Wozu öffentliche Bibliotheken führen können

16. August 2010

Robs hat einen neuen Artikel geschrieben, eine Anekdote aus der Gemeinde über Autonomie und einfaches Leben, und über ein Buch, das in ihrer Gemeindebibliothek vorhanden sein wird. Er schreibt auch, dass ihn dieser Blogeintrag über Andrew Carnegie” nochmal bestätigt hat in der Idee die Gemeindebibliothek zu gründen.

Mal nachsehen, vom wem “dieser Blogeintragist. Ah, Kerstin, von ihr habe ich schon länger nichts mehr gelesen, schön was schreibt sie denn so über Andrew Carnegie, den zweitreichsten Mann der Welt, nach John Rockefeller?

“Vor fast 200 Jahren tat sich ein Weber in Schottland mit einigen anderen Männern zusammen. Sie stellten die fünf (!!!) Bücher, die sie besaßen, der Allgemeinheit zur Verfügung, eröffneten eine Leihbibliothek. Als dampfbetriebene Webstühle aufkamen und die Handweber mit der Konkurrenz nicht mithalten konnten, verarmte die Familie und wanderte nach Amerika aus.
Sein Sohn Andrew
[Carnegie] profitierte davon, dass ein reicher Bürger Philadelphias, seine private Bibliothek für interessierte Arbeiterjungs öffnete – man konnte sich jede Woche ein Buch ausleihen. Andrew bildete sich so gut er konnte und er hatte die Fähigkeit, Trends zu erkennen”

Da hat Robert also die Bestätigung für die Gemeindebibliothek her. Schön, dass Andrew trotz dem wirtschaftlichen Ruin seiner Eltern durch die industrielle Revolution eine zweite Chance bekommen hat. Hoffentlich behält er in Erinnerung was er erfahren und nutzt seine Fähigkeit, Trends zu erkennen” dazu, den beginnenden Großkapitalismus zu erkennen und etwas für die zu tun, die ein ebenso hartes, oder härteres Schicksal hatten wie er.

Ich lese weiter:

“In seinem Essay “The Gospel of Wealth” schrieb er einige seiner Überzeugungen nieder. Für ihn war der Glaube an den Fortschritt und die Weiterentwicklung der Menschheit Antrieb und Motivation. Er war überzeugt davon, dass begabte Menschen den technischen und wirtschaftlichen Fortschritt der Menschheit entscheidend voranbringen würden. Dass sie in dem Prozess auch reich würden, war für ihn selbstverständlich.”

Da Carnegie sich nicht als Christ bezeichnete, werde ich nicht auf den seltsamen Begriff des “Evangelium des Reichtums” und den Widerspruch zum Evangelium Christi eingehen. Das könnt ihr selber tun, ich empfehle Matthäus 19,24.

Begabte Menschen bringen die Menschheit technisch und wirtschaftlich in der Tat weiter. Aber auf diesen Fortschritt kommt es doch gar nicht an. Es kommt darauf an, dass wir wissen, was wir mit den neuen Techniken anfangen sollen, ob diese uns hilft bessere Menschen zu sein. Gleiches gilt für die Wirtschaft.

Aber das tun sie beide gerade nicht, Technik macht uns abhängiger von der Wirtschaft, weil wir nicht länger wissen, wie wir ohne die Technik, die auf komplizierter Arbeitsteilung aufgebaut ist, leben sollen und die Wirtschaft redet uns ein, wir müssten immer mehr Technik kaufen. Um diese Technik herzustellen wird ein Großteil der Hersteller (der echten Hersteller!) ausgebeutet, muss in unwürdigen und giftigen Bedingung arbeiten, stirbt in Folge dessen früher und ihre Kinder haben keine Bildung – außer natürlich wenn wie bei dem jungen Carnegie ein netter reicher Mann die Bibliothek öffnet.

Das man reich wird, wenn man die Arbeitskraft derer ausnutzt, die ungebildet sind, deshalb keine andere Arbeit finden können und ihnen dann weniger zahlt, als das, was sie produzieren, wert ist, ist irgendwie selbstverständlich.” .

Aber, “Er hielt es für eine Schande, wenn ein Mensch reich sterben würde.”

Mist, da hat er jetzt das ganze Geld, wohin nur damit? Der Artikel verrät uns wie Carnegie darüber dachte:

“- Geld zu vererben betrachtete er als Gefahr für den Charakter der Erben, die möglicherweise nicht gut mit dem Reichtum umgehen würden.
- Geld zu verteilen hielt er für unsinnig, da seiner Meinung nach viele Menschen es nur für Konsum, nicht jedoch für persönliche Weiterentwicklung verwenden würden. Nachvollziehbar. Als ich im Flugzeug über die Spenden las, sagte mein Sitznachbar: “Die sollten mir was von dem Geld geben.” Auf meine Frage, was er denn mit dem Geld tun würde, antwortete er “Going to the beach and party…and have some drinks.” Aha.
- Geld dem Staat zu vererben hielt er für unsinnig, da damit nicht sichergestellt wäre, dass das Vermögen auf eine gute Art und Weise und im Sinn des Spenders verwendet würde.
Damit blieb für ihn nur die Option
- Geld während der eigenen Lebenszeit in Projekte und Dinge zu investieren, die dem Wohl und dem Fortschritt der Menschheit dienen.
Andrew Carnegie, lebte gemäß seiner eigenen Überzeugungen. Für ihn war der Zugang zu Bildung sehr wichtig und so finanzierte er unter anderem den Bau und die Ausstattung von mehr als Tausend Bibliotheken. Auch die Carnegie Hall in New York wurde von ihm finanziert. Insgesamt spendete er zu seinen Lebzeiten mehr als 90 % seines enormen Vermögens für Bildung und andere soziale Zwecke.”

Ich muss Carnegie recht geben, die drei ersten Optionen sind Schwachsinn und würden wahrscheinlich großen Schaden anrichten, weil Menschen mit so viel Geld eben nichts anfangen können.

Und seine Lösung ist doch genial, der Mann finanziert nachhaltige Institutionen, die vielen Menschen geholfen haben.

Bleibt nur die Frage, wie vielen Menschen er auf dem Weg dorthin geschadet hat.

Wie viele sind wegen ihm verarmt und brauchten deshalb erst seine Hilfe?

Ich hoffe, dass die Gemeindebibliothek in Costa Azul keine Carnegies hervorbringt. Die Welt hat schon genug wohlmeinende Kapitalisten. Ich hoffe, dass die Gemeindebibliothek Aktivisten, Rechtsanwälte, Bauern, Pastoren und Politiker hervorbringt, die die Unterdrückung, die uns Technik und Wirtschaft gebracht haben beenden. In Paraguay, Südamerika und der ganzen Welt. Und wenn ich mir die Bücher ansehe, von denen ich weiß, dass sie dort stehen werden, bin ich guter Hoffnung.


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Zahnbürstenrevolution

17. Juni 2010

Heute war ich beim Kieferorthopäden und habe eine Zahnbürste geschenkt gekriegt. Ich fand das ziemlich seltsam und dachte während die Kieferorthopädin mit ihren Fingern in meinem Mund war über Zahnbürsten nach – hauptsächlich um mich davon abzulenken, dass es ebenso seltsam ist, dass diese Frau, zugegebenermaßen mit großer Sorgfalt, in meinem Mund Metallstücke befestigt.
Als ich so dalag, auf diesem bequemen Zahnarztstuhl, kroch mir ein Ohrwurm in den Gehörgang und er hat mich seitdem nicht mehr losgelassen: Kennt ihr die Geschichte vom kleinen Johnny? – ein Lied das ich früher immer mit meinem Vater gesungen habe.
Es geht um den kleinen Johnny, dem Martin Luther King sagt er soll beim protestieren seine Zahnbürste dabei haben, denn wenn man ins Gefängnis kommt, muss man alles abgeben außer seiner Zahnbürste und deshalb ist die Zahnbürste ein Zeichen, das man bereit ist ins Gefängnis zu gehen.
Der Refrain geht mir nicht mehr aus dem Kopf:
„Hast du deine Zahnbürste dabei? Du wirst sie noch gebrauchen. Man sperrt heut noch viele Menschen ein, die gegen Unrecht sind.“

Mich haben zwei Sachen überrascht: Auf der einen Seite, dass ich mich überhaupt daran erinnere, weil ich nur ganz wenige Erinnerung aus meiner Kindheit habe, aber was mich viel mehr erstaunt hat, war radikale Botschaft, die dieses Lied hat:
Setz‘ dich für Gerechtigkeit ein und sei bereit dafür in den Knast zu gehen.
Für ein Kinderlied (und auch für ein Lied allgemein) ziemlich krass.
Im Endeffekt ist das Lied eine Neuformulierung dessen, was Jesus in Mk 8:34 sagt: (Lutherübersetzung): „Wer mir nachfolgen will, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach.“
Im römischen Reich mussten politische Umstürzler, die zum Kreuzestod verurteilt wurden, ihr Kreuz meist selbst bis zum Hinrichtungsort tragen. Sein Kreuz auf sich nehmen, dass heißt nicht irgendeine Bürde auf sich nehmen, wie zumindest ich früher immer angenommen habe. Es heißt nicht, nimm diese Gebote auf dich und dann kommst du in den Himmel. Darum geht es hier gar nicht. Es ist bloß meine seltsame Lesart, von der ich nicht weiß, wer sie mir beigebracht hat, wenn es um Glauben geht immer, gleich an den Himmel zu denken.
Es geht darum revolutionär zu leben, sonst bräuchte man kein Kreuz, sich der unausweichlichen Reaktion des Systems dann aber nicht zu entziehen, sondern sogar sein eigenes Kreuz mit zu bringen. Zu sagen: „Tötet mich doch, dieser Kampf war es wert. Ihr könnt nur meinen Körper töten, doch mein Zeichen wird mich überdauern und ich werde in Gottes Reich leben, dem ihr euch weigert unterzuordnen.“ – Ok, hier hat es doch wieder was mit dem Himmel zu tun…
Für mich ist es jeden Tag neu ein Kampf mein Kreuz oder wahlweise meine Zahnbürste auf mich zu nehmen, ein Kampf, den ich oft aufgebe, bevor er begonnen hat. Auch wenn, oder gerade weil, es sich gut anfühlt den Staat und die Schule zu kritisieren und in der Schule der radikale Typ zu sein, den alle nur Dschiises nennen und der sich jedes Mal neu darüber aufregt und zu jeder Meinung eine Gegenposition bezieht, sind meine radikalen Aktivitäten an diesem Punkt zu Ende – bis auf das gelegentliche Übersetzen für CPT Deutschland, oder MCN…

Das Lied formuliert diese Aussagen in einer Art, die Kinder verstehen können, aber es vereinfacht das Thema nicht. Es wird vielleicht sogar krasser, weil es Kinder verstehen können. Ich würde das Lied gerne mal im Kindergottesdienst singen, aber ich habe das Gefühl noch nicht würdig dafür zu sein. Ich muss erst noch eine lange Zeit meine Zahnbürste mit mir herumtragen.

