Ausgezeichnete Karrieremöglichkeiten

Nach zweimonatiger Blogabstinenz zwingt mich nun mal wieder die Bundeswehr hier was zu schreiben…

Vor ein paar Wochen erhielt ich einen Brief per Post. Natürlich freute ich mich – passiert heutzutage ja nicht mehr so oft, dass man einen Brief kriegt. Ein Blick auf den Absender verriet mir, dass er vom Kreiswehrersatzamt war. Na ja, gefreut hab ich mich trotzdem, ich krieg nämlich so wenig Briefe, dass ich mich sogar über Briefe von der Bank, oder eben vom Kreiswehrersatzamt freue. Und außerdem kann man sich ja erstmal anhören, was die so zu sagen haben, nicht wahr?

Anlass des Briefes war das voraussichtliche Datum meiner Musterung, die irgendwann nächsten Sommer stattfinden wird. Sie betonen zwar, es sei wichtig, das Musterung und Einziehung, die ja erst nach der Schule erfolgen kann, nahe beeinander liegen, dass ich aber erst ein Jahr nach meiner Musterung Abi mache ist ihnen aber anscheinend egal.

Dem Brief liegen „Informationen für Abiturienten“ bei, in denen existentielle Fragen aufgeworfen werden:

„Sie sind qualifiziert und machen demnächst ihr Abitur oder Fachabitur?“

Ja, zumindest das letzte trifft zu.

„Sie suchen einen sicheren Arbeitsplatz mit Perspektive?“

In Zeiten der Wirtschaftskrise muss ich ja schreckliche Angst haben und suche natürlich Sicherheit und Perspektive.

„Sie wollen studieren und gleichzeitig gut verdienen?“

Wer will das nicht?

„Sie wollen Karriere machen, sich aber nicht in volle Hörsäle quetschen?“

Natürlich will ich Karriere machen, was gibt meinem Leben sonst einen Sinn und volle Hörsäle mag ich auch nicht, woher wussten sie das bloß?

„Sie wollen moderne Technologien kennen lernen?“

Moderne Technologien sind immer toll und ob sie Leute umbringen ist mir ganz egal.

„Sie wollen Abwechslung und Herausforderung bei der Arbeit?“

Man kann Karriere machen und Abwechskung und Herausforderung bei der Arbeit haben? Das muss ein toller Job sein!

Die Lösung meiner Zukunftspläne besteht wohl, da ich schließlich alle Fragen bejaht habe darin, (und jetzt kommt’s!):

Offizier der Bundeswehr

zu werden. Wer hätte das gedacht? Schließlich waren meine Ansichten doch noch vor kurzem so eindeutig, aber es scheint, ein unpersönlicher Brief der Bundeswehr und einige Suggestivfragen haben mich überzeugt.

Ich kenne einige Militärberater, vielleicht werde ich die mal fragen, wie ich da am schnellsten hinkomme…

Flashmob-Flashback

Meine erste selbstorganisierte „Demo“ lief für den kurzen Vorlauf von drei Tagen (einem Schultag und Wochenende) ganz gut.

Fast hundert Leute bildeten eine menschliche Uhr auf der es „fünf vor zwölf“ war gegen den Klimawandel etwas zu tun.

Die Bilder sind schon an Avaaz geschickt, auf der ganzen Welt gab es über 2200 Veranstaltungen!

Der politische Effekt bleibt abzuwarten, Spaß hat es auf jeden Fall gemacht.

fünf vor zwölf! Wecker!!!

(Wieder) eingeschult

Nach dreimonatiger Generalpause und gut acht Monaten ohne deutsche Schule, ging es heute wieder los und zwar wie in der ersten Klasse.

Die Kursstufe begann zunächst einmal mit einem halbstündigen Vortrag über Fehlen im Unterricht – was sagt das über die vermutete Einstellung der Schüler seitens der Lehrer aus?

