Meine ausführlicheren Gedanken über die Nichtkultivierungsbefehl

Nachdem ich vor ein paar Tagen Daouds Brief an seine UnterstützerInnen veröffentlicht habe, will ich euch auch noch ein paar meiner Gedanken dazu mitteilen.

Als wir die Zettel letzte Woche gefunden haben, hatten wir Glück, dass Daher sie überhaupt gesehen hat und sogar die Beamten, die sie auf den Boden legten, noch ansprechen konnte. Wir Freiwilligen aßen gerade zu Mittag als Daoud und Daher kamen und uns die Dokumente zeigten. Dann ging alles ganz schnell. Daoud wollte, dass die Originale zum Rechtsanwalt nach Ostjerusalem gebracht werden, wo er selbst aber ohne Genehmigung nicht hingehen durfte. Also musste ich mit dem Bus nach Bethlehem und dann nach Jerusalem fahren, wo ich mit Daouds Beschreibung das Büro des Anwalts fand, nur um herauszufinden, dass der Anwalt umgezogen war.. Mit der Hilfe einiger Nachbarn fand ich dann schließlich das neue Büro ungefähr einen halben Kilometer entfernt.

Der Anwalt kopierte die Originale, und ich erzählte ihm nochmal kurz, was vorgefallen war, dann fuhr ich wieder zurück zum Zelt der Völker.

Während ich in Jerusalem war, haben wir noch zwei Zettel gefunden und die Nachbarn verständigt, die nachgesehen haben und auch Nicht-kultivierungsbefehle gekriegt haben.

Seitdem ist die Stimmung ein wenig gedrückt, weil wir nicht einschätzen können, was dieser Schritt wirklich bedeutet – ist das einfach ein schwacher Versuch Land zu klauen, oder der Beginn einer groß angelegten Offensive, den Hügel doch noch zu enteignen?

Die Nassers haben sich entschieden, ihre internationalen Kontakte zu informieren und nur auf juristischem Weg Einspruch gegen die Entscheidung der israelischen Zivilverwaltung einzulegen. Falls es notwendig werden sollte, wird Daoud einen Aufruf zu Kampagnen und Petitionen starten – diese Zeit ist aber noch nicht jetzt!

Ich merke, wie mein eigener Aktionismus mich drängt, irgendetwas zu machen, aber ich teile Daouds Analyse, dass es strategisch zur Zeit einfach nicht sinnvoll ist, und finde alle, denen Dahers Weinberg wirklich am Herzen liegt, sollten den Wunsch seiner Besitzer respektieren.

Warum haben die israelischen Beamten uns die Dokumente nicht persönlich ausgehändigt, wie es in einem Rechtstaat üblich ist (fragte zum Beispiel meine treue Leserin Gela Böhne)?

Dazu kann ich nur sagen, dass auch wenn über die Rechtstaatlichkeit innerhalb Israels noch debattiert wird, die Palästinenser unbezweifelbar nicht in einem Rechtstaat leben. Sie leben seit 1967 unter militärischer Besatzung, die sie nach Militärrecht behandelt. In vielen Fällen haben Palästinenser mit internationaler Unterstützung und der Hilfe israelischer Menschenrechtsorganisationen geschafft, ihren Fall bis vor das oberste Gericht in Israel zu bringen, nur um dort Recht zu bekommen und dann dennoch nach Militärrecht kein Recht zu bekommen. So ähnlich sieht auch unsere Situation aus. Dazu kommt noch, dass nur wenige Palästinenser überhaupt eine solche Entscheidung – und die Art diese mitgeteilt zu bekommen – anfechten würden, da sie den Zettel vielleicht gar nicht innerhalb der 45-Tagefrist finden würden, die Hoffnung auf Gerechtigkeit schon lange aufgegeben haben, und auch nur sehr wenige über die finanziellen Mittel verfügen, um einen solchen Prozess zu führen (die Nassers waren von vornherein in einer priviligierteren Situation und haben sich trotzdem schon um mehr als 150 000$ verschuldet).

Dennoch entbehrt das Vorgehen Israels nicht einer gewissen Logik: Wenn das Land wirklich unbenutzt und leer ist, weswegen es ja enteignet wurde, dann gäbe es in gewisser Weise ja keinen rechtmäßigen Besitzer, dem man die Papiere übergeben könnte. Nur dadurch, dass der wahre Besitzer beim Arbeiten auf dem Land den Zettel findet, erweist er sich als wahrer Besitzer, der dann natürlich auch all die Grundstücksverträge und genug Geld hat, um einen solchen Prozess zu führen.