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1:1 für Paraguay und mein innerer Kampf mit der WM

14. Juni 2010

Heute habe ich freiwillig ein Fußballspiel geschaut. Meine Prinzipien gebrochen. Aber, es war immerhin ein Paraguayspiel, da musste ich ja zuschauen, alleine um zu beweisen, dass ich mich dort eingelebt habe. Während ich die unbequeme Frage nach dem Nationalismus für neunzig Minuten ignoriert habe, bin ich ein wenig betrübt, dass Paraguay das 0:1 nicht halten konnte. Wenigstens war es noch unentschieden.

Die Paraguayer nehmen aber ihren Fußball um einiges ernster als wir Deutschen. Immerhin hat der paraguayische Präsident Lugo, den heutigen Tag des ersten Spiels der Paraguayer zum Ruhetag erklärt. Da würde ich mich auch mehr für Fußball begeistern, wenn das in Deutschland zur Norm würde.

Unglaublich, dass ich schon zwei Artikel über die WM geschrieben habe, es scheint als, würde meine misathletische Haltung zu bröckeln beginnen, NEIN!!!

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Warzenweltmeisterschaftswerbung

10. Juni 2010

Ich habe leider schon einige Europa- und auch Weltmeisterschaften erleben müssen. Die Idee ist mehr oder weniger immer die gleiche. 22 Männer jagen eine Lederkugel im Namen ihrer Nation, mit der sie eigentlich so gut wie nichts mehr gemeinsam haben, da sie normaler Weise in anderen Ländern wohnen und dort einer Lederkugel hinterher rennen und dafür unverschämt viel Geld kriegen arbeiten.

Das ganze scheint alle Menschen in meiner Umgebung brennend zu interessieren: Feministinnen vergessen schlagartig, dass sich Sexismus auch darin zeigt, dass Männerfußball viel mehr gefördert und wertgeschätzt wird als Frauenfußball, Antinationalisten schwenken Fahnen, als ob wir nie schlechte Erfahrungen mit dem Fiebern nach dem Endsieg gehabt hätten (es bleibt aber ein enormer Fortschritt, wenn sich 22 Männer für neunzig Minuten prügeln, als Millionen über mehrere Jahre). Die ansonsten ach so ökologisch bewussten Menschen hängen sich hundert Deutschlandflaggen ans Auto und verbrauchen damit 0,5l/100km/Fahne mehr Treibstoff und kaum verhüllter Fremdenhass gegen bessere Mannschaften (siehe Italien vor vier Jahren) wird wieder salonfähig. Was will man mehr?!

Aber es wird noch besser. Ein jede/r Bürger/in kann nun seine/ihre nationalen Stolz zeigen, indem er/sie munter McWraps vertilgt, oder sinnlos teure und unsagbar hässliche Deutschlandhüte, -brillen, oder -dreadperücken kauft. Streng logisch – schließlich braucht die Nation unseren dauernden Konsum.

Heute bin ich über eine besonders sinnlose Werbung gestolpert: Weltmeisterlich gegen Warzen. Genau das, woran ich bei der WM denke.

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Heute ist ein guter Tag ein Nerd zu sein

25. Mai 2010

Nerd sein ist schwer. Ständig muss man anderen Wesen erklären, dass das Leben sehr wohl sinnvoll ausgefüllt sein kann, wenn man Comics liest, Rollenspiele* spielt und tagelang darüber debattiert, welche die beste aller möglichen Parallelwelten ist. Immerhin gibt es ja unendlich viele. Nerds, wahlweise auch Freaks, oder Streber genannt, wir selbst bevorzugen die Bezeichnungen “Nerd” oder “Geek”, für die bisher noch keine konsensfähigen Übersetzungen ins Deutsche gefunden wurden. Aber eine Forschungsgruppe testet gerade verschiedene Versuchsreihen.

Dann noch all diese Menschen, die denken, Nerds seien alle gleich, dabei gibt es sehr differenzierte Gruppen von Nerds, die teilweise durch uralte Fehden verfeindet sind, was immer wieder dazu führt, dass Ikosader rollen müssen:

  1. DC- und Marvel-Leser
  2. DSA-, D&D-, AD&D-, Midgard-Spieler und Spieler vieler anderer Systeme
  3. Wikipedianer
  4. Sci-Fi und Fantasyliteraten
  5. Mathematiker
  6. Physiker
  7. Alchemisten (heute unter dem Denkmantel der Pseudowissenschaft “Chemie” bekannt, betreiben sie weiter die Suche nach dem Stein der Weisheit und der wahren Erkenntnis)
  8. Π-Jünger
  9. WoW gegen Guild Wars

Die Liste könnte noch sehr lange, weiter geführt werden, der Beweis, ob es endlich oder unendlich viele Strömungen des Nerdismus gibt steht noch aus, die zwei Möglichkeiten bieten wiederum zwei neue.

Diese inneren Streitigkeiten führen allerdings dazu, dass der Kampf um soziale Anerkennung – wie unwichtig sie den meisten Nerds auch offensichtlich ist, da sie sich sowieso seltenst in der sogenannten Realität aufhalten – gelähmt wird, was zu schweren Diskriminierungen gegen Nerds führt. So wird beispielsweise der volkanische Gruß (“Live long and prosper”) immer noch meist mit Lachen quittiert, statt mit einer ernsten Antwort.

Selbiges gilt auch für “Möge die Macht mit dir sein”, oder Menschen, die Elbisch als ihre Wahlsprache sprechen.

Man kann also durch aus von Nerdophobie sprechen und folgern, dass wir Nerds eine sozial benachteiligte Gruppe sind.

Um auf dieses Problem aufmerksam zu machen und Geeks in ihrem Wesen zu bestärken, wurde der “Geek Pride Day” 2006 ins Leben gerufen. An diesem Tag sollen Geeks und Nerds stolz sein Geeks zu sein.

Der Geek Pride Day findet heute, am 25. Mai statt, gleichzeitig auch der Towel Day zu Ehren von The Hitchhiker’s Guide to the Galaxy und dessen Autor Douglas Adams sowie Der Glorious 25th of May, für Terry-Pratchett-Fans. Drei Dinge stolz zu sein und diesen 25. Mai, und alle folgenden, gebührend zu feiern. Mit Handtuch, volkanischem Gruß und Scheibenwelt Romanen.

Live long and prosper!

PS: Noch ein paar meiner Lieblingszitate von Adams und Pratchett:

“An education was a bit like a communicable sexual disease. It made you unsuitable for a lot of jobs and then you had the urge to pass it on.”
Terry Pratchett
, Hogfather

[The pamphlet] was very patriotic. That is, it talked about killing foreigners.
Terry Pratchett
, Monstrous Regiment

God does not play dice with the universe; He plays an ineffable game of his own devising, which might be compared, from the perspective of any of the other players, to being involved in an obscure and complex version of poker in a pitch dark room, with blank cards, for infinite stakes, with a dealer who won’t tell you the rules, and who smiles all the time.
Terry Pratchett, “Good Omens”

In the beginning the Universe was created. This has made a lot of people very angry and has been widely regarded as a bad move.
Douglas Adams, The Hitchhiker’s Guide to the Galaxy
There is a theory which states that if ever anybody discovers exactly what the Universe is for and why it is here, it will instantly disappear and be replaced by something even more bizarre and inexplicable. There is another theory which states that this has already happened.
Douglas Adams, The Hitchhiker’s Guide to the Galaxy

Space is big. You just won’t believe how vastly, hugely, mind- bogglingly big it is. I mean, you may think it’s a long way down the road to the chemist’s, but that’s just peanuts to space.
Douglas Adams, The Hitchhiker’s Guide to the Galaxy

*: Nein, nicht das woran du gerade denkst. Pen&Paper-Rollenspiele. Oder höchstens LARP.

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Mein irisches Tagebuch

5. Mai 2010

Es ist jetzt schon zwei Wochen her, das ich heimgekehrt bin, aber jetzt komme ich endlich dazu euch einige der unzähligen Höhepunkte (es war fast ein Höhepunktgebirge) meiner Studienfahrt, die ursprünglich nur Nordirland beinhalten sollte, zu berichten.

