Das Gefährliche an der CPT-Arbeit

Bevor ich nach Griechenland geflogen bin, haben mir verschiedene Leute gesagt, dass sie sich „sowas nie trauen würden“, „ich ganz schön mutig sei“, oder „ein Held“.

Diese Reaktion fand ich immer sehr seltsam und sie wollte eine sehr gute Antwort schreiben, damit ich nicht am Ende wieder als Held und auch noch demütig da stehen würde.

Ich hatte ein paar Punkte warum die Arbeit mit Christian Peacemaker Teams nichts für Helden sei (besonders in Griechenland):

  • Wir setzen uns hier gegen unmenschliche Gesetze und Praktiken, unter anderem auch Polizeigewalt ein, aber deswegen werde ich nicht von der Polizei verprügelt. Die ganze Idee ist ja, als internationale Präsenz Gewalt zu reduzieren.
    (In Palästina haben Siedler und Soldaten auch schon internationale Menschenrechtsbeobachter angegriffen und natürlich könnte das auch hier passieren, aber wir begeben uns hier gar nicht in solche Situationen hinein.)
  • Ich gehe in einer Woche wieder und kann diese Situation dann hinter mir lassen. Natürlich nehme ich Erfahrungen mit und will mich auch zuhause engagieren, aber wenn es hier HeldInnen gibt, dann sind es z.B. die Leute vom Dorf Aller Gemeinsam,  oder die Flüchtlinge, die alle nicht aus dieser Situation herauskommen und trotzdem weitermachen.
  • Das Wetter hier ist großartig.
    Wenn es Helden bei CPT gibt, dann die, die in Kanada arbeiten.

Das waren meine Punkte und ich dachte, dass ich damit gut zeigen könnte, dass ich hier in dieser Arbeit kein Held bin, auch wenn es wichtige Arbeit ist.

Aber ich lag falsch, es ist sehr gefährlich hier zu arbeiten und ich bin wohl doch ein Held.
Gestern Abend habe ich mir auf dem Heimweg von einer Kneipe den Knöchel verstaucht, war heute im Krankenhaus und jetzt habe ich einen dicken Gips am Fuß.

Zum Glück kann man auch am Laptop für den Frieden arbeiten

Offensichtlich ist es sehr gefährlich ein CPTer zu sein, besonders die Heimwege von der Kneipe.

 

 

 

 

Nachtrag: Was mich neben der Tatsache, dass ich kein Held bin an der Aussage stört, ist der Eindruck, dass eine solche Aussage versucht, Engagement zu etwas Besonderem und damit nicht für alle möglichen zu machen. Frei nach Dorothy Day: „Don’t call me a saint“.
Ich meine nicht, dass alle bei CPT arbeiten müssen.
Aber tätige Nächstenliebe und ja, auch politischer Aktivismus, sollten etwas für alle sein.