Tck, tck, tck

Die Zeit läuft. Wenn wir den Klimawandel eindämmen wollen, müssen wir jetzt handeln.

In hundert Tagen findet in Kopenhagen mal wieder eine Klimakonferenz statt und auf dieser müssen nun endlich konkrete, für alle bindende Ziele festgelegt werden, um unseren Planeten zu retten!

Bitte klickt auf das Bild, oder hier und unterschreibt bei „I am ready“!

Schreibt darüber in euren Blogs und erzählt anderen davon über Email, Facebook, zwitschert, oder redet in der echten Welt darüber!

Hundert Tage sind genug, um eine weltweite Masse zu erreichen und Hundert Millionen oder mehr Unterschriften zu sammeln.

Avaaz unterstützt diese Aktion auch.

Ich werde euch weiter auf dem Laufenden halten…

Wer ist hier der Feigling?

Letztens stieß ich über mehrere Ecken auf einen interessanten Text. Darin argumentiert der Autor, dass Pazifismus die ultimative Immoralität sei, das Letzte überhaupt. Als ich den Artikel anfing zu lesen, dachte ich, es sei eine Satire.

So dumm kann doch niemand sein zu behaupten, Pazifisten seien Feiglinge, die keinerlei Widerstand leisten würden, wenn sie angegriffen werden.

Aber dann dachte ich an die zahllosen Diskussionen, die ich geführt habe, in denen mir immer wieder Feigheit vorgeworfen worden war. In denen man mir abstruse Szenarien von unendlich bösen Einbrechern vorgab, die meine Familie umbringen wollten und die nur ich mit tödlicher Waffengewalt aufhalten konnte.

Es scheint, dass viele immer noch nicht wissen, was das eigentlich ist: Pazifismus.

„Pazifismus“ kommt von „pacem ficere“ – Frieden schaffen. Ziemlich aktiv also. Die meisten Leute verstehen Pazifismus aber als „Passivismus“ – passiv sein aus Prinzip.

Mahatma Gandhi, einer der bekanntesten Pazifisten überhaupt sagte einst: „Wenn es nur die Alternative zwischen dem Gewehr und nichts tun gäbe, würde ich natürlich zum Gewehr greifen“ – aber, wie er mit seinem Leben zeigte, es gab immer einen dritten Weg.

Pazifismus bedeutet sich aktiv gegen Gewalt und Ungerechtigkeit einzusetzen, wie Gandhi, als er mit seiner gewaltfreien Armee Indiens Unabhängigkeit erwirkte, oder Badschah Khan seinem pakistanischen Mitstreiter. Oder Martin Luther King, der die Rassentrennung in den USA bekämpfte und erschossen wurde, bevor er den „Arme Leute Marsch“ nach Washington organisieren konnte, der alle Unterdrückten, ohne Ansehen ihrer Hautfarbe, vereinen sollte, um Gerechtigkeit zu erwirken.

Pazifismus heißt seine Feinde zu lieben und Menschen in ihnen zu sehen, auch wenn sie uns das Gegenteil beweisen wollen.

„Gewalt ist die Waffe des Schwachen; Gewaltlosigkeit die des Starken.“ Mahatma Gandhi

„Was fällt Ihnen eigentlich ein, die Polizei in Frage zu stellen?“

Das wurde mein Vater heute gefragt, als er die Vertreter der Staatsgewalt daraufhin wies, dass sie Unrecht hatten.

Aber erstmal die ganze Geschichte:

Wir liefen gerade durch Augsburg, als plötzlich ein Polizeiauto durch die Straße fuhr und ein Beamter einen ausländisch aussehenden Fahradfahrer anschnauzte: „Hier ist eine Einbahnstraße! Sie müssten eigentlich 15€ Strafe bezahlen!“

Der irritierte Mann stieg von seinem Rad ab und schob weiter. Wir liefen verwundert weiter, weil Wolfgang sich sicher war, dass die Einbahnstraße wegen Bauarbeiten zur Sackgasse geworden war und deshalb in beide Richtungen geöffnet war, und die Polizist kam ihrer „Pflicht“ weiter nach und ermahnte reihenweise die Radfahrer.

