Spontanes Wochenende Teil I

Ich hatte mir nach meiner Krise letzte Woche vorgenommen spontaner zu werden 😉 . Das setzte ich letztes Wochende ziemlich konsequent durch. Hier das erste meiner spannenden Erlebnisse:

Zunächst mal schlief ich ganz spontan bei einem Freund aus der Gemeinde in seinem ziemlich ärmlichen Haus und musste in seinem Bett schlafen, während er auf dem Boden schlief – Ich konnte ihn nicht davon überzeugen ,dass es mir unangenehm war, dass er ein solches Opfer für mich brachte.

Und das kam so: Der Jugendleiter hatte alle Heranwachsenden der Gemeinde in sein Haus am anderen Rand von Asunción eingeladen. Ich kam mit einigen Verwicklungen in den richtigen Bus, in dem zufällig sogar ein Paar aus der Jugendgruppe war, denen ich mich dann unauffällig anschließen konnte, weil sie im Gegensatz zu mir, den Hauch einer Ahnung hatten. Dort angekommen planten wir die Jugendstunden für den Monat Mai, inklusive einem Theaterstück für den Muttertag, bei dem ich zum Glück keine Rolle bekam, und einem für das Treffen der Jugendgruppen unserer Schwestergemeinden, bei dem ich nicht entkam. Ich werde Jesus spielen, und der andere blonde Gott… Ich versuchte zwar mich zu wehren, vor allem, weil ich es schrecklich finde, dass sie sich Jesus – und jetzt sogar Gott! – immer als blond vorstellen. Das ist übrigens nicht meine Interpretation, sondern wurde als ein Argument genannt, warum ICH Jesus spielen soll, weil ich blond bin.

Nach dieser Besprechung führte uns der Jugendleiter noch durch Canal 2, ein christlicher Sender, wo er immer arbeitet, wenn er nicth gerade für die Gemeinde arbeitet, zumindest kommt es einem so vor. Es ist erstaunlich, dass der Sender so bekannt und groß ist, aber in einem einzigen, nicht wirklich großen Gebäude Platz findet. Auf einem freien Fernseher schauten wir einen Zeichentrickfilm über Eier, dem ich nicht ganz folgen konnte, weil daneben stumm CNN Español lief, mit einem Bericht über die Schweinegrippe in Mexiko, die zu dem Zeitpunkt angeblich 86 Tote gefordert hatte (Die Zahlen wurden inzwischen nach unten korrigiert – aber da hat es mich echt schockiert).

Schließlcih gegen neun Uhr nachts, mussten wir Richtung Limpio fahren und während wir auf den Bus warteten, sagten mir die anderen, es wäre ziemlich gefährlich jetzt an der Kreuzung, wo ich normalerweise meinen Anschlussbus nehme, auszusteigen und der eine, der auch mein Klassenkamerad ist, bot mir an ich könne bei ihm schlafen. Ich zögerte noch ein bisschen, schließlich rief ich dann Leoni an, beriet mich mit ihr und sagte ihr dann, ich würde dort schlafen.

In Limpio angekommen verabschiedeten wir uns von den anderen, brauchten ein wenig, bis ich aufhörte mich wegen der Bettgeschichte (äh nein, so war das nicht gemeint….) zu schämen, dan tranken wir noch einen Cocido (heißer Tee aus Yerba, Milch und zuviel Zucker), spielten ein wenig Gitarre und legten uns schlafen… zumindest probierte ich es. In der Nacht schlief ich sehr schlecht, weil er den Ventilator auf der höchsten Stufe hatte, weshalb es viel zu laut war und ich bitterlich fror… aber ich wollte nichts sagen, weil er sehr gut zu schlafen schien, irgendwann schlief ich dann auch ein…

Morgens gingen wir nach einem sehr bescheidenen Frühstück zum Gottesdienst.

Es war ein besonderes Erlebnis, dass mich Demut und Freude gelehrt hat. Demut, weil ich die Gastfreundlichkeit armer Leute annehmen musste und Freude darüber, wie gut es mir finanziell geht.

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