Eindrücke von der Weltkonferenz

Die Weltkonferenz ist zu Ende und ich hatte weder Zeit, noch Lust, noch Möglichkeit euch aktuell auf dem Laufenden zu halten weswegen ich nun nur noch Geschichten erzählen will, die mich bewegt haben und einen guten Eindruck von der Vielfalt und Widersprüchlichkeit der 15. Versammlung der Mennonitischen Weltkonferenz (MWK) vermitteln:

Am Dienstag kam ich mittags beim Centro Familiar de Adoración an, mogelte mich mit meiner Teilnehmerkarte von Jugendgipfel durch die Menschenschlange an den „Dienern des Friedens“, Schüler, die freiwillig die ganze Konferenz hindurch schufteten, um uns einen schönen Kongress zu ermöglichen und teilweise keinen einzigen Gottesdienst mitbekamen.

Beim Anblick dieses riesigen zehntausend Leute fassenden Betonklotz war mein erster Gedanke: „Wie schön meine Gemeinde in Bammental doch ist; mit ihren vierzig Gliedern“ – andere dachten; „Was haben wir falsch gemacht, dass unsere Gemeinden nicht so groß sind?“

Das Gebäude sollte zwar schon lange fertig sein ist es aber nicht, weshalb wir Mennos sozusagen die Megachurch der Pfingstler eingeweiht haben. *strike!*

Von Anfang an legten die Veranstalter viel Wert auf Seuchenschutz: Es gab kostenlose Maulkörbe und wir wurden angehalten uns mit dem „japanischen Gruß“ (also eine Verbeugung, ohne Hände schütteln, oder ähnliche Freudenfeste für Bazillen und Viren) zu grüßen, was wir in gut mennonitsch-anarchistischer Manier ignorierten und unsere Geschwister herzlichst umarmten. Später erfuhren wir über mehrere Ecken, dass die Regierung den Kongress fast abgesagt hätte, weil sechstausend Mennos aus allen Ecken der Erde, die sich einen Dreck um Vorkehrungen sorgen für eine Woche auf einem Haufen sind und danach wieder in ihren Winkel der Erde ziehen, für Epidemologen ein Albtraum sind, aber die Organisatoren versprachen alles zu tun und wir Teilnehmer beteten und vertrauten auf den Herrn, der uns die Gemeinschaft so bestimmt nicht vermiesen wollen würde – worauf dann ja auch nichts passierte.

Die ersten drei Bibelarbeiten/Predigten wurden von Frauen gehalten, was einige Leute zum Verlassen der Konferenz anregte, oder zu der Furcht die Emanzen würden hier alles übernehmen; glücklicherweise gab es aber auch einige Lateinamerikaner, die das gar nicht störte – der große Sturm der Empörung blieb bis jetzt aus; es gibt Hoffnung.

Der Werkstätten (Workshops) waren derer so mannigfaltig, dass ich mir oft wünschte, der Herr möge die Sonne nicht untergehen lassen, auf dass ich mehr besuchen könnte.

Ricardo Esquivia

Am Mittwoch forderten mich Ricardo Esquivia, Gründer von Justa Paz in Kolumbien und danach die Church Communities International, vormals bekannt als Bruderhof, mit ihrer noch radikaleren Hingabe zu Gütergemeinschaft, als wir in der Hausgemeinschaft.

Nzuzi Mukawas Predigt am Mittwochabend, darüber, dass der Weg Jesu ein Weg ist, der Gerechtigkeit schafft, hat mich beeindruckt und zum Handeln animiert, weil sie so klar die Ungerechtigkeit in der Welt und in der mennonitischen Kirche aufgezeigt hat und sogar vor sexueller Gewalt, internationalen Schulden, und Sexismus nicht Halt gemacht hat, – andere hat sie aufgeregt, weil sie ein Rundumschlag gegen alles Ungerechte war und keine Hoffnung vermittelt hat.

Donnerstagmorgen führten uns die mennonitischen Ojibway und Cheyenne in ein Dankgebet für die Natur in Stein, Pflanzen, Bäumen und Tieren und für die verschiedenen „Menschenrassen“, mit ihren verschiedenen Begabungen.

