Nächtliche Bauarbeiten

Vorgestern abend waren nach Einbruch der Dunkelheit plötzlich Bulldozer der israelischen Armee am Roadblock und bewegten Steine und Erde hin und her. Wir waren sehr nervös, was sie wohl taten, da es zu dunkel war, um wirklich zu sehen was sie taten.

Machen sie den Roadblock größer, oder räumen sie ihn weg, um womöglich zu uns zu kommen?

Mit unseren Kameras gingen wir an den Rand unseres Geländes, um aus immer noch mehr als 200 Meter Entfernung zu sehen, was die Soldaten vorhatten. Sie schütteten Erde auf, soviel war klar. Zum einen war dies eine gute Sache, wir mussten uns keine Gedanken machen, was wir mit Soldaten auf unserem Grundstück anfangen, aber auf der anderen Seite war ich traurig, dass es noch einen Roadblock gibt, verwundert, was ein 3. (!) Roadblock bewirken soll, und frustriert, dass wir nicht wussten, was wir dagegen tun sollten.

Nach einer Weile verschwanden die Soldaten, nur um nochmal kurz wieder zu kommen, als wir beim Essen waren.

Der Rest der Nacht war ereignislos. Heute hab ich es geschafft, zum Roadblock zu gehen. Die Armee hat eine zweite Straße ins Tal gesperrt, über die man Felder sowie unsere Apfelbäume und einen großen Teil unserer Weinstöcke erreichen konnte. Jetzt muss man laufen. Soweit ich weiß, gibt es keine andere befahrbare Straße ins Tal.

Straßensperren oder Roadblocks sind zusammen mit Checkpoints, Apartheid im Straßenverkehr und der „Sicherheitsmauer“ Teil der israelischen Besatzungspolitik, die die Bewegungsfreiheit der Palästinenser einschränken, um ihnen das Leben schwer zu machen, wodurch es für sie attraktiver erscheint auszuwandern.

Früher konnte man von Nahalin auf die Route 60 fahren, die zwischen Jerusalem und Hebron verkehrt. Man war in 10 Minuten in Bethlehem. Jetzt muss man entweder bis zum Roadblock laufen und ein Taxi nehmen, oder man fährt ca. eine halbe Stunde über eine neuem verwinkelte Straße für Palästinenser, die einmal unter der Siedlerstraße hindurchführt.

Ich nehme meistens den Fußweg zur Route 60 und dann das Sammeltaxi. Wenn ich nach dem Wochenende zu Zelt der Völker zurückkomme, treffe ich oft junge Männer aus Nahalin, die in Hebron studieren. Alle, die ich bis jetzt getroffen habe und die gut genug Englisch konnten, dass wir uns mehr unterhalten konnten als: „Welcome, welcome“ träumen davon, auszuwandern.

In ein reiches arabisches Land, wie Saudi-Arabien.

Es scheint lächerlich, dass jetzt noch ein Roadblock unser Grundtück abtrennt, aber jetzt können wir für die nächste Traubenernte vielleicht nicht mehr ins Tal fahren.

Daher sagte, vielleicht sei es eine Strafe, weil so viele Touris hier waren. Am Tag nach dem neuen Roadblock kamen zwei ganze Touribusse voll mit Holländern und Amis. Das nenne ich Timing.