Warzenweltmeisterschaftswerbung

10. Juni 2010

Ich habe leider schon einige Europa- und auch Weltmeisterschaften erleben müssen. Die Idee ist mehr oder weniger immer die gleiche. 22 Männer jagen eine Lederkugel im Namen ihrer Nation, mit der sie eigentlich so gut wie nichts mehr gemeinsam haben, da sie normaler Weise in anderen Ländern wohnen und dort einer Lederkugel hinterher rennen und dafür unverschämt viel Geld kriegen arbeiten.

Das ganze scheint alle Menschen in meiner Umgebung brennend zu interessieren: Feministinnen vergessen schlagartig, dass sich Sexismus auch darin zeigt, dass Männerfußball viel mehr gefördert und wertgeschätzt wird als Frauenfußball, Antinationalisten schwenken Fahnen, als ob wir nie schlechte Erfahrungen mit dem Fiebern nach dem Endsieg gehabt hätten (es bleibt aber ein enormer Fortschritt, wenn sich 22 Männer für neunzig Minuten prügeln, als Millionen über mehrere Jahre). Die ansonsten ach so ökologisch bewussten Menschen hängen sich hundert Deutschlandflaggen ans Auto und verbrauchen damit 0,5l/100km/Fahne mehr Treibstoff und kaum verhüllter Fremdenhass gegen bessere Mannschaften (siehe Italien vor vier Jahren) wird wieder salonfähig. Was will man mehr?!

Aber es wird noch besser. Ein jede/r Bürger/in kann nun seine/ihre nationalen Stolz zeigen, indem er/sie munter McWraps vertilgt, oder sinnlos teure und unsagbar hässliche Deutschlandhüte, -brillen, oder -dreadperücken kauft. Streng logisch – schließlich braucht die Nation unseren dauernden Konsum.

Heute bin ich über eine besonders sinnlose Werbung gestolpert: Weltmeisterlich gegen Warzen. Genau das, woran ich bei der WM denke.

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Heute ist ein guter Tag ein Nerd zu sein

25. Mai 2010

Nerd sein ist schwer. Ständig muss man anderen Wesen erklären, dass das Leben sehr wohl sinnvoll ausgefüllt sein kann, wenn man Comics liest, Rollenspiele* spielt und tagelang darüber debattiert, welche die beste aller möglichen Parallelwelten ist. Immerhin gibt es ja unendlich viele. Nerds, wahlweise auch Freaks, oder Streber genannt, wir selbst bevorzugen die Bezeichnungen “Nerd” oder “Geek”, für die bisher noch keine konsensfähigen Übersetzungen ins Deutsche gefunden wurden. Aber eine Forschungsgruppe testet gerade verschiedene Versuchsreihen.

Dann noch all diese Menschen, die denken, Nerds seien alle gleich, dabei gibt es sehr differenzierte Gruppen von Nerds, die teilweise durch uralte Fehden verfeindet sind, was immer wieder dazu führt, dass Ikosader rollen müssen:

  1. DC- und Marvel-Leser
  2. DSA-, D&D-, AD&D-, Midgard-Spieler und Spieler vieler anderer Systeme
  3. Wikipedianer
  4. Sci-Fi und Fantasyliteraten
  5. Mathematiker
  6. Physiker
  7. Alchemisten (heute unter dem Denkmantel der Pseudowissenschaft “Chemie” bekannt, betreiben sie weiter die Suche nach dem Stein der Weisheit und der wahren Erkenntnis)
  8. Π-Jünger
  9. WoW gegen Guild Wars

Die Liste könnte noch sehr lange, weiter geführt werden, der Beweis, ob es endlich oder unendlich viele Strömungen des Nerdismus gibt steht noch aus, die zwei Möglichkeiten bieten wiederum zwei neue.

Diese inneren Streitigkeiten führen allerdings dazu, dass der Kampf um soziale Anerkennung – wie unwichtig sie den meisten Nerds auch offensichtlich ist, da sie sich sowieso seltenst in der sogenannten Realität aufhalten – gelähmt wird, was zu schweren Diskriminierungen gegen Nerds führt. So wird beispielsweise der volkanische Gruß (“Live long and prosper”) immer noch meist mit Lachen quittiert, statt mit einer ernsten Antwort.

