Eine kleine Anekdote aus dem PTS

Gestern (Dienstag) lief ich an der Pinnwand im PTS vorbei und sah, dass jemand auf das Plakat zu den Inspirationen am Abend geschrieben hatte: „Auch die Einbrecherbanden?“
Eine rhetorische Frage, die anscheinend implizieren sollte, „Einbrecherbanden“ seien egal.
Das „egal“ bezieht sich auf dem Plakat auf geflüchtete Menschen, weshalb mit dem Graffiti wohl gemeint ist, die „Einbrecherbanden“ rekrutierten sich aus dieser Menschengruppe.

Die Formulierung auf dem Plakat ist wohl auch ein Wortspiel auf den bekannten Slogan „Kein Mensch ist illegal“, wogegen sich der Autor (die Autorin) wohl positionieren wollte.
In seinem (oder ihrem) Kopf bestand da wohl ein Zusammenhang, wonach Menschen aufgrund ihrer Handlungen ihr Wesen veränderten und damit auch ihren intrinsischen Wert verlierten und daher „egal“ (oder per Implikation „illegal“ würden).
Wie man als TheologiestudentIn auf so einen Gedanken kommen kann, ist schwer nachvollziehbar.

Ich wunderte mich ein wenig, war aber in Eile und ging weiter.

Heute (Mittwoch) lief ich wieder an dem Plakat vorbei.
Es hatte sich in der Zwischenzeit verändert.

Jemand hatte den ersten Kommentar abgerissen und damit seine/ihre Meinung zu diesem Kommentar geäußert. Diese damnatio memoriae erwies sich aber nicht als erfolgreich (weswegen sie meist auch nur bei Toten angewendet wird). Neben dem neuen Loch fand sich ein neuer Kommentar in derselben Handschrift: „Angst vor der Wahrheit?“.

Wieder dieser fragende Impetus, der sich herausfordernd und kritisch gibt. Man fragt sich, ob es noch andere rhetorische Mittel gibt.

Auch dieses Mal konnte ich nicht am Plakat verweilen, ich musste weiter zum Seminar. Aber die Frage ließ mich nicht los. Habe ich etwa Angst vor der Wahrheit?
Sind die geflüchteten Menschen eigentlich nur auf unserem Reichtum aus und bilden „Einbrecherbanden“ und nehmen sich den ganz praktisch?
Ist es nur naives Gutmenschentum, diese „Wahrheit“ nicht anzunehmen, auszublenden und vor ihrer Sichtbarmachung „Angst“ zu haben?

Halt, Stopp!

Es ist doch gar nicht wahr. Die Frage ist nicht wahr, ihre Implikate sind Lügen.
Einerseits haben sie höchstens eine sehr lose Beziehung zu empirisch verifizierbaren Daten, geben sich aber in einer Form (Frage!) die sich dieser Überprüfung entzieht.
Wichtiger ist aber, dass sie von keiner Wahrheit ausgehen, insbesondere keiner die theologisch als Wahrheit zu bewerten wäre.

Bevor ich hier noch weiter schreibe – ich bin mal wieder in Eile – erzähle ich die Geschcihte kurz zu Ende. Statt den Kommentar abzureißen und damit eigenmächtig zu entscheiden, was man lesen darf und was nicht, habe ich einen eigenen Kommentar in einer Sprechblase dazugehängt.

Außerdem hängen da jetzt noch ganz viele Sprechblasen.
Vielleicht wollen sich ja noch andere an einer stillen Diskussion beteiligen und solche Thesen nicht einfach unkommentiert stehen lassen.

Ich werde alle paar Tage mal wieder vorbeigehen und die Wand dokumentieren, vielleicht kriegen wir ja unseren eigenen (politischeren) „virale Philotür„.

Und vielleicht kommen ja mehr Leute zu der Inspiration am Abend, diesen Sonntag 28.6., 19 Uhr in der Peterskirche.

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Entwurf:
Theologisch (in meinem Verständnis) als Wahrheit qualifiziert zu werden, was von Jesus Christus zeugt. In ihm hat die Wahrheit selbst Gestalt angenommen und wir haben sie verworfen. Die Wahrheit wurde von Menschen gekreuzigt und lies sich doch nicht zum Schweigen bringen. Diese Wahrheit war selbst zur Flucht gezwungen und wendete sich allen Ausgeschlossenen zu.
„So ihr bleiben werdet an meiner Rede, so seid ihr meine rechten Jünger, und werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen.“ Joh. 8

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