Tempus fugit

Gerade eben habe ich Micky zum Flughafen gebracht, wo wir noch einige andere Leute von der Weltkonferenz getroffen haben.

Jetzt sitze ich zu Hause und merke, das ich selbst nur noch sechs Tage in Paraguay habe!

Es ist so viel passiert in der ganzen Zeit, dass mir manches viel weiter wegscheint, als es eigentlich ist – vor 29 Tagen war ich noch in der Schule!

Ich hoffe die verbleibende Woche noch nutzen zu können, um mich nochmal mit meinen Freunden treffen zu können – und nicht zu viel Zeit in Neu-Bammental zu verbringen. Jetzt ist Barbara da und morgen kommt noch Cornelia an; dass sind schon 4% der Bammentaler Mennogemeinde!

Eindrücke von der Weltkonferenz

Die Weltkonferenz ist zu Ende und ich hatte weder Zeit, noch Lust, noch Möglichkeit euch aktuell auf dem Laufenden zu halten weswegen ich nun nur noch Geschichten erzählen will, die mich bewegt haben und einen guten Eindruck von der Vielfalt und Widersprüchlichkeit der 15. Versammlung der Mennonitischen Weltkonferenz (MWK) vermitteln:

Am Dienstag kam ich mittags beim Centro Familiar de Adoración an, mogelte mich mit meiner Teilnehmerkarte von Jugendgipfel durch die Menschenschlange an den „Dienern des Friedens“, Schüler, die freiwillig die ganze Konferenz hindurch schufteten, um uns einen schönen Kongress zu ermöglichen und teilweise keinen einzigen Gottesdienst mitbekamen.

Beim Anblick dieses riesigen zehntausend Leute fassenden Betonklotz war mein erster Gedanke: „Wie schön meine Gemeinde in Bammental doch ist; mit ihren vierzig Gliedern“ – andere dachten; „Was haben wir falsch gemacht, dass unsere Gemeinden nicht so groß sind?“

Das Gebäude sollte zwar schon lange fertig sein ist es aber nicht, weshalb wir Mennos sozusagen die Megachurch der Pfingstler eingeweiht haben. *strike!*

Von Anfang an legten die Veranstalter viel Wert auf Seuchenschutz: Es gab kostenlose Maulkörbe und wir wurden angehalten uns mit dem „japanischen Gruß“ (also eine Verbeugung, ohne Hände schütteln, oder ähnliche Freudenfeste für Bazillen und Viren) zu grüßen, was wir in gut mennonitsch-anarchistischer Manier ignorierten und unsere Geschwister herzlichst umarmten. Später erfuhren wir über mehrere Ecken, dass die Regierung den Kongress fast abgesagt hätte, weil sechstausend Mennos aus allen Ecken der Erde, die sich einen Dreck um Vorkehrungen sorgen für eine Woche auf einem Haufen sind und danach wieder in ihren Winkel der Erde ziehen, für Epidemologen ein Albtraum sind, aber die Organisatoren versprachen alles zu tun und wir Teilnehmer beteten und vertrauten auf den Herrn, der uns die Gemeinschaft so bestimmt nicht vermiesen wollen würde – worauf dann ja auch nichts passierte.

Die ersten drei Bibelarbeiten/Predigten wurden von Frauen gehalten, was einige Leute zum Verlassen der Konferenz anregte, oder zu der Furcht die Emanzen würden hier alles übernehmen; glücklicherweise gab es aber auch einige Lateinamerikaner, die das gar nicht störte – der große Sturm der Empörung blieb bis jetzt aus; es gibt Hoffnung.

Der Werkstätten (Workshops) waren derer so mannigfaltig, dass ich mir oft wünschte, der Herr möge die Sonne nicht untergehen lassen, auf dass ich mehr besuchen könnte.

Ricardo Esquivia

Am Mittwoch forderten mich Ricardo Esquivia, Gründer von Justa Paz in Kolumbien und danach die Church Communities International, vormals bekannt als Bruderhof, mit ihrer noch radikaleren Hingabe zu Gütergemeinschaft, als wir in der Hausgemeinschaft.

