Wozu öffentliche Bibliotheken führen können

16. August 2010

Robs hat einen neuen Artikel geschrieben, eine Anekdote aus der Gemeinde über Autonomie und einfaches Leben, und über ein Buch, das in ihrer Gemeindebibliothek vorhanden sein wird. Er schreibt auch, dass ihn dieser Blogeintrag über Andrew Carnegie” nochmal bestätigt hat in der Idee die Gemeindebibliothek zu gründen.

Mal nachsehen, vom wem “dieser Blogeintragist. Ah, Kerstin, von ihr habe ich schon länger nichts mehr gelesen, schön was schreibt sie denn so über Andrew Carnegie, den zweitreichsten Mann der Welt, nach John Rockefeller?

“Vor fast 200 Jahren tat sich ein Weber in Schottland mit einigen anderen Männern zusammen. Sie stellten die fünf (!!!) Bücher, die sie besaßen, der Allgemeinheit zur Verfügung, eröffneten eine Leihbibliothek. Als dampfbetriebene Webstühle aufkamen und die Handweber mit der Konkurrenz nicht mithalten konnten, verarmte die Familie und wanderte nach Amerika aus.
Sein Sohn Andrew
[Carnegie] profitierte davon, dass ein reicher Bürger Philadelphias, seine private Bibliothek für interessierte Arbeiterjungs öffnete – man konnte sich jede Woche ein Buch ausleihen. Andrew bildete sich so gut er konnte und er hatte die Fähigkeit, Trends zu erkennen”

Da hat Robert also die Bestätigung für die Gemeindebibliothek her. Schön, dass Andrew trotz dem wirtschaftlichen Ruin seiner Eltern durch die industrielle Revolution eine zweite Chance bekommen hat. Hoffentlich behält er in Erinnerung was er erfahren und nutzt seine Fähigkeit, Trends zu erkennen” dazu, den beginnenden Großkapitalismus zu erkennen und etwas für die zu tun, die ein ebenso hartes, oder härteres Schicksal hatten wie er.

Ich lese weiter:

“In seinem Essay “The Gospel of Wealth” schrieb er einige seiner Überzeugungen nieder. Für ihn war der Glaube an den Fortschritt und die Weiterentwicklung der Menschheit Antrieb und Motivation. Er war überzeugt davon, dass begabte Menschen den technischen und wirtschaftlichen Fortschritt der Menschheit entscheidend voranbringen würden. Dass sie in dem Prozess auch reich würden, war für ihn selbstverständlich.”

Da Carnegie sich nicht als Christ bezeichnete, werde ich nicht auf den seltsamen Begriff des “Evangelium des Reichtums” und den Widerspruch zum Evangelium Christi eingehen. Das könnt ihr selber tun, ich empfehle Matthäus 19,24.

Begabte Menschen bringen die Menschheit technisch und wirtschaftlich in der Tat weiter. Aber auf diesen Fortschritt kommt es doch gar nicht an. Es kommt darauf an, dass wir wissen, was wir mit den neuen Techniken anfangen sollen, ob diese uns hilft bessere Menschen zu sein. Gleiches gilt für die Wirtschaft.

Aber das tun sie beide gerade nicht, Technik macht uns abhängiger von der Wirtschaft, weil wir nicht länger wissen, wie wir ohne die Technik, die auf komplizierter Arbeitsteilung aufgebaut ist, leben sollen und die Wirtschaft redet uns ein, wir müssten immer mehr Technik kaufen. Um diese Technik herzustellen wird ein Großteil der Hersteller (der echten Hersteller!) ausgebeutet, muss in unwürdigen und giftigen Bedingung arbeiten, stirbt in Folge dessen früher und ihre Kinder haben keine Bildung – außer natürlich wenn wie bei dem jungen Carnegie ein netter reicher Mann die Bibliothek öffnet.

Das man reich wird, wenn man die Arbeitskraft derer ausnutzt, die ungebildet sind, deshalb keine andere Arbeit finden können und ihnen dann weniger zahlt, als das, was sie produzieren, wert ist, ist irgendwie selbstverständlich.” .

Aber, “Er hielt es für eine Schande, wenn ein Mensch reich sterben würde.”

Mist, da hat er jetzt das ganze Geld, wohin nur damit? Der Artikel verrät uns wie Carnegie darüber dachte:

“- Geld zu vererben betrachtete er als Gefahr für den Charakter der Erben, die möglicherweise nicht gut mit dem Reichtum umgehen würden.
- Geld zu verteilen hielt er für unsinnig, da seiner Meinung nach viele Menschen es nur für Konsum, nicht jedoch für persönliche Weiterentwicklung verwenden würden. Nachvollziehbar. Als ich im Flugzeug über die Spenden las, sagte mein Sitznachbar: “Die sollten mir was von dem Geld geben.” Auf meine Frage, was er denn mit dem Geld tun würde, antwortete er “Going to the beach and party…and have some drinks.” Aha.
- Geld dem Staat zu vererben hielt er für unsinnig, da damit nicht sichergestellt wäre, dass das Vermögen auf eine gute Art und Weise und im Sinn des Spenders verwendet würde.
Damit blieb für ihn nur die Option
- Geld während der eigenen Lebenszeit in Projekte und Dinge zu investieren, die dem Wohl und dem Fortschritt der Menschheit dienen.
Andrew Carnegie, lebte gemäß seiner eigenen Überzeugungen. Für ihn war der Zugang zu Bildung sehr wichtig und so finanzierte er unter anderem den Bau und die Ausstattung von mehr als Tausend Bibliotheken. Auch die Carnegie Hall in New York wurde von ihm finanziert. Insgesamt spendete er zu seinen Lebzeiten mehr als 90 % seines enormen Vermögens für Bildung und andere soziale Zwecke.”

Ich muss Carnegie recht geben, die drei ersten Optionen sind Schwachsinn und würden wahrscheinlich großen Schaden anrichten, weil Menschen mit so viel Geld eben nichts anfangen können.

Und seine Lösung ist doch genial, der Mann finanziert nachhaltige Institutionen, die vielen Menschen geholfen haben.

Bleibt nur die Frage, wie vielen Menschen er auf dem Weg dorthin geschadet hat.

Wie viele sind wegen ihm verarmt und brauchten deshalb erst seine Hilfe?

Ich hoffe, dass die Gemeindebibliothek in Costa Azul keine Carnegies hervorbringt. Die Welt hat schon genug wohlmeinende Kapitalisten. Ich hoffe, dass die Gemeindebibliothek Aktivisten, Rechtsanwälte, Bauern, Pastoren und Politiker hervorbringt, die die Unterdrückung, die uns Technik und Wirtschaft gebracht haben beenden. In Paraguay, Südamerika und der ganzen Welt. Und wenn ich mir die Bücher ansehe, von denen ich weiß, dass sie dort stehen werden, bin ich guter Hoffnung.


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Im Westen nichts Neues

12. August 2010

“Zwei Jahre schießen und Handgranaten – das kann man doch nicht ausziehen wie einen Strumpf, nachher -”

Nachdem es über drei Jahre in meinem Zimmer gelegen hat, habe ich den Antikriegs-Klassiker endlich gelesen, nein verschlungen.

Erich Maria Remarque lässten den 20 jährigen Paul Bäumer vom Leben in den Schützengräben des “Großen Krieges” berichten, der nach der Lektüre nur noch groß in seiner Widerwärtigkeit und Grausamkeit erscheint. Mit einfachen und eindringlichen Worten beschreibt er wie sich die jungen Soldaten, die sich, von ihrem Lehrer gedrängt, als Kriegsfreiwillige meldeten, dem grausamen Geschehen anpassen, fatalistisch dessen Ende herbeisehnen und dennoch weiter daran teilnehmen. Widerstand wird nur dem sadistischen Vorgesetzten Himmelstoß geleistet, aber nicht der Armee und dem Krieg an sich, die einfach als ein großes Übel aufgefasst werden.

