unerzählte Geschichten

Ich habe lange nichts mehr geschrieben.

Mal wollte ich nicht über etwas schreiben, mal wusste ich nicht wie, mal gab es kein Internet, dann keine Zeit.

All diese unerzählten Geschichten bleiben bei mir und viele werden erzählt werden. Vielleicht nicht hier, vielleicht nicht allen, aber ich tue mein Bestes, sie nicht dem Vergessen anheim fallen zu lassen.

Denn wenn im Wald ein Baum umfällt, und niemand davon erzählt, ist der Baum zwar gefallen, aber niemand wird sich an ihn erinnern.

Erste Gedanken zu bewegten Bildern

Wenn die Arbeit des Tages getan ist, die Sonne hinter den Hügeln im Mittelmeer versunken ist, schauen wir Freiwilligen meistens zusammen einen Film. Aufgrund eines vor kurzem verabschiedeten Abkommen zwischen Medienkartellen und unseren sogenannten „Volksvertretern“ darf ich über die Herkunft dieser Filme nichts genaueres sagen – jedenfalls haben wir keinen Mangel an Auswahl.

Schwieriger ist es jedoch, auf einen Geschmack zu kommen, aber nach längeren Diskussionen entscheiden wir uns normalerweise aufzuhören zu streiten und einfach den Film zu wählen, den die Person am Laptop schauen will. Ausschlaggebend für diese Entscheidung ist immer so etwas wie: „Ihr kennt DEN Film nicht? Den MÜSST ihr gesehen haben, das ist ’ne Bildungslücke.“

Die Erfahrung zeigt, dass dieses Argument sich für jede Art von Genre, ob Action, Drama, Liebesfilm, oder Zombiemassaker benutzen lässt. In der Tat haben wir auch schon alle diese Kategorien, sowie jegliche Überschneidungen abgedeckt. (Vielleicht wird es Zeit für eine andere Freizeitbeschäftigung..)

Jedenfalls habe ich in den letzten sechs Monaten sehr viele Filme gesehen. Gute – und weniger gute. Einige Beobachtungen drängten sich in der Zeit auf (die unter anderem durch ein Buch über Filme gucken geprägt wurden, dass ich mal gelesen hab):

  • erstaunlich wenige Filme schaffen es, die aristotelische Dramentheorie, zu überwinden: entweder,
    • der Held (meist der Held) findet eine Frau, verliebt sich in sie, kommt aber damit verbunden in einen Konflikt, dieser wird verdrängt, und nach anfänglichen Schwierigkeiten funktioniert alles, aber der Konflikt taucht unheilschwanger wieder auf, alles scheint zu Scheitern. Aber dann kommt der Deus ex Machina und löst die Probleme auf. Held darf die Heldin endlich küssen, und mit dem minutenlangen Herauszoomen aus der Nahaufnahme des Kusses in die Totale endet der Film. Jetzt wissen wir, der Film ist eine Komödie, es gibt noch Hoffnung und wir können fröhlich das Kino verlassen.
    • Der Held (immer noch meist der Held) steht in einem unauflösbaren Konflikt, der ihn einholt, gerade, weil er versucht – ihm zu entkommen, oder zu überwinden. Die Katastrophe geschieht, wie in der Komödie, aber kein Gott erscheint, um ihn zu erlösen, höchstens zu verdammen. Der Held stirbt (oder kommt an einen tabuisierten Ort, zum Beispiel ins Gefängnis). Wir trauern und befinden uns in einer Tragödie.
    • Ohne jede Katastrophe finden sich Held (immer noch) und seine Geliebte und dürfen sich behalten – wir sind in der Romanze, die sich fast nur noch bei Rosamunde Pilcher finden.
    • Die Form der Romanze wird als inhaltsleer entlarvt und karikiert. Die ersehnte Liebe vergeht, Langweile bleibt. Wir sind in der Farce, der ultimativen Dekonstruktion.

Fast jeder Film nimmt eines dieser Themen auf, Ausnahmen sind selten und meist nur Vermischungen verschiedener Kategorien durch die Verwendung mehrerer Protagonisten.