Nzuzi Mukawas Predigt am Mittwochabend, darüber, dass der Weg Jesu ein Weg ist, der Gerechtigkeit schafft, hat mich beeindruckt und zum Handeln animiert, weil sie so klar die Ungerechtigkeit in der Welt und in der mennonitischen Kirche aufgezeigt hat und sogar vor sexueller Gewalt, internationalen Schulden, und Sexismus nicht Halt gemacht hat, – andere hat sie aufgeregt, weil sie ein Rundumschlag gegen alles Ungerechte war und keine Hoffnung vermittelt hat.

Donnerstagmorgen führten uns die mennonitischen Ojibway und Cheyenne in ein Dankgebet für die Natur in Stein, Pflanzen, Bäumen und Tieren und für die verschiedenen „Menschenrassen“, mit ihren verschiedenen Begabungen.

Während der Morgenandacht war es plötzlich stockfinster – Stromausfall. Zunächst waren alle ganz still, dann fingen Leute an mit Blitzlich die Dunkelheit zu fotographieren und ich fürchtete epileptische Anfälle, oder Panik, aber dann kam das Musikteam auf die Bühne und wir sangen mit Klavierbegleitung, das man auch ohne Strom hören konnte und es war so schön, dass ich ein wenig traurig war als das Licht wieder anging und der Gottesdienst fortfuhr. Video hier.

Ricardo Esquivia interessierte mich derart, dass ich gleich nochmal zu einem seiner Vorträge ging und Unglaubliches über die Erfolge und Schwierigkeiten in einem Projekt mit Gangmitgliedern in Honduras erfuhr – was alles passieren kann, wenn man die „Bösen“ als Menschen wahrnimmt.

Die Predigt von Donnerstagabend hatte ich schon lange erwartet: Dietrich Pana, ein Indigena aus dem Chaco mit deutschklingendem Namen – die Indigenas haben einige Namen von den mennonitischen Einwanderern übernommen; „Pana“ ist die phonetische Schreibweise von „Penner“ (typischer Menno-Name) in plattdeutscher Aussprache – predigte über Apostelgeschichte 2, 46-47, dass die erste Gemeinde sich täglich im Tempel und in Häusern traf und täglich wuchs; ein Vers vorher kommt die Gütergemeinschaft vor.

Den Kopf voll der latent, oder offen rassistischen Aussagen, die ich von allen Seiten unter den Mennoniten übereinander hier gehört habe, und der himmelschreienden Ungleichheit zwischen Indianermennoniten, Mestizen-Mennoniten Mennisten (plattdeutsch für die deutschsprechenden Einwanderer in den Kolonien – ein tolles Wort mit langer Geschichte, die Papa bestimmt in einem Kommentar erklären will, das ich in Zukunft verwende) erwartete ich eine anklagende Predigt über die Ungerechtigkeit und Vernachlässigung ihrer Geschwister seitens der Mennisten.

Aber Bruder Pana ging nicht wie so viele andere Redner auf Konfrontationskurs, sondern betonte die Gemeinschaft unter den Gläubigen und erzählte wie in vor dem Gebäude ein Polizist gefragt habe, ob er (als Indigena) auch „menonita“ sei, was sich in Paraguay eigentlich nur auf die Mennisten bezieht, und er antwortete „mit der Kraft des Heiligen Geistes: JA, ICH BIN MENNONIT“ – ich schmunzelte und freute mich über dieses Symbol, Alfred Neufeld, der in meiner Nähe saß, lachte so laut los, dass einige Europäer ihn sehr verwundert ansahen und jeder Paraguayer hatte es kapiert: Mennonit sein hat nichts mit der Hautfarbe, oder der Sprache zu tun. Es ist der Glaube an Jesum Christum und der Wille sein Kreuz auf sich zu nehmen und ihm nachzufolgen.

Die meisten anderen hatten es leider nicht verstanden und waren von der ansonsten etwas simplen Predigt enttäuscht.

Die weiteren Predigten waren auch gut, aber keine hatte mich so bewegt und ist mir so in Erinnerung geblieben, wie Dietrich Panas einfache Verkündigung, dass auch er Mennonit sei.

