José de San Martin und sein Patron

29. Juni 2009

In Argentinien findet man in jeder Stadt Denkmal fuer den Unabhaengigkeitskaempfer (oder aus spanischer Perspektive Terrorist) José de San Martin, oder zumindest eine nach ihm benannte Strasse.

Seinen Namenspatron kennt aber niemand: Sankt Martin, roemischer Offizier und dann Kriegsdienstverweigerer, weil er nicht “miles Caesaris” – “Soldat des Kaisers”, sondern “miles Christi” – “Soldat Christi” sein wollte; derselbe, der den Mantel mit dem Obdachlosen teilte und mit dem Kreuz bewaffnet den Germanen entgegenzog, derselbe, dessen wir alljaehrlich mit dem Martinsumzug und den leckeren Martinsmaennchen gedenken, – ihn kennt hier niemand.

Und ihn Deutschland kennen die wenigsten mehr als die Mantelteilungsgeschichte – wenn sie nicht nur kamen, um Laternen zu tragen, Lieder zu singen und Hefemaennchen zu essen.

Categories: Anekdoten, Frieden, Gott & die Welt.

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Gastfreundlichkeit und tanzende Indianer

29. Juni 2009

Freitag mittag fuhren wir schlieslich (bloede nicht deutsche Tastatur!) los und gegen Abend trafen wir unsere Gastgeber in Formosa: Ana und Quito, die sich als alte, lebensfrohe US-Amerikanische Missionare herausstellten, die eigentlich Gretchen (!) und Keith hiesen und uns Unbekannte wie alte Bekannte empfingen.

Beim Abendessen fanden wir heraus, dass wir beide in Gemeinschaften gelebt hatten und, dass ihre Tochter kurz vor Micky einen Freiwilligendienst in der Herberge in Asunción  gemacht hatte – zusammen mit der unseren Neugier ueber ihre Arbeit mit den Indianern (ich bleibe bei der falschen Bezeichnung, denn indigene Bevoelkerung ist einfach umstaendlich und Indio ist wirklich verletzend) hatten wir genug Gespraechsstoff.

Als die anderen – und ich eigentlich auch – schlafen gehen wollten entdeckte ich, dass sie Shane Claibornes Buch “The Irresistible Revolution” (auf deutsch: Ich muss verrueckt sein so zu leben) hatten und da wir nur zwei Tage dort bleiben wollten hatte ich auch eine Beschaeftigung fuer die Nacht…

Irgendwann ging ich dann doch schlafen und als Micky mich wachruettelte war es Samstag. Wir fruehstueckten und gingen dann auf einen Stadtspaziergang.

Argentinien ist viel sauberer als Paraguay, oder lag es an den Wahlen, die am Sonntag stattfinden sollten?

Am Abend gingen wir zu einem Indianergottesdienst – eine ganz andere Art des Lobpreises: Die ganze Gemeinde tanzte zu den Liedern, die - nicht so indianermaesig – auf Keyboards gespielt wurde. Wenn sie zum Gebet stillstanden dampften ihre Koerper vom Schweiss, waehrend die Temperatur bei 15°C lag.

Es gab noch einen Geburtstag und Micky gruesste die Gemeinde von unsere Gemeinde in Bammental (Gruesse zurueck!) und um Mitternacht, vier Stunden nachdem der Gottesdienst begonnen hatte, beeilten sich die Leute in ihre Haeuser zu kommen.

In Formosa redeten wir noch bis halb zwei und ich las bis halb vier.

Am Sonntagmorgen gibt es in den Wintermonaten keinen Gottesdienst in den Indianergemeinden und weill war Wahl war nirgends sonst; so war wieder Zeit zu reden, ich konnte Shanes Buch fertig lesen und Ana & Quito bei der Wahl einer Digitalkamera beraten.

Zum Mittagessen waren wir bei dem Ehepaar eingeladen, das die Bibeluebersetzung in die Sprache der Toba  ueberwacht – auch wenn sie selbst nur wenige Brocken Toba sprechen. Auch sie hatten in einer Gemeinschaft gelebt und wir hatten wieder einige interessante Fragen zu klaeren: Wie kam man auf den Gottesnamen in Toba? (In der alten Uebersetzung war es einfach “Dios” – also der “spanische” Gott; in der Neuauflage wollten sie kein einziges spanisches Wort und nach einigem Hin- und Her entschied man sich fuer “Macher von Allem”) Wie geht das Maerchen vom Dauemling? Wieso haben wir von der Hausgemeinschaft keinen Namen?

Unser Bus ging um fuenf Uhr zehn und so machten wir uns auf zu packen und wurden mit einer herrlichen Imitaiton des indischen Englisch von dem Bibeluebersetzungskoordinator verabschiedet, der seine ersten paar Jahre in Indien gelebt hatte.

Ana und Quito ueberhaeuften uns mit Essen fuer die Busfahrt und schmuggelten sogar noch einige Brote in unsere Taschen,  von denen wir immer noch zehren. Am Busbahnhof verabschiedeten wir uns herzlich von unseren neugewonnen grosselterlichen Freunden, die sich gefuehlt hatten, als waeren ihre Kinder zu Besuch gewesen – wie kann man in zwei Tage eine solche Beziehung aufbauen? Es ist mir unbegreiflich.