Selbiges gilt auch für “Möge die Macht mit dir sein”, oder Menschen, die Elbisch als ihre Wahlsprache sprechen.

Man kann also durch aus von Nerdophobie sprechen und folgern, dass wir Nerds eine sozial benachteiligte Gruppe sind.

Um auf dieses Problem aufmerksam zu machen und Geeks in ihrem Wesen zu bestärken, wurde der “Geek Pride Day” 2006 ins Leben gerufen. An diesem Tag sollen Geeks und Nerds stolz sein Geeks zu sein.

Der Geek Pride Day findet heute, am 25. Mai statt, gleichzeitig auch der Towel Day zu Ehren von The Hitchhiker’s Guide to the Galaxy und dessen Autor Douglas Adams sowie Der Glorious 25th of May, für Terry-Pratchett-Fans. Drei Dinge stolz zu sein und diesen 25. Mai, und alle folgenden, gebührend zu feiern. Mit Handtuch, volkanischem Gruß und Scheibenwelt Romanen.

Live long and prosper!

PS: Noch ein paar meiner Lieblingszitate von Adams und Pratchett:

“An education was a bit like a communicable sexual disease. It made you unsuitable for a lot of jobs and then you had the urge to pass it on.”
Terry Pratchett
, Hogfather

[The pamphlet] was very patriotic. That is, it talked about killing foreigners.
Terry Pratchett
, Monstrous Regiment

God does not play dice with the universe; He plays an ineffable game of his own devising, which might be compared, from the perspective of any of the other players, to being involved in an obscure and complex version of poker in a pitch dark room, with blank cards, for infinite stakes, with a dealer who won’t tell you the rules, and who smiles all the time.
Terry Pratchett, “Good Omens”

In the beginning the Universe was created. This has made a lot of people very angry and has been widely regarded as a bad move.
Douglas Adams, The Hitchhiker’s Guide to the Galaxy
There is a theory which states that if ever anybody discovers exactly what the Universe is for and why it is here, it will instantly disappear and be replaced by something even more bizarre and inexplicable. There is another theory which states that this has already happened.
Douglas Adams, The Hitchhiker’s Guide to the Galaxy

Space is big. You just won’t believe how vastly, hugely, mind- bogglingly big it is. I mean, you may think it’s a long way down the road to the chemist’s, but that’s just peanuts to space.
Douglas Adams, The Hitchhiker’s Guide to the Galaxy

*: Nein, nicht das woran du gerade denkst. Pen&Paper-Rollenspiele. Oder höchstens LARP.

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Ausgezeichnete Karrieremöglichkeiten

10. Dezember 2009

Nach zweimonatiger Blogabstinenz zwingt mich nun mal wieder die Bundeswehr hier was zu schreiben…

Vor ein paar Wochen erhielt ich einen Brief per Post. Natürlich freute ich mich – passiert heutzutage ja nicht mehr so oft, dass man einen Brief kriegt. Ein Blick auf den Absender verriet mir, dass er vom Kreiswehrersatzamt war. Na ja, gefreut hab ich mich trotzdem, ich krieg nämlich so wenig Briefe, dass ich mich sogar über Briefe von der Bank, oder eben vom Kreiswehrersatzamt freue. Und außerdem kann man sich ja erstmal anhören, was die so zu sagen haben, nicht wahr?

Anlass des Briefes war das voraussichtliche Datum meiner Musterung, die irgendwann nächsten Sommer stattfinden wird. Sie betonen zwar, es sei wichtig, das Musterung und Einziehung, die ja erst nach der Schule erfolgen kann, nahe beeinander liegen, dass ich aber erst ein Jahr nach meiner Musterung Abi mache ist ihnen aber anscheinend egal.

Dem Brief liegen “Informationen für Abiturienten” bei, in denen existentielle Fragen aufgeworfen werden:

“Sie sind qualifiziert und machen demnächst ihr Abitur oder Fachabitur?”

Ja, zumindest das letzte trifft zu.

“Sie suchen einen sicheren Arbeitsplatz mit Perspektive?”

In Zeiten der Wirtschaftskrise muss ich ja schreckliche Angst haben und suche natürlich Sicherheit und Perspektive.

“Sie wollen studieren und gleichzeitig gut verdienen?”

Wer will das nicht?