Am Samstagnachmittag war ich in meines Schwesters Workshop, den sie zusammen mit Barbara Kärcher hielt: „Arm und Reich in der Familie des Glaubens“ – aufgrund starker Nachfrage beim ersten Mal (hundert Leute, in einem winzigen Raum und Leute, die weggeschickt werden mussten) wiederholt. Was sie sagten war sehr gut, nur war meine Kleingruppe sehr frustrierend, weil die Reichen nicht zu den Armen durchdrangen und umgekehrt. Wenigstens war ich nicht in Leonis (meine Gastmutter) Gruppe, wo eine Frau aus dem Chaco behauptete Arme seien nur zu faul zum Arbeiten, und vor sonstigen Vorurteilen nur so strotzte. Wie Leoni die Ruhe bewahrte so gelassen ihr Weltbild zu sprengen, weiß ich nicht – wahrscheinlich, weil Leute aus Costa Azul (unserer Gemeinde hier) da waren.

Der Samstagabendgottesdienst war der eigentliche Abschlussgottesdienst, mit einer sehr guten Predigt von Danisa Ndlovu, dem neuen Präsident der MWK und einem bewegenden Abendmahl, bei dem wir uns als ein Leib fühlten, gebrochen für die Welt.

Und als Lied danach „Wir werden auferstehen“!

Die Lieder waren sowieso genial; manchmal vielleicht schlecht zum Zusammenhang (nach der niederschmetternden Predigt aus dem Kongo, ein fröhliches Lied – nur, weil es auch dort her kommt) aber vom Text her genial, wie „Die Engel wurden nicht geschickt die Welt zu ändern, das ist Aufgabe der Menschen“ und die Musikgruppe stimmte sich durch die Instrumentenwahl und die Art des Singens unglaublich gut auf die Kultur, aus der das Lied kam ein.

Der offizielle Anschlussgottesdienst hat mich eher enttäuscht, auch wenn ich verstand warum man es so gemacht hat, wie es dann war:

Die paraguayischen Gemeinden hatten diesen Gottesdienst organisiert, weshalb sie ihre Lieder sangen und nicht die Weltkonferenzlieder, die mir so gefallen hatten. Deshalb waren es auch andere Moderatoren, die mir zu viel Show machten.

Die „Geste des Friedens“ zwischen einem Mennisten, dessen Bruder beim Missionsversuch vor mehr als fünfzig Jahren (?) von einer kriegerischen Indigenagruppe ermordet wurde, und einem Indigena aus dieser Gruppe fand ich sehr gestellt und empörend: zum einen, weil der Moderator zweimal (!) den Indigena als „Indio“ bezeichnet hat – was ungefähr mit einem Farbigen in den USA „nigger“ zu nennen. Zum anderen sagte der Indigena die ganze Zeremonie kein Wort und er übergab dem Mennisten einen Speer, was für mich ein Symbol der Machtübergabe war – hätten sie den Speer doch zerbrochen, oder eine Sichel d‘raus gemacht!

Alfreds Predigt war ziemlich gut, nur hätte sie nicht von Liedern unterbrochen werden müssen, deren Texte zwar schön waren, was den nicht Spanischverstehenden aber nichts brachte.

Ein klein wenig stolz bin ich auch berichten zu dürfen, dass ich mir nur ein einziges Mal Übersetzung holte – bei Dietrich Panas Predigt -, diese aber gar nicht benutzte, weil der Empfang so schlecht war.

Die Weltkonferenz war auf jeden Fall ein einschneidendes Erlebnis für mich, denn ich habe viele junge und alte Geschwister kennengelernt, die Jesus nachfolgen, wohin er sie führt und mit denen ich in Kontakt zu bleiben hoffe. Ich habe viele Denkanstöße und Ermutigungen bekommen, die mein Gehirn immer noch nicht zur Ruhe kommen lassen und mich hoffentlich noch lange beschäftigen.

Natürlich war es auch ein Ort die erweiterte Familie zu treffen, sowohl biologisch, als auch hausgemeinschaftlich:

ein Teil der Hausgemeinschaftsfamilie: Wiensens, Elizabeth(!), Micky und ich

Leider müssen wir noch mindestens sechs Jahre auf die nächste Konferenz warten – ich hoffe dich dort zu sehen!

War ja gar nicht so schlimm

Heute abend, als ich gerade mal wieder diese Seite hier auffrischen wollte, weinte Ana plötzlich.