Die naechsten sechzehn Stunden fuhren wir durch weite Ebenen nach Salta, La Linda genannt…

Categories: Anekdoten.

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Reisevorbereitungen und Spontanietät

25. Juni 2009

Wie mein alter Herr schon richtig bemerkt hat, ist Micky vorgestern um 10:10 Uhr sicher angekommen.

Dieser Eintrag kommt reichlich spät, sie ist schon über den Jetlag (Düsenverzögerung) hinwegkommen und gestern haben wir unter anderem die Herberge “El abrigo” (Der Mantel) besucht, wo vor zehn Jahren als Freiwillige gearbeitet hat – die anderen haben dort auch freiwillig gearbeitet, wurden aber besser bezahlt.

Heute frönten wir mit Wiensens der Völlerrei: “rennende Pizza” (also so viel Pizza wie man essen kann), bis zum Umfallen, Robert und ich sehnten uns schon lange danach…

Jetzt sind es noch knapp fünf Stunden bis wir zum Busbahnhof fahren, um den Nachtbus nach Encarnación (Fleischwerdung) zu nehmen: sechs Stunden Busfahrt – ich hoffe wir können einigermaßen schlafen.

In Encarnación werden wir die Jesuitenreduktionen besichtigen, wo die “Gesellschaft Jesu” zwischen 1610 und 1767 einen frühsozialistischen Staat führten, in dem es keinen Privatbesitz noch Geld gab und die Guaraniindianer vor den Spaniern geschützt waren: kein Spanier durfte “das Reich Gottes in Paraguay” betreten. Diese Utopie hielt, bis der spanische König ihnen die Gunst entzog und die Guarani waren wieder Beute für die Sklavenjäger.

Danach geht es weiter in die Nähe von Formosa, wo wir eine Indigena-gemeinde (fälschlicherweise Indianer genannt – Unterscheidung: Sie mögen kein scharfes Essen!) besuchen werden.

Dann fahren wir 17 Stunden bis an den Fuß der Anden nach Salta, wo wir frierend die Schönheit der Anden bewundern werden.

Dann wieder ewig zurück fahren und zu den Sümpfen von Ibera – hoffentlich regnet es nicht, damit wir überhaupt hinkommen…

und schließlich wieder nach Asunción.

alte strecke

so alle Pläne sind über den Haufen geschmissen, wir fahren erst morgen, die verlorenene Zeit holen wir dadurch auf, dass wir direkt nach Formosa, dann nach Salta, dann zu den Sümpfen und dann nach Encarnación fahren – ungefähr ein Tag weniger im Bus und eine Nacht länger in einem richtigen Bett – oder bei mir Matratze (Micky hat mein Zimmer um sich von der Düsenverzögerung zu erholen).

neue Strecke

Sollte ich Zeit und Muße haben, werdet ihr hier auch auf der Reise auf dem Laufenden gehalten – und wenn nicht… eben nicht.

Categories: Blutsbande, Paraguay.

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Schwesterherz

23. Juni 2009

Jetzt sitzt sie im Flugzeug und in weniger als elf Stunden werde ich sie vom Flughafen in Asunción abholen – meine Schwester.

Ich bin so aufgeregt, dass sie kommt, dass ich nicht ins Bett gehen kann.

Aber ich sollte wahrscheinlich, sonst kann ich morgen gar nichts mit ihr machen…

Categories: Blutsbande, Paraguay, flatus cerebri.

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Vermisste Gelegenheiten

23. Juni 2009

Heute hatte ich eine Verabredung mit einigen Leuten von Jugend mit einer Mission, die ich bei ihrem Theaterstück in Ñandejara kennengelernt hatte. Gut, es war eigentlich für Kinder, aber ich ließ mich davon nicht beirren. Hier zwei Bilder von ihrem Programm:

christliche Muppets

Bibelverse auswendiglernen

Sie besuchen alle Schulen im Umkreis von Limpio (mehr als 60!) und machen Anspiele, um den Kindern Jesus näherzubringen. Dieses Mal ging es um Worte, und die Kraft, die sie über uns haben.

Die Kinder lachten sich kaputt und auch ich kam auf meine Kosten.

Nach dem Theaterstück unterhielt ich mich ein wenig mit den Missionaren und Benjamin (ja, er heißt genau wie ich!) lud mich ein heute mit ihnen rumzufahren.

So holte mein Namensvetter mich dann heute Mittag bei strömendem Regen von meinem vorherigen Termin ab und erklärte mir als erstes, dass Programm falle bei Regen aus.

Ich wollte schon nach Hause gehen, aber er lud mich in sein Haus ein und so verbrachte ich einen schönen Nachmittag mit den YWAMlern (Youth with a mission – Jugend mit einer Mission). Es war ein wenig wie zu Hause: er ist Spanier, seine Frau Engländerin, die Freiwillige, die bei ihnen lebt, ist US-Amerikanerin und dann lebt noch ein paraguayischer Freiwilliger dort. Wir sprachen English, ich fand heraus, dass er der Neffe vom Pastor der Mennonitengemeinde in Barcelona ist, wo ich vor drei Jahren bei der MERK (Mennonitische Europäische Regionalkonferenz) war, und die Amerikanerin hat auch Mennoverwandte – kleine Mennowelt. Zum Glück waren sie und ich zu schlecht in Familiengeschichte, um unsere Verwandschaft irgendwo in Holland vor 400 Jahren festzustellen.

