Die ersten 40 Stunden sind geschafft!

Wie man schon in einigen vorhergehenden Artikeln lesen konnte, hatte ich eine „interessante“ erste Woche. Es gibt viel erwähnenswertes: Zunächst der Schulbeginn am Montag mit Flagge hissen, dem ich schon einen ellenlangen Beitrag widmete, mein Klassenwechsel, oder mein fachlicher Disput mit meiner Physiklehrerin, für die dasselbe gilt.

Aber es sind auch noch andere Dinge geschehen, die mich mit einem lachenden und einem weinenden Auge 😀 🙁 an diesem meinem ersten richtigen Wochenende (das man vom Rest der Zeit unterscheiden kann, da es – im Gegensatz zur Normalität – nicht von Schule belegt ist).

So habe ich beispielsweise guten Anschluss in meiner vorwiegend Y-Chromosom freien Klasse (vulgo: es sind fast alles Mädchen) gefunden und lerne außer Spanisch zu verstehen, dass mit der Geschwindigkeit einer MG-Salve gesprochen wird, nun auch Guaraní, die indogene Sprache (2. Amtssprache), die in der Schule gelehrt wird, bis jetzt sind meine Lehrerinnen aber meine cumplañeras (Mitschülerinnen), die mir viele Ausdrücke beibringen (Jaha! – gehen wir! beispielsweise), hier ein guter Link dazu.

Außerdem musste ich mit Schrecken feststellen, dass meine Schule zum einen an einem chronischen Lehrermangel leidet und einen sehr exzessiven Gebrauch von Nachmittagsunterricht macht (was zum Teil in dem ersten Problem wurzelt, aber auch daran, dass man Fächer wie „Umwelt“ hat). „Exzessiv“ soll heißen, dass ich Montag bis 10:40Uhr habe (das ist ja noch okay :D), Dienstag bis 12:50 (in Ordnung), – jetzt fängt es an – Mittwoch bis 17:10Uhr und Donnerstag & Freitag bis (setzt euch besser hin) 18:10Uhr (nicht vergessen: der Unterricht beginnt um 7:00Uhr morgens).

Was den Freitag allerdings in seiner Beliebtheit bei mir sogar noch über den Donnerstag erhebt ist, dass wir Freitag nachmittag – obligatorisches – Tanzen (die Wahl war zwischen Chor, Theater und Tanzen; Chor fällt weg, da ich es nicht vertreten kann meine Umwelt so zu quälen, ins Theater wäre ich gerne gegangen, kann aber, da ich ja am Ende des Schuljahres (November) nicht mehr in Paraguay bin, nicht besetzt werden und somit blieb Tanzen übrig) und danach FÜNF Sportstunden = 200 Minuten Folter (eine Schulstunde ist hier 40 Minuten lang), definitiv etwas, was mich als passionierter Masochist so begeistert, dass ich (fast) nicht hinzufügen müsste, dass wir am Vormittag 120 Minuten, den schon erwähnten Umweltunterricht, Informatik (ok, das hatte ich noch nicht, ich wage aber die Behauptung, dass es über Text- und Tabellenverarbeitung nicht hinausgehen wird) und „Plan Optativo“ (eine Kooperative gründen“ genießen dürfen.

Genug, ich werde über meinen Stundenplan nicht mehr schreiben, da es mich und euch, solltet ihr noch eine Seele eurer Eigen nennen, in unbeschreibliche Aggressivität und gleichzeitig tiefe Depression stürzt; nur diese Bemerkung sei mir noch gestattet: Würdet die Lehrer ihre Doppelstunde durch unterrichten und sich nicht nach der Hälfte der Zeit in eine Ecke setzen oder Gespräche über unterrichtsfremde Themata beginnen, könnte man sich den gesamten Nachmittagsunterricht sparen.

Hausaufgaben bestehen, ähnlich wie Aufgaben in der Klasse, meistens darin etwas aus einem Buch aus der Bibliothek (wir haben nur in Englisch ein eigenes Buch) abzuschreiben, sind aber sehr selten.

