Fliegende Hunde

In Pikpa leben nicht nur Flüchtlinge, eine Aktivistin vom „Dorf Aller Gemeinsam“, die sich auch im lokalen Tierschutzverein engagiert, hat zeitweise auch ein paar herrenlose Hunde dort aufgenommen. Auf Lesbos gibt es überall streunende Hunde und Katzen, die den ganzen Tag nur in der Sonne liegen. In Pikpa liegen die Hunde auch nur rum und stehen gelegentlich auf, um sich zehn Meter weiter wieder hinzulegen.

Im Großen und GanzEin Selfie mit einem der Hunde in Pikpa, der einem Hund bei Zelt der Völker sehr ähnlich sieht.en versteht man sich, aber manchmal führt dieses Zusammenleben auch zu Konflikten, weil Hunde manchen Muslimen als unreine Tiere und nicht als Haustiere gelten.

Wie für die Flüchtlinge war der Aufenthalt in Pikpa für die Hunde nur übergangsweise geplant und die Aktivistin suchte nach neuen Frauchen oder Herrchen für sie.

An meinem letzten Tag erzählte mir dann jemand, die Hunde würden jetzt von einer Organisation nach Deutschland gebracht, weil sie dort jemand aufnehmen möchte.

Als ich das hörte, musste ich lachen.

Ich sitze in einem Flüchtlingslager, umgeben von Menschen, die alle nach Deutschland wollen aber nicht dürfen, und die Hunde werden jetzt nach Deutschland geflogen. Einer schlug vor, sich als Hund zu verkleiden und regelmäßig mit einem Deutschen spazieren zu gehen und auch Stöcke zu apportieren, wenn er dafür in Deutschland wohnen dürfte und Kost und Logis bekäme. Ein anderer fragte, ob er, wenn die Hunde in Deutschland wären, einen Antrag auf Familienzusammenführung stellen könnte. Schließlich hätte er sich hier um sie gekümmert und sei quasi ihr Herrchen geworden.

Ich finde Tierrechte wichtig, aber es steht schlecht um Menschenrechte, wenn Tiere besser versorgt werden als Menschen. Wahrscheinlich haben die meisten Flüchtlinge einfach nicht groß genuge Kulleraugen.

Diese Geschichte erinnert mich an die Geschichte, von Jesus und der Syrophönizierin:

Und er [Jesus] stand auf und ging von dort in das Gebiet von Tyrus. Und er ging in ein Haus und wollte es niemanden wissen lassen und konnte doch nicht verborgen bleiben, sondern alsbald hörte eine Frau von ihm, deren Töchterlein einen unreinen Geist hatte. Und sie kam und fiel nieder zu seinen Füßen – die Frau war aber eine Griechin aus Syrophönizien – und bat ihn, dass er den bösen Geist von ihrer Tochter austreibe.

Jesus aber sprach zu ihr: Lass zuvor die Kinder satt werden; es ist nicht recht, dass man den Kindern das Brot wegnehme und werfe es vor die Hunde.

Sie antwortete aber und sprach zu ihm: Ja, Herr; aber doch fressen die Hunde unter dem Tisch von den Krümeln der Kinder. Und er sprach zu ihr: Um dieses Wortes willen geh hin, der böse Geist ist von deiner Tochter ausgefahren. Und sie ging hin in ihr Haus und fand das Kind auf dem Bett liegen, und der böse Geist war ausgefahren.

Markus 7,24-30

In dieser Geschichte geht es nicht um Tierrechte, (ein Konzept, mit dem im ersten Jahrhundert niemand etwas anfangen hätte können) sondern gerade darum, dass Tiere in der Sicht der Gesellschaft unter Menschen stehen. Aber parallel ist die Identifizierung der „Unerwünschten“ mit den Hunden, die von diesen selbst übernommen wird, dabei aber geschickt verändert wird.
Ging es zuvor darum, anhand der allgemein akzeptierten Hierarchie von Tieren und Menschen eine Hierarchie von Menschen untereinander zu begründen, wird in der Annahme des Bildes der Wert darauf gelegt, dass die Bedürfnisse Aller Kreaturen gedeckt werden – selbst wenn sie als unerwünscht gelten.

Darum muss es gehen, dass dDieser Hund flog mit mir von Thessaloniki nach Stuttgart. Ich glaube nicht, dass dieser Transport wirklich artgerecht war.ie Bedürfnisse Aller Kreaturen gedeckt werden und wir einander als Chance begreifen nicht als Problem, dass es zu lösen gilt.
Dazu wäre es sinnvoll, wenn die Organisation, die die Hunde nach Deutschland bringt, auch für ein paar Flüchtlinge dasselbe möglich macht.