Nach ungefähr einer Stunde Unterhaltung musste die Engländerin wieder in Ñandejara ihre Muttersprache unterrichten und wir anderen machten uns auf den Weg zu ihrem “Hauptquartier”, einer schäbigen Lagerraum, fünfzig Meter weiter.

Dort türmte ich mit der Amerikanerin Erin Aufgabenblätter für ihr Missionsprogramm zu Zwanzigerstapeln und erfuhr mehr über ihre Arbeit und Leben, virtuell gesagt, die Adresse ihres Blogs.

Dann richtete ich Benjamin einen Facebookaccount ein, seine Unkenntnis von Technik war niedlich, und er brachte mich zur Bushaltestelle, damit ich nicht im Schiffen laufen musste.

Es war ein toller Tag und ich freue mich die Bekanntschaft dieser Leute gemacht zu haben, aber warum erst jetzt? Ich hätte sie schon vor langem kennen lernen können und viele Abenteuer mit ihnen erleben können!

Aber ich war zu schüchtern und naiv genug zu glauben, die Leute kämen auf mich zu, weil ich so unglaublich interessant bin.

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Kritik der reinen Langeweile

22. Juni 2009

Heute ging ich ein letztes Mal zu dem Ort, an dem ich in den letzten Monaten, die meiste meiner wachen – und ein wenig schlafende – Zeit verbracht habe: Centro Educativo Ñandejara.

Ich wollte einen Beweis für die dort verschwendete verbrachte Zeit in Form eines Dokumentes mit Unterschrift, Stempeln und wer weiß wenn ich Glück hätte auch wächsernen Siegeln.

Leider war sie noch damit beschäftigt, als ich kam, und so konnte ich ihr nur mein Abschiedsgeschenk geben: Die Kritik der reinen Langeweile. Lächelnd nahm sie diese entgegen und ich erklärte ihr die Anspielung auf Kant, um nicht von vornherein die Gunst zu verlieren.

Wir unterhielten uns dann noch ein bisschen über die Probleme an der Schule, was ich hier gelernt habe, meine Haare, und einen Streit, der in meiner Ex-Klasse tobt.

Meinen Beweis bekam ich aber nicht und so muss ich in der nächsten Zeit dann nochmal kommen, um das Kapitel Ñandejara zu schließen.

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22. Juni 2009

christlicher Busfahrer Eine Stellenanzeige für Busfahrer – natürlich im Bus. Voraussetzungen: 25-35Jahre alt sein, Führerschein, Geburtsurkunde, etc besitzen, Fahrerfahrung und ein guter Christ sein.

So viel zu Religionsfreiheit im Berufsleben.

Auf der anderen Seite sind hier alle “Christen”: Sie leben zwar nicht danach, aber sie sind “Christen”, von daher hat nur der ehrliche Atheist, Muslim, Buddhist, Jude, oder was man auch sonst sein mag ein Problem.

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Haltet einfach den Mund!

22. Juni 2009

Das dachte ich mir mehrmals als ich am Samstag auf dem Jubliäumskonzert von Teocracia war. Die Bands spielten nämlich ganz gut, nur die Sänger waren schrecklich.

Meine Theorie ist, dass eine Gruppe, wenn sie keinen guten Sänger findet und nicht kreativ genug ist gute Texte zu schreiben, einfach beschließt so hart wie möglich zu spielen und nur zu schreien – dann versteht niemand die Texte und (fast) alle sind zufrieden.

Aber es ist auch schwer Death oder Black Metal zu christlichen Themen zu machen; irgendwann wird es langweilig, wenn man das zehnte Lied über spirituelle Kriegsführung hört und es eigentlich mehr um die Dämonen geht als um Jesus…

Aber was soll man von einer Band namens “Demonodecapitologia” – “Lehre vom Dämonenköpfen” schon erwarten?

Haarneid! stolzer Metalvater Amen ja, das ist ein Mann Sword Halt den Mund!

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Ich war durstig, und ihr habt mir zu trinken gegeben Mt 25:35

20. Juni 2009

CPT Reservisten haben zusammen mit Aktivisten von “No more deads, no mas muertos” an der Grenze zwischen Mexiko und USA für Einwanderer Wasserbehälter aufgestellt – und wurden jetzt wegen “bewusstem Müll hinterlassens” angeklagt.

Unglaublich, wie das Gesetz von den Mächtigen verdreht wird.

Und das wahre Nachfolge Jesu auch in “freien”, “demokratischen” und “christlichen” Nationen wie den USA immer noch verfolgt wird.

Hier findet sich der Bericht auf der Webseite von CPT, die sich nun auch in meiner Linkleiste befindet.

CPT steht für Christian Peacemaker Teams und ist eine Nichtregierungsorganisation, die durch eine Rede von Ron Sider vor 25 Jahren auf der Mennonitischen Weltkonferenz in Straßbourg ausgelöst wurde. In dieser stellte Ron die Frage: “Was würde geschehen, wenn Christen sich mit derselben Disziplin und Aufopferung für gewaltloses Friedensstiften hingeben würden, wie Armeen sich dem Töten hingeben?”