Auch meine Hoffnungen hier Philosophie zu haben sind wie alles Gute (ok etwas zu übertrieben) vergangen, da sie letztes Jehr Philo und Ethik und dieses Jahr nicht. Das einzig wirklich interessante Fach ist Logik, einfach deswegen, weil wir das in Deutschland nicht haben.

Was ich aber definitiv auf der Haben-Seite verbuchen kann ist: extrem viel Spanisch und große Fortschritte, ich habe mal in einer langweiligen Stunde ausgerechnet, dass ich bei durchschnittlich 6 Stunden Schlaf 22,5% meiner wachen Zeit in Paraguay in der Schule verbringe (die Ferien bis letzte Woche und am Ende meines Aufenthaltes miteingerechnet), anders ausgedrückt sind es 690 STUNDEN = 28 TAGE (wohlgemerkt hier ist ein Tag 24 Stunden, nicht die wache Zeit) und 18 Stunden. Natürlich bin ich diese gesamte Zeit der spanischen Sprache ausgesetzt , weswegen ich zuversichtlich bin, dass ich mein Ziel Castellaño (=Spanisch) im Juli zu beherrschen erreichen werde.

Außerdem wird mir die Schule in Deutschland sicher sehr kurzweilig vorkommen und ich muss mir keine Gedanken darüber machen, ob ich nicht vielleicht zu viele Kurse wähle, da es auf jeden Fall weniger als hier sein werden 😀 .

PS: Ich habe auch gelernt die Linkfunktion von WordPress zu benutzen, wie manchen sicher schon aufgefallen ist.

Und sie dreht sich doch!

Na gut, der Titel ist vielleicht ein bisschen pathetisch, aber einen gemeinsamen Punkt mit dem angeblichen Zitat des berühmten Physikers Galileo Galilei, dessen Name in Deutschland so schändlich von einer Dauerwerbesendung unter dem Deckmantel einer populärwissenschafter Information – und einer noch schlimmeren Tochtersendung, die sich mit „mysteriösen“ Themen beschäftigt – missbraucht wird, hat meine Geschichte doch.

Am Dienstag hatten wir nämlich zum ersten Mal Physik, und ich musste mich natürlich gleich als Besserwisser ausweisen. Und das kam so:

Die Lehrerin erklärte uns zwei Dinge, von denen ich in Deutschland noch nie etwas gehört habe und deren Sinn ich ernsthaft bezweifle (nur nebenbei); nämlich „Impulso“ angegeben in N x s (x=mal) und „Cantidad de keine Ahnung was“ in kg x m/s (x=mal und /=geteilt), was meiner Meinung nach, dem 2.Newtonschen Gesetz entsprechend dasselbe sein müsste, da

N = kg x m/(s)2 und daher N x s = kg x m/(s)2 x s = kg x m/s,

wodurch bewiesen wäre, dass die Einheiten gleich wären.

Diesen Beweis zeigte ich der Lehrerin, worauf diese mich zunächst fragte, ob man das in Deutschland so mache und als ich die Frage verneinte erklärte man dürfe das trotzdem nicht so machen, was ich natürlich verstand. Ich versuchte sie dann doch noch ein bisschen zu überzeugen, aber es fruchtete nicht so wirklich. Sie blieb dabei, dass es zwar richtig sei, man es aber „wegen der Einheiten“ nicht machen dürfe, was glaube ich kein Argument ist.

Irgendwann gab ich es dann auf und sprach im Geiste wie einst Galileo: „Und sie dreht sich doch!“, wissend, dass diesem Ereignis noch viele ähnliche folgen werden.

Mein Vater wird wie ich, NEIN!!!!

Nachdem ich vor kurzem eine einigermaßen erschreckende Entwicklung immer mehr meinem Vater zu ähneln an mir festgestellt hatte und darüber in guter Bloggermanier sofort einen Artikel schreiben musste, der dann von dem weisen, gallophilen Etti kommentiert wurde, und natürlich – wie es meinem Stil entspricht – unzählige, unverständliche Schachtelsätze, wie diesen enthielt, (jetzt weiß ich selbst nicht mehr, was jetzt kommt) muss ich nun eine Veränderung meines alten Herren beobachten, die ähnlich beunruhigend ist (Puh, ich hab es geschafft, den Satz abzuschließen).