Montag, 12.4., 6:00Uhr, Bammental: Ich muss aufstehen, und bin obwohl ich meinen Koffer schon vorher gepackt habe, bin ich zu spät. Kommen trotzdem pünktlich in Heidelberg an, ein Bus fährt uns nach Frankfurt, nicht ohne dass zuvor der erst von vielen Sprüchen wie: “Benni, ist das dein Koffer, der da noch am Straßenrand steht?” geäußert wurde. Da ich meinen Palästinenserschal vorsorglich im Koffer verstaut hatte und mein Name scheinbar noch nicht auf der “terrorverdächtig, weil mal Arabischschüler”-Liste steht, darf ich einchecken. Der Flug ist ruhig, im Dubliner Flughafen, bekomme ich auf Nachfrage einen Einreisestempel, leider ohne Wappen… Wir bekommen eine Touristeninfo über Nordirland ausgeteilt, in der viel über Belfast und das Land steht, die Troubles aber mit keinem Wort erwähnt werden – es fühlt sich seltsam an. Noch ein Bus, der uns nach Belfast fährt, der Linksverkehr irritiert mich, was noch den Rest der Studienfahrt so bleiben wird. Ankunft in Paddy’s Palace, einem zurecht billigen Hostel, sichere mir ein Hochbett, um mir nicht den Kopf anzustoßen. Der Rest des Tages ist gefüllt mit einem Stadtspaziergang und einem Pubbesuch.

Das erste Guinness ist magenbeunruhigend schwer, schließlich darf man ein Guinness erst trinken, wenn man ihn den Schaum sein Gesicht malen kann. Die Liveband im Robinson’s infiziert mich mit dem Ohrwurm der Studienfahrt: 500 miles.

Dienstag, 13.5., 8:00 Uhr (eigentlich 9:00 Uhr in Deutschland): Spätes Aufstehen – zwei Daumen hoch. Nach dem Frühstück machen wir eine Busrundfahrt und steigen an verschiedenen Plätzen aus, um die wundervollen Vorträge der anderen Studienfahrtteilnehmer anzuhören, die (teilweise)  komplett aus Wikipedia kopiert eigenständig vorbereitet waren. Während der Rundfahrt kommen wir das erste Mal durch die Belfaster Viertel, die eine weltweite traurige Berühmtheit durch die Troubles, wie die Zeit der Kämpfe zwischen loyalistischen (Leuten, die weiterhin mit Großbritannien verbunden sein wollten) und republikanischen (denjenigen, die zum Rest von Irland gehören wollten) paramilitärischen Gruppen und zeitweise der britischen Armee in den 1970ern bis 1998 genannt wird, erlangten.

Es war faszinierend und beängstigend zugleich, durch die Straßen zu fahren, wo noch vor wenig mehr als einem Jahrzehnt, Bürgerkriegsstimmung und gleichzeitig “Normalität” herrschte. Noch krasser war, dass man im Stadtkern, gar nichts von der Auseinandersetzung sah, dort gab es noch nicht mal Wahlplakate der Sinn Fein oder der Unionisten (gemäßigte Loyalisten); nur Plakate des nordirischen FDP-Äquivalent, nach Aussage eines Busfahrers: “Those people only get voted by doctors and they’re are just nonsense” – Ist es nicht überall das Gleiche?

Das zweite Guinness wird schon besser…

Mittwoch, 14.4: Heute kriegen wir eine Führung durch Falls Street, dem katholischen Arbeiterviertel Belfasts, von Seamus, der zehn Jahre für die Unabhängigkeit als IRA-Mitglied im Gefängnis saß und heute für eine von der EU-finanzierte Organisation namens Coisture arbeitet. Er erzählt mitreißend von der Unterdrückung, die die Katholiken hier in Falls und ganz Nordirland erlitten, vom Beginn der Troubles, von der “Vergewaltigung der Falls”, als die Armee das Viertel nach Waffen durchsuchte, von den Hungerstreiks, bei denen sich IRA-Aktivisten im Gefängnis zu Tode hungerten, um als politische Gefangene anerkannt zu werden, vom Towel und Dirty Strike, bei dem sie sich weigerten Sträflingsuniformen zu tragen, sich in Laken wickelten und sich nicht mehr wuschen, er rechtfertigt den gewaltsamen Widerstand gegen die britische Unterdrückung und ich verstehe ihn, auch wenn ich weiterhin glaube, dass Gewalt keine Probleme löst, wie man in Falls sehen kann.

Am Übergang zur Shankill Road, dem protestantischen Arbeiterviertel, das von Falls durch meterhohe “peace lines getrennt ist, treffen wir unseren protestantischen Führer, der zehn Jahre für die Ulster Volunter Force im Gefängnis saß. Er und Seamus geben sich kurz die Hand, dann verschwindet Seamus so schnell er kann wieder nach Falls, ihm ist es immer noch deutlich unangenehm in Shankill zu sein. Unser neuer Führer redet viel davon, dass es ihnen ja auch nicht gut gegangen ist und wenn man die alten Häuser sieht, merkt man, dass hier schlicht und einfach zwei arme Schichten aufeinander gehetzt wurden. Davon, das Nordirland und Irland ja jetzt in der EU wären und man vorwärts sehen müsse. Er schafft es nicht uns seine Sicht der Dinge so nah wie Seamus zu bringen, dass ich seinen Namen vergessen habe, sagt auch schon genug aus.

Der Tag, reich an Eindrücken, endet mit einem von meinen Zimmergenossen gekochten Colcannon und dazu Guinness oder wahlweise Cider.

Donnerstag, 15.4.: Einen ganz Tag (fast) nichts politisches, sondern einfach nur die Landschaft genießen. Wir überqueren eine Brücke in schwindelerregender Höhe, sehen den Giant’s Causeway, eine einst von Riesen erbaute Landbrücke zwischen Schottland und Irland, die leider auch von Riesen zerstört wurde. Das Zertifikat fürs Überqueren der Brücke werde ich in meinen Lebenslauf einfügen und auch, dass ich im Atlantischen Ozean geschwommen bin, wodurch mein Herz den Rest des Tages seltsam schnell geschlagen hat. Die irische Landschaft ist unglaublich schön und es tut gut einen Tag lang ein einfacher Tourist zu sein und die ganzen politischen Zusammenhänge zu ignorieren.

Mittlerweile beschäftigen uns in der Gruppe auch ganz andere Dinge. Der Vulkan mit dem unaussprechlichen Namen ist ausgebrochen und wie es aussieht kommen wir nicht mehr nach Hause. Während wir Schüler sich freuen über die verlängerte Studienfahrt, versuchen unsere Lehrer herauszufinden, welche Möglichkeiten es gibt, doch noch irgendwie nach Hause zu kommen.

Guinness schmeckt mittlerweile richtig gut.

Freitag, 16.4: Der Bus fährt uns nach Stroke City – die Schrägstrich-Stadt. Dieser Name wurde von Journalisten geprägt, die den Vorwurf der Einseitigkeit umgehen wollten. Denn eigentlich heißt sie je nach politischer Gesinnung Derry oder Londonderry. Hier verschlossen einst die Apprentice Boys den katholischen Zurückeroberern das Stadttor, sodass Nordirland protestantisch blieb, und hier fand am 30. Januar 1972 ein gewaltfreier Bürgerrechtsmarsch sein blutiges Ende als britische Paratroopers, eine Art Elitesoldaten, das Feuer auf die Demonstranten eröffnete und 13 Menschen erschossen, die meisten davon in den Rücken, als sie gerade flüchteten.

Hier, im katholischen Arbeiterviertel, Bogside, treffen wir Bob Kelly, der hier schon sein ganzes Leben lang wohnt und als Kind und Jugendlicher die Troubles und Bloody Sunday erlebt hat. Er und zwei Freunde haben diese Erlebnisse in Gemälden verarbeitet, Gemälde, die auf Häuserwände gemalt wurden. Derry ist für diese Murals mittlerweile weltberühmt, aber Bob und seine Freunde kriegen keine Unterstützung von der Stadt oder von der Regierung nur von den Leuten von Bogside kriegen sie ein wenig Geld für die Farben. Die drei nennen sich die Bogside Artists und sind während der Sommermonate eigentlich immer in ihre Gallerie zu finden, die für alle offen ist.

Bob führt uns durch die Bogside und erzählt von Bloody Sunday, von den täglichen Kämpfen, die sich zwischen Polizei und republikanischen Jugendlichen entwickelten und so zur Regel wurden, dass man zur Teatime pausierte. Er erklärt die Geschichten der Bilder, die Farbwahl, die persönlichen Randnotizen.

Er erzählt, das jedes Haus in der Bogside mindestens zweimal durchsucht wurde, wobei alles zerschlagen wurde. Erzählt wie Freunde von ihm unbeteiligt am Konflikt waren, aber irgendwie zwischen die Fronten gerieten und dafür mit dem Leben bezahlten. Immer wieder deutet er auf Gesichter in den Bildern und erklärt, woher er diese Menschen kannte. Beim Bild Petrol Bomber erzählt er uns von den Kindern, die Molotowcocktails bauten und dachten, sie könnten sich mit kaputten Gasmasken aus dem Zweiten Weltkrieg vor dem Tränengas schützen, die die Wirkung in Wirklichkeit nur erhöht haben.

Dann erzählt er uns von Free Derry, dem Viertel, das die Armee nicht mehr wagte zu betreten, weil sich die Katholiken organisiert hatten und von der Frau, die sie organisiert hatte: Bernadette Devlin McAliskey, die daraufhin jüngstes Parlamentsmitglied in der Geschichte wurde. Heute setzt sie sich für Immigranten ein.  Der Tod der Unschuld, wahrscheinlich mein Lieblingsbild. Es hat einige Veränderungen durch gemacht, früher war der Schmetterling nicht ausgemalt, das Kreuz dunkler und das Gewehr (nicht gut zu erkennen) noch ganz. Durch den Friedensprozess haben die Künstler diese Dinge dann in den heutigen Stand verändert.

