Warum ich?

Für eine Zeltfreizeit in ein paar Tagen muss ich zwei Themeneinheiten vorbereiten: „Nachfolge Christi“ und „Vorbilder des Glaubens“ nach tagelangem Ringen bin ich jetzt mit „Vorbilder des Glaubens“ fertig geworden, wobei mir einiges über mich selbst klar werden musste und ich mich immer wieder fragte, ob das außer mir irgendjemand hören will. Vielleicht haben andere Leute ja gar nicht so große Schwierigkeiten mit sich selbst und brauchen keine Vorbilder. Vielleicht ist sind meine Vorbilder (Dorothy Day und St. Martin von Tours) eine zu starke Fokusierung auf den sozial-diakonischen Teil des Christentums?

Nach einigen Gesprächen mit Freunden habe ich jedenfalls dieses Thema heute beendet.

Nur um in noch größere Konflikte zu kommen.

Will ich wirklich 12-14 Jährigen davon erzählen, wie es ist Jesus nachzufolgen? Wovor habe ich mehr Angst? Das sie mir nicht zuhören und das alles blöd finden, oder dass sie mir zuhören und ihre Eltern das blöd finden? Überhöhe ich dabei nicht vielleicht die Nachfolge Christi in etwas unglaublich Radikales, dass man nicht tun kann, ohne alles andere hinter sich zu lassen?

Tatsächlich glaube ich, dass Nachfolge radikal sein muss, aber dass kann ich doch keiner Jugendlichen erzählen, die noch 4-6 in die Schule gehen soll. Soll sie radikal sein? Ich denke schon.

Ich erinnere mich an die Momente, in denen mir klarer wurde, dass Nachfolge mein ganzes Leben erfordern wird. Auf Freizeiten. Als ich „Ich muss verrückt sein, so zu leben“ las. In verschiedenen Predigten. Als ich kochen lernte und merkte, wie befreiend es ist. Beim CPT-Treffen in Berlin. Auf Freakstock.

Und ich erinnere mich, wie ungesund ich fast jedes Mal damit umgegangen bin. Ohne Freunde, die sich für dasselbe interessierten, und mit gigantischen, unpraktischen Ideen im Kopf war ich von dem Wissen um die Notwendigkeit radikaler Nachfolge nur gelähmt. Ich träumte von großen Experimenten und tat gar nichts und fühlte mich deswegen schlecht. Ich merkte, dass ich alleine nichts tun könnte, aber anstatt mich auszustrecken und Gleichgesinnte zu suchen, isolierte ich mich und lehnte Leute ab, weil sie „nicht radikal genug“ waren.

Will ich, dass es den Jugendlichen auch so geht?

Erst seit kurzem fühle ich mich von großen Visionen befreit und habe das Gefühl in kleinen Schritten in die Nachfolge zu treten. Das hat aber auch damit zu tun, dass ich jetzt nicht mehr zur Schule geh und mir aussuchen kann, was ich als nächstes mache. Aber was erzähl ich denen jetzt? „Wartet 4 Jahre, dann könnt ihr Jesus nachfolgen? Das kanns ja nicht sein.

Der nächste Punkt ist noch schlimmer:

Kann ich diesen Kindern überhaupt von Nachfolge erzählen?

Ich weiß nur, dass Jesus Nachfolge dauernd einfordert, aber was das jetzt genau heißt, darüber hab ich viel gelesen, aber gelebt?!

Ich habe jetzt mit einem anderen Mitarbeiter geredet, der mich bestärkt hat, auch meine Schwächen zuzugeben und mit dem ich das Thema wohl zusammenhalten werde.