Damit ist natürlich der Blog meines Vaters gemeint, der bei der Verfassung dieses Artikels stolze vier (!) Artikel zählt, von denen einer sogar ein Gedicht ist 😀 .

Ich habe als pflichtbewusster Sohn (was ich, wie der schlaue Etti anfügt, immer sein werde) gleich einen Link zu „Wolfgangs Notizen“ gelegt.

Doch nicht in der richtigen Klasse

Heute bestätigte sich mein Verdacht, dass ich vielleicht nicht ganz in der richtigen Klasse war, auch wenn ich dort auf der Liste stand.

Als ich meinen Sitznachbarn nach seinem Alter fragte antwortete er mir er sei 14! Und alle anderen um mich herum waren auch 14 oder 15! Da meine Klasse ja aber nicht nur aus Schülern bestehen konnte, die alle Klassen übersprungen hatten, folgerte ich, dass ich in der falschen Klasse sei, was sich auf Nachfrage als richtig herausstellte. Wer dies zu verantworten hat kann ich nicht beantworten, es könnte sein, dass wir bei der Anmeldung etwas falsches angegeben haben, oder, dass die Schule einen Fehler gemacht hat. Morgen komme ich auf jeden Fall in die 12. Klasse, wie ich es wollte.

Ein wenig schade ist es schon, meine bisherigen Klassenkameraden waren mir sehr sympathisch, aber in meiner zukünftigen Klasse ist ein Junge aus der Gemeinde, mit dem ich mich gut verstehe.

Vom Tellerwäscher zum Millionär

Na gut Teller wasche ich in letzter Zeit seltener, da die Wiensens den unbeschreiblichen Luxus einer Spülmaschine haben, aber in der Hausgemeinschaft habe ich immer eifrig Teller und anderes Geschirr gewaschen in der Hoffnung eines Tages dadurch reich zu werden, wie der Spruch, der zur Überschrift dieses Artikels wurde, es verheißt.

Und nun ist es wahr geworden, wiewohl nur teilweise, denn reich bin nicht geworden, für hiesige Verhältnisse wahr ich es schon immer und werde es wohl immer bleiben und für deutsche bin ich es wahrscheinlich nicht (keine Ahnung, wo in Deutschland der Reichtum beginnt: Beim Zweitwagen, dann nein, beim Mac, dann ja, aber den habe ich mir hart erarbeitet – aber nun zurück zum Thema); aber Millionär geworden, denn heute habe ich meine verbliebenen Euros und Dollar in Guaranís umgetauscht wodurch sich der Betrag meines Geldes ernorm erhöht hat, was bei einem Wechselkurs von ungefähr 1€ zu 6.393,0 PYG (paraguayische Guaranís – ich weiß nicht warum es bnetont paraguayische Guaranís sind, da kein anderes Land der Welt Guaranís als Währung hat) allerdings keine große Sache ist.

Aber Stolz war ich schon 😀

Ich werde wie mein Vater, NEIN!!!!!!!!!!

Immer stärker merke ich, dass ich meinem Vater doch in mehr Punkten ähnlich bin als ich dachte: ich habe einen seltsamen Humor, den niemand versteht, verbessere andere andauernd und, die neueste schreckliche Entwicklung, ich mache unendlich viele Fotos!!! Um endlich von gewissen Leuten (du weißt, dass du gemeint bist!!!) in Ruhe gelassen zu werden, werde ich nun das Zwischennetz ohne Gnade und Gewissensbisse hemmungslos überlasten:

Meine biologische Familie und ich am Flughafen FrankfurtAna Eleonoramein SchattenGlasscherben als Einbruchssicherung und DengebrutstätteMartin JosuéMartin's GesichtSchwimmen!!!Ein Tucan auf dem Arm eines Mannes, der (außer seinem Arm) nicht fotographiert werden wollteAna wartetFindusSchach!!!Die KircheGraffity bei der Kirchedie Jungs beim Kirchen pflückenMartin im Bumstarker JoelAna benutzt die Rutsche falschBiker-Joel

PS: Papa, du hast auch gute Eigenschaften, die sind bloß nicht so witzig. 😀

Erster Schultag, oder wie ich zum Vorbild für Disziplin wurde

Anders als manche von euch gemutmaßt haben, war erst heute mein erster Schultag, vorher hatte ich die ganze Zeit Ferien 🙂 (Für die Schüler unter meinen treuen Lesern: ich habe jetzt bis Juni GAR KEINE Ferien mehr 🙁 ).