Weitere Höhepunkte des Schultages waren:

– das ich meinen Seminarkurs nicht belegen kann, den anderen nicht mag und somit ins mündliche Abitur muss

– das wir (der Lateinkurs) in Sinsheim Latein haben; was eigentlich klar war und deshalb erstmal ein paar Freistunden hatten

– vor den Fenstern des Chemiesaals slacklinen, was alle Schüler ablenkte die Lehrkraft herzlich wenig störte

– pyromanische Vorstellungsrunde im Deutschunterricht

Die Oberstufe verspricht spannend zu werden und vor allem entspannt, da ich zweimal die Woche erst zur dritten Stunde zur Schule muss und immer lange Freistunden habe. Außerdem muss ich den 13.Klässlern noch das Passwort für den Oberstufencomputer entlocken!

Anarchistischer Apfelsaft

Letztens saß ich mit unserem theologischen Mitarbeiter Tereré trinkend unter dem Apfelbaum, als ein Apfel herunterfiel.

Vor fünfhundert Jahren beobachtete Isaac Newton der Sage nach denselben Vorfall und entwickelte danach seine Theorie der Schwerkraft. Da er das schon getan hatte, musste ich mir etwas anderes einfallen lassen und so kam ich auf die Idee, Apfelsaft zu machen. Von einem netten Herrn bekam ich eine Saftpresse ausgeliehen und noch drei Säcke Äpfel sowie den Rat die Äpfel zunächst zu häckseln…

keine Angst - die Hände sind noch dran

freundliche Unterstützung eines Klassenkameraden

Das Ergebnis kann sich sehen lassen: 27 Liter Apfelsaft, habe ich bis jetzt produziert, bin Apfelsaftselbstversorger geworden und mich somit einstweilen vom kapitalistischen Apfelsaftmarkt losgesagt^^.

Ich war hin und her gerissen, ob ich meinen Apfelsaft der „Front Deutscher Äpfel“ widme, aber habe mich dann doch für den  pfelsaft entschieden. 😀

Zunächst hatte ich vor einiges gären zu lassen und dann als Most zu trinken, aber der Ansturm ist so groß, dass daraus wohl nichts wird.

Komm doch auf ein Glas Apfelsaft vorbei!prosit!

„Was fällt Ihnen eigentlich ein, die Polizei in Frage zu stellen?“

Das wurde mein Vater heute gefragt, als er die Vertreter der Staatsgewalt daraufhin wies, dass sie Unrecht hatten.

Aber erstmal die ganze Geschichte:

Wir liefen gerade durch Augsburg, als plötzlich ein Polizeiauto durch die Straße fuhr und ein Beamter einen ausländisch aussehenden Fahradfahrer anschnauzte: „Hier ist eine Einbahnstraße! Sie müssten eigentlich 15€ Strafe bezahlen!“

Der irritierte Mann stieg von seinem Rad ab und schob weiter. Wir liefen verwundert weiter, weil Wolfgang sich sicher war, dass die Einbahnstraße wegen Bauarbeiten zur Sackgasse geworden war und deshalb in beide Richtungen geöffnet war, und die Polizist kam ihrer „Pflicht“ weiter nach und ermahnte reihenweise die Radfahrer.

Als wir das Ende der Straße – von wo das Polizeiauto gekommen war – erreichten, sahen wir folgende Schilder:

schilderdschungel

Interpretation: Die Einbahnstraße ist aufgehoben, es ist eine Sackgasse, in welche die Einfahrt verboten ist, aber Anlieger sind frei.

Lachend beschlossen wir, die Reaktion der Staatsgewalt abzuwarten, wenn sie das einstweilige Ende der Straße (die Sackgasse) entdecken würde. Doch diese war damit beschäftigt, aus ihrem Fahrzeug lässig Bürger zu belästigen, und irgendwann hielt mein Vater es nicht mehr aus, ging zu ihnen hin und machte sie darauf aufmerksam, dass aus der Richtung, aus der sie gekommen waren, das Einbahnstraßenschild durchgestrichen war.

Die Antwort steht oben.