  • Wenn Filme sich nicht in privatistische Idealwelten ohne Gewalt und Ungerechtigkeit zurückziehen, so ist Gewalt die einzige effektive Lösung. Der Mythos der erlösenden Gewalt wird bestätigt und bestärkt. Mittlerweile zeigen zwar sogar ausgesprochene Actionfilme einige negative Konsequenzen von Gewalt. Das Leiden der Opfer, die Trauer der Hinterbliebenen und sogar die Probleme der Täter werden erstaunlich oft zumindest am Rande in neueren Actionfilmen gezeigt. Gleichzeitig wird verstärkt eine klare Unterscheidung zwischen illegitimer Gewalt der Bösen und der tragischen, aber legitimen und notwendigen Gewalt der Guten gemacht. Das bedeutet auch, dass Leiden und Tod der Bösen nicht hinterfragt wird, während der Tod eines Guten emotionalisiert und tragisch dargestellt wird und mehr Blutvergießen fordert. (Eine bemerkenswerte Ausnahme ist diese Szene aus Herr der Ringe: Die Zwei Türme).YouTube Preview Image
  • Der Erzbösewicht (ja, der) muss am Ende des Filmes immer sterben, oder zumindest hinter Gitter. Aus seiner Perspektive wäre der Kuss des Paares wohl eine Tragödie. Seine Existenz ist unvereinbar mit der Lösung des Konflikts. Versöhnung ist ausgeschlossen.
  • Ein winziger Bruchteil aller Spielfilme besteht den Becchel-Test. Dieser Test einer Feministin besteht aus drei Fragen: 1. Enthält der Film mindestens zwei Frauen mit Namen? 2. Reden diese zwei Frauen miteinander? 3. Über etwas anderes als einen Mann?Diese Fragen helfen uns, darüber nachzudenken, ob Frauen wirklich gleichberechtigt in diesen Filmen auftauchen (Die Antwort ist nein. Und es ist noch nicht mal irgendwo in der Nähe von einer Frauenquote von 40%). Der einzige Film der letzten Zeit, der den Test besteht ist Sister Act. Peinlich. (Dasselbe kann man mit anderen Randgruppen machen und auf noch deprimierendere Ergebnisse kommen. Wie viel Schwarze, Schwule, Alte, oder Kinder kommen in den meisten Filmen vor?)

Warum mache ich mir eigentlich so viele Gedanken über Spielfilme, die größtenteils flache und vorhersagbare Geschichten erzählen? Können wir uns nicht einfach den Film ansehen und entspannen? Muss man immer alles kritisieren und überinterpretieren?

Ich denke, Filme sind mehr als bloße Freizeitbeschäftigung. Seit Menschengedenken erzählen sich Menschen gegenseitig Geschichten. Und diese Geschichten sind nicht nur Freizeitbeschäftigung. Sie thematisieren die Fragen unserer Existenz, geben uns Bedeutung und Halt. Sie prägen und bestätigen unser Weltbild.

Als unsere Vorfahren sich um das Feuer versammelten und die Alten Geschichten erzählten, dann erklärten sie damit den Lauf der Welt, das Wesen der Dinge und den Sinn unseres Lebens. Manche dieser Geschichten sind uns erhalten, und die Bibliotheken, die mit ihren Interpretationen gefüllt sind, sind Zeugnis für ihre Wirkungsmacht. Durch Aufnahme, Auslegung, Weitergabe und Anpassung dieser Geschichten gewinnen sie an Bedeutung und werden Teil unserer Kultur.

Mit der Erfindung der Schrift wurde es möglich Geschichten zu kodifizieren und sie als endgültig zu erklären. Der Buchdruck machte es möglich diese Geschichten zu verbreiten und so die „Wahrheit“ vielen mitzuteilen, die ihre eigenen Geschichten dann aufhörten zu erzählen und die „wahre“ Geschichte erzählten. Massenkommunikationsmittel wie das Fernsehen ermöglichen es nun, allen vernetzten Personen die gleiche Geschichte zu erzählen. Diese zentralisierten Kommunikationsformen geben denjenigen, die sie kontrollieren, die Möglichkeit „die Wahrheit“ zu gestalten – wie wir zum Beispiel im Vorlauf des Irakkriegs sahen und jetzt wieder mit Iran.

Außerdem verwandeln wir uns mit fortschreitender Zentralisierung der Kommunikation immer mehr in Konsumenten. Wir hören auf uns gegenseitig Geschichten zu erzählen und setzen uns im Wohnzimmer vor den Fernseher (oder in der Höhle vor den Laptop).

