Wer sind diese Besucher?

Vorgestern hat die Olivenernte angefangen und wir erwarteten zusätzlich zu den üblichen Tourigruppen noch einige internationale Erntehelfer, weswegen ich mich nicht wunderte, als ich eine Gruppe mit großen Wanderrucksäcken und einem insgesamt sehr touristischem Aussehen von weitem sah.
Ich war beschäftigt, hörte mit meinem MP3-Player Musik und war mir sicher, dass sich jemand anderes darum kümmern würde. Wenn es die neuen Freiwilligen waren, würde ich mich später noch vorstellen können.
Später stand ich gerade bei der Animalfarm und sah wie sich einer von ihnen über den Zaun, der das Freiwilligenareal umgibt, lehnte. Er sah aus, als suchte er die Toilette. Ich rief: „Can I help you?“ und kam auf ihn zu, aber da sah ich, dass Daher mit der Tourigruppe, die er gerade führte, auf ihn zu kam. Ich wandte mich also wieder meinen Aufgaben zu und steckte die Stöpsel wieder in die Ohren.

Ein wenig später stand die von Daher geführte Truppe ein wenig verloren ohne Daher vor dem Freiwilligenareal, die Leute mit den Wanderrucksäcken waren nicht zu sehen und die anderen (mir bekannten) Freiwilligen standen aufgeregt beieinander und diskutierten. Ich stellte mich dazu und erfuhr, dass die „neuen Freiwilligen“ gar keine Freiwilligen und auch keine Touris waren, sondern Juden (sie trugen Kippas),

  • die einen mit Maschinengewehr bewaffneten Führer hatten (was mir nie aufgefallen war, da ich nicht wirklich hingesehen hatte),
  • auf unser Gelände gekommen waren ohne das Tor zu benutzen – ein Stacheldrahtzaun mit 10x20cm großen Löchern begrenzt das ganze Gelände, es ist ziemlich klar, dass das ganze hier ein Privatgrundstück ist
  • kein Wort mit uns sprachen, außer das der Führer (der mit der M16) einen anderen Freiwilligen fragte, ob er das Pferd reiten dürfe (!)

Daher bat sie höflich, aber sehr bestimmt das Gelände zu verlassen und konnte aber auch nicht herausfinden, woher sie eigentlich kamen.

Im Moment kursieren unter uns zwei Theorien über die Herkunft der Besucher:

  1. es waren Siedler, die sich als Wanderer verkleidet haben, um nicht aufzufallen. Sie wollten uns Angst einjagen (ist gelungen) und ihren Anspruch auf das Land bestärken.
  2. es waren jüdische Wanderer auf dem Patriachs‘ Way, einem Wanderweg zwischen Hebron und Jerusalem. Sie fühlten sich in dem ihnen von Gott versprochenen Land nicht sicher und hatten deswegen einen schwer bewaffneten Führer dabei. Weil sie sich so unsicher fühlten, beschlossen sie auf ein Privatgrundstück einzudringen und nicht mit den Bewohnern und dem Eigentümer zu reden.

Ich selbst tendiere zur zweiten Version, weil ich nicht glaube, dass die Siedler sich verkleiden würden und diese absurde Anekdote genau zu den anderen seltsamen Sachen passt, die ich hier schon erlebt habe.

Es ist schade, dass sie nicht unbewaffnet gekommen sind und an der Tür um Eintritt gebeten haben. Dahers Maxime zu Gastfreundschaft lautet nämlich: „You leave guns outside, you welcome to drink tea here.“

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