Nun bringt mich das zum Nachdenken. Was fällt mir eigentlich ein, die Polizei in Frage zu stellen?

Wie wäre es damit:

-Es ist das Recht eines jedes Bürgers, Widerstand zu leisten, wenn er vom Staat unterdrückt wird (so ungefähr in Art.20§4 des Grundgesetzes(GG))

– In Deutschland herrscht laut Art.5 des GG Meinungsfreiheit

– Die Polizisten haben in diesem Fall unsinnig gehandelt und damit Steuergeld verschwendet, als Steuerzahler ist es unser Recht und Pflicht, auf solche Verschwendung aufmerksam zu machen und sie zu unterbinden

All meine Vorurteile gegenüber der Polizei wurden mal wieder bestätigt – sind es am Ende gar keine?

Anlieger freiabsteigen, aber man darf durch

Hier der Schilderdschungel von der anderen Seite, der es deutlich macht, dass man als Fahrradfahrer zwar zwischendurch absteigen müsste, aber passieren dürfte. Die Stelle, wo man absteigen sollte, war vom Standpunkt des Polizeiautos gar nicht einsehbar, also konnten sie gar nicht nachweisen, dass ein Vergehen vorliegt. Der Verkehrsfluss verlief die ganze Zeit ohne Probleme und entlastete eine andere Straße, so dass Radfahrer sicher fahren konnten..

Räuber Hotzenplotz und Rückblende

Die Sendungen der Augsburger Puppenkiste sind mir neben „Sendung mit der Maus“ als DAS Fernseherlebnis meiner Kindheit in Erinnerung geblieben – man merkt, ich bin ohne Kabelfernsehen groß geworden.

Als wir beschlossen nach Augsburg zu fahren, war – trotz Jakob Fugger und der Täufergeschichte, die dort mit dem Blut der Märtyrer geschrieben wurde – meine erste Assoziation: „Da ist doch die Puppenkiste!“

Und so waren wir heute im „Räuber Hotzenplotz“. Das typische Publikum bestand aus Großeltern, oder Eltern und Kindern zwischen 4 und 10. Ich fiel da irgendwie raus…

Die Interpretation war voll von bayerisch sprechenden Marionetten (außer dem intellektuellen, großen, bösen Petrosilius Zwackelmann) und Liedern.

Großmutter und Räuber HotzenplotzIrgendwie erinnerte mich die ganze Vorstellung zum Einen an meine Kindheit, aber unerwarteterweise auch an meine Brüder Martin und Joel, die mir das ganze mit ihren eigenen Puppen vorgespielt hatten und ich hatte ihnen das Buch von Ottfried Preußler vorgelesen.

Ihr fehlt mir…

In der israelitischen Kultusgemeinde

Heute war ich zum ersten Mal in einer Synagoge.

Davor sah ich mir die Dauerausstellung über die jüdische Geschichte im Raum Augsburg und die Wechselausstellung „(M)Ein gewisses jüdisches Etwas“ an. Zu jener hatte das Kulturmuseum einfach dazu aufgerufen etwas, was für die Besucher typisch jüdisch ewar mitzubringen und die Geschichte dazu aufzuschreiben.

Am bewegendsten fand ich die Geschichte einer jungen Frau, die das Nachthemd ihres Großvaters gebracht hatte. Die Geschichte dahinter war die folgende:

Der Großvater war immer sehr distanziert und die Enkel konnten nie richtig in Kontakt mit ihm treten, obwohl er sie auf Reisen einlud. Er zeigte sich auch immer nur im Anzug und gab ihnen förmlich die Hand. Selbst vor seinem alten Haus in Augsburg, dass er wegen der Verfolgung durch die Nazis Richtung USA verlassen musste konnte der gehemmte Mann nichts aus seiner Vergangenheit erzählen.

Dann erkrankte er an Demenz, vergaß seine Gehemmtheit und sprudelte nur so vor Geschichten und umarmte seine Enkelkinder.