Sie machen es sich zur Aufgabe sich zwischen Unterdrücker und Unterdrückten zu stellen – “Getting in the way”.

Heutzutage sendet CPT ständige Aktivisten nach USA, Kolumbien, Irak und Palästina und hat zeitweise Einsätze in anderen Gefahrenzonen, wie der Demokratischen Republik Kongo.

Ein guter Freund von mir macht diesen Sommer einen CPT-Einsatz in Palästina – ich bin gespannt was er berichten wird, vor allem, weil ich selbst überlege mal bei CPT einzusteigen.

Jetzt werden mich meine Eltern nie mehr aus dem Haus lassen, wenn ich erst wieder zu Hause bin. :D

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Schule aus!

20. Juni 2009

Nach fast viermonatiger Tortur war gestern mein letzter Schultag.

Frisch geduscht und mit Kamera bewaffnet kam ich in Ñandejara an. Wie jeden Freitag versammelten sich die oberen Klassen zum Flaggen hissen und während wir warteten, bemerkte ich, dass ich die Batterien für die Kamera vergessen hatte. Während ich noch versuchte von Klassenkameraden einen Ersatz auszuleihen, bemerkte ich eine Klassenkameradin, die auf der Tribüne verschwörerisch mit einer Lehrerin tuschelte und dabei immer wieder zu mir schaute.

Wenig später wusste ich, was sie getuschelt hatten: Ich wurde nach vorne gerufen, sollte ein paar Worte sagen, was ich nutzte, um meinen Mitschülern die Schuld daran zu geben, dass ich nicht wie erwartet fröhlich über das Ende meiner Zeit in Ñandejara war, und schließlich beteten sie noch für mich und meine Reise.

Dann ging es in den fast normalen Unterrichtsalltag, aber jeder Lehrer wollte noch einige letzte Worte an mich richten. Den ganzen Tag über signierten Schüler und Lehrer meine Schuluniform, bis man keinen freien Platz mehr finden konnte, weshalb mein vierjähriger Gastbruder kurzer Hand in zehn Zentimeter großen Lettern über die anderen Unterschriften schrieb. Die Lösung eines Mitschülers sah dagegen so aus, einfach auf meinen Nacken und meine Arme auszuweichen…

Meine Klasse hatte eine Torte organisiert; aber bevor wir sie anschneiden durften, musste ich ein Bonbon, das hineingesteckt war, mit dem Hand herausfischen – angeblich eine paraguayische Tradition. Naiv, wie ich nun mal bin, tat ich wie mir geheißen und gerade als ich es versuchte drückte man meinen Kopf hinein, die ganze Nase versank in Tortenschaum.

Zum Glück hatte ich morgens noch die Nase gewaschen und so konnten wir denn Rest dann noch essen, wobei der massenhaft vorhandene Schaum viele Gesichter verzierte.

Um halb sechs war der Schultag schließlich zu Ende, wir machten ein Klassenfoto und nach einem kleinen Abenteuer war ich stolzer Besitzer von 140 an diesem Tag geschossenen Fotos.

Ich verabschiedete mich von allen und ließ mir Emailadressen geben, um wenigstens virtuell Kontakt halten zu können.

Es ist schon seltsam, da gehe ich jeden Tag zur Schule und werde vor Langeweile fast verrückt und doch bin ich ein wenig traurig nicht mehr dort hinzugehen.

Aber am Montag muss ich nochmal hin, wenn auch nicht in den Unterricht – ich muss meine Bescheinigung abholen, dass ich all die Zeit “regelmäßig die Schule besucht habe”.

Und jetzt habe ich 11 Wochen frei, unterbrochen nur vom ersten und letzten Schultag in der Klasse 11c.

Noch ein Wort an alle Neider: Selbst mit dieser langen freien Zeit hole ich nicht all die Ferienzeit und Feiertagszeit von euch ein, ganz zu schweigen von der Zeit, die ich mehr Unterricht hatte als ihr.

Und wozu geht man denn ins Ausland, wenn nicht um frei zu haben?!

Categories: Frieden, Paraguay, Schule.

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Gebt mir die Zeit zurück!

16. Juni 2009

Heute hat mir meine Schule sechs Stunden Lebenszeit geraubt.

Die ersten drei Schulstunden kam die Fachlehrerin nicht. Dann hatten wir eine Stunde Reliunterricht, was aus zwei Versen und einem Monolog über selbige bestand. Danach eine Stunde Bibliothek, was ein Synomym für “Wir wissen nicht, wie wir euch beschäfigen sollen, aber ihr müsst trotzdem in der Schule sein” ist und schließlich drei Stunden Physik/Chemie, die so genutzt wurden, dass alle Hefte eingesammelt wurden und die Lehrerin sie alle begutachtete und unterschrieb – 120 Minuten lang!

Ich versuchte Gespräche zu führen, aber es gelang nicht. Ich wollte die Sekunden zählen, die vergingen, aber bei 124 gab ich auf. Ich versuchte es zu genießen, da ich mich lange nicht mehr so sehr langweilen werde können, aber ich konnte dem nichts Positives abgewinnen. Schlafen konnte ich nicht, weil es zu laut war und wachen wollte ich nicht, weil ich dann die schreckliche Wirklichkeit betrachten müsste:

Ich war der einzige Nichtfatalist im Raum und verzweifelte an meinem Schicksal.