Phönix aus der Asche

Als ich im September die Verantwortung für die Animal Farm übernahm, sahen die Hühner ziemlich gerupft aus, hatten im Stall zu wenig Platz und standen Tag für Tag in ihrem eigenen, mittlerweile pappmascheeartigen Kot, weil ihr Gehege schon ewig nicht mehr sauber gemacht wurde.

In meiner Zeit hier habe ich

  • ihnen die Möglichkeit gegeben in einem sehr viel größeren Gebiet sich frei zu bewegen,
  • mehrere neue Stangen in dem Stall für sie installiert,
  • den Boden des Geheges herausgerissen und mit Erde erneuert
  • und eine Staubbox gebaut, die sie zum Reinigen des Gefieders verwenden sollen.

Auch wenn sie die Staubbox, so wie das Heu für ihre Nester noch nicht angenommen haben, und nur einige das größere Gehege erkunden, so benutzen sie doch die Stangen und scharren wieder in der Erde. Das Gefieder hat sich nach der Mauser wieder erneuert und wir haben nun farbenfrohe Hühner zwischen weiß und knallrot.

Nur Eier legten sie die ganze Zeit noch nicht.

Bis diese Woche. Am Dienstag hörte ich ein seltsames Gackern aus ihrem Stall und als ich nach sah, lag im Futtertrog der Ziegen ein kleines, gelbliches Ei!

Heute habe ich schon das zweite gefunden, diesmal im Futtertrog der Pferde.

Hoffentlich fängt damit die Eierproduktion erst an und wir können noch mehr haben – wer weiß vielleicht kann ich ihnen ja auch beibringen, nicht in die Futtertröge, sondern in die für sie präparierten Nester zu legen?

Nachtrag: Ich stelle gerade fest, dass ich bis jetzt überhaupt keine Bilder von den Hühner gemacht habe. Wahrscheinlich, weil ich sie zu deprimierend fand. Ich werde dann morgen ein paar Bilder machen und hier hochladen.

Hündischer Ungehorsam

Seitdem ich mit Tieren arbeite, habe ich entdeckt, dass sie einen starken Freiheitswillen haben. Das Gatter der Ziegen muss mit einer Eisenkette geschlossen werden, und wenn ich vergesse, es noch mit einen Stein zu blockieren, brechen sie aus. Letztens hat ein Pferd einen kleinen Olivenbaum ausgerissen, an den es angebunden war.

Besonders widerspenstig sind aber unsere Hunde. Und das Schlimmste ist, sie benutzen für ihren Freiheitskampf Methoden des gewaltfreien Widerstands.

Wir haben sechs Hunde: Achlan, der Senior, der immer frei ist, tagsüber im Schatten rumliegt und die ganze Nacht hindurch bellt. Ricky, der angeblich aus der Siedlung hierher gekommen ist und sehr verspielt ist. Er ist tagsüber angeleint und nachts frei, weswegen er mich morgens immer ableckt, wenn ich aus meiner Höhle stolpere.

Diese beiden bereiten keine Probleme, da sie ja auch eine (fast) uneingeschränkte Bewegungsfreiheit haben.

Dann haben wir noch vier Brüder, Lucky, Mücke, Carlsberg und Franklinstein, die noch sehr jung sind und deswegen zusammen in einem Zwinger eingesperrt sind. Sie sollen einzelne Zwinger an den Grenzen des Grundstücks kriegen, um wilde Hunde und Eindringlinge zu vertreiben. Was aber wegen Materialmangels wohl noch eine Weile dauern wird. Der gemeinsame Zwinger ist nicht groß genug, weswegen wir sie eine Weile  immer nachts freigelassen haben, damit sie sich ein wenig austoben. Sie brachten aber sehr viel Müll von der Müllhalde vor unserem Grundstück auf die Farm, weswegen wir sie jetzt wieder einsperren. Tagsüber können wir sie nicht freilassen, weil die Touristen Angst vor ihnen haben könnten. Jetzt sind sie also immer eingesperrt.

Beziehungsweise sollten immer eingesperrt sein. Sie brechen nämlich dauernd aus. Wenn ich die Tür nicht richtig zugemacht habe. Oder sie schieben einfach drei Kilo schwere Steine weg und zwängen sich durch den Zaun.

Dann rennen sie auf dem Gelände rum und ich darf sie einfangen. Sie scheinen meinen Tagesrhythmus ziemlich gut zu kennen und brechen immer aus, wenn ich am schwächsten bin: Während des Mittag- oder Abendessens.