Oft wird die Freiheit des Internets beschworen, indem jede/r Kultur schaffen kann und weitergeben kann. Zum einen ist diese Freiheit doch eher mau, zum Beispiel schränkt mich das Format dieses Blogs ein und um es zu ändern muss ich mich einer Kunstsprache unterwerfen. Noch größer ist Uniformität der Individualität auf Facebook, wo ich meine Persönlichkeit in gleichgroßen Bildern und Statusmeldungen, die ich am besten mit Markennamen und ähnlichem spicke, darstellen darf. Gleichzeitig arbeiten die Kräfte der Zentralisierung mit aller Kraft daran, diese Freiheit zu zerstören. SOPA (Stop Online Piracy Act) und ACTA (Anti Counterfeit Trade Agreement) sind nur die letzten in einer Reihe von Versuchen das Internet einzuschränken und in seinem Wesen endgültig zu einem Mittel der Propaganda zu machen (Erinnert sich noch jemand an den Bundestrojaner?).

Zurück zu den Filmen. Wenn Geschichten wirklich unser Weltbild prägen und bestätigen, können sie es dann auch infrage stellen? Und was ist mit Bewusstmachung?

Ich denke, wir sollten Filme ernster nehmen, und sie kritisieren. Wenn wir Gewalt ablehnen, aber kritiklos jubeln, wenn der Bösewicht am Ende des Films erschossen wird, glauben wir dann nicht immer noch an die erlösende Kraft der Gewalt? Wenn wir für Gleichberechtigung sind und doch nicht bemerken, dass immer nur weiße 30-Jährige Männer in den Filmen auftauchen, was heißt das für unseren eigenen Rassismus, Sexismus, Ageismus?

Gleichzeitig sollten wir ernst nehmen, wie wichtig vielen Menschen Filme sind und, dass diese sie unbewusst internalisieren. Oft werden diese Menschen Kritiker als Korinthenkacker und Spaßverderber wahrnehmen. Ich denke, es ist wichtig anzuerkennen, dass Filme die Weltsicht stark prägen und eine Erschütterung dieses Glaubens in die Verteidigung zwingt. Man sollte also behutsam vorgehen und zuerst den Balken im eigenen Auge sehen.

Außerdem lohnt es sich nach ungewöhnlichen Geschichten Ausschau zu halten – ein Ratgeber dazu kann Vic Thiessens englischsprachiger Filmblog sein. Und zu guter letzt sollte man sich auch nicht die Laune ganz von der Kritik verderben lassen, einfach nur im Hinterkopf behalten.

Ich werde in Zukunft ab und zu Analysen von Filmen oder Szenen hier veröffentlichen.

Und wieder einmal. Schreibblockade

Ich komme zur Zeit nicht zum Schreiben, nicht weil zu wenig passiert, oder ich keine Zeit habe. Ich bekomme meine Gedanken nur nicht in eine Form, die ich der Öffentlichkeit zumuten will.

So was nennt man wohl auch Schreibblockade.

Ich freue mich über die Nachfragen von manchen LeserInnen, warum keine neuen Artikel kommen, das heißt nämlich, dass meine Texte auch gelesen werden. Im Moment kann ich aber einfach nicht mehr liefern.

Bis bald, hoffentlich.

wo man mich zur Zeit lesen kann

Leider hatte ich bis jetzt noch nicht die Gelegenheit, euch von dem Leben und Arbeiten auf dem Weinberg zu erzählen, wo doch so viele spannende Dinge dort geschehen. Denn es waren ja gerade diese Dinge, die mich daran hinderten euch von ihnen selbst zu berichten. Diese Selbstreferenz finde ich immer wieder verwirrend und ich haben auch nicht die Zeit, näher auf diese Dialektik der Notwendigkeit spannende Dinge zu erleben, damit man sie aufschreiben kann, und der Unmöglichkeit sie aufzuschreiben, weil man dabei wertvolle Zeit verliert, in der man sie erleben könnte, einzugehen.

Stattdessen wollte ich euch nur mitteilen, dass ihr hier ganz ohne Passwort von dem lesen könnt, was ich die nächsten 2 Wochen tue. Nicht alle Artikel sind von mir, aber ganz sicher sind alle lesenswert.