Bob inspirierte mich sehr, da er für mich ein Zeugnis ist, wie man um Erinnerung bemüht sein kann, die die geschichtliche Wahrheit der Unterdrückung und Ungerechtigkeit benennt, und trotzdem die Hand ausstreckt zur Versöhnung. Ganz anders ist da das Museum of Free Derry, das von einem Angehörigen eines der Opfer von Bloody Sunday geleitet wird und der Ungerechtigkeit gedenkt, aber jeder Hoffnungsschimmer erstickt in dem muffigen Gebäude in dem die ganze Zeit der Livemitschnitt von der Demonstration läuft, wie am Anfang gesungen wird, und die Stimmung plötzlich umschlägt…

Wir sprechen in unserer Zimmergemeinschaft über unsere Gedanken zur Führung und dem Museum. Meine Kamera funktioniert plötzlich nicht mehr.

Am Abend feiern wir unseren “letzten” Abend mit den Lehrern – über eine halbe Stunde länger als ursprünglich erlaubt :D ..

Samstag, 17.4.: Wir fahren mit dem Bus nach Dublin und singen Karaoke. Wir haben mit Glück ein Hostel einer anderen Studienfahrt, die im Gegensatz zu uns, die wir nicht von Irland runterkommen, nicht reinkommen, erhalten. Das ist sehr viel schöner als Paddy’s Palace, aber dafür verwinkelter (Treppe hoch, laufen, Treppe runter, Treppe hoch…) und teurer.

Meine Zimmergenossen und ich sehen uns Dublin an, das viel schöner, aber dafür langweiliger ist als Belfast. Der Lonely Planet ist unser Reiseführer.. Ob wir nach Hause kommen ist unsicher

Sonntag, 18.4.: Ich besuche mit einem Mädchen aus meinem Lateinkurs die lateinische Messe in der Dubliner Pro-Cathedral, die Stimmung ist so feierlich und der Weihrauch riecht gut. Der Chor singt wunderschön und wir verstehen die lateinischen Teile besser als die englischen. Mal ist der Luftraum offen, Mal nicht…

Montag, 19.4.: Wir entwerfen in Gruppen Stadtrallys und lösen dann die einer anderen Gruppe. Teilweise fehlen ganze Hinweise, aber irgendwie kriegen wir es doch hin und haben dazwischen riesig viel Spaß. Wir werden Dienstag unsere Odyssee nach Hause beginnen und feiern noch Mal unseren letzten Tag, jetzt aber wirklich.

Dienstag, 20.4.: Viel zu früh stehen wir auf und besteigen die erste Fähre nach Holyhead, Wales. Es gibt ein riesiges Gerangel bei der Ankunft bis wir endlich unser Gepäck haben. Dann durch Wales und England nach Hull, wo wir die Nachtfähre nach Zebrugge nehmen. Auf der Fähre erleben wir überteuertes Essen, räuberische Wechselkurse, Playback-Livekünstler, und Glück und Pech im Spiel. Wir werden in den Schlaf geschaukelt.

Mittwoch, 21.4.: Mein Frühstück fällt den Schwankungen auf hoher See zum Opfer, aber zum Glück gibt es an Bord ja ein Buffet. Als wir in Belgien ankommen fahren wir sofort mit dem Bus weiter und kommen abends endlich in Bammental an. Wobei wir von mir aus auch noch ein paar Wochen auf der grünen Insel hätten bleiben können…

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Ausgezeichnete Karrieremöglichkeiten

10. Dezember 2009

Nach zweimonatiger Blogabstinenz zwingt mich nun mal wieder die Bundeswehr hier was zu schreiben…

Vor ein paar Wochen erhielt ich einen Brief per Post. Natürlich freute ich mich – passiert heutzutage ja nicht mehr so oft, dass man einen Brief kriegt. Ein Blick auf den Absender verriet mir, dass er vom Kreiswehrersatzamt war. Na ja, gefreut hab ich mich trotzdem, ich krieg nämlich so wenig Briefe, dass ich mich sogar über Briefe von der Bank, oder eben vom Kreiswehrersatzamt freue. Und außerdem kann man sich ja erstmal anhören, was die so zu sagen haben, nicht wahr?

Anlass des Briefes war das voraussichtliche Datum meiner Musterung, die irgendwann nächsten Sommer stattfinden wird. Sie betonen zwar, es sei wichtig, das Musterung und Einziehung, die ja erst nach der Schule erfolgen kann, nahe beeinander liegen, dass ich aber erst ein Jahr nach meiner Musterung Abi mache ist ihnen aber anscheinend egal.

Dem Brief liegen “Informationen für Abiturienten” bei, in denen existentielle Fragen aufgeworfen werden:

“Sie sind qualifiziert und machen demnächst ihr Abitur oder Fachabitur?”

Ja, zumindest das letzte trifft zu.

“Sie suchen einen sicheren Arbeitsplatz mit Perspektive?”

In Zeiten der Wirtschaftskrise muss ich ja schreckliche Angst haben und suche natürlich Sicherheit und Perspektive.

“Sie wollen studieren und gleichzeitig gut verdienen?”

Wer will das nicht?

“Sie wollen Karriere machen, sich aber nicht in volle Hörsäle quetschen?”

Natürlich will ich Karriere machen, was gibt meinem Leben sonst einen Sinn und volle Hörsäle mag ich auch nicht, woher wussten sie das bloß?

“Sie wollen moderne Technologien kennen lernen?”

Moderne Technologien sind immer toll und ob sie Leute umbringen ist mir ganz egal.

“Sie wollen Abwechslung und Herausforderung bei der Arbeit?”

Man kann Karriere machen und Abwechskung und Herausforderung bei der Arbeit haben? Das muss ein toller Job sein!

Die Lösung meiner Zukunftspläne besteht wohl, da ich schließlich alle Fragen bejaht habe darin, (und jetzt kommt’s!):

Offizier der Bundeswehr

zu werden. Wer hätte das gedacht? Schließlich waren meine Ansichten doch noch vor kurzem so eindeutig, aber es scheint, ein unpersönlicher Brief der Bundeswehr und einige Suggestivfragen haben mich überzeugt.

Ich kenne einige Militärberater, vielleicht werde ich die mal fragen, wie ich da am schnellsten hinkomme…

Categories: Anekdoten.

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Flashmob-Flashback

21. September 2009

Meine erste selbstorganisierte “Demo” lief für den kurzen Vorlauf von drei Tagen (einem Schultag und Wochenende) ganz gut.

Fast hundert Leute bildeten eine menschliche Uhr auf der es “fünf vor zwölf” war gegen den Klimawandel etwas zu tun.

Die Bilder sind schon an Avaaz geschickt, auf der ganzen Welt gab es über 2200 Veranstaltungen!

Der politische Effekt bleibt abzuwarten, Spaß hat es auf jeden Fall gemacht.

fünf vor zwölf! Wecker!!!

Categories: Anekdoten, Bilder, Internet.

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(Wieder) eingeschult

14. September 2009

Nach dreimonatiger Generalpause und gut acht Monaten ohne deutsche Schule, ging es heute wieder los und zwar wie in der ersten Klasse.

Die Kursstufe begann zunächst einmal mit einem halbstündigen Vortrag über Fehlen im Unterricht – was sagt das über die vermutete Einstellung der Schüler seitens der Lehrer aus?

Weitere Höhepunkte des Schultages waren:

- das ich meinen Seminarkurs nicht belegen kann, den anderen nicht mag und somit ins mündliche Abitur muss

- das wir (der Lateinkurs) in Sinsheim Latein haben; was eigentlich klar war und deshalb erstmal ein paar Freistunden hatten

- vor den Fenstern des Chemiesaals slacklinen, was alle Schüler ablenkte die Lehrkraft herzlich wenig störte

- pyromanische Vorstellungsrunde im Deutschunterricht

Die Oberstufe verspricht spannend zu werden und vor allem entspannt, da ich zweimal die Woche erst zur dritten Stunde zur Schule muss und immer lange Freistunden habe. Außerdem muss ich den 13.Klässlern noch das Passwort für den Oberstufencomputer entlocken!

Categories: Anekdoten, Schule.

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Anarchistischer Apfelsaft

14. September 2009

Letztens saß ich mit unserem theologischen Mitarbeiter Tereré trinkend unter dem Apfelbaum, als ein Apfel herunterfiel.

Vor fünfhundert Jahren beobachtete Isaac Newton der Sage nach denselben Vorfall und entwickelte danach seine Theorie der Schwerkraft. Da er das schon getan hatte, musste ich mir etwas anderes einfallen lassen und so kam ich auf die Idee, Apfelsaft zu machen. Von einem netten Herrn bekam ich eine Saftpresse ausgeliehen und noch drei Säcke Äpfel sowie den Rat die Äpfel zunächst zu häckseln…

keine Angst - die Hände sind noch dran

freundliche Unterstützung eines Klassenkameraden

Das Ergebnis kann sich sehen lassen: 27 Liter Apfelsaft, habe ich bis jetzt produziert, bin Apfelsaftselbstversorger geworden und mich somit einstweilen vom kapitalistischen Apfelsaftmarkt losgesagt^^.

Ich war hin und her gerissen, ob ich meinen Apfelsaft der “Front Deutscher Äpfel” widme, aber habe mich dann doch für den  pfelsaft entschieden. :D

Zunächst hatte ich vor einiges gären zu lassen und dann als Most zu trinken, aber der Ansturm ist so groß, dass daraus wohl nichts wird.

Komm doch auf ein Glas Apfelsaft vorbei!prosit!

Categories: Allgemein, Anekdoten, Philosophie.

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“Was fällt Ihnen eigentlich ein, die Polizei in Frage zu stellen?”

26. August 2009

Das wurde mein Vater heute gefragt, als er die Vertreter der Staatsgewalt daraufhin wies, dass sie Unrecht hatten.