Während der Morgenandacht war es plötzlich stockfinster – Stromausfall. Zunächst waren alle ganz still, dann fingen Leute an mit Blitzlich die Dunkelheit zu fotographieren und ich fürchtete epileptische Anfälle, oder Panik, aber dann kam das Musikteam auf die Bühne und wir sangen mit Klavierbegleitung, das man auch ohne Strom hören konnte und es war so schön, dass ich ein wenig traurig war als das Licht wieder anging und der Gottesdienst fortfuhr. Video hier.

Ricardo Esquivia interessierte mich derart, dass ich gleich nochmal zu einem seiner Vorträge ging und Unglaubliches über die Erfolge und Schwierigkeiten in einem Projekt mit Gangmitgliedern in Honduras erfuhr – was alles passieren kann, wenn man die „Bösen“ als Menschen wahrnimmt.

Die Predigt von Donnerstagabend hatte ich schon lange erwartet: Dietrich Pana, ein Indigena aus dem Chaco mit deutschklingendem Namen – die Indigenas haben einige Namen von den mennonitischen Einwanderern übernommen; „Pana“ ist die phonetische Schreibweise von „Penner“ (typischer Menno-Name) in plattdeutscher Aussprache – predigte über Apostelgeschichte 2, 46-47, dass die erste Gemeinde sich täglich im Tempel und in Häusern traf und täglich wuchs; ein Vers vorher kommt die Gütergemeinschaft vor.

Den Kopf voll der latent, oder offen rassistischen Aussagen, die ich von allen Seiten unter den Mennoniten übereinander hier gehört habe, und der himmelschreienden Ungleichheit zwischen Indianermennoniten, Mestizen-Mennoniten Mennisten (plattdeutsch für die deutschsprechenden Einwanderer in den Kolonien – ein tolles Wort mit langer Geschichte, die Papa bestimmt in einem Kommentar erklären will, das ich in Zukunft verwende) erwartete ich eine anklagende Predigt über die Ungerechtigkeit und Vernachlässigung ihrer Geschwister seitens der Mennisten.

Aber Bruder Pana ging nicht wie so viele andere Redner auf Konfrontationskurs, sondern betonte die Gemeinschaft unter den Gläubigen und erzählte wie in vor dem Gebäude ein Polizist gefragt habe, ob er (als Indigena) auch „menonita“ sei, was sich in Paraguay eigentlich nur auf die Mennisten bezieht, und er antwortete „mit der Kraft des Heiligen Geistes: JA, ICH BIN MENNONIT“ – ich schmunzelte und freute mich über dieses Symbol, Alfred Neufeld, der in meiner Nähe saß, lachte so laut los, dass einige Europäer ihn sehr verwundert ansahen und jeder Paraguayer hatte es kapiert: Mennonit sein hat nichts mit der Hautfarbe, oder der Sprache zu tun. Es ist der Glaube an Jesum Christum und der Wille sein Kreuz auf sich zu nehmen und ihm nachzufolgen.

Die meisten anderen hatten es leider nicht verstanden und waren von der ansonsten etwas simplen Predigt enttäuscht.

Die weiteren Predigten waren auch gut, aber keine hatte mich so bewegt und ist mir so in Erinnerung geblieben, wie Dietrich Panas einfache Verkündigung, dass auch er Mennonit sei.

Am Samstagnachmittag war ich in meines Schwesters Workshop, den sie zusammen mit Barbara Kärcher hielt: „Arm und Reich in der Familie des Glaubens“ – aufgrund starker Nachfrage beim ersten Mal (hundert Leute, in einem winzigen Raum und Leute, die weggeschickt werden mussten) wiederholt. Was sie sagten war sehr gut, nur war meine Kleingruppe sehr frustrierend, weil die Reichen nicht zu den Armen durchdrangen und umgekehrt. Wenigstens war ich nicht in Leonis (meine Gastmutter) Gruppe, wo eine Frau aus dem Chaco behauptete Arme seien nur zu faul zum Arbeiten, und vor sonstigen Vorurteilen nur so strotzte. Wie Leoni die Ruhe bewahrte so gelassen ihr Weltbild zu sprengen, weiß ich nicht – wahrscheinlich, weil Leute aus Costa Azul (unserer Gemeinde hier) da waren.