Categories: Argh!!!, Paraguay, Philosophie, Schule.

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Schweinegrippeüberlebender

15. Juni 2009

*Ironie an*

Überlebender der Schweinegrippe

Neueste Erkenntnisse zeigen: diejenigen, die die Schweinegrippe überleben tragen schwere Nachwirkungen davon.

Einige offizielle Stellen warnen vor der Schweinegrippe und bitten die Infizierten nie mehr das Haus zu verlassen.

*Ironie aus*

Ist das angesichts von Toten aufgrund dieser Krankheit jetzt unlustig? Pietätlos? Makaber?

Categories: Bilder.

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Bääh

15. Juni 2009

Manchmal zweifle ich an der Vollkommenheit der Schöpfung.

Mein Blasenfuß

So zum Beispiel heute als ich herausfand, was die ekligen Blasen an meinen Füßen wirklich waren: Brutplätze für Tunga penetrans – gemeinhin auch Sandflöhe genannt. Das Weibchen legt seine Eier in die Haut, wo sie dann vom Männchen befruchtet werden – also bin ich Stundenhotel und Krippe in einem.

Anscheinend habe ich die mir zugezogen, als ich einem alten Mann aus der Nachbarschaft Essen gebracht habe.

Robert hatte die große Freude sie mir aus dem Fuß zu pulen, während ich jammerte und versuchte an angenehmere Dinge zu denken – wie zum Beispiel nicht mit einer Pinzette im Fuß herumgestochert zu kriegen, während Joel, Martin und Ana mich fragen, ob es weh tut.

JA, das hat es.

Es bleibt abzuwarten, ob alles rauskam, oder ich weiterhin Flohkindergarten bin.

Categories: Anekdoten, Gott & die Welt, Paraguay.

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Milch und Steine

15. Juni 2009

In siegestrunkener Stimmung kamen wir aus dem Stadion heraus und besangen den Tod Cerros.

Die Straßenhändler standen bei ihren Thermoboxen gefüllt mit Brahma (eine Biersorte) und riefen: “Milch! Milch!”, weil sie keine Ausschenkgenehmigung haben und die Polizisten standen ungerührt daneben.

Wir zogen durch die Straßen und ich musste zusammen mit seiner Freundin den Paraguayer zurückhalten, wenn ein Cerrista vorbeikam – Warum sind sie eigentlich so aggressiv, vor allem wo sie doch gewonnen haben?! Im Bus schließlich waren zum Glück keine Fans der Gegenseite, sondern nur Gewinner und diese taten ihre Freude allen kund, indem sie laut sangen und dazu gegen das Dach des Busses schlugen.

Ich versuchte weiter die Fanatiker zu beruhigen, wenn sie einen rot-blauen Fanatiker sahen, als mein paraguayischer Freund rief: “Der hat einen Stein!”

Alle duckten sich außer ihm selbst, Glas klirrte und er hielt sich den Kopf.

Es war ein 10 cm langer, flacher Stein – die älteste Waffe der Menschheit.

Zum Glück blutete es nicht…

Aber den Zusammenhang zwischen seiner verbalen und der im Stein manifestierten Gewalt wollten meine Begleiter nicht erkennen.

Categories: Anekdoten, Argh!!!, Paraguay.

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El clasico, zum zweiten

15. Juni 2009

Nach dem anstrengenden Samstag war am Sonntag auch noch das Clasico: Das Zusammentreffen von Olimpia und Cerro.

Also war ich wieder einmal im Stadion (das zweite Mal in Paraguay, das zweite Mal in meinem Leben).

Beim Tickets kaufen vom Straßenhändler hätten wir fast 80.000 Guarinies gespart: zwei Schwarzhändler rannten in unterschiedliche Richtungen mit meinem Geld weg, um es zu wechseln und gaben jedes Mal Wechselgeld. Aber sie kamen dahinter, umzingelten uns, und erlösten mich von meinen Gewissensbissen.

Im Stadion gings mal wieder fröhich ab, bei der Gegenseite nicht so: es gab eine riesige Schlägerei im Lager der Cerristas und die Polizei musste aufmarschieren, mit Helm und Schild.

Das 1:0 fiel für Olimpia in der ersten Halbzeit, während ich über meinen steifen Hals und Rückenschmerzen von gestern klagte; das Ausgleichstor bekam ich mit, aber beim Mitteilen der Nachricht an Robert via SMS, verpasste ich das gleich darauf folgende 2:1 von Olimpia!

Dieser Spielstand blieb bis zum Abpfiff, unser Lager war am Durchdrehen vor Freude.

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Theokratie

15. Juni 2009

Am Samstag war ich mit einem Freund aus der Gemeinde in Teocracia einer Metalgemeinde in Asunción.

Ein kleiner schwarz angestrichener Raum ist ihr Gottesdienstraum, vorne ein Bild: ein Krieger lässt seine Axt fallen und kniet vor zwei Händen, die einen siebenarmigen Leuchter halten, es fließt Blut herunter – man gab mir die Erklärung, es sei die Bekehrung. Aha.

Die Mehrheit der Besucher hat zumindest schulterlanges Haar und schwarze Kleidung. Um nicht aufzufallen, war ich mit meinem KORN-T-Shirt gekommen, weshalb mich ein schwarz gekleideter ansprach und mit mir über Jesus sprach, wie der sein Leben verändert hatte: Vorher war er auch KORN-Fan gewesen, aber jetzt sei er Fan von Jesus.