Als wir das Ende der Straße – von wo das Polizeiauto gekommen war – erreichten, sahen wir folgende Schilder:

schilderdschungel

Interpretation: Die Einbahnstraße ist aufgehoben, es ist eine Sackgasse, in welche die Einfahrt verboten ist, aber Anlieger sind frei.

Lachend beschlossen wir, die Reaktion der Staatsgewalt abzuwarten, wenn sie das einstweilige Ende der Straße (die Sackgasse) entdecken würde. Doch diese war damit beschäftigt, aus ihrem Fahrzeug lässig Bürger zu belästigen, und irgendwann hielt mein Vater es nicht mehr aus, ging zu ihnen hin und machte sie darauf aufmerksam, dass aus der Richtung, aus der sie gekommen waren, das Einbahnstraßenschild durchgestrichen war.

Die Antwort steht oben.

Nun bringt mich das zum Nachdenken. Was fällt mir eigentlich ein, die Polizei in Frage zu stellen?

Wie wäre es damit:

-Es ist das Recht eines jedes Bürgers, Widerstand zu leisten, wenn er vom Staat unterdrückt wird (so ungefähr in Art.20§4 des Grundgesetzes(GG))

– In Deutschland herrscht laut Art.5 des GG Meinungsfreiheit

– Die Polizisten haben in diesem Fall unsinnig gehandelt und damit Steuergeld verschwendet, als Steuerzahler ist es unser Recht und Pflicht, auf solche Verschwendung aufmerksam zu machen und sie zu unterbinden

All meine Vorurteile gegenüber der Polizei wurden mal wieder bestätigt – sind es am Ende gar keine?

Anlieger freiabsteigen, aber man darf durch

Hier der Schilderdschungel von der anderen Seite, der es deutlich macht, dass man als Fahrradfahrer zwar zwischendurch absteigen müsste, aber passieren dürfte. Die Stelle, wo man absteigen sollte, war vom Standpunkt des Polizeiautos gar nicht einsehbar, also konnten sie gar nicht nachweisen, dass ein Vergehen vorliegt. Der Verkehrsfluss verlief die ganze Zeit ohne Probleme und entlastete eine andere Straße, so dass Radfahrer sicher fahren konnten..

Räuber Hotzenplotz und Rückblende

Die Sendungen der Augsburger Puppenkiste sind mir neben „Sendung mit der Maus“ als DAS Fernseherlebnis meiner Kindheit in Erinnerung geblieben – man merkt, ich bin ohne Kabelfernsehen groß geworden.

Als wir beschlossen nach Augsburg zu fahren, war – trotz Jakob Fugger und der Täufergeschichte, die dort mit dem Blut der Märtyrer geschrieben wurde – meine erste Assoziation: „Da ist doch die Puppenkiste!“

Und so waren wir heute im „Räuber Hotzenplotz“. Das typische Publikum bestand aus Großeltern, oder Eltern und Kindern zwischen 4 und 10. Ich fiel da irgendwie raus…

Die Interpretation war voll von bayerisch sprechenden Marionetten (außer dem intellektuellen, großen, bösen Petrosilius Zwackelmann) und Liedern.

Großmutter und Räuber HotzenplotzIrgendwie erinnerte mich die ganze Vorstellung zum Einen an meine Kindheit, aber unerwarteterweise auch an meine Brüder Martin und Joel, die mir das ganze mit ihren eigenen Puppen vorgespielt hatten und ich hatte ihnen das Buch von Ottfried Preußler vorgelesen.

Ihr fehlt mir…

In der israelitischen Kultusgemeinde

Heute war ich zum ersten Mal in einer Synagoge.

Davor sah ich mir die Dauerausstellung über die jüdische Geschichte im Raum Augsburg und die Wechselausstellung „(M)Ein gewisses jüdisches Etwas“ an. Zu jener hatte das Kulturmuseum einfach dazu aufgerufen etwas, was für die Besucher typisch jüdisch ewar mitzubringen und die Geschichte dazu aufzuschreiben.