Der Samstagabendgottesdienst war der eigentliche Abschlussgottesdienst, mit einer sehr guten Predigt von Danisa Ndlovu, dem neuen Präsident der MWK und einem bewegenden Abendmahl, bei dem wir uns als ein Leib fühlten, gebrochen für die Welt.

Und als Lied danach „Wir werden auferstehen“!

Die Lieder waren sowieso genial; manchmal vielleicht schlecht zum Zusammenhang (nach der niederschmetternden Predigt aus dem Kongo, ein fröhliches Lied – nur, weil es auch dort her kommt) aber vom Text her genial, wie „Die Engel wurden nicht geschickt die Welt zu ändern, das ist Aufgabe der Menschen“ und die Musikgruppe stimmte sich durch die Instrumentenwahl und die Art des Singens unglaublich gut auf die Kultur, aus der das Lied kam ein.

Der offizielle Anschlussgottesdienst hat mich eher enttäuscht, auch wenn ich verstand warum man es so gemacht hat, wie es dann war:

Die paraguayischen Gemeinden hatten diesen Gottesdienst organisiert, weshalb sie ihre Lieder sangen und nicht die Weltkonferenzlieder, die mir so gefallen hatten. Deshalb waren es auch andere Moderatoren, die mir zu viel Show machten.

Die „Geste des Friedens“ zwischen einem Mennisten, dessen Bruder beim Missionsversuch vor mehr als fünfzig Jahren (?) von einer kriegerischen Indigenagruppe ermordet wurde, und einem Indigena aus dieser Gruppe fand ich sehr gestellt und empörend: zum einen, weil der Moderator zweimal (!) den Indigena als „Indio“ bezeichnet hat – was ungefähr mit einem Farbigen in den USA „nigger“ zu nennen. Zum anderen sagte der Indigena die ganze Zeremonie kein Wort und er übergab dem Mennisten einen Speer, was für mich ein Symbol der Machtübergabe war – hätten sie den Speer doch zerbrochen, oder eine Sichel d‘raus gemacht!

Alfreds Predigt war ziemlich gut, nur hätte sie nicht von Liedern unterbrochen werden müssen, deren Texte zwar schön waren, was den nicht Spanischverstehenden aber nichts brachte.

Ein klein wenig stolz bin ich auch berichten zu dürfen, dass ich mir nur ein einziges Mal Übersetzung holte – bei Dietrich Panas Predigt -, diese aber gar nicht benutzte, weil der Empfang so schlecht war.

Die Weltkonferenz war auf jeden Fall ein einschneidendes Erlebnis für mich, denn ich habe viele junge und alte Geschwister kennengelernt, die Jesus nachfolgen, wohin er sie führt und mit denen ich in Kontakt zu bleiben hoffe. Ich habe viele Denkanstöße und Ermutigungen bekommen, die mein Gehirn immer noch nicht zur Ruhe kommen lassen und mich hoffentlich noch lange beschäftigen.

Natürlich war es auch ein Ort die erweiterte Familie zu treffen, sowohl biologisch, als auch hausgemeinschaftlich:

ein Teil der Hausgemeinschaftsfamilie: Wiensens, Elizabeth(!), Micky und ich

Leider müssen wir noch mindestens sechs Jahre auf die nächste Konferenz warten – ich hoffe dich dort zu sehen!

undankbare Sehnsucht

Noch genau ein Monat. Dann werde ich meine Schule in Paraguay verlassen; vier Tage später wird meine Schwester in Asunción ankommen und wir werden zusammen drei Wochen lang rumreisen und schließlich am Jugendgipfel und anschließend zur mennonitschen Weltkonferenz gehen… Eine Woche später fliege ich zurück nach Deutschland.