Immer wieder denkt Paul darüber nach, wie das Leben als Soldat ihn verändert, ruiniert hat. In seinem Heimaturlaub kann er mit dem Zivilleben nichts mehr anfangen, eine Erfahrung, die viele der deutschen Truppen, die aus Afghanistan heimkehren nur allzu gut nachempfinden können. Den Begriff der posttraumatischen Belastungsstörung (PTSD) gab es 1928 noch nicht, aber er trifft hier genauso zu wie bei den heutigen Soldaten.

Paul und seine Kameraden lenken sich wenn sie nicht an der Front sind konstant ab, mit der Suche nach zusätzlichem Essen, Skat, oder dem Verführen französischer Witwen. Sie reißen derbe Witze über den Krieg und das Sterben, aber wie sonst sollen sie damit umgehen? Das Trauma kommt in jeder freien Sekunde.

Die Bilder von Giftgas, Maschinengewehren und Tanks, die Remarque eindrucksvoll heraufbeschwört sind bedrückender als die meisten Horrorfilme, aber noch erdrückender sind die tiefen Einblicke in die kollektive Seele der jungen Kriegsfreiwilligen, die direkt aus der Schule kommen und nichts anderes kennen. Das Zitat vom Anfang stammt aus einer Unterhaltung die Paul mit seinen Kameraden führt darüber, was sie tun, wenn Frieden ist. Es geht so weiter:

“Wir stimmen darin überein, daß es jedem ähnlich geht; nicht nur uns hier; überall, jedem, der in der gleichen Lage ist, dem einen mehr, dem anderen weniger. Es ist das gemeinsame Schicksal unserer Generation.

Albert spricht es aus. ‘Der Krieg hat uns für alles verdorben.’

Er hat recht. Wir sind keine Jugend mehr. Wir wollen die Welt nicht mehr stürmen. Wir sind Flüchtende. Wir flüchten vor uns. Vor unserem Leben. Wir waren achtzehn Jahre und begannen die Welt und das Dasein zu lieben; wir mußten darauf schießen. Die erste Granate, die einschlug traf in unser Herz. Wir sind abgeschlossen vom Tätigen, vom Streben, vom Fortschritt. Wir glauben nicht mehr daran, wir glauben an den Krieg.”

Der 1. Weltkrieg war natürlich anders als die heutigen “asymmetrischen” Kriege, aber die zerstörerischen Effekte, die der Krieg auf Menschen, gerade auf die Ausführenden, die Soldaten, hat, sind die gleichen geblieben. Darum hoffe ich, dass jede/r SoldatIn dieses Buch liest und sich der Meinung der Überlebenden des 1. Weltkrieges, des “Großen Krieges” anschließt und ruft:

NIE WIEDER KRIEG!

Nie wieder Krieg, Käthe Kollwitz

Nachtrag: Remarque fand nicht, dass sein Buch ein Antikriegsbuch, sondern, dass es unpolitisch sei. Er fand es unnötig zu sagen, dass das Buch gegen den Krieg sei, da jeder gegen den Krieg ist, wie er dachte.

1963 sagte er in einem Interview: „Ich dachte immer, jeder Mensch sei gegen den Krieg, bis ich herausfand, daß es welche gibt, die dafür sind, besonders die, die nicht hingehen müssen.“

Categories: Gott & die Welt, Politik.

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Mein irisches Tagebuch

5. Mai 2010

Es ist jetzt schon zwei Wochen her, das ich heimgekehrt bin, aber jetzt komme ich endlich dazu euch einige der unzähligen Höhepunkte (es war fast ein Höhepunktgebirge) meiner Studienfahrt, die ursprünglich nur Nordirland beinhalten sollte, zu berichten.

Montag, 12.4., 6:00Uhr, Bammental: Ich muss aufstehen, und bin obwohl ich meinen Koffer schon vorher gepackt habe, bin ich zu spät. Kommen trotzdem pünktlich in Heidelberg an, ein Bus fährt uns nach Frankfurt, nicht ohne dass zuvor der erst von vielen Sprüchen wie: “Benni, ist das dein Koffer, der da noch am Straßenrand steht?” geäußert wurde. Da ich meinen Palästinenserschal vorsorglich im Koffer verstaut hatte und mein Name scheinbar noch nicht auf der “terrorverdächtig, weil mal Arabischschüler”-Liste steht, darf ich einchecken. Der Flug ist ruhig, im Dubliner Flughafen, bekomme ich auf Nachfrage einen Einreisestempel, leider ohne Wappen… Wir bekommen eine Touristeninfo über Nordirland ausgeteilt, in der viel über Belfast und das Land steht, die Troubles aber mit keinem Wort erwähnt werden – es fühlt sich seltsam an. Noch ein Bus, der uns nach Belfast fährt, der Linksverkehr irritiert mich, was noch den Rest der Studienfahrt so bleiben wird. Ankunft in Paddy’s Palace, einem zurecht billigen Hostel, sichere mir ein Hochbett, um mir nicht den Kopf anzustoßen. Der Rest des Tages ist gefüllt mit einem Stadtspaziergang und einem Pubbesuch.

Das erste Guinness ist magenbeunruhigend schwer, schließlich darf man ein Guinness erst trinken, wenn man ihn den Schaum sein Gesicht malen kann. Die Liveband im Robinson’s infiziert mich mit dem Ohrwurm der Studienfahrt: 500 miles.

Dienstag, 13.5., 8:00 Uhr (eigentlich 9:00 Uhr in Deutschland): Spätes Aufstehen – zwei Daumen hoch. Nach dem Frühstück machen wir eine Busrundfahrt und steigen an verschiedenen Plätzen aus, um die wundervollen Vorträge der anderen Studienfahrtteilnehmer anzuhören, die (teilweise)  komplett aus Wikipedia kopiert eigenständig vorbereitet waren. Während der Rundfahrt kommen wir das erste Mal durch die Belfaster Viertel, die eine weltweite traurige Berühmtheit durch die Troubles, wie die Zeit der Kämpfe zwischen loyalistischen (Leuten, die weiterhin mit Großbritannien verbunden sein wollten) und republikanischen (denjenigen, die zum Rest von Irland gehören wollten) paramilitärischen Gruppen und zeitweise der britischen Armee in den 1970ern bis 1998 genannt wird, erlangten.

Es war faszinierend und beängstigend zugleich, durch die Straßen zu fahren, wo noch vor wenig mehr als einem Jahrzehnt, Bürgerkriegsstimmung und gleichzeitig “Normalität” herrschte. Noch krasser war, dass man im Stadtkern, gar nichts von der Auseinandersetzung sah, dort gab es noch nicht mal Wahlplakate der Sinn Fein oder der Unionisten (gemäßigte Loyalisten); nur Plakate des nordirischen FDP-Äquivalent, nach Aussage eines Busfahrers: “Those people only get voted by doctors and they’re are just nonsense” – Ist es nicht überall das Gleiche?

Das zweite Guinness wird schon besser…

Mittwoch, 14.4: Heute kriegen wir eine Führung durch Falls Street, dem katholischen Arbeiterviertel Belfasts, von Seamus, der zehn Jahre für die Unabhängigkeit als IRA-Mitglied im Gefängnis saß und heute für eine von der EU-finanzierte Organisation namens Coisture arbeitet. Er erzählt mitreißend von der Unterdrückung, die die Katholiken hier in Falls und ganz Nordirland erlitten, vom Beginn der Troubles, von der “Vergewaltigung der Falls”, als die Armee das Viertel nach Waffen durchsuchte, von den Hungerstreiks, bei denen sich IRA-Aktivisten im Gefängnis zu Tode hungerten, um als politische Gefangene anerkannt zu werden, vom Towel und Dirty Strike, bei dem sie sich weigerten Sträflingsuniformen zu tragen, sich in Laken wickelten und sich nicht mehr wuschen, er rechtfertigt den gewaltsamen Widerstand gegen die britische Unterdrückung und ich verstehe ihn, auch wenn ich weiterhin glaube, dass Gewalt keine Probleme löst, wie man in Falls sehen kann.