Aber erstmal die ganze Geschichte:

Wir liefen gerade durch Augsburg, als plötzlich ein Polizeiauto durch die Straße fuhr und ein Beamter einen ausländisch aussehenden Fahradfahrer anschnauzte: “Hier ist eine Einbahnstraße! Sie müssten eigentlich 15€ Strafe bezahlen!”

Der irritierte Mann stieg von seinem Rad ab und schob weiter. Wir liefen verwundert weiter, weil Wolfgang sich sicher war, dass die Einbahnstraße wegen Bauarbeiten zur Sackgasse geworden war und deshalb in beide Richtungen geöffnet war, und die Polizist kam ihrer “Pflicht” weiter nach und ermahnte reihenweise die Radfahrer.

Als wir das Ende der Straße – von wo das Polizeiauto gekommen war – erreichten, sahen wir folgende Schilder:

schilderdschungel

Interpretation: Die Einbahnstraße ist aufgehoben, es ist eine Sackgasse, in welche die Einfahrt verboten ist, aber Anlieger sind frei.

Lachend beschlossen wir, die Reaktion der Staatsgewalt abzuwarten, wenn sie das einstweilige Ende der Straße (die Sackgasse) entdecken würde. Doch diese war damit beschäftigt, aus ihrem Fahrzeug lässig Bürger zu belästigen, und irgendwann hielt mein Vater es nicht mehr aus, ging zu ihnen hin und machte sie darauf aufmerksam, dass aus der Richtung, aus der sie gekommen waren, das Einbahnstraßenschild durchgestrichen war.

Die Antwort steht oben.

Nun bringt mich das zum Nachdenken. Was fällt mir eigentlich ein, die Polizei in Frage zu stellen?

Wie wäre es damit:

-Es ist das Recht eines jedes Bürgers, Widerstand zu leisten, wenn er vom Staat unterdrückt wird (so ungefähr in Art.20§4 des Grundgesetzes(GG))

- In Deutschland herrscht laut Art.5 des GG Meinungsfreiheit

- Die Polizisten haben in diesem Fall unsinnig gehandelt und damit Steuergeld verschwendet, als Steuerzahler ist es unser Recht und Pflicht, auf solche Verschwendung aufmerksam zu machen und sie zu unterbinden

All meine Vorurteile gegenüber der Polizei wurden mal wieder bestätigt – sind es am Ende gar keine?

Anlieger freiabsteigen, aber man darf durch

Hier der Schilderdschungel von der anderen Seite, der es deutlich macht, dass man als Fahrradfahrer zwar zwischendurch absteigen müsste, aber passieren dürfte. Die Stelle, wo man absteigen sollte, war vom Standpunkt des Polizeiautos gar nicht einsehbar, also konnten sie gar nicht nachweisen, dass ein Vergehen vorliegt. Der Verkehrsfluss verlief die ganze Zeit ohne Probleme und entlastete eine andere Straße, so dass Radfahrer sicher fahren konnten..

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Räuber Hotzenplotz und Rückblende

25. August 2009

Die Sendungen der Augsburger Puppenkiste sind mir neben “Sendung mit der Maus” als DAS Fernseherlebnis meiner Kindheit in Erinnerung geblieben – man merkt, ich bin ohne Kabelfernsehen groß geworden.

Als wir beschlossen nach Augsburg zu fahren, war – trotz Jakob Fugger und der Täufergeschichte, die dort mit dem Blut der Märtyrer geschrieben wurde – meine erste Assoziation: “Da ist doch die Puppenkiste!”

Und so waren wir heute im “Räuber Hotzenplotz”. Das typische Publikum bestand aus Großeltern, oder Eltern und Kindern zwischen 4 und 10. Ich fiel da irgendwie raus…

Die Interpretation war voll von bayerisch sprechenden Marionetten (außer dem intellektuellen, großen, bösen Petrosilius Zwackelmann) und Liedern.

Großmutter und Räuber HotzenplotzIrgendwie erinnerte mich die ganze Vorstellung zum Einen an meine Kindheit, aber unerwarteterweise auch an meine Brüder Martin und Joel, die mir das ganze mit ihren eigenen Puppen vorgespielt hatten und ich hatte ihnen das Buch von Ottfried Preußler vorgelesen.

Ihr fehlt mir…

Categories: Anekdoten.

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In der israelitischen Kultusgemeinde

25. August 2009

Heute war ich zum ersten Mal in einer Synagoge.

Davor sah ich mir die Dauerausstellung über die jüdische Geschichte im Raum Augsburg und die Wechselausstellung “(M)Ein gewisses jüdisches Etwas” an. Zu jener hatte das Kulturmuseum einfach dazu aufgerufen etwas, was für die Besucher typisch jüdisch ewar mitzubringen und die Geschichte dazu aufzuschreiben.

Am bewegendsten fand ich die Geschichte einer jungen Frau, die das Nachthemd ihres Großvaters gebracht hatte. Die Geschichte dahinter war die folgende:

Der Großvater war immer sehr distanziert und die Enkel konnten nie richtig in Kontakt mit ihm treten, obwohl er sie auf Reisen einlud. Er zeigte sich auch immer nur im Anzug und gab ihnen förmlich die Hand. Selbst vor seinem alten Haus in Augsburg, dass er wegen der Verfolgung durch die Nazis Richtung USA verlassen musste konnte der gehemmte Mann nichts aus seiner Vergangenheit erzählen.

Dann erkrankte er an Demenz, vergaß seine Gehemmtheit und sprudelte nur so vor Geschichten und umarmte seine Enkelkinder.

Die junge Frau war sehr dankbar dafür, dass sie so richtig mit ihrem Großvater in Kontakt treten konnte.

Die Synagoge durfte ich nur mit Kopfbedeckung betreten. Zum Glück gab es Papierkippas, die ich gleich mitgenommen habe.ich mit Kippa und Schläfenlocken

Die Synagoge war trotz der schwarzen Steine hell und ich fühlte mich mit meinen geistlichen Vorfahren verbunden. Ob die Synagogen, in denen Jesus predigten aussahen wie diese hier?

Das Bild vom Inneren habe ich nicht selbst gemacht, photographieren ist im gesamten Bereich leider verboten.

Als wir noch einen Cappuccino im Cafe der Kultusgemeinde tranken und überlegten, ob wir koschere Gummibärchen kaufen sollten, hörten wir einem Gespräch zu, in dem zwei Kinder eines im 3. Reich aus Augsburg vertriebenen Juden, von ihrem Vater berichteten und eine Frau vom Museum protokollierte es und versuchte mehr über ihn zu erfahren. Eine der ersten Fragen: “War er ein säkularisierte Jude, oder ein orthodoxer?”

Antwort: “Er spendete der Synagoge Geld.”

Frau vom Museum: “Also säkularisiert.”

Eine kurze Bemerkung zum Titel: “Israelitische Kultusgemeinde” steht am Eingang. Die Synagoge ist nur der Gottesdienstraum, der Rest nicht.

Zum Staat Israel gab es keine Aussage.

Categories: Anekdoten, Gott & die Welt, Politik.

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Beim Bund ist alles doof.

19. August 2009

Unterwegs in Augsburg sah ich auf einem Mülleimer diesen Sticker. Genial!

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Gigantische Gartenzwerge

19. August 2009

Gestern war unser erster Tag des Familienurlaubs in Augsburg. Beim Spaziergang betraten wir den Bischofsgarten, in dem nun auch der gemeine Pöbel wandeln darf und auf den Bänken oder gar im Gras mit einem Buch aus dem öffentlichen Bücherschrank dort entspannen darf. Ein Relikt aus den Zeiten, als dort nur der Bischof von Augsburg spazieren durfte, sind diese sechs Zwerge, die es ihm angetan hatten:

Zwerg #1Zwerg #2

Zwerg #3Zwerg #4

Zwerg #5Zwerg #6

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Kulturschöcke

15. August 2009

Was ist die Mehrzahl von Schock? Ich hatte nämlich mehrere, die für euch unbeteiligte Zuschauer, lustig erscheinen mögen, doch für mich sehr traumatisch waren.

Letztens wollte ich mit dem Bus fahren und als er an mir vorbeifuhr streckte ich den Daumen raus – wie man es in Paraguay macht. Seltsamerweise hielt der Bus aber nicht an und ich erinnerte mich, dass man in Deutschland an Bushaltestellen muss, um mit dem Bus zu fahren. Also rannte ich zur nächsten Bushaltestelle und bekam den Bus gerade so noch. Dieser war ungewohnt sauber und ich musste die ganze Zeit nicht stehen. Es kam auch niemand, um mir Kaugummis, Bonbons, frische Maiskuchen, Erdnusstafeln, oder Socken, Nagelscheren und ähnliche nützliche Haushaltsgegenstände, die ich immer so erstanden habe, zu verkaufen. Niemand sang mir ein Ständchen auf einer schlecht gestimmten Gitarre und kein Knd kam, um zu betteln. Während der ganzen Fahrt sprach mich niemand an, wo ich Blonder denn hin wolle und, dass das ein sehr gefährliches Viertel wäre.

Ich fühlte mich geradezu einsam…

Jedes Mal wenn ich auf dem Klo sitze muss ich mir überlegen, wo jetzt der Mülleimer für das Klopapier steht – bis mir einfällt, dass es in Deutschland einfach in die Röhre geschmissen wird.

In der Gemeinde und auch sonst geben mir die Leute nicht die Hand und wundern sich dann, wenn ich ihnen die meine reiche – im gefühlskalten Deutschland gibt man nicht die Hand.

Es gibt einige Dinge, die ich jetzt schon an Paraguay vermisse und in meiner romantisch-verklärenden Art, werden bestimmt noch einige hinzukommen.

Categories: Anekdoten, Paraguay.