Ich zähle schon die Tage…

Aber eigentlich nicht bis zu meinem Flug, sondern bis zum 19.Juni. Der Tag, an dem ich endlich nicht mehr zur Schule gehen muss und kurz danach ein neues, wahrscheinlich sehr volles Kapitel in dieser Abenteuergeschichte aufgeschlagen wird, die seit längerem eher dahindümpelt.

Irgendwie schaffe ich es einfach nicht, der Schule etwas Positives abzugewinnen, außer, dass ich durch die spanischsprachige Umgebung mein Spanisch sehr verbessert habe und ich mich jetzt sogar wieder auf die deutsche Schule freue. – Gut, dass waren jetzt schon zwei starke Argumente, aber die bringen mir ziemlich wenig, wenn ich im „Unterricht“ sitze und mich zu Tode langweile, weil der Lehrer gar nicht da ist, oder in einer Ecke sitzt und uns weder Aufgaben gibt, noch irgendetwas erklärt und wenn ich dann in der Pause merke, dass ich keinen einzigen Freund in meiner Klasse habe und ich mit den beiden, mit denen ich mich noch am Besten verstehe, keine Gespräche führen kann, weil sie jedes Mal wenn ich irgendeine Frage stelle diese beantworten und es dann irgendwie nicht weiter geht.

Dazu kommt noch meine Erkenntnis, dass ich unfähig bin den guten Ratschlag einiger Leute umzusetzen, zu versuchen zu verstehen warum die Paraquayer (wenn ich diese Verallgemeinerung jetzt mal so benutzen darf) so sind, anstatt es zu beurteilen.

Letztens, als ich mal wieder solchen Gedanken nachhing kam mir die Idee, dass ich eigentlich ziemlich undankbar bin! Immerhin bringen meine Eltern große Opfer, damit ich hier sein kann und alles was ich mache ist mir zu wünschen, dass ich die Schule verlassen und ich wieder mehr mit Leuten, die ich kenne (z.B. meine Schwester, Wiensens) zu tun habe, auch wenn ich mir nicht unbedingt wünsche jetzt sofort wieder nach Deutschland zu kommen – weil ich ja noch ein wenig Tourismus betreiben will. Deswegen habe ich den Artikel auch nicht „undankbares Heimweh“ genannt..

Ich bin aber doch hierher gekommen, um die Sprache und Kultur kennen zu lernen… Und jetzt stelle ich fest, dass ich die Sprache immer noch nicht so gut beherrsche, wie ich gerne wollte und die Kultur, der ich in der Schule begegne, nicht aushalte…

Leider bringt mir diese Erleuchtung so rein gar nichts außer Wut und Enttäuschung über mich selbst, weil mein Gehirn anscheinend doch nicht die Kraft hat meine Gefühle mit Argumenten zu besiegen…

Großes Wasser – Teil I

Hier kommt der erste Teil meiner epischen Erzählung meines Ausflugs zum Großen Wasser (das bedeutet Iguazu)