Nochmal die Adresse: http://cptreise2011.wordpress.com

Erzählt allen von diesem Blog, postet ihn auf Facebook und hängt Fahnen aus dem Fenster auf dem die Adresse steht! (Nein, ehrlich, wir freuen uns über jede Leserin und jeden Leser, besonders auch wenn wir Feedback zu unseren Artikeln bekommen.

Einfach schreiben.

Das steht seit der neuen WordPress Version am rechten unteren Rand der Vollbildmodus.

Abgesehen von dem insgesamt sehr eleganten Design der neuen Version 3.2.1 motiviert mich gerade diese Kleinigkeit dazu, wieder mehr zu schreiben.

Nicht zu lange über Formulierungen und mögliche Missverständnisse nachdenken (oder Verständnisse, die mich in Erklärungsnöte bringen..), sondern einfach schreiben.

Schreibblockade

Nach vier Monaten versuche ich jetzt wieder, öffentlich etwas zu schreiben. Unter anderem auch, damit mein Vater sich keinen Facebook-Account zulegt, um herauszufinden, was ich alles fabriziere..

In vier Monaten ist vieles geschehen:

Obwohl in Fukushima immer noch alles verstrahlt ist und in Lybien Rebellen inzwischen seit drei Monaten mit Unterstützung der NATO erfolglos versuchen, den „Bruder Führer“ Gaddaffi zu vertreiben, und erfolgreich „Kollateralschäden“ bemerke ich angewidert, wie schnell ich mich daran gewöhnt habe.

In der Zwischenzeit habe ich mein Abitur bestanden und bin nun dabei herauszufinden, ob es ein Leben nach der Schule gibt.

jetziger Stand der Forschung: Es gibt auch nach der Schule Prokrastination und Langeweile, die ja einen großen Teil des Lebens ausmachen.

Nun aber dazu, warum ich seit vier Monaten nichts mehr geschrieben habe (abgesehen davon, dass ich z.B. Abitur gemacht habe und auch ganz allgemein nicht verpflichtet bin, euch mit meinen langweiligen Betrachtungen auch noch in schriftlicher Form zu nerven):

Mein letzter Artikel wurde mehrmals auf Facebook geteilt und in der Brücke, der Zeitschrift der deutschen Mennoniten veröffentlicht. Das hat mich eigentlich gewundert, da ich den Trxt zwar hier veröffentlicht habe und auch selbst auf Facebook gestellt habe, aber mehr um Leuten meine Klage auszudrücken, nicht, dass andere es wirklich lesen..

Den Text habe ich in einem Zug geschrieben und vor der Veröffentlichung in der Brücke nur noch einmal auf Anonymität der Betroffenen und Rechtschreibung hin durchgesehen.  Auf unserem Gemeindetag einige dankbare Rückmeldungen bekommen, über die ich mich zwar gefreut habe, die mir aber nur klarer gemacht haben, wie viele Menschen tatsächlich meine Worte gelesen haben. Diese Beobachtung hat mir das Schreiben schwer gemacht, da ich sofort viel höhere Ansprüche an mich hatte und das meiste, was ich schreiben wollte, platt und stillos fand. Oder zu intim. Oder, oder..

Nun habe ich aber beschlossen, in Zukunft öfter zu schreiben, um des Schreibens willen, der Blockade zum Trotz.

Ach, und aus mehreren Gründen, wird dieser Blog bald passwortgeschützt sein, wenn ihr also dazu aufgefordert werdet, meldet euch an und folgt meinen Abenteuern und Morgenbilligen..

 

 

KDV + Bild!

Begründung zur Kriegsdienstverweigerung

Eigentlich bin ich der Meinung, dass ich meine Weigerung, Kriegsdienst zu leisten, nicht begründen muss – ganz im Gegenteil – der Staat sollte mir beweisen, warum ich bereit sein sollte, eine Waffe in die Hand zu nehmen, andere Menschen zu verletzen und zu töten und selbst an Seele und Körper lebenslange Narben zu erhalten.

Da das Ganze so aber nicht läuft, werde ich im Folgenden meine Gründe liefern, warum ich dem Staat hier nicht zu Diensten sein kann und will.