Am Übergang zur Shankill Road, dem protestantischen Arbeiterviertel, das von Falls durch meterhohe “peace lines getrennt ist, treffen wir unseren protestantischen Führer, der zehn Jahre für die Ulster Volunter Force im Gefängnis saß. Er und Seamus geben sich kurz die Hand, dann verschwindet Seamus so schnell er kann wieder nach Falls, ihm ist es immer noch deutlich unangenehm in Shankill zu sein. Unser neuer Führer redet viel davon, dass es ihnen ja auch nicht gut gegangen ist und wenn man die alten Häuser sieht, merkt man, dass hier schlicht und einfach zwei arme Schichten aufeinander gehetzt wurden. Davon, das Nordirland und Irland ja jetzt in der EU wären und man vorwärts sehen müsse. Er schafft es nicht uns seine Sicht der Dinge so nah wie Seamus zu bringen, dass ich seinen Namen vergessen habe, sagt auch schon genug aus.

Der Tag, reich an Eindrücken, endet mit einem von meinen Zimmergenossen gekochten Colcannon und dazu Guinness oder wahlweise Cider.

Donnerstag, 15.4.: Einen ganz Tag (fast) nichts politisches, sondern einfach nur die Landschaft genießen. Wir überqueren eine Brücke in schwindelerregender Höhe, sehen den Giant’s Causeway, eine einst von Riesen erbaute Landbrücke zwischen Schottland und Irland, die leider auch von Riesen zerstört wurde. Das Zertifikat fürs Überqueren der Brücke werde ich in meinen Lebenslauf einfügen und auch, dass ich im Atlantischen Ozean geschwommen bin, wodurch mein Herz den Rest des Tages seltsam schnell geschlagen hat. Die irische Landschaft ist unglaublich schön und es tut gut einen Tag lang ein einfacher Tourist zu sein und die ganzen politischen Zusammenhänge zu ignorieren.

Mittlerweile beschäftigen uns in der Gruppe auch ganz andere Dinge. Der Vulkan mit dem unaussprechlichen Namen ist ausgebrochen und wie es aussieht kommen wir nicht mehr nach Hause. Während wir Schüler sich freuen über die verlängerte Studienfahrt, versuchen unsere Lehrer herauszufinden, welche Möglichkeiten es gibt, doch noch irgendwie nach Hause zu kommen.

Guinness schmeckt mittlerweile richtig gut.

Freitag, 16.4: Der Bus fährt uns nach Stroke City – die Schrägstrich-Stadt. Dieser Name wurde von Journalisten geprägt, die den Vorwurf der Einseitigkeit umgehen wollten. Denn eigentlich heißt sie je nach politischer Gesinnung Derry oder Londonderry. Hier verschlossen einst die Apprentice Boys den katholischen Zurückeroberern das Stadttor, sodass Nordirland protestantisch blieb, und hier fand am 30. Januar 1972 ein gewaltfreier Bürgerrechtsmarsch sein blutiges Ende als britische Paratroopers, eine Art Elitesoldaten, das Feuer auf die Demonstranten eröffnete und 13 Menschen erschossen, die meisten davon in den Rücken, als sie gerade flüchteten.

Hier, im katholischen Arbeiterviertel, Bogside, treffen wir Bob Kelly, der hier schon sein ganzes Leben lang wohnt und als Kind und Jugendlicher die Troubles und Bloody Sunday erlebt hat. Er und zwei Freunde haben diese Erlebnisse in Gemälden verarbeitet, Gemälde, die auf Häuserwände gemalt wurden. Derry ist für diese Murals mittlerweile weltberühmt, aber Bob und seine Freunde kriegen keine Unterstützung von der Stadt oder von der Regierung nur von den Leuten von Bogside kriegen sie ein wenig Geld für die Farben. Die drei nennen sich die Bogside Artists und sind während der Sommermonate eigentlich immer in ihre Gallerie zu finden, die für alle offen ist.

Bob führt uns durch die Bogside und erzählt von Bloody Sunday, von den täglichen Kämpfen, die sich zwischen Polizei und republikanischen Jugendlichen entwickelten und so zur Regel wurden, dass man zur Teatime pausierte. Er erklärt die Geschichten der Bilder, die Farbwahl, die persönlichen Randnotizen.

Er erzählt, das jedes Haus in der Bogside mindestens zweimal durchsucht wurde, wobei alles zerschlagen wurde. Erzählt wie Freunde von ihm unbeteiligt am Konflikt waren, aber irgendwie zwischen die Fronten gerieten und dafür mit dem Leben bezahlten. Immer wieder deutet er auf Gesichter in den Bildern und erklärt, woher er diese Menschen kannte. Beim Bild Petrol Bomber erzählt er uns von den Kindern, die Molotowcocktails bauten und dachten, sie könnten sich mit kaputten Gasmasken aus dem Zweiten Weltkrieg vor dem Tränengas schützen, die die Wirkung in Wirklichkeit nur erhöht haben.

Dann erzählt er uns von Free Derry, dem Viertel, das die Armee nicht mehr wagte zu betreten, weil sich die Katholiken organisiert hatten und von der Frau, die sie organisiert hatte: Bernadette Devlin McAliskey, die daraufhin jüngstes Parlamentsmitglied in der Geschichte wurde. Heute setzt sie sich für Immigranten ein.  Der Tod der Unschuld, wahrscheinlich mein Lieblingsbild. Es hat einige Veränderungen durch gemacht, früher war der Schmetterling nicht ausgemalt, das Kreuz dunkler und das Gewehr (nicht gut zu erkennen) noch ganz. Durch den Friedensprozess haben die Künstler diese Dinge dann in den heutigen Stand verändert.

Bob inspirierte mich sehr, da er für mich ein Zeugnis ist, wie man um Erinnerung bemüht sein kann, die die geschichtliche Wahrheit der Unterdrückung und Ungerechtigkeit benennt, und trotzdem die Hand ausstreckt zur Versöhnung. Ganz anders ist da das Museum of Free Derry, das von einem Angehörigen eines der Opfer von Bloody Sunday geleitet wird und der Ungerechtigkeit gedenkt, aber jeder Hoffnungsschimmer erstickt in dem muffigen Gebäude in dem die ganze Zeit der Livemitschnitt von der Demonstration läuft, wie am Anfang gesungen wird, und die Stimmung plötzlich umschlägt…

Wir sprechen in unserer Zimmergemeinschaft über unsere Gedanken zur Führung und dem Museum. Meine Kamera funktioniert plötzlich nicht mehr.

Am Abend feiern wir unseren “letzten” Abend mit den Lehrern – über eine halbe Stunde länger als ursprünglich erlaubt :D ..

Samstag, 17.4.: Wir fahren mit dem Bus nach Dublin und singen Karaoke. Wir haben mit Glück ein Hostel einer anderen Studienfahrt, die im Gegensatz zu uns, die wir nicht von Irland runterkommen, nicht reinkommen, erhalten. Das ist sehr viel schöner als Paddy’s Palace, aber dafür verwinkelter (Treppe hoch, laufen, Treppe runter, Treppe hoch…) und teurer.