Das ist an sich nichts besonderes, sie weint wegen vielen Dingen, außerdem streiten Joel, Martin und Ana sich fortwährend, weshalb eigentlich immer einer von ihnen flennt. Deswegen ging ich auch nicht nachsehen, vor allem, weil Robert und Leoni ja auch da waren und es ja eigentlich deren Verantwortung ist nachzusehen, was jetzt schon wieder passiert ist.

Das taten sie dann auch und irgendwann hörte ich mit einem Ohr den Halbsatz: „Dann muss Benni halt auf euch aufpassen“ und jetzt musste ich mal schauen, was eigentlich los war, und weshalb Ana immer noch heulte.

Ich fand eine blutüberströmte Ana auf Leonis Schoß vor, einen heulenden, verstörten Joel, einen leicht besorgt blickenden Martin und Robert und Leoni, die ziemlich ruhig waren und erkärten, jetzt müsse man halt ins Krankenhaus fahren. Was sie dann auch taten. Wir Jungs blieben daheim und beteten erstmal für Ana, dankten Gott, dass sie nicht ihr Auge verletzt hatte (die Platzwunde war auf denBrauen, knapp neben dem Auge) und baten ihn, dass alles gut wird. Ich wusste immer noch nicht, wie das eigentlich passiert war, also erzählte mir der etwas ruhiger gewordene Joel, dass Ana draußen auf eine Kante gefallen war.

Um die Kinder abzulenken, räumten wir das Wohnzimmer auf und spielten dann Carcasonne, bei dem ich verlor(!) und Martin zweiter wurde ohne zu heulen(!!!). Als die beiden schließlich geduscht hatten, kamen die anderen schon wieder und erzählten uns, dass die Ärztin die Wunde mit Alleskleber zusammengeklebt hatte!!! Das war übrigens kein Witz. Aber anscheinend funktioniert das ganz gut. Und hier ein Bild von der da schon wieder lachenden Ana, die im Moment gerade wieder weint. Es ist also alles wieder normal…

Ana mit Pflaster, Blutflecken und Lächeln

Heute beim Abendessen:

(Robert erwidert auf einen Vergleich Martins von „Dulce de Leche“ (paraguayischer Brotaufstrich) mit Kot er möge dies doch bitte genauer erklären. Martin lacht.)

Ich (erstaunt): Verstehen eure Kinder Ironie?

Robert: Ich glaube schon.

Ich: Meine (Ironie) meistens nicht.

Martin (verwundert): Hast du Kinder?

Dieser Spruch hat ungefähr tausend andere Fäkalienwitze zu viel zu früher oder später Stunde wettgemacht. Danke Martin!

Komisch, beim zweiten Mal ist das Scheißewegwischen gar nicht so schlimm, aber weinende Verlierer nerven

Heute halten Robert und Leoni ein Eheseminar ab und ich passe auf die Kinder auf. Nach meiner traumatischen Erfahrung (siehe Link) fragten sie mich natürlich mehrmals, ob das nicht eine Überforderung wäre und sie nicht lieber jemand anderes fragen sollten, aber das konnte ich natürlich nicht auf mir sitzen lassen und bestand jedes Mal darauf, dass ich natürlich diese Bürde auf mich nehmen würde.
Um sieben Uhr abends war es dann schließlich soweit, Kinder hüten, der zweite Versuch. Ich hatte ihnen vorher schon erklärt, wie der Abend ablaufen würde, dass wir nach dem cena (Abendessen, Joel und Martin reden teilweise Spanisch miteinander) ein Schach (mit Joel) spielen würden und dann wahlweise ein Mensch-ärgere-dich-nicht oder ein Fang-den-Hut.
Das Schachspiel verlief sehr anstrengend, weil Joel unbedingt spielen wollte, sich aber nicht konzentrierte, was jeden Lerneffekt unmöglich machte.
Das (von Martin) ausgewählte Fang-den-Hut kannte ich nicht, muss man aber auch nicht. Im Großen und Ganzen geht es darum die Spielfiguren der anderen zu fangen in dem man auf ihr Feld kommt. Ana, die am Anfang mitspielte entschied schließlich, dass sie die Hüte lieber als Krallen an ihren Fingern hätte und Martin konnte seinen zweiten Platz von den restlichen immerhin drei nicht fassen und ergab sich in exzessiven Selbstmitleid, bis ich ihm schließlich erklärte ich würde nicht mehr mit ihm spielen, wenn er immer weinen würde, wenn er verliert. Diese Vorstellung fand er schlimmer und nahm sich zusammen.
Jemand anderes nahm sich aber nicht zusammen und beförderte ihre Essensreste wieder in den dafür entworfenen Beutel um ihre Lenden – ich spreche natürlich von Ana – aber es war dies mal erstaunlicherweise weniger schlimm, vielleicht, weil es weniger alt war.
Dann mussten sie sich bettfertig machen und ich musste ein ganzes Kapitel von Michel von Löneberga vorlesen (ungefähr 25 Seiten). Aber dann waren alle müde genug und jetzt kann ich hier über Sachen schreiben, die euch mehr oder minder interessieren.