Aber gut, so viel zur stillosen Einleitung.

Heute war also der erste Schultag und ich musste deswegen um SECHS Uhr MORGENS aufstehen, da die Schule schon um 7:00 Uhr beginnt und wir noch nach Limpio fahren mussten, bzw. immer müssen, da das Erziehungszenrum Jesus (übersetzt, um potentiellen Ärger zu vermeiden) dort ist (An alle Vergesslichen: ich wohne in Mariano Roque Alonso, aber Schule und Gemeinde sind in Limpio, was ungefähr 10km sind, wobei die ersten 500m die anstrengensten sind, weil da die Straße sind geteert ist). Da wir einigermaßen pünktlich angekommen waren, kamen wir auch rechtzeitig an, um festzustellen, dass alles (sprich der Straßenrand, so was wie Parkplätze sind inexistent) zugeparkt war, aber wir konnten doch lange genug parken, um auszusteigen, und dann konnte Leoni gleich zur Guarderia weiterfahren.

An der Schule angekommen, war unser nächstes Problem herauszufinden, welche Klasse ich denn besuchen sollte, da wir das bei all der Aufregung der Einschreibung vollkommen vergessen hatten und nur wussten, dass ich in der Oberstufe (10.-12. Klasse) sein würde. Im Sekreteriat, konnte man dieses Problem nach langem Suchen lösen und ich folgte einer Sekretärin zu meiner Klasse, die sich schon – wie alle anderen Klassen auch – in zwei Reihen, Mädchen und Jungen getrennt, aufgestellt hatte und die Ansprache der Directora erwartete. Diese kam dann aauch prompt und war nicht sehr anders von dem was man in Deutschland auch bei solchen Anlässen sagt: „Herzlich Willkommen, bla, bla, bla, wir freuen uns bla, bla, bla, und hoffentlich … werden wir ein schönes – sprich lehrreiches und langweiliges Jahr haben bla, bla, bla, seid nett zu den Kleinen und beschmiert nicht die Toiletten und Tische, vor allem nicht wenn die Kleinen zuschauen, weil sie es nachmachen werden“ (das war kein Zitat im engeren Sinne, sondern eher eine Art Zusammenfassung der Rede ihrem Inhalt nach). Während der Rede machte ich ein paar Fotos, bis ich darauf aufmerksam gemacht wurde, dass der einzige andere, der Fotos machte, der Schulfotograf war. Naja was soll’s? Ich stell sie trotzdem hierher:

die versammelte Schule

Dann gingen wir in unsere Klassen und ich fand sogar das richtige Zimmer indem ich zuerst den faschen und dann den richtigen Leuten hinterherlief.

Dort angekommen setzte ich mich auf den nächst besten Platz, wie das Außenseiter so machen und versuchte möglichst viel von dem, was um mich herum geschah zu verstehen. Bald kam eine Professora herein, wie sich herausstellte für „Lengua y Literatura Castellana“ (Spanische (Kastellanische) Sprache(Zunge) und Literatur) und wollte eigentlich Unterricht machen, wurde aber von den Schülern daran gehindert, die forderten, dass die Neulinge – es gab außer mir noch ein paar andere – sich vorstellen sollten. Dadurch erst wurde ich als Fremdling bekannt und mit erstaunten Blicken ob meiner deutschen Herkunft bedacht; anscheinend gibt es hellhäutige, des Spanischen nicht mächtige Menschen, die trotzdem aus Südamerika kommen.

