Endlose Schachspiele und traumatische Erlebnisse

Ich bin heute erstaunlich früh, nämlich um 8 Uhr (in Europa 12 Uhr), aufgewacht und habe mich auch sonst schon relativ gut an die Zeitumstellung gewöhnt.
Nach dem Frühstück musste ich fünfmal gegen Joel Schach spielen, was vielleicht daran liegt, dass er viermal in Folge gewonnen hat, was teils in meiner Unachtsamkeit, aber auch zum großen Teil in seinem Können begründet liegt.
Nachdem ich ihn einmal besiegt habe, hatte er dann aber erstmal keine Lust mehr 😉 .
Das Spiel gegen Martin lief schneller aber auch dramatischer ab, nach seiner leider allzu klaren Niederlage brach er in Tränen aus und ich musste ihm versprechen nicht mehr so fies (sprich normal) zu spielen, aber wenn er mir eine Figur wegnimmt lacht er ganz dreckig, der kleine Schlawiner.

Als Robert dann nach einer Konfliktintervention wiederkam, machten wir uns auf zum Centro Educativo Ñandejara, ich habe natürlich vergessen meine Papiere mit zu nehmen, weswegen wir unter anderem morgen noch mal hin müssen, oder meinen Fotoapparat bei mir zu tragen, weswegen ich euch (noch) keine Bilder präsentieren kann.
Der andere Grund warum wir morgen wieder hinmüssen ist, dass bei der Anmeldung Unterlagen erforderlich sind, von denen noch nie die Rede war, Original der Geburtsurkunde zum Beispiel, die werden hier anscheinend geradezu inflationär benutzt.
In der Schule kauften wir aber noch meine Schuluniform – ich habe noch keine Bilder gemacht und jetzt ist es zu dunkel – die aus einer Art Jogginghose, und einem Poloshirt an normalen Tagen und einmal die Woche aus einer blauen Hose, weißem Hemd und einer KRAWATTE (wtf!) besteht, ich weiß noch nicht mal wie man eine Krawatte bindet!!!!
Joel, der in die erste Klasse kommt, muss auch einmal die Woche eine Galauniform, so nennen die die Uniform mit Hose, Hemd und Krawatte hier, anziehen, aber er hat eine besonders tolle Krawatte, die man nicht binden muss, weil sie ein Gummiband oben hat. Auf Nachfrage gab es dieses Modell aber nicht für meine Größe, qué pena!
Außer dem Hemd sind alle Kleidungsgegenstände mit Polyester, was bei dem Klima hier nicht gerade zur Bequemlichkeit beiträgt.

Nach der Schulbesichtigung besuchten wir die Kirche, wo Robert Pastor ist, Fotos werden nach gereicht, und fuhren schließlich heim.
Zunächst hatten wir geplant nachmittags irgendwie wegzufahren, aber wegen dem Fall aus der Gemeinde mussten Robs und Leoni noch mal weg und ich hatte die ehrenvolle Aufgabe auf Joel, Martin und Ana aufzupassen.
Das klappte alles ganz gut, außer, dass ich zum ewig mit dem Playmobil, was ich mitgebracht hatte spielen musste, warum habe ich das mitgebracht, frage ich mich 😉 !
Aber, dann machte Ana in ihre Windel! Na super! Zunächst reagierte ich wie jeder vernünftige Mensch reagieren würde: ich ignorierte das Problem und setzte mich weg von ihr, beziehungsweise sie weg von mir, da sie mich irgendwie für eine Art Kletterburg hält, zum Glück war sie sehr müde und schlief ein ohne sich zu beschweren. So konnten wir alle den Missstand eine gute Stunde ignorieren, während derer ich betete, dass die rechtmäßig zum Beheben dieses Gestanks Verpflichteten bald zurückkehren würden und ihres Amtes walten würden, doch wie so oft wurden meine Gebete nicht erhört um mich, wie manche sagen würden, zu prüfen, oder, wie ich in der Situation selbst zu denken pflege, zu quälen (Diese Situation brachte mich wirklich dazu mir die Theodizeefrage neu zu stellen und mich in eine Reihe mit Menschen, wie Hiob, zu stellen.)
Im Gegenteil, statt der rettenden Erlösung durch die Windelwechsler, wuchs der Gestank und Ana wachte schließlich aus ihrem miefenden Dornröschenschlaf auf, bemerkte selbst wie sehr sie roch, ich glaube immer noch, dass sie durch den unerträglichen Gestank aufwachte, und weinte pausenlos. Diese Kombination von Extrembelastungen für Nase und Ohr konnte ich nun wirklich nicht mehr ertragen und fasste den, wie ich finde, heldenhaften Entschluss Ana und mich von unseren Leiden zu befreien, sprich sie ungefähr neunzig Minuten nach ihrem Geschäft davon zu trennen.