Meine Zimmergenossen und ich sehen uns Dublin an, das viel schöner, aber dafür langweiliger ist als Belfast. Der Lonely Planet ist unser Reiseführer.. Ob wir nach Hause kommen ist unsicher

Sonntag, 18.4.: Ich besuche mit einem Mädchen aus meinem Lateinkurs die lateinische Messe in der Dubliner Pro-Cathedral, die Stimmung ist so feierlich und der Weihrauch riecht gut. Der Chor singt wunderschön und wir verstehen die lateinischen Teile besser als die englischen. Mal ist der Luftraum offen, Mal nicht…

Montag, 19.4.: Wir entwerfen in Gruppen Stadtrallys und lösen dann die einer anderen Gruppe. Teilweise fehlen ganze Hinweise, aber irgendwie kriegen wir es doch hin und haben dazwischen riesig viel Spaß. Wir werden Dienstag unsere Odyssee nach Hause beginnen und feiern noch Mal unseren letzten Tag, jetzt aber wirklich.

Dienstag, 20.4.: Viel zu früh stehen wir auf und besteigen die erste Fähre nach Holyhead, Wales. Es gibt ein riesiges Gerangel bei der Ankunft bis wir endlich unser Gepäck haben. Dann durch Wales und England nach Hull, wo wir die Nachtfähre nach Zebrugge nehmen. Auf der Fähre erleben wir überteuertes Essen, räuberische Wechselkurse, Playback-Livekünstler, und Glück und Pech im Spiel. Wir werden in den Schlaf geschaukelt.

Mittwoch, 21.4.: Mein Frühstück fällt den Schwankungen auf hoher See zum Opfer, aber zum Glück gibt es an Bord ja ein Buffet. Als wir in Belgien ankommen fahren wir sofort mit dem Bus weiter und kommen abends endlich in Bammental an. Wobei wir von mir aus auch noch ein paar Wochen auf der grünen Insel hätten bleiben können…

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Ausgezeichnete Karrieremöglichkeiten

10. Dezember 2009

Nach zweimonatiger Blogabstinenz zwingt mich nun mal wieder die Bundeswehr hier was zu schreiben…

Vor ein paar Wochen erhielt ich einen Brief per Post. Natürlich freute ich mich – passiert heutzutage ja nicht mehr so oft, dass man einen Brief kriegt. Ein Blick auf den Absender verriet mir, dass er vom Kreiswehrersatzamt war. Na ja, gefreut hab ich mich trotzdem, ich krieg nämlich so wenig Briefe, dass ich mich sogar über Briefe von der Bank, oder eben vom Kreiswehrersatzamt freue. Und außerdem kann man sich ja erstmal anhören, was die so zu sagen haben, nicht wahr?

Anlass des Briefes war das voraussichtliche Datum meiner Musterung, die irgendwann nächsten Sommer stattfinden wird. Sie betonen zwar, es sei wichtig, das Musterung und Einziehung, die ja erst nach der Schule erfolgen kann, nahe beeinander liegen, dass ich aber erst ein Jahr nach meiner Musterung Abi mache ist ihnen aber anscheinend egal.

Dem Brief liegen “Informationen für Abiturienten” bei, in denen existentielle Fragen aufgeworfen werden:

“Sie sind qualifiziert und machen demnächst ihr Abitur oder Fachabitur?”

Ja, zumindest das letzte trifft zu.

“Sie suchen einen sicheren Arbeitsplatz mit Perspektive?”

In Zeiten der Wirtschaftskrise muss ich ja schreckliche Angst haben und suche natürlich Sicherheit und Perspektive.

“Sie wollen studieren und gleichzeitig gut verdienen?”

Wer will das nicht?

“Sie wollen Karriere machen, sich aber nicht in volle Hörsäle quetschen?”

Natürlich will ich Karriere machen, was gibt meinem Leben sonst einen Sinn und volle Hörsäle mag ich auch nicht, woher wussten sie das bloß?

“Sie wollen moderne Technologien kennen lernen?”

Moderne Technologien sind immer toll und ob sie Leute umbringen ist mir ganz egal.

“Sie wollen Abwechslung und Herausforderung bei der Arbeit?”

Man kann Karriere machen und Abwechskung und Herausforderung bei der Arbeit haben? Das muss ein toller Job sein!

Die Lösung meiner Zukunftspläne besteht wohl, da ich schließlich alle Fragen bejaht habe darin, (und jetzt kommt’s!):

Offizier der Bundeswehr

zu werden. Wer hätte das gedacht? Schließlich waren meine Ansichten doch noch vor kurzem so eindeutig, aber es scheint, ein unpersönlicher Brief der Bundeswehr und einige Suggestivfragen haben mich überzeugt.

Ich kenne einige Militärberater, vielleicht werde ich die mal fragen, wie ich da am schnellsten hinkomme…

Categories: Anekdoten.

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Freispruch

8. Oktober 2009

Sogar in Italien gibt es noch Gerechtigkeit.

Gestern wurde die Lex Berlusconi gestoppt und die Kapitäne der Cap Anamur II freigesprochen.

Ich freue mich mit ihnen, aber warum wurden sie überhaupt angeklagt? Wie kam jemand auf die Idee, Menschen vor dem Ertrinken zu retten könnte ein Verbrechen sein, nur weil diese Menschen nicht die richtigen Papiere haben?

Im November wird ein ähnlicher Fall verhandelt, nur diesmal waren es afrikanische Seeleute, die keine Riesenlobby hinter sich haben, wie eine Menschenrechtsorganisation wie Cap Anamur – ob dieser Fall eine Signalwirkung hatte, wird sich dann zeigen.

Sicher ist jeden Fall eins: auch wenn die Kapitäne freigesprochen wurden, der italienische Staat und die EU haben deutlich gezeigt, dass wer Leben rettet zumindest mit jahrelangen Verfahren rechnen muss…

Ich möchte mich wirklich gerne freuen, aber da muss ich mich wohl anderen Dingen zuwenden, wie Fernsehserien, denn, wie Pro Asyl in ihrer Presseerklärung schreibt: “Europa lässt sterben.”

Categories: Allgemein.

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hingehen oder nicht?!

14. September 2009

ANTIFA-PlakatDem Plakat kann ich nur zustimmen.

Trotzdem bin ich hin und her gerissen, ob ich zu der Demo will.

Sie wird nämlich von der ANTIFA, die nicht gerade für ihre gewaltfreie Art bekannt ist, veranstaltet und auf ihrer Webseite wird auch zur Gewalt gegen Faschisten aufgerufen. Außerdem ist der Auslöser der Demo, das Nazis den Hund eines Anarchomusikers getötet haben, der Hintergrund ist natürlich, dass es einen massiven Anwuchs an Naziaktivität im Rhein-Neckar Gebiet und dem Kraichgau gibt.

Trotzdem, der Hund?!

Ich finde es vor allem deshalb seltsam, weil eben jener Künstler auf seiner Seite von seinem Veganismus erzählt und das er “antispezisistisch” ist, was wohl bedeuten will, dass er für die Gleichstellung von Mensch und Tier ist.

Warum hat(te) er dann einen Hund? Und wie ernährt(e) der sich? Veganisch?

Falls du (Michael Schade) das hier lesen solltest: Es tut mir sehr leid um deinen Hund. Ich finde nur, dass es unlogisch ist, auf der einen Seite gegen Tierversuche und generell Unterordnung von Tieren gegenüber Menschen zu sein und dann einen Hund zu “besitzen”.

Vielleicht geh ich am Samstag nach Sinsheim und frage dich wie du Gewalt gegen Tiere ablehnst und die menschlichen Tiere verprügeln kannst…

Categories: Allgemein, Argh!!!, Philosophie, Politik.

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Wer ist hier der Feigling?

26. August 2009

Letztens stieß ich über mehrere Ecken auf einen interessanten Text. Darin argumentiert der Autor, dass Pazifismus die ultimative Immoralität sei, das Letzte überhaupt. Als ich den Artikel anfing zu lesen, dachte ich, es sei eine Satire.