Er war ziemlich erstaunt als ich sagte, dass sei ich auch.

Dann fing der Gottesdienst an; sie sangen diesselben Lieder wie alle anderen, nur rockiger. Nach dem Gottesdienst war ein Konzert mit verschiedenen Gruppen aus Asunción; vierzig Leute waren da und es war laut. :P
Auch wenn Theokratie von der Welt oft als Herrschaft des Klerus verstanden wird und Iran als Beispiel genannt wird, gefiel mir Teocracia – und die echte Theokratie als Anarchie der Menschen und Herrschaft Gottes.

Hier ihre Webseite.

Categories: Gott & die Welt, Mucke, Paraguay.

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Kommentiert!

13. Juni 2009

Nachdem ich die Kommentare freigegeben hatte wurde ich von Werbung für Viagra und illegale Drogen überhäuft. Tausende von gelöschten SPAM später, installierte ich ein Captcha, das diese Kommentare auch effektiv abblockte, und jeden anderen Kommentar, da man dort einen “Security-Code” eingeben sollte, den man nirgends sehen konnte.

Um dieses Problem zu beheben, deaktivierte ich das erste Captcha und installierte ein Neues. Das alte wollte aber nicht in den Ruhestand treten und man konnte weiterhin keine Kommentare mehr angeben.

Jetzt habe ich eine neue Version von wordpress installiert und alles funktioniert. Man muss nur zur Sicherheit eine kleine Rechenaufgabe lösen.

Warum können eigentlich Computer, also Rechner, die nicht auch lösen???

Categories: Internet.

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Nachfahre von Ältester Hübert

9. Juni 2009

Auch ich bekam bei dem Mittagessen meine Geschichtsstunde:

Ein Vorfahr von mir war Ältester Hübert (nicht der älteste Hübert, sondern Ältester Hübert, ein Ältester ist so was wie ein Gemeinderat, er muss noch nicht mal alt sein oder männlich), der dafür ins Gefängnis kam, dass er eine Russin als Erwachsene getauft hatte, später kam dann heraus, dass er es gar nicht gewesen war, er hatte wohlweislich den Mund gehalten und war für jemand anderen ins Gefängnis gegangen. Mit dieser Tat wurde er dann zu einem der Gründer der Mennonitenbrüdergemeinden, einer unzähligen Untergruppe der Mennoniten, die heute eigentlich ziemlich dasselbe ist. Wer dem widerspricht möge doch bitte in einem Kommentar die Unterschiede darlegen.

Ich sollte mich vielleicht ein wenig eingehender mit meiner Familiengeschichte befassen, ich weiß gar nichts, aber ich bin ja auch nicht im Hübertbuch (man beachte den Preis!), dass die meine Verwandschaft mütterlicherseits schön beleuchtet.

Categories: Anekdoten, Paraguay.

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Benno Ohneschuld

9. Juni 2009

Dieses Wochenende war ich zum ersten Mal in der Concordia in Asunción, der einzigen deutschsprachigen Mennogemeinde in Asunción. Der Gottesdienst war so deutsch, dass ich zwischendurch vergaß, dass ich in Paraguay war: diesselben Lieder, das Gesangbuch war in Deutschland gedruckt, der ganze Gottesdienst war auf deutsch. Ich schwanke immer noch das Erlebnis zu bewerten: Heimaturlaub oder Einblick in eine Parallelgesellschaft?

Nach dem Gottesdienst war ich bei meines der Familie der Emailfreundin meines Vaters zum Mittagessen eingeladen. Ich war schon einmal dagewesen und freute mich sehr ihre Gastfreundschaft annehmen zu können. Zu meinen Ehren gab es Borscht, ein russisches Essen, das während der Zeit im Zarenreich ins mennonitische Kochbuch einging; ich kenne all die mennonitischen Speisen nicht und so war es für mich wieder etwas ganz Neues.

Beim Essen lernte ich auch den Mann kennen, dessen lateinische Doktorarbeit ich schon bewundert hatte als ich in noch gar nicht kannte. Er sprach mich die ganze Zeit mit Benno an, nach ein paar zögerlichen Versuchen, darzulegen, dass ich sonst Benni, Benjamin, Ben, oder hier auch Benja (spanisch ausgesprochen) gerufen wurde, nahm ich meinen neuen Namen an und sogleich erfuhr ich auch den Grund warum ich für ihn so hieß:

Er: Dein Vater war ja einer von den Studenten.

Ich: Ja.

Er: Bist du dann vielleicht nach diesem Benno Ohneschuld benannt?

Ich: Den kenne ich ehrlich gesagt nicht.

Er: Na, dieser Benno Ohneschuld, dieser Student, der da erschossen wurde!

Ich: Ach so, Benno Ohnesorg. Das weiß ich gar nicht so genau… noch nie drüber nachgedacht.

Daraufhin mussten wir den erwachsenen Kindern, die in deutscher Geschichte nicht so bewandert waren, erklären wer Benno Ohnesorg war, dass er auf einer Demo gegen den Schah (Wer war denn der Schah?) von einem Polizisten namens Kurras erschossen wurde, so die Studentenrevolte radikalisiert wurde und dass vor kurzem entdeckt wurde, dass dieser bürgerliche Kurras ein Stasiagent war, weshalb die Frage im raum steht, welchem Herrn er denn nun gedient hat.

