die ihre Kinder in den Wald schicken und hoffen, dass sie niemals wieder kommen, sei es, weil sie sie nicht versorgen können, oder weil sie die Liebe für sie nicht aufbringen können.

Und ist es nicht schlimmer in einer Welt zu leben, in der es zwar keine Hexen gibt, dafür aber immer noch Apartheid, Atombomben und Bulldozer, die Häuser zerstören?

Vielleicht fragen mich die Menschen deshalb nicht, und vielleicht will ich deshalb nicht erzählen, wenn sie fragen. Frag nichts und erzähl nicht. Don’t ask, don’t tell. Was in der US-Armee funktioniert hat, funktioniert auch für mich. Ich möchte deine Feier nicht zerstören, wenn ich dir von all den schrecklichen Dingen erzähle, die ich gesehen habe. Und noch weniger möchte ich sehen, wie du weiter lächelst, wenn ich dir davon erzähle.

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