So dumm kann doch niemand sein zu behaupten, Pazifisten seien Feiglinge, die keinerlei Widerstand leisten würden, wenn sie angegriffen werden.

Aber dann dachte ich an die zahllosen Diskussionen, die ich geführt habe, in denen mir immer wieder Feigheit vorgeworfen worden war. In denen man mir abstruse Szenarien von unendlich bösen Einbrechern vorgab, die meine Familie umbringen wollten und die nur ich mit tödlicher Waffengewalt aufhalten konnte.

Es scheint, dass viele immer noch nicht wissen, was das eigentlich ist: Pazifismus.

“Pazifismus” kommt von “pacem ficere” – Frieden schaffen. Ziemlich aktiv also. Die meisten Leute verstehen Pazifismus aber als “Passivismus” – passiv sein aus Prinzip.

Mahatma Gandhi, einer der bekanntesten Pazifisten überhaupt sagte einst: “Wenn es nur die Alternative zwischen dem Gewehr und nichts tun gäbe, würde ich natürlich zum Gewehr greifen” – aber, wie er mit seinem Leben zeigte, es gab immer einen dritten Weg.

Pazifismus bedeutet sich aktiv gegen Gewalt und Ungerechtigkeit einzusetzen, wie Gandhi, als er mit seiner gewaltfreien Armee Indiens Unabhängigkeit erwirkte, oder Badschah Khan seinem pakistanischen Mitstreiter. Oder Martin Luther King, der die Rassentrennung in den USA bekämpfte und erschossen wurde, bevor er den “Arme Leute Marsch” nach Washington organisieren konnte, der alle Unterdrückten, ohne Ansehen ihrer Hautfarbe, vereinen sollte, um Gerechtigkeit zu erwirken.

Pazifismus heißt seine Feinde zu lieben und Menschen in ihnen zu sehen, auch wenn sie uns das Gegenteil beweisen wollen.

“Gewalt ist die Waffe des Schwachen; Gewaltlosigkeit die des Starken.” Mahatma Gandhi

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“Was fällt Ihnen eigentlich ein, die Polizei in Frage zu stellen?”

26. August 2009

Das wurde mein Vater heute gefragt, als er die Vertreter der Staatsgewalt daraufhin wies, dass sie Unrecht hatten.

Aber erstmal die ganze Geschichte:

Wir liefen gerade durch Augsburg, als plötzlich ein Polizeiauto durch die Straße fuhr und ein Beamter einen ausländisch aussehenden Fahradfahrer anschnauzte: “Hier ist eine Einbahnstraße! Sie müssten eigentlich 15€ Strafe bezahlen!”

Der irritierte Mann stieg von seinem Rad ab und schob weiter. Wir liefen verwundert weiter, weil Wolfgang sich sicher war, dass die Einbahnstraße wegen Bauarbeiten zur Sackgasse geworden war und deshalb in beide Richtungen geöffnet war, und die Polizist kam ihrer “Pflicht” weiter nach und ermahnte reihenweise die Radfahrer.

Als wir das Ende der Straße – von wo das Polizeiauto gekommen war – erreichten, sahen wir folgende Schilder:

schilderdschungel

Interpretation: Die Einbahnstraße ist aufgehoben, es ist eine Sackgasse, in welche die Einfahrt verboten ist, aber Anlieger sind frei.

Lachend beschlossen wir, die Reaktion der Staatsgewalt abzuwarten, wenn sie das einstweilige Ende der Straße (die Sackgasse) entdecken würde. Doch diese war damit beschäftigt, aus ihrem Fahrzeug lässig Bürger zu belästigen, und irgendwann hielt mein Vater es nicht mehr aus, ging zu ihnen hin und machte sie darauf aufmerksam, dass aus der Richtung, aus der sie gekommen waren, das Einbahnstraßenschild durchgestrichen war.

Die Antwort steht oben.

Nun bringt mich das zum Nachdenken. Was fällt mir eigentlich ein, die Polizei in Frage zu stellen?

Wie wäre es damit:

-Es ist das Recht eines jedes Bürgers, Widerstand zu leisten, wenn er vom Staat unterdrückt wird (so ungefähr in Art.20§4 des Grundgesetzes(GG))

- In Deutschland herrscht laut Art.5 des GG Meinungsfreiheit

- Die Polizisten haben in diesem Fall unsinnig gehandelt und damit Steuergeld verschwendet, als Steuerzahler ist es unser Recht und Pflicht, auf solche Verschwendung aufmerksam zu machen und sie zu unterbinden

All meine Vorurteile gegenüber der Polizei wurden mal wieder bestätigt – sind es am Ende gar keine?

Anlieger freiabsteigen, aber man darf durch

Hier der Schilderdschungel von der anderen Seite, der es deutlich macht, dass man als Fahrradfahrer zwar zwischendurch absteigen müsste, aber passieren dürfte. Die Stelle, wo man absteigen sollte, war vom Standpunkt des Polizeiautos gar nicht einsehbar, also konnten sie gar nicht nachweisen, dass ein Vergehen vorliegt. Der Verkehrsfluss verlief die ganze Zeit ohne Probleme und entlastete eine andere Straße, so dass Radfahrer sicher fahren konnten..

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GYS vorbei

14. Juli 2009

Der zweite Weltjugendgipfel der Mennos war ein super Wochenende!

Ich habe super Leute kennen gelernt und es war ein toller Anfang für die Weltkonferenz, die heute beginnen wird.

Ein paar Bilder kann man hier finden, es waren laut ein paar Leuten, mit denen ich sprach 700 Teilnehmer!

Das Motto “Dienen: Lebe den Unterschied!” hatte mich sehr gereizt, aber er kam in den kleinen Gesprächen besser raus als im offiziellen Programm, wobei die Delegierten in ihrem Programm vielleicht mehr darüber machten.

Morgens und abends leitete jeweils ein Kontinent den Gottesdienst. Am eindrücklichsten war für mich der nordamerikanische Gottesdienst, in dem die Delegierten aus Kanada  und USA für die Politik ihrer Länder und die teils arrogante Art wie ihre Kirche bis jetzt aufgefasst hat für Vergebung bat.

Mein Mund brauchte eine ganze Weile bis er sich wieder schließen konnte. So viel Einsicht hätte ich nicht von ihnen erwartet und ich vergab ihnen von ganzem Herzen – auch wenn ich weniger Anlaß dazu hatte als die südlichen Kontinente… Da aber niemand öffentlich reagierte ging Micky dann auf die Bühne und sagte, wie sehr es sie bewegt hatte und vergab ihnen – in kleineren Gespärchen ist glaube ich noch viel passiert.

Ich traf viele junge Menschen, die eine andere Hautfarbe, Kultur und Sprache haben als ich und dennoch meine Überzeugungen teilten, die Jesu Joch auf sich nehmen und ihm folgen wollen, woher er geht. Und ich traf leider auch einige, die meine Hautfarbe hatten, in meiner (oder einer ähnlichen) Kultur lebten und meine Sprache sprachen, für die es nur eine Gelegenheit war ein paar ihrer Freunde zu treffen, die wie sie waren.

Dank meiner Sprachkenntnisse konnte ich oft im interkulturellen Dialog helfen und spanisch-deutsch, oder spanisch-englisch (selten auch englisch-deutsch) dolmetschen

Ich traf viele bekannte Gesichter, aber ich fand nicht die Zeit mich mit ihnen zu unterhalten, weil ich immer irgendjemand traf, den ich nicht kannte und der eine interessante Geschichte hatte.

Am letzten Tag wurden uns die Ergebnisse der Delegierten vorgestellt, woraus sich noch eine interessante Diskussion über Frieden und Military Counseling Network ergab – es scheint das MCN in den USA noch ein wenig unbekannt ist… Daran nahmen aber wenige Teilnehmer teil, weil es zeitgleich mit dem Essen war, wie unterschiedlich doch manche Prioritäten sind.