Benno Ohneschuld – Das Opferlamm der 68er?

und

Bin ich nach ihm benannt?

Categories: Allgemein.

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Brrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrr!!!

8. Juni 2009

Es ist kalt geworden, hier in Paraguay. Es sind Temperaturen wie in Deutschland in einem milden Herbst. Hört sich ja gar nicht so schlimm an, Temperaturen von 10°C-15°C sind ja mit Pullover und vielleicht einer Jacke auszuhalten.

Denkste.

Nur gibt es in Paraguay keine isolierten Häuser, von Heizungen kann ich in bitterkalten Nächten träumen. Morgens gehe ich mit mindestens drei Kleidungsschichten zur Schule, sitze zitternd im Klassenzimmer – was die einzige Bewegung ist, um mich aufzuwärmen -  und meine Kollegen wundern sich, dass ich friere, wo ich doch aus dem hohen Norden komme.

Im hohen Norden ist jetzt Sommer und trotzdem haben sie manchmal Heizungen an!

Categories: Paraguay, Schule.

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Dummheit und Bosheit

6. Juni 2009

“Dummheit ist ein gefährlicherer Feind des Guten als Bosheit.” – Dietrich Bonhoeffer.

Da hat er Recht, der Dieter. Ich hoffe meinen Feind, den Lehrer, von dem ihr schon so viel gehört habt, weiter zu lieben, auch wenn er dumm, wie Bohnenstroh ist und aufgrund eben dieser Dummheit noch nicht mal merkt, wieviel Schaden er anrichtet.

Der ganze Text findet sich hier. Ich muss Bonhöffer aber natürlich bei der Stelle,

… es (das Böse) läßt sich notfalls mit Gewalt verhindern …

widersprechen. Den Gewalt ist ebenso nur das Mittel des Bösen, der es erkennt und dennoch tut, oder des Dummen, der es nicht erkennt, dass Gewalt böse ist.

Categories: Zitat.

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Tödliche Halbwahrheiten

5. Juni 2009

Nachdem ich dem Argument, das die HI-Viren kleiner seien, als die Latexporen in den Kondomen und Kondome deshalb nicht vor AIDS schützten, schon zum zweiten Mal gehört hatte und mit einfachem Widerspruch nicht weitergekommen war, beschloß ich, nachzuforschen.

In den Büchern (wie altmodisch, ich weiß) der Schulbibliothek habe ich nichts gefunden, weder einen Durchmesser von der HI-Viren, noch den der angeblichen Poren im Kondom, Wikipedia verriet mir einiges über die Geschichte des Kondoms und versicherte mir “Das Kondom ist das einzige Verhütungsmittel, das nicht nur eine Schwangerschaft, sondern auch eine Ansteckung mit sexuell übertragbaren Krankheiten (beispielsweise HIV, Gonorrhoe und Hepatitis C) weitgehend verhindert.”

Aber es gab mir keine Erklärung, wie das denn zugehen könnte, wenn doch die Poren im Latex größer sind, als die HI-Viren – alle anderen Seiten die ich durchsuchte auch nicht.

Dann schließlich fand ich in einem Forum für Schwule, Lesben und Transsexuelle (ich frequentiere solche Seiten normalerweise nicht, aber Google gab sie als Suchresultat an und ich bin ja nicht homophob) die Antwort, die ich gesucht hatte.

Also kurz zusammengefasst für alle Wissbegierigen und Besorgten:

Ja, HI-Viren sind (um Einiges) kleiner als die Poren in Kondomen. ABER Viren sind außerhalb einer Wirtszelle nicht lebendig, wie euch jeder Biolehrer bestätigen wird. Deshalb werden sie nur in der Körperflüssigkeit – in diesem Fall Sperma, oder Blut – transportiert. Diese kann aber aufgrund ihrer Oberflächenspannung NICHT durch die Poren gelangen.

Also sind Kondome weiterhin die einzigen Verhütungsmittel die auch vor Geschlechtskrankheiten wie Syphillis und AIDS schützen.

QED

Jetzt muss ich das am Montag nur gescheit rüberbringen, damit die Leute mir nach dem ersten Satz, ja, die Poren sind größer als das Virus, noch zuhören.

Aber jetzt zum Titel des Eintrags: Ich hasse diese Halbwahrheiten und Falschinterpretationen von Fakten. Die Poren in den Kondomen sind größer als die HI-Viren? – Oh nein, ich muss alle warnen!!! Aber ein wenig weiter zu denken, das wagt niemand.

Und die Kondomverfechter sind größtenteils auch nicht besser:

Der Papst sagt also die Viren kommen durch die Kondome durch? – Nein, es gibt gar keine Löcher. Wir haben Studien, vertraut uns. Wir können euch hier nicht erklären, wieso das so ist, aber das würdet ihr ja eh nicht verstehen.

Also ich fände mich beim Papst ernster genommen. Der hat mir wenigstens was erklärt. Zwar falsch, aber als nur mäßig wissenschaftlich interessierter Mensch weiß ich das ja nicht, genauso wenig wie der Papst, oder mein Lehrer.

