Erster Schultag, oder wie ich zum Vorbild für Disziplin wurde

Anders als manche von euch gemutmaßt haben, war erst heute mein erster Schultag, vorher hatte ich die ganze Zeit Ferien 🙂 (Für die Schüler unter meinen treuen Lesern: ich habe jetzt bis Juni GAR KEINE Ferien mehr 🙁 ).

Aber gut, so viel zur stillosen Einleitung.

Heute war also der erste Schultag und ich musste deswegen um SECHS Uhr MORGENS aufstehen, da die Schule schon um 7:00 Uhr beginnt und wir noch nach Limpio fahren mussten, bzw. immer müssen, da das Erziehungszenrum Jesus (übersetzt, um potentiellen Ärger zu vermeiden) dort ist (An alle Vergesslichen: ich wohne in Mariano Roque Alonso, aber Schule und Gemeinde sind in Limpio, was ungefähr 10km sind, wobei die ersten 500m die anstrengensten sind, weil da die Straße sind geteert ist). Da wir einigermaßen pünktlich angekommen waren, kamen wir auch rechtzeitig an, um festzustellen, dass alles (sprich der Straßenrand, so was wie Parkplätze sind inexistent) zugeparkt war, aber wir konnten doch lange genug parken, um auszusteigen, und dann konnte Leoni gleich zur Guarderia weiterfahren.

An der Schule angekommen, war unser nächstes Problem herauszufinden, welche Klasse ich denn besuchen sollte, da wir das bei all der Aufregung der Einschreibung vollkommen vergessen hatten und nur wussten, dass ich in der Oberstufe (10.-12. Klasse) sein würde. Im Sekreteriat, konnte man dieses Problem nach langem Suchen lösen und ich folgte einer Sekretärin zu meiner Klasse, die sich schon – wie alle anderen Klassen auch – in zwei Reihen, Mädchen und Jungen getrennt, aufgestellt hatte und die Ansprache der Directora erwartete. Diese kam dann aauch prompt und war nicht sehr anders von dem was man in Deutschland auch bei solchen Anlässen sagt: „Herzlich Willkommen, bla, bla, bla, wir freuen uns bla, bla, bla, und hoffentlich … werden wir ein schönes – sprich lehrreiches und langweiliges Jahr haben bla, bla, bla, seid nett zu den Kleinen und beschmiert nicht die Toiletten und Tische, vor allem nicht wenn die Kleinen zuschauen, weil sie es nachmachen werden“ (das war kein Zitat im engeren Sinne, sondern eher eine Art Zusammenfassung der Rede ihrem Inhalt nach). Während der Rede machte ich ein paar Fotos, bis ich darauf aufmerksam gemacht wurde, dass der einzige andere, der Fotos machte, der Schulfotograf war. Naja was soll’s? Ich stell sie trotzdem hierher:

die versammelte Schule

Dann gingen wir in unsere Klassen und ich fand sogar das richtige Zimmer indem ich zuerst den faschen und dann den richtigen Leuten hinterherlief.

Dort angekommen setzte ich mich auf den nächst besten Platz, wie das Außenseiter so machen und versuchte möglichst viel von dem, was um mich herum geschah zu verstehen. Bald kam eine Professora herein, wie sich herausstellte für „Lengua y Literatura Castellana“ (Spanische (Kastellanische) Sprache(Zunge) und Literatur) und wollte eigentlich Unterricht machen, wurde aber von den Schülern daran gehindert, die forderten, dass die Neulinge – es gab außer mir noch ein paar andere – sich vorstellen sollten. Dadurch erst wurde ich als Fremdling bekannt und mit erstaunten Blicken ob meiner deutschen Herkunft bedacht; anscheinend gibt es hellhäutige, des Spanischen nicht mächtige Menschen, die trotzdem aus Südamerika kommen.

So „gebrandmarkt“ ließ ich die vielen Fragen des zunächst vornehmlich weiblichen Publikums über mich ergehen, welches partout nicht glauben wollte, dass ich „schon“ 17 war.