Endlose Schachspiele und traumatische Erlebnisse

Ich bin heute erstaunlich früh, nämlich um 8 Uhr (in Europa 12 Uhr), aufgewacht und habe mich auch sonst schon relativ gut an die Zeitumstellung gewöhnt.
Nach dem Frühstück musste ich fünfmal gegen Joel Schach spielen, was vielleicht daran liegt, dass er viermal in Folge gewonnen hat, was teils in meiner Unachtsamkeit, aber auch zum großen Teil in seinem Können begründet liegt.
Nachdem ich ihn einmal besiegt habe, hatte er dann aber erstmal keine Lust mehr 😉 .
Das Spiel gegen Martin lief schneller aber auch dramatischer ab, nach seiner leider allzu klaren Niederlage brach er in Tränen aus und ich musste ihm versprechen nicht mehr so fies (sprich normal) zu spielen, aber wenn er mir eine Figur wegnimmt lacht er ganz dreckig, der kleine Schlawiner.

Als Robert dann nach einer Konfliktintervention wiederkam, machten wir uns auf zum Centro Educativo Ñandejara, ich habe natürlich vergessen meine Papiere mit zu nehmen, weswegen wir unter anderem morgen noch mal hin müssen, oder meinen Fotoapparat bei mir zu tragen, weswegen ich euch (noch) keine Bilder präsentieren kann.
Der andere Grund warum wir morgen wieder hinmüssen ist, dass bei der Anmeldung Unterlagen erforderlich sind, von denen noch nie die Rede war, Original der Geburtsurkunde zum Beispiel, die werden hier anscheinend geradezu inflationär benutzt.
In der Schule kauften wir aber noch meine Schuluniform – ich habe noch keine Bilder gemacht und jetzt ist es zu dunkel – die aus einer Art Jogginghose, und einem Poloshirt an normalen Tagen und einmal die Woche aus einer blauen Hose, weißem Hemd und einer KRAWATTE (wtf!) besteht, ich weiß noch nicht mal wie man eine Krawatte bindet!!!!
Joel, der in die erste Klasse kommt, muss auch einmal die Woche eine Galauniform, so nennen die die Uniform mit Hose, Hemd und Krawatte hier, anziehen, aber er hat eine besonders tolle Krawatte, die man nicht binden muss, weil sie ein Gummiband oben hat. Auf Nachfrage gab es dieses Modell aber nicht für meine Größe, qué pena!
Außer dem Hemd sind alle Kleidungsgegenstände mit Polyester, was bei dem Klima hier nicht gerade zur Bequemlichkeit beiträgt.