Ich stehe also auf und versuche sie einzufangen. Kurze Verfolgungsjagd, dann schmeißt sich Carlsberg auf den Boden und streckt mir die Füße entgegen. Ich greife seinen Nacken und will ihn überreden, mit mir zum Zwinger zu laufen. Er reagiert nicht. Ich schleife ihn einen halben Meter mit. Er jault. Ich lasse ihn los und schreie ihn, dass er mitkommen soll. Er bleibt liegen. Schließlich trage ich ihn bis zum Zwinger, sperre ihn wieder ein und versuche herauszufinden, wo sie diesmal rausgekommen sind. Spätestens einen Tag später brechen sie dann wieder aus.

Die anderen Hunde reagieren genau gleich. Keiner von ihnen versucht, mich zu beißen, oder zu kratzen. Keiner rennt weg, nachdem ich ihn gefangen habe.

Irgendwann geht es mir auf. Die Hunde üben gewaltfreien zivilen Ungehorsam! Oder hündischen Ungehorsam. Sie weigern sich, von mir eingesperrt zu werden aber wissen, dass Gewalt ihnen nicht helfen wird ihr Ziel zu erreichen. Ihre Taktik ist vielmehr mich zu ermüden, bis ich sie einfach nicht mehr einfange. Würden sie mich beißen, würde ich nur aggressiv werden und hätte eine Begründung, sie noch schlechter zu behandeln. Jetzt werde ich manchmal von den anderen Freiwilligen zurecht gewiesen, ich sollte netter zu den Hunden sein.

In der Tat ging ihre Taktik auch sehr gut auf; an einem Tag brachen sie drei Mal aus und nachdem ich sie zwei Mal eingesperrt hatte, ließ ich sie für die Nacht einfach draußen. Zum Fangen benutze ich inzwischen meistens eine Extraportion Hundefutter, wodurch sie ihre Forderung nach mehr Futter durchsetzen.

Die Methoden gewaltfreien Widerstands, die ich bei den Hunden identifiziert habe sind:

  1. Sitzstreik
  2. Nonkooperation
  3. Überwinden von Zäunen (Ausbruch aus dem Zwinger, Eindringen in das Freiwilligenareal.
  4. Boykott (Carlsberg verweigert seit gestern das Extrafutter, das ich benutze, um ihn einzufangen)

Gewaltfreier Widerstand dient dazu, Unterdrückung zu beenden und die Menschlichkeit der Unterdrücker herauszufordern, damit sie aufhören zu unterdrücken. Es gibt also zwei Parteien: Unterdrückte und UnterdrückerInnen (warum gendert niemand bei bösen Gruppen?) und gewaltfreier Widerstand ist die „Waffe“ der Unterdrückten.

Wenn die Hunde also gewaltfreien Widerstand üben, sind sie die Unterdückten. Aber halt, das macht mich ja zum Unterdrücker!

Aber ich bin doch kein Unterdrücker! Ich mache doch nur meine Arbeit! Immerhin müssen die Hunde eingesperrt sein, sonst machen sie überall hin, und bringen Müll hoch, erschrecken die Touristen! Ich bin ja sogar nett zu den Hunden! Manche meiner besten Freunde sind Hunde – zum Beispiel Ricky!

Alle diese Aussagen ähneln erstaunlich genau denen, die Unterdrücker weltweit benutzen, besonders diejenigen, die als Soldaten, Polizisten oder andere Diener des Staates den Status Quo erhalten. In meinem Kontext fallen mir da gerade die israelischen Soldaten als Werkzeuge der Besatzung ein. Die meisten Soldaten hassen es, den ganzen Tag Palästinenser am Checkpoint aufzuhalten. Aber es ist ihr Job und sie sind gesetzlich dazu verpflichtet. Sie kriegen diese Waffen in die Hand und müssen die Leute in Schach halten. Wie Jehuda Shaoul von Breaking the Silence sagte: „Probier du mal tausend Leute am Checkpoint unter Kontrolle zu halten. Es geht nur mit Angst. Also zählst du im Kopf ab und drangsalierst jeden 10. Palästinenser. So einfach geht das.“

Ich merke, wie die Hunde mich durch ihren gewaltfreien Widerstand ermüdet haben und ich den Konflikt eskalieren musste. Größere Steine um den Zaun herum. Vielleicht schmeiße ich die Hunde auch mal über den Zaun, statt das Tor zu öffnen, dann brechen nämlich die anderen wieder aus. Ich habe weniger Lust, ihnen Futter zu geben, oder sie gegen Läuse zu sprühen.

Jetzt habe ich den Zaun ziemlich stark befestigt, und sie schaffen es manchmal immer noch auszubrechen, aber sie werden immer stärker und es wird Zeit sie zu trennen und in größere Einzelzwinger zu bringen. Das ist aber immer noch Haft, sogar Einzelhaft.