Meine Eltern haben mir von klein auf gezeigt, dass Hass und Gewalt niemals zur dauerhaften Lösung eines Konflikts betragen, da nur Versöhnung und eine Herstellung gerechter Beziehungen dies bewerkstelligen können. Mein Vater war fünfundzwanzig Jahre im Deutschen Mennonitischen Friedenskomitee tätig und arbeitete in den Kriegsgebieten des Jugoslawienkriegs in Flüchtlingslagern, wohin er uns oft mitnahm, wodurch ich die Zerstörung durch Panzer, Gewehre und Bomber mit eigenen Augen sah, während wir in die menschenleeren Touristengebiete fuhren. Meine Mutter hat ein großes Herz für sozialbenachteiligte Menschen, die teilweise Opfer von Gewalt wurden, und auch strukturelle Gewalt seitens des Staates durch entwürdigende Sozialhilfeprozeduren und rassistische Asylgesetze erfahren haben.

In der Gemeinschaft, in der ich mit meinen Eltern lebe, nehmen wir oft Gäste aus aller Herren Länder auf, die meinen Erfahrungshorizont enorm erweitert haben und es mir unmöglich machen, in fremden Menschen meine Feinde zu sehen.

Ich bin als Christ aufgewachsen und habe mich mit vierzehn Jahren entschieden, dass Jesus Christus meine einzige Autorität sein soll, woraufhin ich mich habe taufen lassen. In der gesamten Bibel wird von Gott als einem Gott der Befreiung, der auf der Seite der Armen und Unterdrückten steht, erzählt; einem Gott, der die rebellische Menschheit, die meint, selbst herrschen zu können und dabei sich selbst ermordet, trotz allem liebt und sich bemüht sie zurück zu gewinnen.

Im Neuen Testament wagt Gott den ultimativen Schritt, wird selbst Mensch und liefert sich unserer Gewalt aus, er, unser Schöpfer. Die Berichte von Jesu Leben sollten Christen ein Beispiel sein, wie sie leben sollen, am deutlichsten wird dies in der Bergpredigt (Matthäus 5-7), in der Jesus die Ausgegrenzten und Schwachen selig preist, und das Gesetz, das Mose von Gott erhalten hatte, zu Ende denkt.

Heißt es dort: „Du sollst nicht töten“ (2.Mose,20,13) – was für eine Kriegsdienstverweigerung schon ausreichen würde – so sagt Jesus „Selig sind die Friedensstifter, denn sie werden Gottes Kinder heißen“ (Matthäus, 5,9) und „Liebet eure Feinde“ (Matthäus, 6, 44) – was mir die Grundausbildung, in der die Befähigung zum Mord zentral ist, unmöglich macht.

Des Weiteren glaube ich, dass Gott der einzige Herr über Leben und Tod ist und selbst die Gewalt am Kreuz bezwungen hat. Somit kann ich dem Ruf zu den Waffen nur mit Ablehnung begegnen; stattdessen will ich versuchen, mich in Konflikten auf der ganzen Welt gewaltfrei auf die Seite der Ohnmächtigen zu stellen und mit meiner Liebe, die nur ein schwacher Abglanz der Liebe Gottes ist, Tätern und Opfern zu helfen versuchen, in eine gute Beziehung zurückzukehren.

Mit Schrecken stelle ich fest, dass die Bundesrepublik Deutschland, die 1949 unter dem Eindruck der Gräueltaten der Shoa und des verbrecherischen zweiten Weltkriegs gegründet wurde, und „Nie wieder Krieg“ gelobte, diesen Vorsatz über den NATO-Doppelpakt, die Wiedereinsetzung der Bundeswehr, samt Wehrpflicht, den Einsatz im Kosovo und nun in Einsätzen in aller Welt, ob am Horn von Afrika oder in Afghanistan, komplett fallengelassen hat, und namhafte Politiker wieder Angst machen vor Pazifisten und offen über das Erreichen wirtschaftspolitischer Ziele durch Militäreinsätze sprechen.

Ich muss vielleicht gar nicht mehr verweigern, da die Wehrpflicht bald ausgesetzt wird und die Bundeswehr damit eine Berufsarmee wird, die losgelöst vom Volk, schlagkräftig und effizient in aller Welt in umgangssprachlichen Kriegen umgangssprachlich töten und sterben kann. Dennoch will ich verweigern, da ich somit meine grundsätzliche Ablehnung des Militärs ausdrücke und gegen eine plötzliche Wiedereinführung der Wehrpflicht gewappnet bin.