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Laurentiustränen und Ukulelen

14. August 2009

In der Nacht vom 12. auf den 13. August ist die höchste Aktivität der Perseiden, einem Meteorstrom, der jedes Jahr die Erde passiert.

Deshalb saß ich um halb zwölf Uhr nachts mit meinen Eltern im Auto auf dem Weg zu einen Hügel außerhalb Bammentals. Ich erinnerte mich, dass ein Freund von mir gesagt hatte, er wäre an der selben Stelle, wo wir hinwollten und sagte gerade zu meinem Vater: “Pass auf, dass du den nicht überfährst!”, als vor uns drei Schatten aufsprangen und zur Seite rannten.

Es war der Freund und noch zwei andere Freunde von mir.

Sternschnuppen sahen wir leider keine, weil der Himmel so bewölkt war, aber dafür erhielt ich ein Ukulelenkonzert das “Stand by me” beinhaltete – nur “Stand by me” in unendlichen Wiederholungen…

war trotzdem ein lustiger Abend

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Survival überlebt!

13. August 2009

Am 1. August trafen sich sechzehn saubere Menschenkinder, um im Verlauf einer Woche immer dreckiger zu werden – und um eine Woche lang ohne Strom, fließend Wasser und den ganzen Schickschnack zu leben.

Das raue Überleben begannen wir mit Brötchen, Marmelade und Trinkjogurt auf der Neu-Dahner Burgruine. Danach wurden erstmal Verpflegung, Kochutensilien und ähnliche Zivilisationsübereste auf alle Gruppenmitglieder verteilt. Da ich unbewusst auf Besteck und anderes verzichtet hatte, konnte ich unter anderem drei Kilogramm Reis aufnehmen – hätte ich etwas nachgedacht hätte ich 750 Gramm Milchpulver genommen, was dasselbe Volumen hatte. Dazu kam dann noch der ZEHN Liter Wassersack; warum nahm ich den, wo es doch auch VIER Liter Wassersäcke gegeben hätte?

Nachdem alles verteilt war, ging die Wanderung los. An einem Aussichtspunkt stimmten wir uns ein und dann liefen wir durch den Pfälzer Wald und liefen weiter durch den Pfälzer Wald und weiter…

Das Tolle an der Natur ist, das alles gleich und verschieden zur selben Zeit ist: Ein Baum sieht aus, wie der andere und dennoch sind alle unterschiedlich. Erst nach einer Weile gewöhnten sich meine Augen daran, dass nichts mit grellen Farben ihre Aufmerksamkeit heicht. Ich erkannte verschiedene Grünschattierungen und Blattformen.

Nach einer Ewigkeit kamen wir an den Hohlen Felsen an, einer Gesteinsformation mit großen Überhängen, die unser Nachtlager bildeten. Das beste Gefühl war den Rucksack abzusetzen und ihm Laub einzuschlafen.

Doch es ging weiter, wir mussten Feuerholz sammeln, kochen und unsere Lagerstätte herrichten. Ein vorzügliches Essen später wollten wir eine Anbetungszeit haben, aber seltsame Käfer-Fliegen-Monster, die keinerlei Respekt vor unserer Privatsphäre hatten flogen uns in Ohren, Augen, unter Kleidung und auf der Haut herum.

So legten wir uns auf unsere Matten, um morgens mit seltsamen wässrigen Blasen zu erwachen. Was das war ist immer noch unklar, wahrscheinlich eine Naturallergie (eine unglaubwürdige Theorie spricht von reizenden Raupenhaaren). Wir mussten weiter und so ähnlich verliefen alle Tage – manchmal wuschen wir uns in Bächen und Seen, oder spielten ein Gruppenspiel, das wir gut meisterten, da wir gut zusammen konnten.

Es war eine existenzielle Erfahrung für mich, alles selbst zu tragen und so von dem Rest der Gruppe abzuhängen. Ständig dachte ich darüber nach, was ich hätte zu Hause lassen können und freute mich, wenn es “mein” Essen gab, also das, was ich im Rucksack trug.

Die Themen waren sehr ansprechend und ich fühlte mich zum ersten Mal auf einer juwe-Freizeit geistig herausgefordert weiter über Dinge wie “einfaches Leben”, “Verzicht”, “Naturschutz”, “Frieden stiften” nachzudenken.

Großartige Gespräche ergaben sich beim Wandern, aber wir konnten auch in Stille die Schöpfung genießen, oder singend durch die Wälder streifen. Zusammen sangen wir “Viele kleine Leute” und dachten über den bedeutsamen Text nach.

Gegen Ende der Freizeit übernachteten wir nur noch auf Burgen, wo uns auffiel, dass Burgen ein Instrument der Gewalt und Unterdrückung waren – fern ab von der romantischen Perspektive Prinz Eisenherzes. Doch sie haben die Zeit nicht überdauert und Gottes Schöpfung erobert sie zurück und sprengt die Festen durch die langsame Kraft von Graswurzeln und der Sprengkraft von Eis.

Eine Nacht schlief ich in einem selbstgebauten “Laubschlafsack”, es fehlte aber Laub, weshalb ich den größten Teil der Nacht zitternd da lag und ungewollt die Schönheit einer Nacht im Wald erfuhr.

Am Samstag den achten schließlich beendeten wir das Überleben schrittweise auf zwei Burgen, zuletzt auf Burg Fleckenstein, wo wir ein üppiges Frühstück aßen, ich aß gefühlt soviel wie die ganze Woche.

Jetzt bin ich schon eine halbe Woche zu Hause und brauchte so lange diesen Artikel zu schreiben; ich hätte gerne länger überlebt.

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Eindrücke von der Weltkonferenz

21. Juli 2009

Die Weltkonferenz ist zu Ende und ich hatte weder Zeit, noch Lust, noch Möglichkeit euch aktuell auf dem Laufenden zu halten weswegen ich nun nur noch Geschichten erzählen will, die mich bewegt haben und einen guten Eindruck von der Vielfalt und Widersprüchlichkeit der 15. Versammlung der Mennonitischen Weltkonferenz (MWK) vermitteln:

Am Dienstag kam ich mittags beim Centro Familiar de Adoración an, mogelte mich mit meiner Teilnehmerkarte von Jugendgipfel durch die Menschenschlange an den „Dienern des Friedens“, Schüler, die freiwillig die ganze Konferenz hindurch schufteten, um uns einen schönen Kongress zu ermöglichen und teilweise keinen einzigen Gottesdienst mitbekamen.

Beim Anblick dieses riesigen zehntausend Leute fassenden Betonklotz war mein erster Gedanke: „Wie schön meine Gemeinde in Bammental doch ist; mit ihren vierzig Gliedern“ – andere dachten; „Was haben wir falsch gemacht, dass unsere Gemeinden nicht so groß sind?“

Das Gebäude sollte zwar schon lange fertig sein ist es aber nicht, weshalb wir Mennos sozusagen die Megachurch der Pfingstler eingeweiht haben. *strike!*

Von Anfang an legten die Veranstalter viel Wert auf Seuchenschutz: Es gab kostenlose Maulkörbe und wir wurden angehalten uns mit dem „japanischen Gruß“ (also eine Verbeugung, ohne Hände schütteln, oder ähnliche Freudenfeste für Bazillen und Viren) zu grüßen, was wir in gut mennonitsch-anarchistischer Manier ignorierten und unsere Geschwister herzlichst umarmten. Später erfuhren wir über mehrere Ecken, dass die Regierung den Kongress fast abgesagt hätte, weil sechstausend Mennos aus allen Ecken der Erde, die sich einen Dreck um Vorkehrungen sorgen für eine Woche auf einem Haufen sind und danach wieder in ihren Winkel der Erde ziehen, für Epidemologen ein Albtraum sind, aber die Organisatoren versprachen alles zu tun und wir Teilnehmer beteten und vertrauten auf den Herrn, der uns die Gemeinschaft so bestimmt nicht vermiesen wollen würde – worauf dann ja auch nichts passierte.

Die ersten drei Bibelarbeiten/Predigten wurden von Frauen gehalten, was einige Leute zum Verlassen der Konferenz anregte, oder zu der Furcht die Emanzen würden hier alles übernehmen; glücklicherweise gab es aber auch einige Lateinamerikaner, die das gar nicht störte – der große Sturm der Empörung blieb bis jetzt aus; es gibt Hoffnung.

Der Werkstätten (Workshops) waren derer so mannigfaltig, dass ich mir oft wünschte, der Herr möge die Sonne nicht untergehen lassen, auf dass ich mehr besuchen könnte.

Ricardo Esquivia

Am Mittwoch forderten mich Ricardo Esquivia, Gründer von Justa Paz in Kolumbien und danach die Church Communities International, vormals bekannt als Bruderhof, mit ihrer noch radikaleren Hingabe zu Gütergemeinschaft, als wir in der Hausgemeinschaft.

Nzuzi Mukawas Predigt am Mittwochabend, darüber, dass der Weg Jesu ein Weg ist, der Gerechtigkeit schafft, hat mich beeindruckt und zum Handeln animiert, weil sie so klar die Ungerechtigkeit in der Welt und in der mennonitischen Kirche aufgezeigt hat und sogar vor sexueller Gewalt, internationalen Schulden, und Sexismus nicht Halt gemacht hat, – andere hat sie aufgeregt, weil sie ein Rundumschlag gegen alles Ungerechte war und keine Hoffnung vermittelt hat.

Donnerstagmorgen führten uns die mennonitischen Ojibway und Cheyenne in ein Dankgebet für die Natur in Stein, Pflanzen, Bäumen und Tieren und für die verschiedenen „Menschenrassen“, mit ihren verschiedenen Begabungen.

