Weihnachtsgedanken

(Heiligabend feiern wir immer „mit den Hirten auf dem Feld“ zwischen Bammental und Mauer. Hier ist meine kurze Andacht, die starke Impulse aus Arnes Texten zu Pegida enthalten..)

„Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde.“ So beginnt die Weihnachtsgeschichte im Lukasevangelium nach der Übersetzung von Martin Luther.
Wie oft haben wir diese Geschichten schon gehört?
Trotz sinkender Kirchenbesuche ist die biblische Weihnachtsgeschichte an vielen Stellen in Deutschland genauso Teil des heimeligen Weihnachtsgefühls wie ein geschmückter Baum und das alljährliche Weihnachtsessen.
Dieses Zusammensein mit der Familie und die Besinnlichkeit ist schön und gut, aber sie hat – wie wir gerade dieser Tage wieder sehen – eine dunkle Rückseite:
Der Ausschluss von allem, was nicht in diese Heimeligkeit passt, weil es fremd und anders ist.
Außerdem hat sie nichts zu tun mit dem Ereignis, das wir heute feiern:
Dass Jesus geboren wurde, dass Gott selbst in einem Stall in Bethlehem, einer Provinzstadt im Nahen Osten unter militärischer Besatzung als hilfloses Baby geboren wurde und damit wie jeder andere Mensch zur Welt gekommen ist.

An Weihnachten suchen Fremde Zuflucht und werden nicht aufgenommen – nur am Rand der Stadt werden sie geduldet.
Die einzigen, die sich der jungen Familie annehmen, sind Hirten, die selbst draußen frieren.
Andersgläubige aus einem anderen Kulturraum kommen und bringen dem neugeborenen Kind Geschenke,während die Eingesessenen keinen Platz haben und der König sogar eine Gefährdung seiner Stellung in dem Kind sieht.

Wir haben ihre Geschichten heute gehört und gehört mit welchen Gedanken und Erwartungen sie sich vielleicht auf den Weg gemacht haben.
Da war Hoffnung und Vertrauen, aber auch viel Angst und Ungewissheit in dem Gespräch zwischen Maria und Josef. Da war die Frage, ob man dem Engel trauen kann und was passiert, wenn das alles wirklich wahr ist. Und die Weisen aus dem Morgenland fragten sich, wo dieser König denn geboren werden kann, wenn nicht in einem Palast. Sie haben keine Antworten auf ihre Fragen, aber sie machen sich trotzdem auf den Weg.
Ob sie an der Krippe Antworten finden?
Vielleicht finden sie viel eher etwas Verwirrendes und völlig Fremdes.
Sie finden: „Ein Kind, in Windeln gewickelt in einer Futterkrippe liegend“
Und doch ist etwas an diesem Kind, dass sie sich niederwerfen und sich ihm anvertrauen.
Die Sozialverlierer, genauso wie die Akademiker aus der Ferne. Ist es vielleicht die Hilflosigkeit dieses Kindes und das Wissen, dass hier Gott besonders nahe ist, ja dass hier Gott ist?

An Weihnachten macht sich Gott auf den Weg zu uns und zwar ohne wenn und aber.
Gott wird heimatlos und bittet darum, als Gast in seiner Welt aufgenommen zu werden.

Weihnachten zu feiern heißt, diesem Gott Raum zu geben in uns selbst.
Damit einher geht aber auch Raum für Fremdes und für Fremde zu machen, in unseren Kirchen und Gruppen aber auch in unserer Gesellschaft, denn Jesus spricht: „Ich war fremd und ihr habt mich aufgenommen.“

Weihnachten ist kein Heimatfest eines „christlichen Abendlands“, sondern eine Erinnerung an die Heimatlosigkeit vieler Menschen und ja, auch Gottes Heimatlosigkeit in einer Welt, die tausende zu Flüchtlingen macht.

In dieser Welt der Heimatlosigkeit ist die gute Nachricht, die wir heute feiern:
Gott hat sich auf den Weg zu uns gemacht und geht nun mit uns. In der Weggemeinschaft mit Gott sind wir selbst unterwegs in unsere wirkliche Heimat, in der niemand mehr heimatlos ist.
Wir müssen uns nicht fürchten, denn Gott geht mit uns und so können wir den Weg teilen mit allen, die uns begegnen.
Amen.