Die Geschichte der Komposttoiletten

Als ich den letzten Artikel veröffentlicht hatte, merkte ich, dass ich vergessen hatte zu erwähnen, wie die Komposttoiletten zum Zelt der Völker kamen. Diese Geschichte ist eine der besten, die ich hier gehört habe, und ist für mich eine bleibende Inspiration:

Mordechai (Name geändert) wuchs in einer national-religiösen jüdischen Familie auf, in der er lernte, wie seine Familie aus dem Jemen fliehen musste, weil „die Araber sie so sehr hassten“ und sie nach Israel kamen. Glaube war wichtig in der Familie, aber steif und fern, verkopft und Mordechai fremd.

Auf der Suche nach Identität zog er in eine illegale Siedlung, in der Nähe von Ramallah. Diese Siedlung ist, was normalerweise als „Außenposten“ bezeichnet wird, eine Siedlung, die nicht nur nach dem Völkerrecht, sondern sogar nach israelischem Recht illegal ist, weil sie auf Land gebaut wurde, dass in palästinensischen Privatbesitz ist und vom Staat Israel nicht genehmigt wurde. Nach einer Weile merkte Mordechai, dass er in dieser Art seine Liebe und seine Verbundenheit mit dem Land nicht leben konnte. Er suchte nach anderen Wegen, seine Wurzeln zu finden und das „heilige Land“ zu lieben.

Auf dieser Suche lernte er, wie aus organischen Abfällen, und sogar Fäkalien fruchtbarer Boden werden kann und begann für Festivals und abgelegene Gemeinschaften Komposttoiletten zu bauen. Eines Tages kam er auf Dahers Weinberg, blieb eine Weile, und bemerkte, dass dort, trotz der Wasserknappheit, Trinkwasser die Toilette hinunter gespült wurde. Er bot seine Hilfe an und baute mit den Freiwilligen zusammen vier Komposttoiletten.

Weil immer mehr Gäste kommen, fand Daoud, dass es notwendig war, noch zwei Komposttoiletten zu bauen, weswegen Mordechai kam und uns half, das Gerüst zu bauen. Bei dieser Arbeit konnte ich viel mit ihm reden und ihn als ruhigen, glücklichen und bescheidenen Menschen erleben, der eine lebendige Beziehung zu einem Gott hat, der ihn in Besitz nimmt, und nicht Mordechai ihn. Genauso liebt er das Land, nicht wie ein Objekt, dass er besitzen kann, sondern wie eine Geliebte, mit der er zusammen lebt.

Er macht keinen Anspruch die Lösung für die Probleme hier zu kennen, aber er will seinen Teil dazu beitragen, indem er uns besucht und mit seinem Wissen eine Not lindern kann, ohne sich aufzudrängen. Und wie er einmal zu mir sagte:

„Vielleicht sind Komposttoiletten die Lösung. Immerhin geht es hier um Land und dabei passiert viel Scheiße. Ich mache aus Scheiße Land, also, wo ist das Problem?“

2 Gedanken zu „Die Geschichte der Komposttoiletten

  1. Danke für diesen und den vorigen Artikel! Warum sollte das nicht die Lösung sein, wenn aus Scheiße Land gemacht wird. Als ich klein war, also in den 1950er Jahren begann der Siegeszug der WCs in Deutschland. Bei den Verwandten auf dem Bauernhof und der Oma mit dem Kolonialwarenladen gab es noch lange Plumpsklosett, was damals als rückständig belächelt wurde. Obwohl es dort interessante grob geschnittene Zeitungsschnipsel zu lesen gab, manchmal leider an der spannnendsten Stelle durchgeschnitten. – Inzwischen spülen wir ja hier im Haus mit Regenwasser, aber nach Weinbergkriterien ist das auch Trinkwasser. Und weiterhin geht wertvoller Dünger zusammen mit giftigem Zeug ins Abwasser und es wird giftiger Klärschlamm produziert, der das Land verseucht, das damit gedüngt wird, wenn er nicht „thermisch beseitigt“ wird. Also auch hierzulande, ließe sich Land gewinnen – aus Scheiße.

  2. Ja, die Geschichte von Mordechai ist wunderbar. Und die Komposttoilette(n) auf Dahers Weinberg scheinen auch gut, sehen jedenfalls so aus. Ähhm, wie riechen sie denn? Und was ist mit den Fliegen? Natürlich ist es Irrsinn, dass wir in Trinkwasser …………..
    Aber ich wohne in einem Mehrfamilienhaus, und gegenüber ist ein Hochhaus mit 12 Etagen. Meine Phantasie lässt mich im Stich, wenn ich mich frage, wie da die Komposttoilette einzuführen wäre. Was ich mir vorstellen kann: Alles Waschwasser von Waschbecken, Dusche usw. würde in einem Tank gesammelt und von da zum Spülkasten der Toilette geleitet. Nur wenn sich die Leute zu selten waschen, das Waschwasser also nicht reicht, könnte der Spülkasten auf Trinkwasser umschalten oder auf Regenwasser, das vom Dach gesammelt werden müsste, wie es anscheinend in Bammental gemacht wird. In Deutschland soll es übrigens meistens genug Wasser geben; wenn die Leute Wasser sparen, müssen manchmal die Leitungen durchgespült werden, weil sich Keime entwickelt haben.

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