Abschied nehmen

Ich habe endlich ein offizielles Dokument, dass ich in der Schule war, es existiert schon seit über einem Monat aber der immergierige Schlund der Bürokratie hatte es verschluckt und erst gestern wieder hervorgewürgt.
Gestern feierten wir auch in einem Restaurant meinen Abschied und ich musste zum Abschied verschiedene Innereien probieren, womit ich das Gefühl habe, dass ich jetzt, wo ich alles probiert habe, ohne Zögern wieder Vegetarier werden kann.
Heute habe ich angefangen meinen Koffer zu packen und ich werde ihn nicht vollkriegen, weil Micky, Barbara und Cornelia schon so viel von mir mitgenommen haben.
Außerdem war ich heute in Asunción, um Andenken zu erstehen und noch einmal durch die Altstadt zu laufen.

Doch trotz all dieser Abschiedsprozesse finde ich es immer noch unbegreiflich, dass ich in fünfundfünfzig Stunden das Flugzeug nach Sao Paolo besteige, und dann bald in Deutschland ankomme – wie sieht Deutschland eigentlich aus?
Es war soviel los und selbst ohne all das Getöse; ich kann mir nicht vorstellen, wie ich in Deutschland lebe. Es erscheint mir unwirklich, dass man noch anders leben kann als so, wie ich gerade lebe; das es im Haus bedeutend wärmer sein kann als draußen (hier ist es gerade eiskalt: 4°C – ohne Heizung!)

Auch will ich einfach nicht gehen. Es ist nicht etwa so, dass ich nicht gerne zurückkäme – ich will nur nicht gehen und die paar Freunde, die ich gefunden habe, zurücklassen.

Morgen werde ich mich mit den Jugendlichen von der Gemeinde treffen und vorher meinen Flug bestätigen lassen – es wird seltsam sein mit ihnen zu reden und zu wissen, dass ich sie vielleicht nie wieder sehe.

Als ich Deutschland verließ war ich frohen Mutes und nicht sehr traurig zu gehen – höchstens wegen meinen Haaren -, aber das lag daran, dass ich wusste ich komme zurück; dies ist kein ewiger Abschied.

Hier bin ich mir da nicht so sicher.