Wer ist hier der Feigling?

Letztens stieß ich über mehrere Ecken auf einen interessanten Text. Darin argumentiert der Autor, dass Pazifismus die ultimative Immoralität sei, das Letzte überhaupt. Als ich den Artikel anfing zu lesen, dachte ich, es sei eine Satire.

So dumm kann doch niemand sein zu behaupten, Pazifisten seien Feiglinge, die keinerlei Widerstand leisten würden, wenn sie angegriffen werden.

Aber dann dachte ich an die zahllosen Diskussionen, die ich geführt habe, in denen mir immer wieder Feigheit vorgeworfen worden war. In denen man mir abstruse Szenarien von unendlich bösen Einbrechern vorgab, die meine Familie umbringen wollten und die nur ich mit tödlicher Waffengewalt aufhalten konnte.

Es scheint, dass viele immer noch nicht wissen, was das eigentlich ist: Pazifismus.

„Pazifismus“ kommt von „pacem ficere“ – Frieden schaffen. Ziemlich aktiv also. Die meisten Leute verstehen Pazifismus aber als „Passivismus“ – passiv sein aus Prinzip.

Mahatma Gandhi, einer der bekanntesten Pazifisten überhaupt sagte einst: „Wenn es nur die Alternative zwischen dem Gewehr und nichts tun gäbe, würde ich natürlich zum Gewehr greifen“ – aber, wie er mit seinem Leben zeigte, es gab immer einen dritten Weg.

Pazifismus bedeutet sich aktiv gegen Gewalt und Ungerechtigkeit einzusetzen, wie Gandhi, als er mit seiner gewaltfreien Armee Indiens Unabhängigkeit erwirkte, oder Badschah Khan seinem pakistanischen Mitstreiter. Oder Martin Luther King, der die Rassentrennung in den USA bekämpfte und erschossen wurde, bevor er den „Arme Leute Marsch“ nach Washington organisieren konnte, der alle Unterdrückten, ohne Ansehen ihrer Hautfarbe, vereinen sollte, um Gerechtigkeit zu erwirken.

Pazifismus heißt seine Feinde zu lieben und Menschen in ihnen zu sehen, auch wenn sie uns das Gegenteil beweisen wollen.

„Gewalt ist die Waffe des Schwachen; Gewaltlosigkeit die des Starken.“ Mahatma Gandhi