Während der Morgenandacht war es plötzlich stockfinster – Stromausfall. Zunächst waren alle ganz still, dann fingen Leute an mit Blitzlich die Dunkelheit zu fotographieren und ich fürchtete epileptische Anfälle, oder Panik, aber dann kam das Musikteam auf die Bühne und wir sangen mit Klavierbegleitung, das man auch ohne Strom hören konnte und es war so schön, dass ich ein wenig traurig war als das Licht wieder anging und der Gottesdienst fortfuhr. Video hier.

Ricardo Esquivia interessierte mich derart, dass ich gleich nochmal zu einem seiner Vorträge ging und Unglaubliches über die Erfolge und Schwierigkeiten in einem Projekt mit Gangmitgliedern in Honduras erfuhr – was alles passieren kann, wenn man die „Bösen“ als Menschen wahrnimmt.

Die Predigt von Donnerstagabend hatte ich schon lange erwartet: Dietrich Pana, ein Indigena aus dem Chaco mit deutschklingendem Namen – die Indigenas haben einige Namen von den mennonitischen Einwanderern übernommen; „Pana“ ist die phonetische Schreibweise von „Penner“ (typischer Menno-Name) in plattdeutscher Aussprache – predigte über Apostelgeschichte 2, 46-47, dass die erste Gemeinde sich täglich im Tempel und in Häusern traf und täglich wuchs; ein Vers vorher kommt die Gütergemeinschaft vor.

Den Kopf voll der latent, oder offen rassistischen Aussagen, die ich von allen Seiten unter den Mennoniten übereinander hier gehört habe, und der himmelschreienden Ungleichheit zwischen Indianermennoniten, Mestizen-Mennoniten Mennisten (plattdeutsch für die deutschsprechenden Einwanderer in den Kolonien – ein tolles Wort mit langer Geschichte, die Papa bestimmt in einem Kommentar erklären will, das ich in Zukunft verwende) erwartete ich eine anklagende Predigt über die Ungerechtigkeit und Vernachlässigung ihrer Geschwister seitens der Mennisten.

Aber Bruder Pana ging nicht wie so viele andere Redner auf Konfrontationskurs, sondern betonte die Gemeinschaft unter den Gläubigen und erzählte wie in vor dem Gebäude ein Polizist gefragt habe, ob er (als Indigena) auch „menonita“ sei, was sich in Paraguay eigentlich nur auf die Mennisten bezieht, und er antwortete „mit der Kraft des Heiligen Geistes: JA, ICH BIN MENNONIT“ – ich schmunzelte und freute mich über dieses Symbol, Alfred Neufeld, der in meiner Nähe saß, lachte so laut los, dass einige Europäer ihn sehr verwundert ansahen und jeder Paraguayer hatte es kapiert: Mennonit sein hat nichts mit der Hautfarbe, oder der Sprache zu tun. Es ist der Glaube an Jesum Christum und der Wille sein Kreuz auf sich zu nehmen und ihm nachzufolgen.

Die meisten anderen hatten es leider nicht verstanden und waren von der ansonsten etwas simplen Predigt enttäuscht.

Die weiteren Predigten waren auch gut, aber keine hatte mich so bewegt und ist mir so in Erinnerung geblieben, wie Dietrich Panas einfache Verkündigung, dass auch er Mennonit sei.

Am Samstagnachmittag war ich in meines Schwesters Workshop, den sie zusammen mit Barbara Kärcher hielt: „Arm und Reich in der Familie des Glaubens“ – aufgrund starker Nachfrage beim ersten Mal (hundert Leute, in einem winzigen Raum und Leute, die weggeschickt werden mussten) wiederholt. Was sie sagten war sehr gut, nur war meine Kleingruppe sehr frustrierend, weil die Reichen nicht zu den Armen durchdrangen und umgekehrt. Wenigstens war ich nicht in Leonis (meine Gastmutter) Gruppe, wo eine Frau aus dem Chaco behauptete Arme seien nur zu faul zum Arbeiten, und vor sonstigen Vorurteilen nur so strotzte. Wie Leoni die Ruhe bewahrte so gelassen ihr Weltbild zu sprengen, weiß ich nicht – wahrscheinlich, weil Leute aus Costa Azul (unserer Gemeinde hier) da waren.

Der Samstagabendgottesdienst war der eigentliche Abschlussgottesdienst, mit einer sehr guten Predigt von Danisa Ndlovu, dem neuen Präsident der MWK und einem bewegenden Abendmahl, bei dem wir uns als ein Leib fühlten, gebrochen für die Welt.

Und als Lied danach „Wir werden auferstehen“!

Die Lieder waren sowieso genial; manchmal vielleicht schlecht zum Zusammenhang (nach der niederschmetternden Predigt aus dem Kongo, ein fröhliches Lied – nur, weil es auch dort her kommt) aber vom Text her genial, wie „Die Engel wurden nicht geschickt die Welt zu ändern, das ist Aufgabe der Menschen“ und die Musikgruppe stimmte sich durch die Instrumentenwahl und die Art des Singens unglaublich gut auf die Kultur, aus der das Lied kam ein.

Der offizielle Anschlussgottesdienst hat mich eher enttäuscht, auch wenn ich verstand warum man es so gemacht hat, wie es dann war:

Die paraguayischen Gemeinden hatten diesen Gottesdienst organisiert, weshalb sie ihre Lieder sangen und nicht die Weltkonferenzlieder, die mir so gefallen hatten. Deshalb waren es auch andere Moderatoren, die mir zu viel Show machten.

Die „Geste des Friedens“ zwischen einem Mennisten, dessen Bruder beim Missionsversuch vor mehr als fünfzig Jahren (?) von einer kriegerischen Indigenagruppe ermordet wurde, und einem Indigena aus dieser Gruppe fand ich sehr gestellt und empörend: zum einen, weil der Moderator zweimal (!) den Indigena als „Indio“ bezeichnet hat – was ungefähr mit einem Farbigen in den USA „nigger“ zu nennen. Zum anderen sagte der Indigena die ganze Zeremonie kein Wort und er übergab dem Mennisten einen Speer, was für mich ein Symbol der Machtübergabe war – hätten sie den Speer doch zerbrochen, oder eine Sichel d‘raus gemacht!

Alfreds Predigt war ziemlich gut, nur hätte sie nicht von Liedern unterbrochen werden müssen, deren Texte zwar schön waren, was den nicht Spanischverstehenden aber nichts brachte.

Ein klein wenig stolz bin ich auch berichten zu dürfen, dass ich mir nur ein einziges Mal Übersetzung holte – bei Dietrich Panas Predigt -, diese aber gar nicht benutzte, weil der Empfang so schlecht war.

Die Weltkonferenz war auf jeden Fall ein einschneidendes Erlebnis für mich, denn ich habe viele junge und alte Geschwister kennengelernt, die Jesus nachfolgen, wohin er sie führt und mit denen ich in Kontakt zu bleiben hoffe. Ich habe viele Denkanstöße und Ermutigungen bekommen, die mein Gehirn immer noch nicht zur Ruhe kommen lassen und mich hoffentlich noch lange beschäftigen.

Natürlich war es auch ein Ort die erweiterte Familie zu treffen, sowohl biologisch, als auch hausgemeinschaftlich:

ein Teil der Hausgemeinschaftsfamilie: Wiensens, Elizabeth(!), Micky und ich

Leider müssen wir noch mindestens sechs Jahre auf die nächste Konferenz warten – ich hoffe dich dort zu sehen!

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Ein Nachtrag

14. Juli 2009

Hier ein Nachtrag zu dem Nerdartikel vom 25.5.

Der Comic kommt von xkcd, der einzigen Webseite, die mich versteht :D

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GYS vorbei

14. Juli 2009

Der zweite Weltjugendgipfel der Mennos war ein super Wochenende!

Ich habe super Leute kennen gelernt und es war ein toller Anfang für die Weltkonferenz, die heute beginnen wird.

Ein paar Bilder kann man hier finden, es waren laut ein paar Leuten, mit denen ich sprach 700 Teilnehmer!

Das Motto “Dienen: Lebe den Unterschied!” hatte mich sehr gereizt, aber er kam in den kleinen Gesprächen besser raus als im offiziellen Programm, wobei die Delegierten in ihrem Programm vielleicht mehr darüber machten.

Morgens und abends leitete jeweils ein Kontinent den Gottesdienst. Am eindrücklichsten war für mich der nordamerikanische Gottesdienst, in dem die Delegierten aus Kanada  und USA für die Politik ihrer Länder und die teils arrogante Art wie ihre Kirche bis jetzt aufgefasst hat für Vergebung bat.

Mein Mund brauchte eine ganze Weile bis er sich wieder schließen konnte. So viel Einsicht hätte ich nicht von ihnen erwartet und ich vergab ihnen von ganzem Herzen – auch wenn ich weniger Anlaß dazu hatte als die südlichen Kontinente… Da aber niemand öffentlich reagierte ging Micky dann auf die Bühne und sagte, wie sehr es sie bewegt hatte und vergab ihnen – in kleineren Gespärchen ist glaube ich noch viel passiert.

Ich traf viele junge Menschen, die eine andere Hautfarbe, Kultur und Sprache haben als ich und dennoch meine Überzeugungen teilten, die Jesu Joch auf sich nehmen und ihm folgen wollen, woher er geht. Und ich traf leider auch einige, die meine Hautfarbe hatten, in meiner (oder einer ähnlichen) Kultur lebten und meine Sprache sprachen, für die es nur eine Gelegenheit war ein paar ihrer Freunde zu treffen, die wie sie waren.

Dank meiner Sprachkenntnisse konnte ich oft im interkulturellen Dialog helfen und spanisch-deutsch, oder spanisch-englisch (selten auch englisch-deutsch) dolmetschen

Ich traf viele bekannte Gesichter, aber ich fand nicht die Zeit mich mit ihnen zu unterhalten, weil ich immer irgendjemand traf, den ich nicht kannte und der eine interessante Geschichte hatte.