So „gebrandmarkt“ ließ ich die vielen Fragen des zunächst vornehmlich weiblichen Publikums über mich ergehen, welches partout nicht glauben wollte, dass ich „schon“ 17 war.

In der richtigen Pause kamen dann auch die Jungs zum Zug mich auszufragen, wobei irgendwie alle, die Englisch, oder Deutsch sprechen konnten, meinten ihre Fähigkeiten an mir demonstrieren zu müssen (an alle Freiwilligen: ich verspüre ein tiefes Mitleid mit euch, auf Basis meines Selbstmitleids. Dieses Mitleid betrifft nicht nur den Punkt, dass alle einen daran hindern wollen, die Sprache des Landes zu lernen und es dennoch irgendwie von dir erwarten sie zu können, auch finde ich Wortspiele in fremden Zungen im Moment äußerst grausam.). Schließlich redete ich aufgrund des Hinweises eines besonders anglophilen Mitschülers mit der Directora, die so weit ich weiß Deutsche ist. Wir sprachen auf jeden Fall Deutsch miteinander, wobei sie mich mit den Worten begrüßte: „Ach, du bist Benjamin, mir gefallen deine Haare“ (Diesmal ein echtes Zitat), sie spielte natürlich auf meine früheren Dreads, die ich sehr vermisse 🙁 an, die ich wegen der Schule abgeschnitten habe. Dann stellte sie mir meinen Deutschlehrer und einige Schüler/innen, die des Deutschen bzw. Englischen mächtig waren und bat alle, mir zu helfen und mit mir zu reden, bla, bla, bla.

Danach gab es eine Ansprache in der Aula (Mädchen und Jungs getrennt sitzend), nur für die Oberstufe, in der besonders viel auf Regeln, insbesondere auf die Pflicht Schuluniformen zu tragen, hingewiesen wurde (Meine Hoffnung, das werde vielleicht nicht so streng genommen, die darin begründet war, dass die Hälfte der Schüler/innen nur die Hälfte bzw. gar keine Uniform trug, wurde dadurch zerschlagen). Auch auf das Verbot von Handys wurde hingewiesen, lustigerweise hatte kurz vorher hinter mir ein solches geklingelt, was aber aufgrund des plötzlich stärker werdenden kollektiven Gemurmel in der Umgebung nicht bemerkt wurde. Bei dieser Rede über Regeln und Verhaltensweisen wurde auch ich der gesamten Stufe vorgestellt, als deutscher Austauschschüler auf der einen, und als leuchtendes Beispiel für Disziplin, da ich meine Haare der Schule geopfert hatte – komisch, das ich erstens ja gar keine andere Wahl hatte, zweitens es nicht gerne tat und drittens ich in der Heimat niemals für solch vorbildhaftes Verhalten gelobt wurde (mal sehen was die Lehrkräfte Bammentals, die diesen Blog konsumieren, dazu sagen werden 😀 .

Nach der Moralpredigt war die Schule schon aus und ich hatte selbst mit Zeitumstellung früher aus als meine deutschen Klassenkameraden, die montags bis um halb fünf in Französisch und Chemie leiden 😀 .

Bei gefügt noch die von allen Sadisten erwarteten Fotos von mir in Uniform und ein Foto von Joel mit Schultüte (das nicht nur für Sadisten geeignet ist).

Oh mein Gott! Das bin ja ich!!!Joel's erster Tag in der ersten Klasse!!

Ich kann ja ganz gut Spanisch, nur die anderen nicht!

Eigentlich hätte ich diesen Artikel schon am Sonntag schreiben sollen, aber irgendwie hat es sich nicht wirklich ergeben, na ja, also dann jetzt.

Sonntag, war nach der Bibelstunde am Freitag, wo mir die Sache, um die es hier geht – wenn auch in kleinerem Umfang – schon auffiel, der erste Tag an dem ich wirklich einer spanischsprechenden Umgebung ausgesetzt war. Natürlich erwartete ich dieses Ereignis mit sowohl Freude als auch Angst. Ich rief mir immer wieder in Erinnerung, dass ich schon Spanisch gelernt hatte und einen – optimistisch gesehen – annehmbaren Wortschatz hatte, aber was dann passierte, damit hätte ich nie gerechtnet!

