Warum streiten sich Linke und (evangelikale) Christen eigentlich immer?

Zwischen der politischen Linken (nicht der Partei, die den Namen übernommen hat, als stünde sie für alle Linken, dazu später mehr) und vielen Christen, besonders in evangelikalen Kreisen herrscht tiefe Feindschaft. Sind die einen für die Wahlfreiheit zur Abtreibung, dann sind die anderen für das Leben (also gegen Abtreibung, warum ist eigentlich nie jemand dagegen, dazu später was). Mehr christliche Werte in der Politik, oder mehr Trennung von Staat und Kirche. Die Beispiele sind mannigfaltig.

Worauf ich aber hinaus wollte, ist: Eigentlich sind sich beide ziemlich ähnlich. Bis in die kleinsten Details.

  1. Beide haben Erlöserfiguren (Marx und Jesus) und Endzeits- („Apokalypse“ und „Weltrevolution“), sowie Erlösungsvorstellungen („klassenlose Gesellschaft“ und „neuer Himmel und neue Erde“, „das neue Jerusalem“)
  2. Beide haben diesen Anspruch die Welt zu verbessern, denken aber auch, dass die Welt in den Abgrund geht.
  3. Beide haben einen gewissen Hang zum Fatalismus. (dialektischer Materialismus und Gott als Herr der Geschichte)
  4. Beide meinen, dass eigentlich alle anderen Leute besser täten, ihre Wahrheit anzunehmen.
  5. Beide spalten sich über Lehrmeinungen dauernd auf und benutzen ihre Macht größtenteils dazu die anderen Splittergruppen zu diskreditieren.
    (Stalinisten, Leninisten, Maoisten, Trotzkisten, Anarchisten, darunter: rote Anarchisten, grüne Anarchisten, rosa Anarchisten in der Kirche vor allem seit der Reformation: Lutheraner, Calvinisten, Reformierte, Mennoniten, Amish, Mennoniten-Brüder, Baptisten, Southern Baptists, … heutzutage heißt fast jede Gemeinde unterschiedlich!)
  6. In beiden wählen die Splittergruppen Namen, die implizieren, sie verträten alle aus der Gesamtgruppe (DIE Linke, katholisch (allumfassende), orthodox (rechtlehrend), evangelisch (glauben die anderen nicht an die Gute Nachricht?) Baptisten (taufen nicht alle Christen?) )
  7. Beide definieren sich stark über Abgrenzung: anti-faschistisch, -kapitalistisch, -klerikal, -sexistisch und Absprechung des Heils anderer Christen z.B.: „Der Papst ist der Antichrist“, weitverbreiteter anti-Kommunismus.
  8.  Beide wollen zwar die Massen erreichen, haben aber Berührungsängste mit allen, die nicht ihrer Lehrmeinung sind und treten mit diesen nur in Beziehung, um sie zu verändern, ja nicht, um selbst verändert zu werden.

Wahrscheinlich ist der letzte Punkt der, der dafür gesorgt hat, dass beide ihr Ziel immer noch nicht erreicht haben.

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