Seit einiger Zeit hatte ich geplant, am verlängerten Wochenende des 1.Mai bis 3.Mai die Iguazuwasserfälle zu besuchen, was man unbedingt machen muss, wenn man Paraguay besucht, auch wenn sie gar nicht im Land selbst liegen.
Ich wollte nicht alleine reisen, zum Einen weil es langweilig ist, zum Anderen, weil es sicherer ist mehr als einer zu sein und außerdem wollte ich so meine Freunde besser kennenlernen. Zunächst hatte ich – ohne Erkundungen über die Kosten einzuziehen – zwei Jugendliche aus der Gemeinde, mit denen ich mich sehr gut verstehe eingeladen, weil sie es sich von selbst wohl niemals hätten leisten können.
Als ich dann anfing mich zu informieren, blieb mein Mund erstmal offen stehen und als ich mich von dem Schock erholt hatte stand ich vor dem Problem entscheiden zu müssen welchen von den beiden ich ausladen würde, weil ich immer noch gerne zumindest einen mitnehmen wollte, was mein Budget auch noch aushalten konnte.
Schließlich beschloss ich denjenigen auszuladen, der zum einen auch an Geschichte interessiert war, weil ich dann mit diesem später zu den Jesuitenreduktionen bei Encarnación fahren könnte, und dessen Eltern getrennt lebten, weil man als Minderjähriger für die Ausreise (die Fälle liegen in Brasilien und Argentinien) ein offizielles Dokument braucht, auf dem die Unterschriften beider Elternteile stehen müssen und das sowieso schon schwierig genug zu kriegen ist. Er nahm es zum Glück sehr gut auf und nannte sogar selbst das Argument, dass es für ihn schwerer sei, die Ausreisegenehmigung zu bekommen.
In der Woche vor dem Ausflug holte ich dann die letzten Informationen ein und fand sogar noch einige Möglichkeiten Geld einzusparen – wie zum Beispiel mit dem Bus nur bis nach Ciudad del Este fahren, was die Grenzstadt mit Foz de Iguazu ist, der Touristadt, wo ich auch eine Jugendherberge gefunden hattte, bei der wir billig unterkommen könnten, sodass ich am Ende fast den zweiten wieder einladen wollte, es aber zu kurzfristig war und es immer noch teuer war.
Während der Vorbereitung wurden noch andere Probleme aus dem Weg geschafft, beispielsweise teilte mir meine Mutter meinen PIN mit, damit ich in Brasilien Geld abheben konnte und nicht umständlich tauschen musste.
Die einzige Unsicherheit war, ob Carlos (so werde ich ihn hier nennen, einfach nur um seine Privatsphäre zu schützen) sein Ausreisedokument erhalten würde. Zuerst sah es so aus, als ob es zu viel Geld für die Familie kosten würde, ich bot an diese Kosten auch zu tragen, dann bekamen sie den Tip, dass man es in Asunción umsonst machen lassen könne – am Donnerstag, dem Tag unserer Abreise, rief er mich schließlich an und teilte mir mit, er habe alles.
Er kam abends zu uns nach Haus und wir vertrieben uns die Zeit bis halb zwölf als Robs uns endlich zum Busbahnhof fuhr. Wir kauften Tickets, rannten zu unserem Bus, der schon abfahren wollte, und ich schlief fast die ganze fünfstündige Busfahrt.

Es war noch dunkel, als wir um fünf Uhr ankamen, weswegen wir uns auf eine Bank im Busbahnhof setzten und eine Tafel Schokolade zum Frühstück aßen. Gegen sechs wurde es schon heller und wir machten uns mit unserer ausgedruckten Karte auf den Weg nach Foz de Iguazu.
Als wir ungefähr einen halben Kilometer gelaufen waren, fing Carlos plötzlich an nervös seine Taschen zu durchsuchen und als ich ihn fragte, was los sei, erwiderte er, er suche seinen Ausweis!
Wir setzten uns an den Rand der Straße und durchsuchten all seine Sachen, aber wir fanden es nicht. Ich schlug vor zu beten, was wir dann auch machten aber auch danach war der Ausweis nicht im Rucksack, oder in seinen Taschen. Was sollten wir nun tun? Zurück zum Terminal (=Busbahnhof). Dort fragten und schauten wir nach unserem Bus, aber er war schon weg und es war nichts abgegeben worden. Man sagte uns, wir sollten zur Werkstatt der Busfirma gehen. Also liefen wir dorthin, verirrten uns ein wenig, verloren unsere Guampa, sodass wir den ganzen Tag keinen Schluck Teréré trinken konnten (!), und liefen an den ärmsten Leuten, die ich bis jetzt sah, vorbei, die wirklich auf der Straße lebten und gerade Klebstoff schnüffelten, weswegen sie uns in Ruhe ließen. Irgendwie fanden wir die Werkstatt schließlich, aber der Bus war nicht mehr da. Er würde mitten in der Nacht zurückkommen, aber ein Anruf beim Fahrer ergab, dass er bei unseren Sitzen nichts gefunden hatte.
Ich war ziemlich fertig. Wir setzten uns draußen auf eine Bank und ich vergoss ein paar Wuttränen als ich an den Vers „Suchet und ihr werdet finden“ dachte, der mir gerade wie blanker Hohn vorkam. Danach durchsuchte ich alle meine Sachen – wer weiß, ob irgendjemand ihn bei mir reingetan hatte – und Nico die seinigen, aber das Ergebnis blieb dasselbe – der Ausweis war nicht da.
Ich beschloss, dass wir zurück zum Busbahnhof gehen sollten und nach dem nächsten Kommisariat fragen – was wir dann auch taten und, nachdem wir drei Leute gefragt und drei unterschiedliche Wegbeschreibungen erhalten hatten, fanden wir es schließlich. Zuerst mussten wir warten, dann sagte der Polizist er könne nichts machen, weil Carlos minderjährig sei – ein volljähriger Verwandter müsse kommen und unterschreiben. Damit war der Fall für ihn erledigt und er wandte sich der wichtigen Aufgabe zu mich nach der Halskette zu fragen, die ich in Asunción gekauft hatte. Ich fand das ziemlich unangepasst und wir gingen schnell wieder, weil sie uns nicht helfen konnten/wollten (aber sie boten uns nicht an, Schmiergeld zu zahlen, wahrscheinlich dachten sie nicht, dass wir genug Geld hätten). Ich war ziemlich verzweifelt und rief bei Wiensens an, die uns rieten, wenigstens das Wasserkraftwerk Itaipu anzusehen, das in Paraguay liegt, und zu versuchen, ohne Ausweis nach Brasilien zu kommen.
Ich war müde, hungrig und enttäuscht…