Mit den Worten Martin von Tours, des Patrons der Soldaten und Kriegsdienstverweigerer: „Ich kann nicht für den Kaiser kämpfen, denn ich bin ein Soldat Christi.“

stillos


Die FAZ hat es bestätigt und so kann ich nun eindeutig sagen, ich schreibe wie der große Psychoanalytiker, Sigmund Freud. Ich habe sogar ein Zertifikat erhalten: seht her und seid stumm geschlagen, von dessen Tabu.

Doch die Psychologie ist mittlerweile sehr empirisch geworden, daher  werde ich besser noch einen Text analysieren lassen. Heraus kommt:

Häh? Wer? Erstmal auf Wikipedia nachlesen… Aha. Die meistverkaufteste deutsche Literatin der Gegenwart, schreibt über moderne Frauen. Noch nie von ihr gehört… Vielleicht liefert ein weiterer Text eine eindeutigere Antwort.

Hab ich schon mal gehört. Ich bin beeindruckt von meinem eigenen Schreibtalent, nur große Schriftsteller werden mit mir verglichen..

Aber letztendlich behaupte ich, mein Schreibstil ähnelt am ehesten dem von

Wozu öffentliche Bibliotheken führen können

Robs hat einen neuen Artikel geschrieben, eine Anekdote aus der Gemeinde über Autonomie und einfaches Leben, und über ein Buch, das in ihrer Gemeindebibliothek vorhanden sein wird. Er schreibt auch, dass ihn dieser Blogeintrag über Andrew Carnegie“ nochmal bestätigt hat in der Idee die Gemeindebibliothek zu gründen.

Mal nachsehen, vom wem „dieser Blogeintragist. Ah, Kerstin, von ihr habe ich schon länger nichts mehr gelesen, schön was schreibt sie denn so über Andrew Carnegie, den zweitreichsten Mann der Welt, nach John Rockefeller?

„Vor fast 200 Jahren tat sich ein Weber in Schottland mit einigen anderen Männern zusammen. Sie stellten die fünf (!!!) Bücher, die sie besaßen, der Allgemeinheit zur Verfügung, eröffneten eine Leihbibliothek. Als dampfbetriebene Webstühle aufkamen und die Handweber mit der Konkurrenz nicht mithalten konnten, verarmte die Familie und wanderte nach Amerika aus.
Sein Sohn Andrew
[Carnegie] profitierte davon, dass ein reicher Bürger Philadelphias, seine private Bibliothek für interessierte Arbeiterjungs öffnete – man konnte sich jede Woche ein Buch ausleihen. Andrew bildete sich so gut er konnte und er hatte die Fähigkeit, Trends zu erkennen“

Da hat Robert also die Bestätigung für die Gemeindebibliothek her. Schön, dass Andrew trotz dem wirtschaftlichen Ruin seiner Eltern durch die industrielle Revolution eine zweite Chance bekommen hat. Hoffentlich behält er in Erinnerung was er erfahren und nutzt seine Fähigkeit, Trends zu erkennen“ dazu, den beginnenden Großkapitalismus zu erkennen und etwas für die zu tun, die ein ebenso hartes, oder härteres Schicksal hatten wie er.

Ich lese weiter:

„In seinem Essay “The Gospel of Wealth” schrieb er einige seiner Überzeugungen nieder. Für ihn war der Glaube an den Fortschritt und die Weiterentwicklung der Menschheit Antrieb und Motivation. Er war überzeugt davon, dass begabte Menschen den technischen und wirtschaftlichen Fortschritt der Menschheit entscheidend voranbringen würden. Dass sie in dem Prozess auch reich würden, war für ihn selbstverständlich.“

Da Carnegie sich nicht als Christ bezeichnete, werde ich nicht auf den seltsamen Begriff des „Evangelium des Reichtums“ und den Widerspruch zum Evangelium Christi eingehen. Das könnt ihr selber tun, ich empfehle Matthäus 19,24.

Begabte Menschen bringen die Menschheit technisch und wirtschaftlich in der Tat weiter. Aber auf diesen Fortschritt kommt es doch gar nicht an. Es kommt darauf an, dass wir wissen, was wir mit den neuen Techniken anfangen sollen, ob diese uns hilft bessere Menschen zu sein. Gleiches gilt für die Wirtschaft.