Die junge Frau war sehr dankbar dafür, dass sie so richtig mit ihrem Großvater in Kontakt treten konnte.

Die Synagoge durfte ich nur mit Kopfbedeckung betreten. Zum Glück gab es Papierkippas, die ich gleich mitgenommen habe.ich mit Kippa und Schläfenlocken

Die Synagoge war trotz der schwarzen Steine hell und ich fühlte mich mit meinen geistlichen Vorfahren verbunden. Ob die Synagogen, in denen Jesus predigten aussahen wie diese hier?

Das Bild vom Inneren habe ich nicht selbst gemacht, photographieren ist im gesamten Bereich leider verboten.

Als wir noch einen Cappuccino im Cafe der Kultusgemeinde tranken und überlegten, ob wir koschere Gummibärchen kaufen sollten, hörten wir einem Gespräch zu, in dem zwei Kinder eines im 3. Reich aus Augsburg vertriebenen Juden, von ihrem Vater berichteten und eine Frau vom Museum protokollierte es und versuchte mehr über ihn zu erfahren. Eine der ersten Fragen: „War er ein säkularisierte Jude, oder ein orthodoxer?“

Antwort: „Er spendete der Synagoge Geld.“

Frau vom Museum: „Also säkularisiert.“

Eine kurze Bemerkung zum Titel: „Israelitische Kultusgemeinde“ steht am Eingang. Die Synagoge ist nur der Gottesdienstraum, der Rest nicht.

Zum Staat Israel gab es keine Aussage.

Gigantische Gartenzwerge

Gestern war unser erster Tag des Familienurlaubs in Augsburg. Beim Spaziergang betraten wir den Bischofsgarten, in dem nun auch der gemeine Pöbel wandeln darf und auf den Bänken oder gar im Gras mit einem Buch aus dem öffentlichen Bücherschrank dort entspannen darf. Ein Relikt aus den Zeiten, als dort nur der Bischof von Augsburg spazieren durfte, sind diese sechs Zwerge, die es ihm angetan hatten:

Zwerg #1Zwerg #2

Zwerg #3Zwerg #4

Zwerg #5Zwerg #6

Kulturschöcke

Was ist die Mehrzahl von Schock? Ich hatte nämlich mehrere, die für euch unbeteiligte Zuschauer, lustig erscheinen mögen, doch für mich sehr traumatisch waren.

Letztens wollte ich mit dem Bus fahren und als er an mir vorbeifuhr streckte ich den Daumen raus – wie man es in Paraguay macht. Seltsamerweise hielt der Bus aber nicht an und ich erinnerte mich, dass man in Deutschland an Bushaltestellen muss, um mit dem Bus zu fahren. Also rannte ich zur nächsten Bushaltestelle und bekam den Bus gerade so noch. Dieser war ungewohnt sauber und ich musste die ganze Zeit nicht stehen. Es kam auch niemand, um mir Kaugummis, Bonbons, frische Maiskuchen, Erdnusstafeln, oder Socken, Nagelscheren und ähnliche nützliche Haushaltsgegenstände, die ich immer so erstanden habe, zu verkaufen. Niemand sang mir ein Ständchen auf einer schlecht gestimmten Gitarre und kein Knd kam, um zu betteln. Während der ganzen Fahrt sprach mich niemand an, wo ich Blonder denn hin wolle und, dass das ein sehr gefährliches Viertel wäre.

Ich fühlte mich geradezu einsam…

Jedes Mal wenn ich auf dem Klo sitze muss ich mir überlegen, wo jetzt der Mülleimer für das Klopapier steht – bis mir einfällt, dass es in Deutschland einfach in die Röhre geschmissen wird.

In der Gemeinde und auch sonst geben mir die Leute nicht die Hand und wundern sich dann, wenn ich ihnen die meine reiche – im gefühlskalten Deutschland gibt man nicht die Hand.

Es gibt einige Dinge, die ich jetzt schon an Paraguay vermisse und in meiner romantisch-verklärenden Art, werden bestimmt noch einige hinzukommen.