Fortsetzung folgt – ich bin jetzt einfach zu müde den Rest der Geschichte zu schreiben.

Ich kann ja ganz gut Spanisch, nur die anderen nicht!

Eigentlich hätte ich diesen Artikel schon am Sonntag schreiben sollen, aber irgendwie hat es sich nicht wirklich ergeben, na ja, also dann jetzt.

Sonntag, war nach der Bibelstunde am Freitag, wo mir die Sache, um die es hier geht – wenn auch in kleinerem Umfang – schon auffiel, der erste Tag an dem ich wirklich einer spanischsprechenden Umgebung ausgesetzt war. Natürlich erwartete ich dieses Ereignis mit sowohl Freude als auch Angst. Ich rief mir immer wieder in Erinnerung, dass ich schon Spanisch gelernt hatte und einen – optimistisch gesehen – annehmbaren Wortschatz hatte, aber was dann passierte, damit hätte ich nie gerechtnet!

Bevor wir überhaupt losfuhren, kam ein ungefähr 12-jähriger Junge vorbei, der mit uns in die Gemeinde fahren sollte. Da Robert und Leoni beschäftigt waren, setzte er sich zu mir, der ich im Wohnzimmer mit Bibel, Notizbuch und dickem Wörterbuch bewaffnet saß. Er fing an zu reden und ich musste mich sehr beherrschen nicht vor Verzweiflung anzufangen zu lachen! Ich verstand kein Wort von dem, was er sagte! Nicht, weil er Wörter benutzte, die ich nicht kannte, sondern weil er vollkommen anders sprach als alle, mit denen ich zuvor geredet hatte: er nuschelte und sprach UNGLAUBLICH schnell, auf meine zaghafte Bitte LANGSAMER und DEUTLICHER zu sprechen sprach er fast noch schneller! (Leoni sagte mir später sie verstehe ihn auch fast nicht).

In der Kirche war es dasselbe, Robert’s Predigt verstand ich sehr gut, aber aus dem was alle anderen Leute, also echte Paraguayer, sagten konnten ich mir (fast) keinen Reim machen.

Wenigstens verstand ich die Aufforderung der  Jugendlichen mit ihnen Volleyball zu spielen …  da muss man nicht so viel  sprechen.

Ich blicke nach diesem Erlebnis mit gemischten Gefühlen auf nächsten Montag, da beginnt nämlich die Schule und somit meine Extremspanischlernzeit.