Bevor wir überhaupt losfuhren, kam ein ungefähr 12-jähriger Junge vorbei, der mit uns in die Gemeinde fahren sollte. Da Robert und Leoni beschäftigt waren, setzte er sich zu mir, der ich im Wohnzimmer mit Bibel, Notizbuch und dickem Wörterbuch bewaffnet saß. Er fing an zu reden und ich musste mich sehr beherrschen nicht vor Verzweiflung anzufangen zu lachen! Ich verstand kein Wort von dem, was er sagte! Nicht, weil er Wörter benutzte, die ich nicht kannte, sondern weil er vollkommen anders sprach als alle, mit denen ich zuvor geredet hatte: er nuschelte und sprach UNGLAUBLICH schnell, auf meine zaghafte Bitte LANGSAMER und DEUTLICHER zu sprechen sprach er fast noch schneller! (Leoni sagte mir später sie verstehe ihn auch fast nicht).

In der Kirche war es dasselbe, Robert’s Predigt verstand ich sehr gut, aber aus dem was alle anderen Leute, also echte Paraguayer, sagten konnten ich mir (fast) keinen Reim machen.

Wenigstens verstand ich die Aufforderung der  Jugendlichen mit ihnen Volleyball zu spielen …  da muss man nicht so viel  sprechen.

Ich blicke nach diesem Erlebnis mit gemischten Gefühlen auf nächsten Montag, da beginnt nämlich die Schule und somit meine Extremspanischlernzeit.

Ich habe ein Monster erschaffen!

Niemals hätte ich mir träumen lassen, dass meine Experimente/Lehrstunden so schnell so große Wirkung zeigen würden!

Nachdem ich meinen Schachpadawan nun eine Woche beständig auf seine Fehler und Möglichkeiten hingewiesen hatte, beschloss ich eine neue Methode auszuprobieren: Mir fiel schon länger auf, dass Joel, wenn wir im Wohnzimmer spielten von Martin und  vor allem von Ana abgelenkt wurde. Also schlug ich dieses Mal vor, in meinem Zimmer zu spielen, wo wir – zumindest am Anfang – ungestört waren.

Auf meinen Rat begann Joel (weiß) die Partie mit dem Zweispringerspiel (1.e4, e5; 2. Sf3, Sc6; 3. Sc3; Sf6 (ich weiß, dass man 3.Sc3 icht so macht, aber Joel wollte es so)) und ansonsten gab ich ihm nicht viele Tips. Irgendwann kam Martin und, da dieser die Tür offengelassen hatte, auch viele Mosquitos hinein, und ich hatte schon Angst, dass Joel’s für sonstige Verhältnisse wirklich erstaunliche Konzentration jetzt verschwinden würde, aber nach einer kurzen Pause spielte er weiter ungewohnt stark und bedacht.

Schließlich gab es eine Essenspause, da wir das Spiel erst um halb acht abends begonnen hatten, aber danach spielten wir weiter, jetzt sogar im Wohnzimmer, aber Joel ließ sich nicht mehr ablenken, und wendete die Partie, die bisdahin noch eher unentschieden war, zu seinen Gunsten und nutzte, ohne viel Hilfe alle meine Fehler aus, um mich schließlich mit zwei Damen (durch Bauer bis zum Ende durchziehen) matt.

Joel's erstes eigenständiges Matt (umgedrehter Turm ist eine Dame)

Ich war und bin immer noch verwundert, erstaunt, perplex, irritiert und fassungslos darüber, dass Joel so stark spielen konnte, leider hat er in unserem heutigen Spiel nicht dasselbe Niveau bewiesen, schade und ich hatte schon gehofft, dass ich jetzt keine Rücksicht mehr nehmen muss.

Aber nochmal zum gestrigen Spiel: Ich kann mir wirklich nicht vorwerfen, besonders schlecht gespielt, oder Joel zuviele Tips gegeben zu haben, es war wirklich (fast) nur Joel’s Leistung und ich bin echt stolz auf ihn!!!