Am bewegendsten fand ich die Geschichte einer jungen Frau, die das Nachthemd ihres Großvaters gebracht hatte. Die Geschichte dahinter war die folgende:

Der Großvater war immer sehr distanziert und die Enkel konnten nie richtig in Kontakt mit ihm treten, obwohl er sie auf Reisen einlud. Er zeigte sich auch immer nur im Anzug und gab ihnen förmlich die Hand. Selbst vor seinem alten Haus in Augsburg, dass er wegen der Verfolgung durch die Nazis Richtung USA verlassen musste konnte der gehemmte Mann nichts aus seiner Vergangenheit erzählen.

Dann erkrankte er an Demenz, vergaß seine Gehemmtheit und sprudelte nur so vor Geschichten und umarmte seine Enkelkinder.

Die junge Frau war sehr dankbar dafür, dass sie so richtig mit ihrem Großvater in Kontakt treten konnte.

Die Synagoge durfte ich nur mit Kopfbedeckung betreten. Zum Glück gab es Papierkippas, die ich gleich mitgenommen habe.ich mit Kippa und Schläfenlocken

Die Synagoge war trotz der schwarzen Steine hell und ich fühlte mich mit meinen geistlichen Vorfahren verbunden. Ob die Synagogen, in denen Jesus predigten aussahen wie diese hier?

Das Bild vom Inneren habe ich nicht selbst gemacht, photographieren ist im gesamten Bereich leider verboten.

Als wir noch einen Cappuccino im Cafe der Kultusgemeinde tranken und überlegten, ob wir koschere Gummibärchen kaufen sollten, hörten wir einem Gespräch zu, in dem zwei Kinder eines im 3. Reich aus Augsburg vertriebenen Juden, von ihrem Vater berichteten und eine Frau vom Museum protokollierte es und versuchte mehr über ihn zu erfahren. Eine der ersten Fragen: „War er ein säkularisierte Jude, oder ein orthodoxer?“

Antwort: „Er spendete der Synagoge Geld.“

Frau vom Museum: „Also säkularisiert.“

Eine kurze Bemerkung zum Titel: „Israelitische Kultusgemeinde“ steht am Eingang. Die Synagoge ist nur der Gottesdienstraum, der Rest nicht.

Zum Staat Israel gab es keine Aussage.

Es gibt sie doch, die Hoffnung!

Dieser Text erreichte mich gerade über den Nachrichtendienst von CPT (Christliche Friedensstifterteams), für den man sich hier einschreiben kann. Dort wird man regelmäßig über die Erlebnisse der einzelnen Teams aufgeklärt und diese senden auch Gebetsanliegen, oder Aufrufe für Emailproteste und ähnliches. CPT ist eine christliche Organisation, die gewaltfrei den Unterdrückten in Krisengebieten beistehen will und sich in den Weg stellt, um den Kreislauf der Gewalt zu beenden.

vom 10.7.2009

Heute gab es im Dorf At-Tuwani, in den Hügeln südlich von Hebron ein Training in Gewaltfreiheit. Es gab morgens einen Workshop für Frauen und abends einen für Männer. Es kamen Leute aus Mfaqqara, Rakiis, Juwayya, und natürlich, At-tuwani.

Diese Nachricht geht an alle Zweifler. Dies geht an Obama, weil er die palästinensische Gewalt kritisiert hat, ohne den gewaltfreien palästinensischen Widerstand anzuerkennen, und die israelische Gewalt zu erwähnen. Dies geht an alle Leute, die denken, dass die Militanten in der Hamas das gesamte palästinensische Volk widerspiegeln. Dies geht an die Leute, die nicht anerkennen, dass Palästina unter Besatzung ist (warum würden die Leute sonst den gewaltfreien Widerstand organisieren?). Dies geht an alle, die denken, das Schwert sei mächtiger als die Feder. Dies geht an alle Leute, die denken, dass Gewehre mächtiger als die Stimme seien. Dies geht an alle, die glauben, dass Macht und Unterdrückung lauter sind als die Schreie nach Gerechtigkeit und Frieden. Dies geht an alle, die nicht mehr glauben, dass es Hoffnung gibt.