“Sie wollen Karriere machen, sich aber nicht in volle Hörsäle quetschen?”

Natürlich will ich Karriere machen, was gibt meinem Leben sonst einen Sinn und volle Hörsäle mag ich auch nicht, woher wussten sie das bloß?

“Sie wollen moderne Technologien kennen lernen?”

Moderne Technologien sind immer toll und ob sie Leute umbringen ist mir ganz egal.

“Sie wollen Abwechslung und Herausforderung bei der Arbeit?”

Man kann Karriere machen und Abwechskung und Herausforderung bei der Arbeit haben? Das muss ein toller Job sein!

Die Lösung meiner Zukunftspläne besteht wohl, da ich schließlich alle Fragen bejaht habe darin, (und jetzt kommt’s!):

Offizier der Bundeswehr

zu werden. Wer hätte das gedacht? Schließlich waren meine Ansichten doch noch vor kurzem so eindeutig, aber es scheint, ein unpersönlicher Brief der Bundeswehr und einige Suggestivfragen haben mich überzeugt.

Ich kenne einige Militärberater, vielleicht werde ich die mal fragen, wie ich da am schnellsten hinkomme…

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Kulturschöcke

15. August 2009

Was ist die Mehrzahl von Schock? Ich hatte nämlich mehrere, die für euch unbeteiligte Zuschauer, lustig erscheinen mögen, doch für mich sehr traumatisch waren.

Letztens wollte ich mit dem Bus fahren und als er an mir vorbeifuhr streckte ich den Daumen raus – wie man es in Paraguay macht. Seltsamerweise hielt der Bus aber nicht an und ich erinnerte mich, dass man in Deutschland an Bushaltestellen muss, um mit dem Bus zu fahren. Also rannte ich zur nächsten Bushaltestelle und bekam den Bus gerade so noch. Dieser war ungewohnt sauber und ich musste die ganze Zeit nicht stehen. Es kam auch niemand, um mir Kaugummis, Bonbons, frische Maiskuchen, Erdnusstafeln, oder Socken, Nagelscheren und ähnliche nützliche Haushaltsgegenstände, die ich immer so erstanden habe, zu verkaufen. Niemand sang mir ein Ständchen auf einer schlecht gestimmten Gitarre und kein Knd kam, um zu betteln. Während der ganzen Fahrt sprach mich niemand an, wo ich Blonder denn hin wolle und, dass das ein sehr gefährliches Viertel wäre.

Ich fühlte mich geradezu einsam…

Jedes Mal wenn ich auf dem Klo sitze muss ich mir überlegen, wo jetzt der Mülleimer für das Klopapier steht – bis mir einfällt, dass es in Deutschland einfach in die Röhre geschmissen wird.

In der Gemeinde und auch sonst geben mir die Leute nicht die Hand und wundern sich dann, wenn ich ihnen die meine reiche – im gefühlskalten Deutschland gibt man nicht die Hand.

Es gibt einige Dinge, die ich jetzt schon an Paraguay vermisse und in meiner romantisch-verklärenden Art, werden bestimmt noch einige hinzukommen.

Categories: Anekdoten, Paraguay.

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Erwachsen sein

10. Februar 2009

Ab heute bin ich mündig, obwohl ich doch schon achtzehn Jahre lang einen Mund besessen habe.

Ich kann euch sagen, alles ist anders.

Ich sehe die Welt so, wie sie ist, und habe mir das Träumen abgewöhnt, treffe reife Entscheidungen, wie es ja auch alle Erwachsene tun. Alle Kindlichkeit ist von mir abgefallen und ich denke ganz anders als ich es noch vor 24 Stunden tat. Jetzt darf ich mich ungehemt verschulden, weshalb mir meine Bank schon einen Brief geschrieben hat, wie ich das am Besten schaffe. Ich darf einen Führerschein machen und Autounfälle bauen, oder heiraten, aber da gibt es ja noch ein paar andere Faktoren, die entscheidend sind, wie zum Beispiel eine Partnerin…

Jetzt kann ich mir meine eigenen Entschuldigungen schreiben, mir selbst meine Zukunft zerstören und noch nicht mal irgendjemand anderem die Schuld dafür geben!

Aber das System ist im Endeffekt trotzdem an Allem schuld.

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