Manchmal würde ich mich gerne den Hunden anschließen und mit ihnen zusammen nachts in Freiheit den Mond anheulen, den ganzen Tag auf der faulen Haut liegen und mich von Essensresten ernähren – ok, vielleicht doch nicht. Aber ich habe ja einen Vertrag unterschrieben und das Projekt ist ja eine wichtige Sache.

Wieder eine Argumentation, die Polizisten, die Demonstranten verprügeln, genauso wie Soldaten auf der ganzen Welt benutzen.

Was mache ich hier eigentlich den lieben langen Tag?

Nach fast einem Monat kann ich vielleicht ein bisschen besser sagen, was ich hier eigentlich mache.

Meine romantische Vorstellung von einem grünen Hügel und einer Herde von Ziegen, die friedlich grasen musste ich mittlerweile ein wenig anpassen. Übrig geblieben ist das: ein grüner Hügel und einer Herde von Ziegen, die friedlich grasen.

Als Spezialbeauftragter für die Animal Farm kümmere ich mich um die schon erwähnten drei Ziegen, die sechs Hunde, die zwei Pferde, sowie die ungezählten Hühner und Tauben. Ich muss also morgens früher aufstehen, die Pferde und Ziegen aus ihrer Höhle rauslassen und alle Tiere füttern und tränken. Später werden die Pferde auf die Weide geführt und ich mache mich daran, auszumisten, Ziegenfutter aufzutreiben, oder etwas zu bauen.

Seit ich hier bin, habe ich einen Unterstand für die Pferde gebaut, eine Tür repariert, und eine Hundehütte  fast fertig gestellt. Außerdem sortiere ich meine Werkzeuge in einem kaputten blauen VW-Bus und versuche insgesamt ein wenig Ordnung in mein Areal zu bekommen.

Ansonsten helfe ich natürlich auch bei anderen Tätigkeiten mit, wie ernten, bewässern, putzen, etc.

Ein Kurzzeitfreiwilliger hat eine provisorische Kläranlage gebaut, die ich noch ausbauen will. Um Fachwissen wird gebeten..

Bääh

Manchmal zweifle ich an der Vollkommenheit der Schöpfung.

Mein Blasenfuß

So zum Beispiel heute als ich herausfand, was die ekligen Blasen an meinen Füßen wirklich waren: Brutplätze für Tunga penetrans – gemeinhin auch Sandflöhe genannt. Das Weibchen legt seine Eier in die Haut, wo sie dann vom Männchen befruchtet werden – also bin ich Stundenhotel und Krippe in einem.

Anscheinend habe ich die mir zugezogen, als ich einem alten Mann aus der Nachbarschaft Essen gebracht habe.

Robert hatte die große Freude sie mir aus dem Fuß zu pulen, während ich jammerte und versuchte an angenehmere Dinge zu denken – wie zum Beispiel nicht mit einer Pinzette im Fuß herumgestochert zu kriegen, während Joel, Martin und Ana mich fragen, ob es weh tut.

JA, das hat es.

Es bleibt abzuwarten, ob alles rauskam, oder ich weiterhin Flohkindergarten bin.

Seit wann sind grüne Affen gute Nachrichten?!

noch dazu, wenn diese die Genverstümmelung die ihnen angetan wurde auch noch weitervererben?!

Die Zeit berichtet halbwegs neutral über die Veröffentlichung einer Arbeit japanischer Forscher, die erstmals Affengene so manipuliert haben, dass diese die Veränderung (in diesem Falle, dass sie unter UV-Belichtung grün leuchten), die ihnen angetan wurde, an ihre Nachkommen weiterverben!

Das „könnte die Erforschung von Krankheiten wie Parkinson oder Alzheimer revolutionieren“. Na toll! (Danke an die Zeit, für das „könnte“)

Wer könnte schon etwas dagegen haben, das Krankheiten wie Parkinson oder Alzheimer weiter erforscht werden und man vielleicht eine Heilung findet?!

Aber, dass es möglicherweise falsch ist eine unvorhersehbare Manipulation des Erbgutes jetzt auch noch für die Zukunft weiterzuverben, darüber haben die Forscher wohl nicht allzu viele Gedanken verschwendet!

Die ganze Gentechnikdiskussion kann auf keine Langzeitversuche verweisen, also können wir die Chancen eines solchen Versuches gar nicht absehen. Dasselbe gilt für Genmais auf Felder zu pflanzen.

Mal ganz abgesehen von dem christlichen Standpunkt einer guten Schöpfung des Schöpfers, die der Mensch als Geschöpf nicht verbessern kann.