Als der GYS schließlich war, kamen Freiwillige von einer anderen Organisation, um die Bühne anzubauen, außer mir wollte niemand ihnen helfen und die Theorie des Gipfels in die Praxis verwandeln.

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22. Juni 2009

christlicher Busfahrer Eine Stellenanzeige für Busfahrer – natürlich im Bus. Voraussetzungen: 25-35Jahre alt sein, Führerschein, Geburtsurkunde, etc besitzen, Fahrerfahrung und ein guter Christ sein.

So viel zu Religionsfreiheit im Berufsleben.

Auf der anderen Seite sind hier alle “Christen”: Sie leben zwar nicht danach, aber sie sind “Christen”, von daher hat nur der ehrliche Atheist, Muslim, Buddhist, Jude, oder was man auch sonst sein mag ein Problem.

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Ich war durstig, und ihr habt mir zu trinken gegeben Mt 25:35

20. Juni 2009

CPT Reservisten haben zusammen mit Aktivisten von “No more deads, no mas muertos” an der Grenze zwischen Mexiko und USA für Einwanderer Wasserbehälter aufgestellt – und wurden jetzt wegen “bewusstem Müll hinterlassens” angeklagt.

Unglaublich, wie das Gesetz von den Mächtigen verdreht wird.

Und das wahre Nachfolge Jesu auch in “freien”, “demokratischen” und “christlichen” Nationen wie den USA immer noch verfolgt wird.

Hier findet sich der Bericht auf der Webseite von CPT, die sich nun auch in meiner Linkleiste befindet.

CPT steht für Christian Peacemaker Teams und ist eine Nichtregierungsorganisation, die durch eine Rede von Ron Sider vor 25 Jahren auf der Mennonitischen Weltkonferenz in Straßbourg ausgelöst wurde. In dieser stellte Ron die Frage: “Was würde geschehen, wenn Christen sich mit derselben Disziplin und Aufopferung für gewaltloses Friedensstiften hingeben würden, wie Armeen sich dem Töten hingeben?”

Sie machen es sich zur Aufgabe sich zwischen Unterdrücker und Unterdrückten zu stellen – “Getting in the way”.

Heutzutage sendet CPT ständige Aktivisten nach USA, Kolumbien, Irak und Palästina und hat zeitweise Einsätze in anderen Gefahrenzonen, wie der Demokratischen Republik Kongo.

Ein guter Freund von mir macht diesen Sommer einen CPT-Einsatz in Palästina – ich bin gespannt was er berichten wird, vor allem, weil ich selbst überlege mal bei CPT einzusteigen.

Jetzt werden mich meine Eltern nie mehr aus dem Haus lassen, wenn ich erst wieder zu Hause bin. :D

Categories: Argh!!!, Frieden, Gott & die Welt, Politik, USA.

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So schlecht ist meine Schule gar nicht

3. Juni 2009

Schock und Anscheinend ist meine Schule doch nicht so schlecht, das waren meine ersten Gedanken.

Also, eins nach dem Anderen: Wie alle paraguayischen Medien heute berichten, hat gestern ein 82-jähriger -das der überhaupt noch unterrichten darf – Lehrer wurde von seinen Schülern gefilmt, wie er ihnen im Unterricht seine Pistole zeigte; mit der Begründung sie seien

unerträglich

gewesen. Dem Fernsehen sagte er:

Ich sagte ihnen, dass ich eine Waffe habe und wenn jemand ein Problem damit hat, soll er raus und auf der Straße auf mich warten.

Das Video hat keine gute Qualität, man versteht nicht, was gesagt wird, aber man erkennt klar, dass der Lehrer eine Pistole in die Luft hält.

[/pro-player]

Der Lehrer wurde bis auf weiteres suspendiert.

Hier findet man das Video. Ich kann es leider nicht auf den Blog bringen, da ich nicht weiß, wie es geht. Auch wenn man das Gesagte ohne Spanischkenntnisse nicht versteht, die Bilder erklären sich eigentlich von selbst.

In meiner Schule tragen die Lehrer keine Waffen und die Meinungsverschiedenheiten werden mit Worten ausgetragen.

Nachtrag: Auf Youtube habe ich das Video dann doch noch gefunden, funktioniert’s?

Categories: Frieden, Paraguay, Schule, krass.

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“So machen wir das mit Terroristen”

20. Mai 2009

Diesen Artikel habe ich gerade in der Internetausgabe der Süddeutschen gefunden…

krass kann ich dazu nur sagen…

Categories: Politik.

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Ein Schuss in den virtuellen Ofen

20. Mai 2009

Durch einen Freund habe ich gerade einen Artikel in der Onlineausgabe der ZEIT gefunden zu einer Parodie des Netzauftrittes des Bundesinnenministeriums.

Kurze Zusammenfassung: Ein Blogger hatte die Seite des Bundesinnenministeriums (BMI) parodiert, was aber gar nicht so bekannt wurde. DANN hat das Ministerium sie entdeckt und auf Bitte des Bundesverwaltungsamtes (BVA) sperrte der Provider (das ist die Firma, der der Server auf der die Seite ist) die Seite, wozu er NICHT gezwungen war!!! Kommentar des Schöpfers (der Seite) dazu: “(Es ist verwunderlich, dass) es Sperrlisten und neue Gesetze braucht, um unbestreitbar schwerstkriminelle Inhalte unzugänglich zu machen, wenn es ein paar Minuten dauert, harmlose Satireseiten mit wenigen Klicks am Tag vom Netz zu nehmen”… Da kann ich nur zustimmen…

Inzwischen hat er die Seite umgebaut und hat auf die Verwendung hoheitlicher Symbole verzichtet, was der angebliche Grund für die Sperrung war.

Durch die ganze Geschichte ist die Parodie viel bekannter geworden als vorher, wozu ich hiermit auch meinen kleinen Beitrag leiste…

Habe die Seite und seinen Blog verlinkt; in diesem Artikel und auch permanent an der Seitenleiste. Manche Artikel sind SEHR böse… aber an sich mag ich die Seite.

Der Kampf gegen den Überwachungsstaat geht weiter!

Mit diesen pathetischen Worten beende ich diesen Artikel. Ach nein jetzt sind es ja diese Worte, die den Artikel beenden, Mist ;) .

Categories: Argh!!!, Internet.

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Sintflut stoppt paramilitärische Übungen

14. Mai 2009

Nachdem ich mich gestern schon mit dem Gedanken angefreundet hatte, heute auf der Hauptstraße Limpios zu Ehren der Unabhängigkeit Paraguays zu marschieren, die zwar ohne Blutvergießen erfolgte, aber durch eine militärische Drohung durchgesetzt wurde, setzte der starke Regen dem geplanten Marsch doch einen Riegel vor und der Tag wurde stattdessen zu einem Segen für die Erde und die Leute, die jetzt nicht mehr so unter der Hitze leiden…

In wenigen Minuten werden wir in den Chaco aufbrechen, wo wir bei der Marcación (Brandmarkung) der Rinder auf der Estancia von Roberts Eltern helfen werden… Für mich als Vegetarier auf kultureller Auszeit eine Probe, wie sehr mein Wille zu kultureller Anpassung mich tragen wird…

Ach ja, jetzt regnet es gar nicht mehr, falls ihr euch Sorgen macht, dass wir untergehen würden :P

Categories: Frieden, Gott & die Welt, Paraguay, Schule.

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Wo ist das Mitleid geblieben?

5. Mai 2009

Vielleicht bin ich einfach zu sensibel, vielleicht kann ich meine Werte nicht einfach auf andere übertragen und von ihnen erwarten so zu denken wie ich. Aber was ich heute erlebt habe, hat mich so schockiert, dass ich immer noch darüber nachdenken muss.