Am letzten Tag wurden uns die Ergebnisse der Delegierten vorgestellt, woraus sich noch eine interessante Diskussion über Frieden und Military Counseling Network ergab – es scheint das MCN in den USA noch ein wenig unbekannt ist… Daran nahmen aber wenige Teilnehmer teil, weil es zeitgleich mit dem Essen war, wie unterschiedlich doch manche Prioritäten sind.

Als der GYS schließlich war, kamen Freiwillige von einer anderen Organisation, um die Bühne anzubauen, außer mir wollte niemand ihnen helfen und die Theorie des Gipfels in die Praxis verwandeln.

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Die HEIDe ist FREI!

14. Juli 2009

Siebzehn Jahre lang dauerte der Kampf der Bürgerinitiative “FREIeHEIDe” gegen das Bombodrom in der Kyritz-Ruppiner Heide in Brandenburg.

Am 9.7.2009 hat “Verteidigungsminister” Jung endlich die Pläne aufgegeben und die HEIDe kann FREI werden.

Eine Freundin meiner Eltern hatte sich sehr aktiv dafür eingesetzt und ihr und allen anderen Aktivist für die FREIeHEIDe gilt mein verspäteter Dank an dieser Stelle.

Trotz meinem sonstigen Zynismus siegt die FREIeHEIDe manchmal doch.

Der Protest begann als ich ein halbes Jahr alt war und jetzt hat er Recht bekommen.

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José de San Martin und sein Patron

29. Juni 2009

In Argentinien findet man in jeder Stadt Denkmal fuer den Unabhaengigkeitskaempfer (oder aus spanischer Perspektive Terrorist) José de San Martin, oder zumindest eine nach ihm benannte Strasse.

Seinen Namenspatron kennt aber niemand: Sankt Martin, roemischer Offizier und dann Kriegsdienstverweigerer, weil er nicht “miles Caesaris” – “Soldat des Kaisers”, sondern “miles Christi” – “Soldat Christi” sein wollte; derselbe, der den Mantel mit dem Obdachlosen teilte und mit dem Kreuz bewaffnet den Germanen entgegenzog, derselbe, dessen wir alljaehrlich mit dem Martinsumzug und den leckeren Martinsmaennchen gedenken, – ihn kennt hier niemand.

Und ihn Deutschland kennen die wenigsten mehr als die Mantelteilungsgeschichte – wenn sie nicht nur kamen, um Laternen zu tragen, Lieder zu singen und Hefemaennchen zu essen.

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Gastfreundlichkeit und tanzende Indianer

29. Juni 2009

Freitag mittag fuhren wir schlieslich (bloede nicht deutsche Tastatur!) los und gegen Abend trafen wir unsere Gastgeber in Formosa: Ana und Quito, die sich als alte, lebensfrohe US-Amerikanische Missionare herausstellten, die eigentlich Gretchen (!) und Keith hiesen und uns Unbekannte wie alte Bekannte empfingen.

Beim Abendessen fanden wir heraus, dass wir beide in Gemeinschaften gelebt hatten und, dass ihre Tochter kurz vor Micky einen Freiwilligendienst in der Herberge in Asunción  gemacht hatte – zusammen mit der unseren Neugier ueber ihre Arbeit mit den Indianern (ich bleibe bei der falschen Bezeichnung, denn indigene Bevoelkerung ist einfach umstaendlich und Indio ist wirklich verletzend) hatten wir genug Gespraechsstoff.

Als die anderen – und ich eigentlich auch – schlafen gehen wollten entdeckte ich, dass sie Shane Claibornes Buch “The Irresistible Revolution” (auf deutsch: Ich muss verrueckt sein so zu leben) hatten und da wir nur zwei Tage dort bleiben wollten hatte ich auch eine Beschaeftigung fuer die Nacht…

Irgendwann ging ich dann doch schlafen und als Micky mich wachruettelte war es Samstag. Wir fruehstueckten und gingen dann auf einen Stadtspaziergang.

Argentinien ist viel sauberer als Paraguay, oder lag es an den Wahlen, die am Sonntag stattfinden sollten?

Am Abend gingen wir zu einem Indianergottesdienst – eine ganz andere Art des Lobpreises: Die ganze Gemeinde tanzte zu den Liedern, die - nicht so indianermaesig – auf Keyboards gespielt wurde. Wenn sie zum Gebet stillstanden dampften ihre Koerper vom Schweiss, waehrend die Temperatur bei 15°C lag.

Es gab noch einen Geburtstag und Micky gruesste die Gemeinde von unsere Gemeinde in Bammental (Gruesse zurueck!) und um Mitternacht, vier Stunden nachdem der Gottesdienst begonnen hatte, beeilten sich die Leute in ihre Haeuser zu kommen.

In Formosa redeten wir noch bis halb zwei und ich las bis halb vier.

Am Sonntagmorgen gibt es in den Wintermonaten keinen Gottesdienst in den Indianergemeinden und weill war Wahl war nirgends sonst; so war wieder Zeit zu reden, ich konnte Shanes Buch fertig lesen und Ana & Quito bei der Wahl einer Digitalkamera beraten.

Zum Mittagessen waren wir bei dem Ehepaar eingeladen, das die Bibeluebersetzung in die Sprache der Toba  ueberwacht – auch wenn sie selbst nur wenige Brocken Toba sprechen. Auch sie hatten in einer Gemeinschaft gelebt und wir hatten wieder einige interessante Fragen zu klaeren: Wie kam man auf den Gottesnamen in Toba? (In der alten Uebersetzung war es einfach “Dios” – also der “spanische” Gott; in der Neuauflage wollten sie kein einziges spanisches Wort und nach einigem Hin- und Her entschied man sich fuer “Macher von Allem”) Wie geht das Maerchen vom Dauemling? Wieso haben wir von der Hausgemeinschaft keinen Namen?

Unser Bus ging um fuenf Uhr zehn und so machten wir uns auf zu packen und wurden mit einer herrlichen Imitaiton des indischen Englisch von dem Bibeluebersetzungskoordinator verabschiedet, der seine ersten paar Jahre in Indien gelebt hatte.

Ana und Quito ueberhaeuften uns mit Essen fuer die Busfahrt und schmuggelten sogar noch einige Brote in unsere Taschen,  von denen wir immer noch zehren. Am Busbahnhof verabschiedeten wir uns herzlich von unseren neugewonnen grosselterlichen Freunden, die sich gefuehlt hatten, als waeren ihre Kinder zu Besuch gewesen – wie kann man in zwei Tage eine solche Beziehung aufbauen? Es ist mir unbegreiflich.

Die naechsten sechzehn Stunden fuhren wir durch weite Ebenen nach Salta, La Linda genannt…

Categories: Anekdoten.

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Vermisste Gelegenheiten

23. Juni 2009

Heute hatte ich eine Verabredung mit einigen Leuten von Jugend mit einer Mission, die ich bei ihrem Theaterstück in Ñandejara kennengelernt hatte. Gut, es war eigentlich für Kinder, aber ich ließ mich davon nicht beirren. Hier zwei Bilder von ihrem Programm:

christliche Muppets

Bibelverse auswendiglernen

Sie besuchen alle Schulen im Umkreis von Limpio (mehr als 60!) und machen Anspiele, um den Kindern Jesus näherzubringen. Dieses Mal ging es um Worte, und die Kraft, die sie über uns haben.

Die Kinder lachten sich kaputt und auch ich kam auf meine Kosten.

Nach dem Theaterstück unterhielt ich mich ein wenig mit den Missionaren und Benjamin (ja, er heißt genau wie ich!) lud mich ein heute mit ihnen rumzufahren.

So holte mein Namensvetter mich dann heute Mittag bei strömendem Regen von meinem vorherigen Termin ab und erklärte mir als erstes, dass Programm falle bei Regen aus.

Ich wollte schon nach Hause gehen, aber er lud mich in sein Haus ein und so verbrachte ich einen schönen Nachmittag mit den YWAMlern (Youth with a mission – Jugend mit einer Mission). Es war ein wenig wie zu Hause: er ist Spanier, seine Frau Engländerin, die Freiwillige, die bei ihnen lebt, ist US-Amerikanerin und dann lebt noch ein paraguayischer Freiwilliger dort. Wir sprachen English, ich fand heraus, dass er der Neffe vom Pastor der Mennonitengemeinde in Barcelona ist, wo ich vor drei Jahren bei der MERK (Mennonitische Europäische Regionalkonferenz) war, und die Amerikanerin hat auch Mennoverwandte – kleine Mennowelt. Zum Glück waren sie und ich zu schlecht in Familiengeschichte, um unsere Verwandschaft irgendwo in Holland vor 400 Jahren festzustellen.

Nach ungefähr einer Stunde Unterhaltung musste die Engländerin wieder in Ñandejara ihre Muttersprache unterrichten und wir anderen machten uns auf den Weg zu ihrem “Hauptquartier”, einer schäbigen Lagerraum, fünfzig Meter weiter.

Dort türmte ich mit der Amerikanerin Erin Aufgabenblätter für ihr Missionsprogramm zu Zwanzigerstapeln und erfuhr mehr über ihre Arbeit und Leben, virtuell gesagt, die Adresse ihres Blogs.

Dann richtete ich Benjamin einen Facebookaccount ein, seine Unkenntnis von Technik war niedlich, und er brachte mich zur Bushaltestelle, damit ich nicht im Schiffen laufen musste.

Es war ein toller Tag und ich freue mich die Bekanntschaft dieser Leute gemacht zu haben, aber warum erst jetzt? Ich hätte sie schon vor langem kennen lernen können und viele Abenteuer mit ihnen erleben können!

Aber ich war zu schüchtern und naiv genug zu glauben, die Leute kämen auf mich zu, weil ich so unglaublich interessant bin.

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