Fernschach ist nicht so einfach, wie es sich anhört

Nachdem ich eine Woche lang täglich gegen Joel und Martin gespielt hatte,

ein weiteres Schachspiel mit Joel

war ich heute auf der Suche nach einer echten Herausforderung. Finden sollte ich sie in einem kanadischen Großmeister. Da dieser in seinem Heimatland nur Bären töten oder Schach spielen konnte und er unter Chaimaphobie (Angst vor Kälte) leidet, blieb ihm nur das Spiel der Könige. So vom Schicksal gebeutelt wurde er ein exzellenter Schachspieler, der einmal sogar ein Remis gegen einen maltesischen Meisterspieler errang – wobei ihn vor allem verwunderte, warum dieser Schach spielte, da es in dessen Heimat ja nicht kalt war. Über viele Umwege kam der Mann aus der Kälte in die im Vergleich tropische Pfalz, wo er die Liebe zur Weisheit (Philosophie) studierte. Aufgrund der Möglichkeit zumindest zwei Monate im Jahr (Juli und August) mit fünf Schichten Kleidung am Körper das Haus verlassen zu können, sank sein Interesse am besten Spiel der Welt und er wandte sich der Errichtung eines gewaltigen Alkohovorrat, den er als „Weinkeller“ bezeichnet, zu. So spielte er jahrelang nicht und sollte erst durch seine Niederlage gegen mich, den jungen Schachnovizen, aus seiner Abstinenz (Schach gegenüber) aufgeweckt werden. Da sein Stolz verletzt war, trainierte er hart, während seines Aufenthalt in Afrika wohin er die Zugvögel imitierend vor der Kälte geflohen war, und war schließlich bei seiner Rückkehr wieder gut genug in Form um mich zur Revanche zu fordern, die er dann auch gewann, wenn ich mich richtig errinere.

Heute sollte es also zu unserem vierten (wir spielten nach seiner Rückkehr zweimal) Aufeinandertreffen auf dem stilisierten Schlachtfeld kommen. Da ich die, zumindest früher, bei skype verfügbare kostenlose Schachapplikation nicht fand, entschlossen wir uns das Duell auf altmodische Art durchzuführen: ein jeder nahm ein Schachbrett zur Hand und wir schickten einander unsere Züge zu.

"Schach-computer"

Dies sollte sich als komplizierter herausstellen, als wir zunächst dachten (wie im Titel angedeutet). Zunächst musste ich seperat die Felder markieren (für Laien: bei Schach ist jedes Feld durch einen Buchstaben und eine Zahl definiert. Die Zahlen befinden sich an der einen Kante (von der weißen Seite (1) zur schwarzen (8)). Die Buchstaben ziehen sich von Turm(a) zu Turm (h). Dadurch wird definiert, dass die weiße Dame beispielsweise auf d1 steht und die schwarze auf d8, so kann man Schachpartien notieren, um sie später nachspielen zu können, oder wie in diesem Fall Fernschach zu spielen), da dies bei meinem Feld nicht gekennzeichnet war. Dann gab es natürlich oft Verwechslungen, besonders von meiner Seite, da ich wie es scheint nicht lesen kann. So bewegte ich oft die falschen Figuren und konnte dadurch geniale Züge erreichen mit deinen mein Gegner nie gerechnet hätte 😉 . Schließlich schafften wir es dennoch drei Spiele zu spielen, wobei ich das erste gewann, das zweite wurde aufgrund von Tollpatschigkeit (ich stieß aus Versehen das Brett um, es war aber noch unentschieden, es wäre also törricht zu mutmaßen ich hätte dies absichtlich getan, wie böse Zungen bestimmt an dieser Stelle denken werden) abgebrochen und das dritte schließlich, wurde nach langem Ringen schließlich von meinem Gegenüber gewonnen.

Trotz dieses untentschieden Ausgangs bin ich von der Methode des Fernschach fasziniert und würde mich freuen noch viele solcher Spiele auch mit anderen zu spielen (auch du Brutus, ich meine Jonas).