In der Schule zeigte mir ein Klassenkamerad auf seinem Handy zwei Filme: Beim ersten handelt sich um eine Kastration eines Mannes durch einen wütenden Mob, was ich zuerst gar nicht begriff, erst als der Cumpañero es mir erklärte. Mir war schon ziemlich schlecht, aber gleich danach kam ein Film, in dem zwei vermummte einem dritten den Hals aufschnitten, bei dem ich wegging, als ich bemerkte verstand, das das Blut war, was da aus ihm rauslief! Währenddessen sagte mir der andere was ich leider schon wusste, dass die Filme echt waren und traurigerweise nicht gestellt.

Wegging ist eigentlich eine Untertreibung, ich stürzte zum Fenster, weil ich frische Luft brauchte, um nicht zu kotzen. Der Klassenkamerad lachte sich fast kaputt. Als ich beruhigt hatte, fragte ich ihn, ob er es lustig finde, das der eine jetzt keinen Penis mehr hatte (dieser spezielle Klassenkamerad ergibt sich immer in den Beschreibungen des Geschlechtsverkehrs, den er mit seiner Exfreundin hatte) und der andere gar nicht mehr lebte. Aber er lachte einfach weiter!

Das zweite Video hatte ein Mädchen aus unserer Klasse mitangesehen und sie redete weiter auf ihn ein, als die Lehrerin kam. Diese fragte dann natürlich gleich über welche Filme wir redeten. Ich wollte nichts sagen, weil Handys in der Schule verboten sind, aber die Klassenkameradin erklärte, dass wir über Videos, in denen echte Menschen umgebracht werden sprachen – schlauerweise ohne zu erwähnen, dass wir diese gerade gesehen hatten. Die Lehrerin redete erstmal über irgendeinen Ort in Bolivien, wo reiche Leute ihre Sex- und Gewaltphantasien verwirklichen, was sich für mich ein bisschen wie direkt aus dem Film “Hostel” übernommen anhörte, aber von irgendwo müssen die ja auch ihre Ideen kriegen.

Schließlich klärte sie der Junge selbst darüber auf, was eigentlich gemeint war – er wurde seltsamerweise weder für das Handy noch für den Besitz der Filme bestraft; aber die Lehrerin sah sich die Filme auch nicht an – und wir stiegen in die Diskussion über den eigentlichen Punkt der Sache ein: Warum amüsiert es jemanden zuzusehen wie Menschen gequält und getötet werden? Als ich die Frage ziemlich direkt an ihn stellte, sagte er es wäre gar nicht der Film gewesen über den er gelacht hatte, sondern meine Reaktion. Was im Film passiere brächte keine Reaktion, weder Freude noch Trauer, in ihm hervor. So was passiere halt. Doch diese Antwort wirft doch nur zwei neue Fragen auf: Warum hat er die Filme dann auf seinem Handy, wenn sie ihm gar nicht gefallen? und Warum findet er es lustig (vielleicht sogar lächerlich), dass jemand noch genug Mitleid hat, dass er von Hinrichtungen und Kastrationen angewidert ist?

Darauf bekam ich keine Antwort von ihm, nur die Standartantwort der Lehrerin, das die Leute durch das FERNSEHEN, die FILME, die MUSIK und vor allem die COMPUTERSPIELE so an Gewalt gewöhnt seien, dass sie es als normal ansehen würden und das auch genau wie in der Offenbarung sei, wo stehe, das eine Zeit kommen werde, wo das Schlechte von der Welt als Gut angesehen würde. Die übliche Masche unpolitischer Christen – die Welt ist so schlecht, aber wir machen nichts, weil es Gottes Wille ist, dass diese Welt untergeht. Wie mich das aufregt!

Ich bin zwar ziemlich überzeugt, dass das womit wir auseinandersetzen uns prägt aber auf der anderen Seite müsste ich nach dieser einfachen Erklärung diese Filme auch toll finden. Der Unterschied zwischen Horrorfilmen, Musik und Computerspielen (oder auch Pen&Paper Rollenspielen) auf der einen Seite und einem solchen Film oder auch den Nachrichten auf der anderen ist für mich nur eine Sache: das eine ist Phantasie, das andere die Realität.

Auch wenn ich in einem Computerspiel gegen Banditen kämpfe ist das was ganz anderes als echte Schmerzen und Leid zu sehen. Weswegen ich auch immer versuche die Bilder aus den Nachrichten oder das tägliche Leid der Leute an mich heranzulassen, aber es scheint, dass mein Klassenkamerad das nicht so sah.

Ich fragte ihn noch, ob er, wenn er den Mord an einem Freund sehen würde auch denken würde: “Ach ja das passiert halt”. War aber wohl zu zynisch, weil die ganze Klasse lachte und ich keine Antwort erhielt.

Nach der Stunde kamen vier Schüler zu ihm und schauten sich den Film an, über den “der Deutsche” sich so aufgeregt hatte – was so ziemlich das Gegenteil von dem war, was ich erreichen wollte.

Ich hoffe immer noch, dass ich hier noch soviel erlebe, dass ich diese Bilder vergessen kann, oder vielleicht sollte ich sie niemals vergessen?!

Ich habe dies unter Kulturschock gepostet, aber wenn man sich vor Augen hält, dass es in Deutschland dieselben Problem gibt, ist es vielleicht eher ein Kulturschock mit der Welt.

Categories: Anekdoten, Argh!!!, Frieden, Paraguay, Schule.

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Spontanes Wochenende Teil II (mein erstes Fußballspiel!)

4. Mai 2009

Ich bin ein bisschen hinten dran mit meinem Bericht, genau eine Woche nämlich, aber je mehr man erlebt, desto mehr hat man zu schreiben, gleichzeitig jedoch schwindet die Zeit, die man dazu benötigt. Ein für mich bis jetzt unlösbares Problem, was teilweise daran liegt, dass ich nicht darüber nachdenken kann, weil ich ja die ganze Zeit neue Dinge erlebe. Eine Spirale des Erlebens sozusagen.

Jetzt habe ich aber endlich mal Zeit und werde euch nicht weiter mit langweiligen Vorworten quälen, sondern endlich anfangen mit meinem Epos!

Während der Woche hatte ich schön mit einer Freundin, ausgemacht, dass wir uns am Sonntagnachmittag treffen wollten, wann genau, wollte sie mir Samstag schreiben. Als ich Samstag gegen zehn Uhr nachts immer noch keine Nachricht hatte, schrieb ich ihr mal eine SMS. (Das war während wir im Bus fuhren und ich gerade entschied, bei dem Freund aus der Gemeinde zu schlafen) So erfuhr ich, dass sie das Treffen ganz vergessen hatte, weil am Sonntag das Fußballspiel Olimpia vs. Cerro sein würde und sie und ihr Freund schon Karten gekauft hatten. Ich war ein bisschen enttäuscht, weil ich mich das letzte Mal vor zwei Monaten mit ihr getroffen hatte und mich sehr darauf gefreut hatte. Dann besann ich mich meines Vorsatz spontan zu sein und fragte zu meinem eigenen Erstaunen, ob es noch Karten gebe und kurze Zeit später hatten wir ausgemacht, uns mittags in Asunción zu treffen, um das traditionell spannendste Spiel zu sehen.

Hier wäre nun eine kurze Erklärung angebracht: Cerro und Olimpia sind zwei Fußballvereine aus Asunción, die erbitterte Feinde sind.