In der richtigen Pause kamen dann auch die Jungs zum Zug mich auszufragen, wobei irgendwie alle, die Englisch, oder Deutsch sprechen konnten, meinten ihre Fähigkeiten an mir demonstrieren zu müssen (an alle Freiwilligen: ich verspüre ein tiefes Mitleid mit euch, auf Basis meines Selbstmitleids. Dieses Mitleid betrifft nicht nur den Punkt, dass alle einen daran hindern wollen, die Sprache des Landes zu lernen und es dennoch irgendwie von dir erwarten sie zu können, auch finde ich Wortspiele in fremden Zungen im Moment äußerst grausam.). Schließlich redete ich aufgrund des Hinweises eines besonders anglophilen Mitschülers mit der Directora, die so weit ich weiß Deutsche ist. Wir sprachen auf jeden Fall Deutsch miteinander, wobei sie mich mit den Worten begrüßte: „Ach, du bist Benjamin, mir gefallen deine Haare“ (Diesmal ein echtes Zitat), sie spielte natürlich auf meine früheren Dreads, die ich sehr vermisse 🙁 an, die ich wegen der Schule abgeschnitten habe. Dann stellte sie mir meinen Deutschlehrer und einige Schüler/innen, die des Deutschen bzw. Englischen mächtig waren und bat alle, mir zu helfen und mit mir zu reden, bla, bla, bla.

Danach gab es eine Ansprache in der Aula (Mädchen und Jungs getrennt sitzend), nur für die Oberstufe, in der besonders viel auf Regeln, insbesondere auf die Pflicht Schuluniformen zu tragen, hingewiesen wurde (Meine Hoffnung, das werde vielleicht nicht so streng genommen, die darin begründet war, dass die Hälfte der Schüler/innen nur die Hälfte bzw. gar keine Uniform trug, wurde dadurch zerschlagen). Auch auf das Verbot von Handys wurde hingewiesen, lustigerweise hatte kurz vorher hinter mir ein solches geklingelt, was aber aufgrund des plötzlich stärker werdenden kollektiven Gemurmel in der Umgebung nicht bemerkt wurde. Bei dieser Rede über Regeln und Verhaltensweisen wurde auch ich der gesamten Stufe vorgestellt, als deutscher Austauschschüler auf der einen, und als leuchtendes Beispiel für Disziplin, da ich meine Haare der Schule geopfert hatte – komisch, das ich erstens ja gar keine andere Wahl hatte, zweitens es nicht gerne tat und drittens ich in der Heimat niemals für solch vorbildhaftes Verhalten gelobt wurde (mal sehen was die Lehrkräfte Bammentals, die diesen Blog konsumieren, dazu sagen werden 😀 .

Nach der Moralpredigt war die Schule schon aus und ich hatte selbst mit Zeitumstellung früher aus als meine deutschen Klassenkameraden, die montags bis um halb fünf in Französisch und Chemie leiden 😀 .

Bei gefügt noch die von allen Sadisten erwarteten Fotos von mir in Uniform und ein Foto von Joel mit Schultüte (das nicht nur für Sadisten geeignet ist).

Oh mein Gott! Das bin ja ich!!!Joel's erster Tag in der ersten Klasse!!

3 Gedanken zu „Erster Schultag, oder wie ich zum Vorbild für Disziplin wurde

  1. Doch! Ich habe dich gelobt! Ausdrücklich! Mehrfach! Zum einen für dein Opfer und zum anderen, weil der Haarschnitt meinem ähnlicher ist! Schicke Uniform übrigens…..:-)
    Sollten wir auch einführen. Könntest du mal die weibliche Variante vorführen? Das läuft hier noch unter Fasching, keine Angst!
    Gruß!
    S. Fink

  2. Kann mich meinem Vorschreiber nur anschließen: Stimmt, tolle Frisur. Die Schultüte steht dir übrigens ganz gut, finde ich. aber weshalb hast du ein Bild mit einem Jungen links von dir eingefügt? Wer ist das denn? Lol

  3. Tja also da muss ich Sie enttäuschen, Herr Fink.
    Die Mädchenausgabe sieht genauso aus. Allerdings gibt es noch eine Galauniform, die wir einmal die Woche präsentieren müssen. Da das letzte Woche nicht der Fall war, kann ich dazu noch keine Aussage machen

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