Aber das tun sie beide gerade nicht, Technik macht uns abhängiger von der Wirtschaft, weil wir nicht länger wissen, wie wir ohne die Technik, die auf komplizierter Arbeitsteilung aufgebaut ist, leben sollen und die Wirtschaft redet uns ein, wir müssten immer mehr Technik kaufen. Um diese Technik herzustellen wird ein Großteil der Hersteller (der echten Hersteller!) ausgebeutet, muss in unwürdigen und giftigen Bedingung arbeiten, stirbt in Folge dessen früher und ihre Kinder haben keine Bildung – außer natürlich wenn wie bei dem jungen Carnegie ein netter reicher Mann die Bibliothek öffnet.

Das man reich wird, wenn man die Arbeitskraft derer ausnutzt, die ungebildet sind, deshalb keine andere Arbeit finden können und ihnen dann weniger zahlt, als das, was sie produzieren, wert ist, ist irgendwie selbstverständlich.“ .

Aber, „Er hielt es für eine Schande, wenn ein Mensch reich sterben würde.“

Mist, da hat er jetzt das ganze Geld, wohin nur damit? Der Artikel verrät uns wie Carnegie darüber dachte:

„- Geld zu vererben betrachtete er als Gefahr für den Charakter der Erben, die möglicherweise nicht gut mit dem Reichtum umgehen würden.
– Geld zu verteilen hielt er für unsinnig, da seiner Meinung nach viele Menschen es nur für Konsum, nicht jedoch für persönliche Weiterentwicklung verwenden würden. Nachvollziehbar. Als ich im Flugzeug über die Spenden las, sagte mein Sitznachbar: “Die sollten mir was von dem Geld geben.” Auf meine Frage, was er denn mit dem Geld tun würde, antwortete er “Going to the beach and party…and have some drinks.” Aha.
– Geld dem Staat zu vererben hielt er für unsinnig, da damit nicht sichergestellt wäre, dass das Vermögen auf eine gute Art und Weise und im Sinn des Spenders verwendet würde.
Damit blieb für ihn nur die Option
– Geld während der eigenen Lebenszeit in Projekte und Dinge zu investieren, die dem Wohl und dem Fortschritt der Menschheit dienen.
Andrew Carnegie, lebte gemäß seiner eigenen Überzeugungen. Für ihn war der Zugang zu Bildung sehr wichtig und so finanzierte er unter anderem den Bau und die Ausstattung von mehr als Tausend Bibliotheken. Auch die Carnegie Hall in New York wurde von ihm finanziert. Insgesamt spendete er zu seinen Lebzeiten mehr als 90 % seines enormen Vermögens für Bildung und andere soziale Zwecke.“

Ich muss Carnegie recht geben, die drei ersten Optionen sind Schwachsinn und würden wahrscheinlich großen Schaden anrichten, weil Menschen mit so viel Geld eben nichts anfangen können.

Und seine Lösung ist doch genial, der Mann finanziert nachhaltige Institutionen, die vielen Menschen geholfen haben.

Bleibt nur die Frage, wie vielen Menschen er auf dem Weg dorthin geschadet hat.

Wie viele sind wegen ihm verarmt und brauchten deshalb erst seine Hilfe?

Ich hoffe, dass die Gemeindebibliothek in Costa Azul keine Carnegies hervorbringt. Die Welt hat schon genug wohlmeinende Kapitalisten. Ich hoffe, dass die Gemeindebibliothek Aktivisten, Rechtsanwälte, Bauern, Pastoren und Politiker hervorbringt, die die Unterdrückung, die uns Technik und Wirtschaft gebracht haben beenden. In Paraguay, Südamerika und der ganzen Welt. Und wenn ich mir die Bücher ansehe, von denen ich weiß, dass sie dort stehen werden, bin ich guter Hoffnung.


Heute ist ein guter Tag ein Nerd zu sein

Nerd sein ist schwer. Ständig muss man anderen Wesen erklären, dass das Leben sehr wohl sinnvoll ausgefüllt sein kann, wenn man Comics liest, Rollenspiele* spielt und tagelang darüber debattiert, welche die beste aller möglichen Parallelwelten ist. Immerhin gibt es ja unendlich viele. Nerds, wahlweise auch Freaks, oder Streber genannt, wir selbst bevorzugen die Bezeichnungen „Nerd“ oder „Geek“, für die bisher noch keine konsensfähigen Übersetzungen ins Deutsche gefunden wurden. Aber eine Forschungsgruppe testet gerade verschiedene Versuchsreihen.