Ich hoffe mit diesem Post den Wissbegierigen einen Dienst erwiesen zu haben, die eine Erklärung haben wollen, statt Vertröstungen.

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Es geht anscheinend auch anders

5. Juni 2009

Es war viellecht fies, zuerst den anderen Artikel zu schreiben, aber es entsprach dem zeitlichen Ablauf und war das einprägendere Erlebnis.

Später am Tag hatten wir nochmal mit demselben Lehrer Unterricht, diesmal Biologie, und er hatte zwei Mädchen aus einer anderen Klasse eingeladen uns einen Vortrag über Familienplanung zu halten, der mich völlig überraschte: Klare Ausführungen, ohne Scheu den Penis und die Vagina beim Namen zu nennen, ohne moralischen Zeigefinger und doch mit Zusatzinformationen wie: die Kirche ist gegen diese Methode, weil es nicht die Vereinigung von Sperma und Eizelle verhindert, sondern die Einnistung der befruchteten Eizelle.

Es war ein für europäische Verhältnisse einwandfreier Vortrag über die gängigsten Verhütungsmethoden.

Nur diese Lüge, dass die HI-Viren durch die Löcher im Kondom kommen würden wurde auch hier verbreitet – und ich war der Dumme, weil es ja “wissenschaftlich erwiesen ist, dass Kondome nicht vor AIDS schützen”. Dass ich mir so was anhören muss; aus dem Mund eines Mädchens, dass sich einen Dreck um wissenschaftliche Erkenntnisse zu gesunder Ernährung kümmert.

Auf meine Rückfrage wer das sage, schüttelte sie den Kopf vor soviel Unwissen: Alle wissen das.

Categories: Allgemein, Paraguay, Schule.

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Falscher Prophet

5. Juni 2009

Es passiert öfter, das der Unterricht hier mit einem Gebet, oder einem Bibelvers begonnen wird. Es ist ja schließlich eine christliche Schule und es ist ja nur ein bisschen heuchlerisch, wenn die meisten in der Klasse keine Christen sind. Deswegen wird meistens ein Vers aus Psalmen, oder Sprüche gewählt, das sind eh so allgemein gültige Phrasen über Weisheit, Frauen in machistischen Weltbildern und Gehorsam gegenüber Eltern und Lehrern.

Aber gestern übertrieb es mein Lieblingslehrer mal wieder: Sein Text war Offenbarung, Kapitel 16: Die Ausgießung der sieben Zornschalen.

Passt super in sein Weltbild voller Verschwörungstheorien und Weltuntergangsphantasien.

Die Interpretation folgte dann natürlich auch gleich auf den Fuß: Das ist jetzt. Punkt. Er erging sich dann nur weiter in Beispielen, was alles schreckliches von Wissenschaftlern – die möchte ich mal kennen lernen, diese Wissenschaftler, von denen er immer redet – vorhergesagt wurde: Sonnenverfinsterungen ( praktischerweise wie in Off. 16,10-11), und der gleichen mehr.

Keine theologische Interpretation. Angst und Schrecken konnten sich zum Glück nicht manifestieren, weil meine Mitschüler sowieso so fatalistisch denken, dass ihnen der Weltuntergang auch nichts mehr anhaben kann – oder ist es nicht Pech, dass ihr Weltbild keinen Platz für ihr Handeln lässt?.

Mein Kommentar, dass jede Generation behauptet, zu ihrer Zeit würde die Welt untergehen, ging in der (Klassen-)Welt unter. Der Lehrer antwortete mir, wenn man in meinem Land nicht daran glaube, wäre ihm das egal, aber für ihn wäre jetzt Armageddon.

Schließlich sagte er noch er fürchte sich vor falschen Propheten – ich auch Professor Valentin, ich auch.

Categories: Argh!!!, Paraguay, Schule.

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So schlecht ist meine Schule gar nicht

3. Juni 2009

Schock und Anscheinend ist meine Schule doch nicht so schlecht, das waren meine ersten Gedanken.

Also, eins nach dem Anderen: Wie alle paraguayischen Medien heute berichten, hat gestern ein 82-jähriger -das der überhaupt noch unterrichten darf – Lehrer wurde von seinen Schülern gefilmt, wie er ihnen im Unterricht seine Pistole zeigte; mit der Begründung sie seien

unerträglich

gewesen. Dem Fernsehen sagte er:

Ich sagte ihnen, dass ich eine Waffe habe und wenn jemand ein Problem damit hat, soll er raus und auf der Straße auf mich warten.

Das Video hat keine gute Qualität, man versteht nicht, was gesagt wird, aber man erkennt klar, dass der Lehrer eine Pistole in die Luft hält.

[/pro-player]

Der Lehrer wurde bis auf weiteres suspendiert.

Hier findet man das Video. Ich kann es leider nicht auf den Blog bringen, da ich nicht weiß, wie es geht. Auch wenn man das Gesagte ohne Spanischkenntnisse nicht versteht, die Bilder erklären sich eigentlich von selbst.

In meiner Schule tragen die Lehrer keine Waffen und die Meinungsverschiedenheiten werden mit Worten ausgetragen.

Nachtrag: Auf Youtube habe ich das Video dann doch noch gefunden, funktioniert’s?

Categories: Frieden, Paraguay, Schule, krass.

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