Nach der Schulbesichtigung besuchten wir die Kirche, wo Robert Pastor ist, Fotos werden nach gereicht, und fuhren schließlich heim.
Zunächst hatten wir geplant nachmittags irgendwie wegzufahren, aber wegen dem Fall aus der Gemeinde mussten Robs und Leoni noch mal weg und ich hatte die ehrenvolle Aufgabe auf Joel, Martin und Ana aufzupassen.
Das klappte alles ganz gut, außer, dass ich zum ewig mit dem Playmobil, was ich mitgebracht hatte spielen musste, warum habe ich das mitgebracht, frage ich mich 😉 !
Aber, dann machte Ana in ihre Windel! Na super! Zunächst reagierte ich wie jeder vernünftige Mensch reagieren würde: ich ignorierte das Problem und setzte mich weg von ihr, beziehungsweise sie weg von mir, da sie mich irgendwie für eine Art Kletterburg hält, zum Glück war sie sehr müde und schlief ein ohne sich zu beschweren. So konnten wir alle den Missstand eine gute Stunde ignorieren, während derer ich betete, dass die rechtmäßig zum Beheben dieses Gestanks Verpflichteten bald zurückkehren würden und ihres Amtes walten würden, doch wie so oft wurden meine Gebete nicht erhört um mich, wie manche sagen würden, zu prüfen, oder, wie ich in der Situation selbst zu denken pflege, zu quälen (Diese Situation brachte mich wirklich dazu mir die Theodizeefrage neu zu stellen und mich in eine Reihe mit Menschen, wie Hiob, zu stellen.)
Im Gegenteil, statt der rettenden Erlösung durch die Windelwechsler, wuchs der Gestank und Ana wachte schließlich aus ihrem miefenden Dornröschenschlaf auf, bemerkte selbst wie sehr sie roch, ich glaube immer noch, dass sie durch den unerträglichen Gestank aufwachte, und weinte pausenlos. Diese Kombination von Extrembelastungen für Nase und Ohr konnte ich nun wirklich nicht mehr ertragen und fasste den, wie ich finde, heldenhaften Entschluss Ana und mich von unseren Leiden zu befreien, sprich sie ungefähr neunzig Minuten nach ihrem Geschäft davon zu trennen.

Ich möchte euch die Szene nicht allzu genau beschreiben, da ich gehört habe, dass sich Erbrochenes auf Bildschirmen und Tastaturen nicht allzu gut macht, aber lasst mich euch Unerfahrenen sagen, bekommt niemals Kinder, begebt euch nie in die Nähe der Kinder eurer Verwandten und Freunde, wenn diese gewickelt werden müssen und solltet ihr die erste Warnung übergangen haben, überredet euren Partner mit ALLEN euch zur Verfügung stehenden Machtmitteln, dass ihr niemals für das Wechseln der Windeln zuständig seid!!
Und an euch, die ihr schon einmal, vielleicht sogar mehrfach Windeln gewechselt habt, ihr seid Helden und Mama, Papa ihr habt mir gegenüber wirklich große Liebe bewiesen!
Es ist das Widerlichste, was ich jemals gerochen habe, und ich habe schon einmal einen Furz aus einem Glas gerochen, in das mein Bruder (das will was heißen) zuvor gefurzt hatte!

Eine halbe Stunde später kamen Leoni und Robert zum Glück zurück und ich konnte mich hierher zurückziehen, fern von allen Kleinkindern, die mich zum Riechen an ihren Fäkalien zwingen.

So, jetzt habe ich gegessen, Joel‘s Playmobil-Friedenspfeife wiedergefunden und ein wenig gelesen (Wer bin ich und wenn ja, wie viele?) und jetzt werde ich mal ins Bett gehen.

Gut angekommen und feucht-fröhlicher Empfang

Nach schier endloser Odyssee mit zweimaligem Umsteigen (Madrid und Sao Paolo), Zollkontrollen und einem Treffen mit zwei jungen Damen, die ein FSJ in Mexiko City machen, und mit denen ich ein Mahl teilte, weil sie zum selben Gate wie ich mussten – allerdings ein anderer Flug – kam ich nun endlich in Asuncion an, um dort vom Grenzbeamten unnötig lange aufgehalten zu werden, und schließlich in der Freiheit, Leoni und Joel in die Arme schließen zu können.

Als wir über verworrene Schleichpfade schließlich bei der „Residencia Wiens“ ankamen, wurde mir die nächste Überraschung bereitet, als Robert mir riet meine Sachen noch nicht in mein Zimmer zu legen, da dort alles nass war.

Ach so stimmt ich hab euch ja noch gar nicht erzählt, dass es die ganze Zeit schiffte. Wahre Sturzbäche flossen durch die Straßen und es regnete in mein Zimmer.

Na ja, also tranken wir im Wohnzimmer Téreré, ich besichtigte das Haus, wir aßen zu mittag und reparierten mein Fliegengitter. Mittlerweile, ist mein Zimmer, dank des warmen Klimas und Leoni’s Lappen, wieder trocken und ich konnte mein Zeug entpacken.

Joel ist übrigens ein geduldiger Schachschüler, mal sehen, wer nach den 6 Monaten besser ist, er oder ich.

Jetzt hör ich besser auf, weil es bald Abendessen gibt.