Das ABC der Besatzung

Diese „Seekarte“ zeigt die Zerstückelung des Westjordan- lands durch die Verträge von Oslo.

Die orangenen Gebiete sind Städte wie Ramallah, Bethlehem, Hebron, Jenin und Jericho. Sie, sowie das hellgrüne Gebiet um sie herum sind Zone A, die unter vollständiger Kontrolle durch die palästinens- ische Autonomie- behörde (PA), sowohl im zivilen als auch im Sicherheitsbereich ist. Was das israelische Militär aber nicht daran hindert, dort einzumarschieren, um Leute zu verhaften, oder Angst zu verbreiten.

Zone A macht etwa 18% des kompletten Gebiets aus, es leben aber circa 55% der Palästinenser des Westjordanlands in den Städten.

Die dunkelgrünen Gebiete ist Zone B (21% des Gebiets, 41% der Bevölkerung), die größtenteils Dörfer umfasst. Hier ist die PA für die zivilen Angelegenheiten verantwortlich, während Israel sich um „Sicherheitsbelange“ kümmert. Wenn also ein Konflikt im Dorf ist, muss man die Besatzungsmacht holen, um sich Gerechtigkeit zu verschaffen. Und die ist nicht unbedingt geneigt, zu helfen.

Das blaue Meer ist Zone C (innerhalb des Westjordanlands, leider hat der Zeichner die Grenzen nicht eingezeichnet…), die 61% des Gebiets ausmacht, und 5% der Palästinenser beherbergt.

Dies ist das ländliche Gebiet, die Felder, Olivenhaine und Weinberge der Bauern. Es war die Grundlage der palästinensischen Wirtschaft, die bis zur Besatzung die ganze Bevölkerung mit Nahrung versorgt und noch exportiert hat. Außerdem gehen alle die Städte und Dörfer verbindenden Straßen durch diese Zone. Und hier sind auch die israelischen Siedlungen

Zone C ist vollkommen unter israelischer Kontrolle, zivil- und sicherheitstechnisch. Wer ein Haus bauen will, oder eine Wasserleitung an sein Grundstück führen will, muss die israelische Zivilverwaltung fragen (und wird normalerweise abgelehnt). Wenn Siedler deine Ziegen vergiftet haben, darf die palästinensische Polizei nicht ermitteln, für alles ist die Besatzungsmacht zuständig. Gleichzeitig arbeiten viele Menschen aus den Dörfern in den Städten und müssen täglich reisen, was durch permanente Straßensperren und mobile Checkpoints zu einem stundenlangen Unterfangen bei ein paar Kilometern werden kann.

Hier findet auch die Enteignung von Land durch den israelischen Staat statt, über die ich später schreiben werde.

Da Bauern in Palästina größtenteils in Dörfern leben und tagsüber auf ihre Felder gehen, leben in Zone C wenige Menschen (aber immer noch 150.000). Es sind vor allem Nomaden, oder Dorfbewohner, deren Dörfer nicht anerkannt werden, weil sie zu klein sind. Oder seltsame internationale Freiwillige, die in Höhlen wohnen und Schutzpräsenz sind.

Die Siedlungen in Area C sind mittlerweile so groß, dass es doppelt so viele Siedler dort gibt, als Palästinenser, die sich durch den großen Druck auf sie oft entschließen in die Städte zu ziehen. In der letzten Zeit gab es Überlegungen in der israelischen Rechten Zone C offiziell zu annexieren und den Palästinensern dort (und nur dort) in den liberaleren Entwürfen sogar Bürgerrechte zu geben.

Die PA kann dann ihren Staat in den unzusammenhängenden Inseln der Städte und Dörfer haben, die 39% der Westbank (8,5% des Mandatsgebiets). Damit gäbe es ganz offiziell Reservate von Palästinensern in einem Großisrael.

Bis jetzt ist aber alles noch in diesem undefinierten Schwebezustand: offiziell erhebt Israel keinen Anspruch darauf, dann manchmal schon und letztlich bewegt sich nichts. In der ganzen Zeit werden weiter Fakten geschaffen und die Endgültigkeit der Siedlungen zementiert.

Heute schon teilt der Staat Israel die Einwohner der Zone C in zwei Gruppen: Palästinenser, die nach Militärrecht behandelt werden und kaum ihre Grundbedürfnisse in den Bereichen Wasser und Obdach oft nicht befriedigen können, und israelische Siedler, die volles Bürgerrecht in Israel besitzen, in staatlich geförderten Häusern wohnen und noch anders staatliche Unterstützungen erhalten.

Der Status Quo ist eine Apartheid, die sich hinter Unklarheiten und rechtlichen Details versteckt, und sie ist für Israel die einfachste Lösung von allen.

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