Nach dem Gottesdienst fuhren wir also nach Hause und ich bereitete meine Sachen vor, nur um dann viel zu spät in den falschen Bus einzusteigen, aber zum Glück ging er an der Straße vorbei, wo ich aussteigen musste, weshalb ich dann nur ein paar Blocks zu Fuß gehen musste. Am Treffpunkt wartete ich und wir telefonierten noch bis wir uns endlich trafen, wobei sich herausstellte, dass wir an einander vorbei gelaufen waren ohne uns zu sehen, bzw. der Freund hatte mich gesehen, er kannte mich ja aber noch gar nicht!

Also machten wir uns auf den Weg zur nächsten Straße, wo die Busse zum Stadion vorbeifuhren. Auf dem Weg stopften die beiden ihre Trikots in ihre Hosen und erklärten mir, die Stimmung zwischen den Fans der beiden Clubs sei nicht so gut, und es könnte sein, dass wir irgendwann mal vor den Cerristas wegrennen müssten, weil die ja so gewalttätig wären. Ich fragte nur, ob von den Olimpistas nicht auch ein wenig Gewalt ausgehen würde, aber das wurde vehement verneint. Als wir schließlich im Bus saßen waren wir auch sehr friedlich, obwohl neben uns genauso friedliche Cerristas saßen, die ihre Trikots auch versteckt hatten. Dann marschierte neben uns ein Trupp Olimpiafans mit Bannern und angezogenen Trikots vorbei, die als sie die heimlichen Cerrofans sahen, gleich mal bewiesen wie friedfertig sie waren und das Fenster des Busses einschlugen

Der Bus fuhr schnell weiter, beim nächsten Kommisariat stieg ein Passagier aus und informierte die Polizei, die sich den Schaden besah und weiter wahrscheinlich nichts unternahm. Der Angegriffene war zum Glück nicht sehr verletzt, er hatte einen Kratzer am Ohr abbekommen.

In der Nähe des Stadions stiegen wir aus und liefen den Rest des Weges an Polizeisperren vorbei zum Fanaufgang der Olimpistas, wo ich mir zum doppelten Preis ein Ticket kaufte und dazu noch ein Trikot, um nicht so aufzufallen. Während wir warteten endlich ins Stadion gelassen zu werden, lernte ich schon mal ein paar der Olimpiahymnen, die meistens anfeuernd für den Verein sind, manche aber auch Schmählieder über Cerro, den Erzfeind.

Als wir dann im Stadion waren, merkte ich erst, dass das Spiel noch lange nicht anfing, zu dem Zeitpunkt spielten auf dem Platz gerade die Jugendmannschaften der Vereine gegeneinander, was aber niemand zu verfolgen schien. Wir gingen unter die Tribüne, wo die Fans trommelten, sangen und tanzten. Es war eine sehr coole Stimmung und ein Vorbote, wie das ganze Spiel ablaufen würde.

Irgendwann löste sich diese Gruppe auf und wir gingen wieder nach oben, wo wir nicht lange warten mussten bis das Spiel begann. Unterdessen wurden längliche Luftballons verteilt, mit denen man wedeln sollte und die einen Riesenkrach machten, wenn man sie gegeneinander schlug, und die letzten Vorbereitungen für das Spiel getroffen.

Schließlich kam der Anpfiff und die erste Viertelstunde sah ich gar nichts, weil die Fans vor uns schwarz-weiße (Vereinsfarben) Regenschirme hochhielten und danach wurde ein Banner über unsere ganze Abteilung gerollt, das wir natürlich nicht lesen konnten, weil wir darunter waren. Es war aber sehr lustig.

Irgendwann gab es keine Regenschirme mehr, weshalb ich wenigstens ein bisschen vom Spiel sah, aber ehrlich gesagt, war ich zu beschäftigt mit den anderen zu springen und zu singen, sodass ich das 1:0 für Olimpia fast nicht bemerkte. Plötzlich stürzten alle nach vorne und zum Glück rannte ich mit, weshalb ich nicht überrannt wurde. Der Jubel war groß und bis zur Halbzeit beruhigte sich niemand mehr in unserem Teil des Stadions.

In der Halbzeitpause wurde für einige Firmen geworben, es gab eine erbärmliche Cheerleadervorführung und eine Gruppe demonstrierte gegen Fangewalt. Ich war so durstig, dass mich auch die vollkommen überteuerten Preise für Getränke nicht schocken konnten. Außerdem konnte ich mich in der Pause endlich mal hinsetzen, was während dem Rest des Spiels unmöglich war, weil man dann a) gar nichts mehr sähe und b) Gefahr liefe, dass jemand auf einen drauf springen könnte.

Nach der Halbzeit ging es mit Fanliedern und Springen weiter, als ob wir nicht schon eine Dreiviertelstunde alles gegeben hätten. Beim 2:0 war ich über die Freude meiner Freunde sehr überrascht, weil ich dachte Olimpia habe ein Eigentor geschossen, niemand hatte mir erklärt, dass in der zweiten Hälfte die Seiten gewechselt werden! Als ich das begriffen hatte, konnte ich mich auch weiter dem Freudentanz widmen. Die Cerristas waren mit dem Spielstand nicht so zufrieden und begannen sich untereinander zu prügeln, was anscheinend oft passiert und wir mussten manchmal aufhören zu singen damit alle Olimpistas dasselbe Lied sangen, weil sonst vielleicht auch bei uns Schlägereien begonnnen hätten. Zum Glück blieb auf unserer Seite aber alles ruhig. Stattdessen sangen wir weiter Lieder, wobei ich bei dem einen Lied den Text von “A todos los de Cerro vamos a matar” (Wir werden alle Cerrofans töten) in “A todos los de Cerro vamos a amar” (Wir werden alle Cerrofans lieben) änderte, was Reaktionen von Kopfschütteln bis Unmut hervorrief. So viel zur Feindesliebe im Fußball.

Zum Unmut der Cerrofans änderte sich der Spielstand bis zum Ende nicht mehr und sie begannen Flaschen auf das Spielfeld zu werfen. Nach dem Abpfiff marschierte Polizei in voller Krawallmontur auf und während alle das Stadion verlassen durften, mussten wir Olimpistas noch eine halbe Stunde in “Schutzhaft” bleiben, bis wir raus durften. Beim Rausgehen hatten es einige so eilig, dass sie die Kartenkontrollautomaten umrissen. Ich hatte meine Freunde am Ende aus den Augen verloren, traf sie aber draußen wieder. Wir fuhren siegestrunken mit dem Bus, wobei die Triumphgejohle sich jedes Mal steigerte, wenn wir Olimpistas sahen und sich in übelste Beschmpfungen wandelte, wann immer ein Cerrista sich blicken ließ. Ich fand es zum Einen seltsam, dass ein Sport und ein Spiel so viel Hass erzeugen kann, und – mehr noch eigentlich – fragte ich mich, warum die Gewinner so aggressiv waren, während die Verlierer relativ ruhig erschienen…

Wir zogen dann noch ein wenig um die Häuser und feierten schließlich mit Tankstellenfastfood den Sieg, bis ich mit dem Bus nach Hause fahren musste, weil am Montag ja wieder Schule war.

Alles in allem war es ein sehr spannendes Erlebnis, das zu haben ich mir vor kurzem noch nicht hätte vorstellen können. Ich will auf jeden Fall noch Mal auf ein Spiel gehen, was sehr wahrscheinlich ist, weil die Freunde, mit denen ich da war fast jedes Olimpiaspiel besuchen. Ich bin zwar (noch) kein Fußballfan geworden, aber doch ein Stadionfan, zumindest wenn die Fans so (größtenteils) friedlich und voller Freude feiern können, wie hier. Ich würde mir natürlich wünschen, dass sie sich an den Olympischen Frieden halten würden, aber das ist wohl ein allzu optimistischer Wunsch…

 

PS: Ich benutze jetzt hier zum ersten Mal eine Diashow, gebt doch bitte Kommentare ab, ob ihr diese Form besser findet, oder nicht…

Categories: Anekdoten, Paraguay.

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