Ich möchte euch die Szene nicht allzu genau beschreiben, da ich gehört habe, dass sich Erbrochenes auf Bildschirmen und Tastaturen nicht allzu gut macht, aber lasst mich euch Unerfahrenen sagen, bekommt niemals Kinder, begebt euch nie in die Nähe der Kinder eurer Verwandten und Freunde, wenn diese gewickelt werden müssen und solltet ihr die erste Warnung übergangen haben, überredet euren Partner mit ALLEN euch zur Verfügung stehenden Machtmitteln, dass ihr niemals für das Wechseln der Windeln zuständig seid!!
Und an euch, die ihr schon einmal, vielleicht sogar mehrfach Windeln gewechselt habt, ihr seid Helden und Mama, Papa ihr habt mir gegenüber wirklich große Liebe bewiesen!
Es ist das Widerlichste, was ich jemals gerochen habe, und ich habe schon einmal einen Furz aus einem Glas gerochen, in das mein Bruder (das will was heißen) zuvor gefurzt hatte!

Eine halbe Stunde später kamen Leoni und Robert zum Glück zurück und ich konnte mich hierher zurückziehen, fern von allen Kleinkindern, die mich zum Riechen an ihren Fäkalien zwingen.

So, jetzt habe ich gegessen, Joel‘s Playmobil-Friedenspfeife wiedergefunden und ein wenig gelesen (Wer bin ich und wenn ja, wie viele?) und jetzt werde ich mal ins Bett gehen.

7 Gedanken zu „Endlose Schachspiele und traumatische Erlebnisse

  1. Danke für die Bewunderung uns, deinen Eltern, gegenüber. Auch ich bewundere dich, dass du es dann doch geschafft hast Ana sauber zu machen. Ein Tipp: je schneller und zeitnäher am Ereignis du das erledigst, umso appetitlicher ist es noch und umso leichter zu beseitigen, weil noch nicht verdrückt und festgeklebt.

    Ich weiß, das ganze ist echt Sch…. Im Wortsinn!

    Wenn ich es gelernt habe, kannst du es auch lernen! Wir wussten doch alle, dass deine Zeit in Paraguay eine Zeit des Lernens sein wird. Nicht nur Spanisch, auch alles mögliche andere. Der Umgang mit kleinen Kindern mit allem drum und dran, will gelernt sein.
    Und in ein paar Jahren … Ich verspreche dir, ich werd mich um die Enkelchen kümmern, sie auch mal wickeln. – Hauptverantwortung werden aber doch wohl die Eltern tragen, oder?

  2. Benni, ich höre auf deinen Rat. Also, ich bin stolz auf dich….du hast so was mit 17 gemacht….ich habe nur bei einer Windelwechselung geholfen. Ich finde, du hast gut reagiert. Hättest du nicht den Jungs befohlen können, sich selbst um die Windel zu kümmern? Oder waren sie davon nicht gestört?

  3. sie sagte, sie wüssten nicht wie es geht, also die kacke wegwischen, Joel hat ja dann die neue Windel drauf gemacht

  4. ….
    Es ist das Widerlichste, was ich jemals gerochen habe, und ich habe schon einmal einen Furz aus einem Glas gerochen, in das mein Bruder (das will was heißen) zuvor gefurzt hatte!
    ….

    Nur um eins klar zustellen. Ich war das nicht mit dem Glas.

    Gruß

    Fritz

  5. Hi Benni, ich beglückwünsche Dich zu dem Erfolg, bzw. zur beseitigung desselben!
    Aber ich kann Dir versichern, es geht noch schlimmer. Ich weiß wovon ich rede!!!
    Gruß
    Reinhard

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