Dann noch all diese Menschen, die denken, Nerds seien alle gleich, dabei gibt es sehr differenzierte Gruppen von Nerds, die teilweise durch uralte Fehden verfeindet sind, was immer wieder dazu führt, dass Ikosader rollen müssen:

  1. DC- und Marvel-Leser
  2. DSA-, D&D-, AD&D-, Midgard-Spieler und Spieler vieler anderer Systeme
  3. Wikipedianer
  4. Sci-Fi und Fantasyliteraten
  5. Mathematiker
  6. Physiker
  7. Alchemisten (heute unter dem Denkmantel der Pseudowissenschaft „Chemie“ bekannt, betreiben sie weiter die Suche nach dem Stein der Weisheit und der wahren Erkenntnis)
  8. Π-Jünger
  9. WoW gegen Guild Wars

Die Liste könnte noch sehr lange, weiter geführt werden, der Beweis, ob es endlich oder unendlich viele Strömungen des Nerdismus gibt steht noch aus, die zwei Möglichkeiten bieten wiederum zwei neue.

Diese inneren Streitigkeiten führen allerdings dazu, dass der Kampf um soziale Anerkennung – wie unwichtig sie den meisten Nerds auch offensichtlich ist, da sie sich sowieso seltenst in der sogenannten Realität aufhalten – gelähmt wird, was zu schweren Diskriminierungen gegen Nerds führt. So wird beispielsweise der volkanische Gruß („Live long and prosper“) immer noch meist mit Lachen quittiert, statt mit einer ernsten Antwort.

Selbiges gilt auch für „Möge die Macht mit dir sein“, oder Menschen, die Elbisch als ihre Wahlsprache sprechen.

Man kann also durch aus von Nerdophobie sprechen und folgern, dass wir Nerds eine sozial benachteiligte Gruppe sind.

Um auf dieses Problem aufmerksam zu machen und Geeks in ihrem Wesen zu bestärken, wurde der „Geek Pride Day“ 2006 ins Leben gerufen. An diesem Tag sollen Geeks und Nerds stolz sein Geeks zu sein.

Der Geek Pride Day findet heute, am 25. Mai statt, gleichzeitig auch der Towel Day zu Ehren von The Hitchhiker’s Guide to the Galaxy und dessen Autor Douglas Adams sowie Der Glorious 25th of May, für Terry-Pratchett-Fans. Drei Dinge stolz zu sein und diesen 25. Mai, und alle folgenden, gebührend zu feiern. Mit Handtuch, volkanischem Gruß und Scheibenwelt Romanen.

Live long and prosper!

PS: Noch ein paar meiner Lieblingszitate von Adams und Pratchett:

„An education was a bit like a communicable sexual disease. It made you unsuitable for a lot of jobs and then you had the urge to pass it on.“
Terry Pratchett
, Hogfather

[The pamphlet] was very patriotic. That is, it talked about killing foreigners.
Terry Pratchett
, Monstrous Regiment

God does not play dice with the universe; He plays an ineffable game of his own devising, which might be compared, from the perspective of any of the other players, to being involved in an obscure and complex version of poker in a pitch dark room, with blank cards, for infinite stakes, with a dealer who won’t tell you the rules, and who smiles all the time.
Terry Pratchett, „Good Omens“

In the beginning the Universe was created. This has made a lot of people very angry and has been widely regarded as a bad move.
Douglas Adams, The Hitchhiker’s Guide to the Galaxy
There is a theory which states that if ever anybody discovers exactly what the Universe is for and why it is here, it will instantly disappear and be replaced by something even more bizarre and inexplicable. There is another theory which states that this has already happened.
Douglas Adams, The Hitchhiker’s Guide to the Galaxy

Space is big. You just won’t believe how vastly, hugely, mind- bogglingly big it is. I mean, you may think it’s a long way down the road to the chemist’s, but that’s just peanuts to space.
Douglas Adams, The Hitchhiker’s Guide to the Galaxy

*: Nein, nicht das woran du gerade denkst. Pen&Paper-Rollenspiele. Oder höchstens LARP.