Die ersten 40 Stunden sind geschafft!

Wie man schon in einigen vorhergehenden Artikeln lesen konnte, hatte ich eine „interessante“ erste Woche. Es gibt viel erwähnenswertes: Zunächst der Schulbeginn am Montag mit Flagge hissen, dem ich schon einen ellenlangen Beitrag widmete, mein Klassenwechsel, oder mein fachlicher Disput mit meiner Physiklehrerin, für die dasselbe gilt.

Aber es sind auch noch andere Dinge geschehen, die mich mit einem lachenden und einem weinenden Auge 😀 🙁 an diesem meinem ersten richtigen Wochenende (das man vom Rest der Zeit unterscheiden kann, da es – im Gegensatz zur Normalität – nicht von Schule belegt ist).

So habe ich beispielsweise guten Anschluss in meiner vorwiegend Y-Chromosom freien Klasse (vulgo: es sind fast alles Mädchen) gefunden und lerne außer Spanisch zu verstehen, dass mit der Geschwindigkeit einer MG-Salve gesprochen wird, nun auch Guaraní, die indogene Sprache (2. Amtssprache), die in der Schule gelehrt wird, bis jetzt sind meine Lehrerinnen aber meine cumplañeras (Mitschülerinnen), die mir viele Ausdrücke beibringen (Jaha! – gehen wir! beispielsweise), hier ein guter Link dazu.

Außerdem musste ich mit Schrecken feststellen, dass meine Schule zum einen an einem chronischen Lehrermangel leidet und einen sehr exzessiven Gebrauch von Nachmittagsunterricht macht (was zum Teil in dem ersten Problem wurzelt, aber auch daran, dass man Fächer wie „Umwelt“ hat). „Exzessiv“ soll heißen, dass ich Montag bis 10:40Uhr habe (das ist ja noch okay :D), Dienstag bis 12:50 (in Ordnung), – jetzt fängt es an – Mittwoch bis 17:10Uhr und Donnerstag & Freitag bis (setzt euch besser hin) 18:10Uhr (nicht vergessen: der Unterricht beginnt um 7:00Uhr morgens).

Was den Freitag allerdings in seiner Beliebtheit bei mir sogar noch über den Donnerstag erhebt ist, dass wir Freitag nachmittag – obligatorisches – Tanzen (die Wahl war zwischen Chor, Theater und Tanzen; Chor fällt weg, da ich es nicht vertreten kann meine Umwelt so zu quälen, ins Theater wäre ich gerne gegangen, kann aber, da ich ja am Ende des Schuljahres (November) nicht mehr in Paraguay bin, nicht besetzt werden und somit blieb Tanzen übrig) und danach FÜNF Sportstunden = 200 Minuten Folter (eine Schulstunde ist hier 40 Minuten lang), definitiv etwas, was mich als passionierter Masochist so begeistert, dass ich (fast) nicht hinzufügen müsste, dass wir am Vormittag 120 Minuten, den schon erwähnten Umweltunterricht, Informatik (ok, das hatte ich noch nicht, ich wage aber die Behauptung, dass es über Text- und Tabellenverarbeitung nicht hinausgehen wird) und „Plan Optativo“ (eine Kooperative gründen“ genießen dürfen.

Genug, ich werde über meinen Stundenplan nicht mehr schreiben, da es mich und euch, solltet ihr noch eine Seele eurer Eigen nennen, in unbeschreibliche Aggressivität und gleichzeitig tiefe Depression stürzt; nur diese Bemerkung sei mir noch gestattet: Würdet die Lehrer ihre Doppelstunde durch unterrichten und sich nicht nach der Hälfte der Zeit in eine Ecke setzen oder Gespräche über unterrichtsfremde Themata beginnen, könnte man sich den gesamten Nachmittagsunterricht sparen.

Hausaufgaben bestehen, ähnlich wie Aufgaben in der Klasse, meistens darin etwas aus einem Buch aus der Bibliothek (wir haben nur in Englisch ein eigenes Buch) abzuschreiben, sind aber sehr selten.

Auch meine Hoffnungen hier Philosophie zu haben sind wie alles Gute (ok etwas zu übertrieben) vergangen, da sie letztes Jehr Philo und Ethik und dieses Jahr nicht. Das einzig wirklich interessante Fach ist Logik, einfach deswegen, weil wir das in Deutschland nicht haben.

Was ich aber definitiv auf der Haben-Seite verbuchen kann ist: extrem viel Spanisch und große Fortschritte, ich habe mal in einer langweiligen Stunde ausgerechnet, dass ich bei durchschnittlich 6 Stunden Schlaf 22,5% meiner wachen Zeit in Paraguay in der Schule verbringe (die Ferien bis letzte Woche und am Ende meines Aufenthaltes miteingerechnet), anders ausgedrückt sind es 690 STUNDEN = 28 TAGE (wohlgemerkt hier ist ein Tag 24 Stunden, nicht die wache Zeit) und 18 Stunden. Natürlich bin ich diese gesamte Zeit der spanischen Sprache ausgesetzt , weswegen ich zuversichtlich bin, dass ich mein Ziel Castellaño (=Spanisch) im Juli zu beherrschen erreichen werde.

Außerdem wird mir die Schule in Deutschland sicher sehr kurzweilig vorkommen und ich muss mir keine Gedanken darüber machen, ob ich nicht vielleicht zu viele Kurse wähle, da es auf jeden Fall weniger als hier sein werden 😀 .

PS: Ich habe auch gelernt die Linkfunktion von WordPress zu benutzen, wie manchen sicher schon aufgefallen ist.

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