Lifta

Im Nordwesten Jerusalems gibt es ein Tor in eine andere Zeit. Eine Zeit vor der Gründung des Staates Israel, vor der Nakba, der Katastrophe der Vertreibung der Palästinenser, als Jerusalem noch keine Großstadt war und es keine Flüchtlingslager für Palästinenser gab, weil sie noch in ihren Dörfern wohnten.

Das Tor führt in eines dieser Dörfer: Lifta. Es gibt sogar ein Straßenschild dorthin. Und einen offiziellen israelischen Wanderweg durch das Dorf. (Ich würde gerne wissen, was in den israelischen Wanderführern dazu steht)

Lifta war ein Dorf von circa zweitausendfünfhundert Einwohnern, bis im Verlauf der Staatsgründung die Einwohner immer mehr bedroht und schließlich einzelne Dorfälteste von israelischen Milizen umgebracht wurden. Die Bewohner flohen ins damalige Jordanien, die heutige Westbank. Im Deheisha-Flüchtlingslager habe ich jemand getroffen, dessen Vorfahren aus Lifta geflohen waren. Das Dorf wird schon unter anderem Namen in der Bibel erwähnt (wie irgendwie jedes Kaff hier) und war berühmt für seine Steinmetze – vielleicht stehen die Gebäude deswegen nach 63 Jahren ohne irgendwelche Pflege und mit hineinwuchernden Pflanzen immer noch größtenteils. Heute ist Lifta das einzige palästinensische Dorf von 1948, dass nicht zerstört, oder mit Israelis wiederbevölkert wurde.

 

Da ich an meinem freien Samstag wegen Yom Kippur sowieso nicht aus dem von allem fastenden Jerusalem rauskam, nutzte ich die Gelegenheit mit einer Freundin dieses Geisterdorf zu besuchen.

 

Worte können kaum beschreiben, was ich sah, deswegen werde ich versuchen euch mit den Bildern mitzunehmen.

 

Als ich wieder zu Hause war, schickte mir meine Wandergenossin einen Artikel, das Lifta wohl bald zerstört wird, um Platz für Häuser für reiche Israelis zu machen. Was werden die Nachkommen der Flüchtlinge wohl sagen.