Originaltext hier. Dieser Blog ist von einem CPT Mitglied in At-Tuwani.

Ich finde ihre Arbeit sehr wichtig und würde mich freuen, wenn einige von euch über meinen Artikel mehr über die Arbeit von CPt erfahren wollen.

Gigantische Gartenzwerge

Gestern war unser erster Tag des Familienurlaubs in Augsburg. Beim Spaziergang betraten wir den Bischofsgarten, in dem nun auch der gemeine Pöbel wandeln darf und auf den Bänken oder gar im Gras mit einem Buch aus dem öffentlichen Bücherschrank dort entspannen darf. Ein Relikt aus den Zeiten, als dort nur der Bischof von Augsburg spazieren durfte, sind diese sechs Zwerge, die es ihm angetan hatten:

Zwerg #1Zwerg #2

Zwerg #3Zwerg #4

Zwerg #5Zwerg #6

Neue Single von Irie Revoltés!

YouTube Preview Image

hab es mal wieder ein bisschen spät gemerkt, aber Irié Revoltés hat eine neue Single namens „Travailler“ (-arbeiten) herausgebracht, die man auf ihrer Webseite kostenlos herunterladen kann.

Das Lied setzt sich kritisch mit dem Wert der Arbeit in unserer Gesellschaft auseinander und der Ausgrenzung, die die erfahren, welche sich dagegen wehren, oder einfach keine Anstellung finden.

Leider finde ich den Text noch nirgends, aber die Fetzen, die ich mit meinem gebrochenen Französisch aus dem schnell gesungenen Text verstehe, hören sich super an….

„Travailler, travailler, travailler pour en fin avoir de la valeur dans la société!“

„Arbeiten, arbeiten, arbeiten, um endlich Wert in der Gesellschaft zu haben!“

Weiter so Irie!

Kulturschöcke

Was ist die Mehrzahl von Schock? Ich hatte nämlich mehrere, die für euch unbeteiligte Zuschauer, lustig erscheinen mögen, doch für mich sehr traumatisch waren.

Letztens wollte ich mit dem Bus fahren und als er an mir vorbeifuhr streckte ich den Daumen raus – wie man es in Paraguay macht. Seltsamerweise hielt der Bus aber nicht an und ich erinnerte mich, dass man in Deutschland an Bushaltestellen muss, um mit dem Bus zu fahren. Also rannte ich zur nächsten Bushaltestelle und bekam den Bus gerade so noch. Dieser war ungewohnt sauber und ich musste die ganze Zeit nicht stehen. Es kam auch niemand, um mir Kaugummis, Bonbons, frische Maiskuchen, Erdnusstafeln, oder Socken, Nagelscheren und ähnliche nützliche Haushaltsgegenstände, die ich immer so erstanden habe, zu verkaufen. Niemand sang mir ein Ständchen auf einer schlecht gestimmten Gitarre und kein Knd kam, um zu betteln. Während der ganzen Fahrt sprach mich niemand an, wo ich Blonder denn hin wolle und, dass das ein sehr gefährliches Viertel wäre.

Ich fühlte mich geradezu einsam…

Jedes Mal wenn ich auf dem Klo sitze muss ich mir überlegen, wo jetzt der Mülleimer für das Klopapier steht – bis mir einfällt, dass es in Deutschland einfach in die Röhre geschmissen wird.

In der Gemeinde und auch sonst geben mir die Leute nicht die Hand und wundern sich dann, wenn ich ihnen die meine reiche – im gefühlskalten Deutschland gibt man nicht die Hand.

Es gibt einige Dinge, die ich jetzt schon an Paraguay vermisse und in meiner romantisch-verklärenden Art, werden bestimmt noch einige hinzukommen.