Dass man, um den Besitzer eines Grundstücks ausfindig zu machen, hier jedes Kind im benachbarten Dorf fragen könnte, spielt natürlich für diese Logik der Besatzer keine Rolle. Genauso wenig, wie dass außer den verrückten Christen hier niemand dauernd auf seinem Land arbeitet, einfach, weil Wein und Olivenbäume nicht jeden Tag Pflege brauchen. Die treuesten Landwirte schauen vielleicht jeden Monat auf ihrem Land vorbei.

Am Dienstag wurden die Zettel auf dem Land verteilt, zwei Tage später hat es angefangen zu regnen und erst drei Tage später aufgehört. Das hätten selbst die in Folie eingepackten Dokumente nicht überlebt…

Zweimal trampen, zwei Welten (Teil 2)

Dies ist der zweite Teil einer Anekdote. Teil eins ist hier.

Wir verlassen das Oktoberfest als es schon dunkel ist und müssen deshalb von Taybeh nach Ramallah und von Ramallah nach Bethlehem den doppelten Preis zahlen. Als wir um neun Uhr abends in Bethlehem sind, und verglichen mit einem Taxifahrer über den Preis gefeilscht haben, zeigen wir wieder mit dem Finger auf den Boden und siehe da ein Auto hält. Ein Mann um die dreißig und ein Junge um die 15. Beide sprechen kein Englisch. Wir machen ihnen einigermaßen klar, wo wir hin wollen, und unterhalten uns. Er sagt mir, dass das Bier, das ich in Taybeh gekauft habe haram ist und ich versuche ihm klarzumachen, dass das kein Problem ist, weil wir mesachi (Christen) sind und verhindere mit demselben Argument, das er meine Kollegin heiratet, aber plötzlich ruft der Fahrer einen Freund an, der Englisch kann und sagt ihm, dass er etwas übersetzen soll.

Der Freund fragt mich, wo wir hinwollen und ich sage: „Nahe bei Nahalin.“
-„Mein Freund will aber nicht nach Nahalin.“
„Kein Problem, er lässt uns bei Kilo Sabatasch (17) raus, wir laufen den Rest.“
– „Aber da sind die Juden, die bringen euch um!“
„Ich glaube, wir werden aufpassen, und das wird nicht passieren“
– „Oh. Wenn du dir da so sicher bist, vielleicht bist du gar kein Deutscher, vielleicht bist du ein Jude und gehst zu den Siedlern! Gib mir meinen Freund zurück!“
Äh… Ich weiß nicht, ob ich das gerne tun will, vielleicht sagst du dem ja, er soll mich gleich erschießen. Aber der Junge ist ja dabei, es wird schon nichts passieren.

Schlussendlich ist nichts passiert, und wir sind sicher beim 17. Kilometer rausgelassen worden.

Aber die Angst auf beiden Seiten vor den anderen beschäftigt mich noch immer.

Beiden, aber vor allem der Siedlerin hätte ich gerne gesagt,weil sie definitiv in der mächtigeren Position war, dass Angst ein schlechter Ratgeber ist. Wenn dieses Land jemals Frieden finden wird, dann wird das erst der Anfang eines langen und schmerzhaften Prozess des Abbauens von Vorurteilen sein.

Und vielleicht können Projekte wie Zelt der Völker auch jetzt schon damit beginnen, ohne die dringenderen Fragen der Gerechtigkeit für die Palästinenser zu vernachlässigen. Wenn statt lauter Deutschen die Siedler mal zu Besuch kämen, und die Leute aus Nahalin.

Ich werde weiter trampen, und die Geschichten der Leute anhören.

Zweimal trampen, zwei Welten (Teil 1)

Sonntag morgen wollten wir zu dritt zum Gottesdienst in der Erlöserkirche in Jerusalem und waren, wie dass so ist, wenn drei Leute zusammen irgendwohin wollen, zu spät aufgebrochen. Weil man die Dauer der Fahrt nach Jerusalem kaum einschätzen kann, aber sicherheitshalber 90 Minuten einplanen sollte (für eine Strecke von knapp 20 Kilometern!) entschied ich für uns, dass wir trampen sollten. Also zeige ich mit dem Finger auf die Straße (so macht man das hier) und das erste Auto hält an.

Eine junge Frau mit Kind. Gelbes Nummernschild und sie kommt aus unserer Richtung, das heißt sie kommt aus Newe Daniel und ist eine Siedlerin.

Was soll’s, das heißt, für sie gibt es keinen Checkpoint und wir kommen schnell nach Jerusalem rein, weil wir auch nicht in Bethlehem umsteigen müssen. Wir steigen also ein und sitzen in ihrem Auto.

Normalerweise beginnt man jetzt ein Gespräch, aber über was rede ich mit ihr? Ich will ja in dem Auto sitzen bleiben und nicht gleich wieder rausfliegen. Man kann ja mal fragen, wo sie eigentlich hinfährt in Jerusalem. Nicht in die Altstadt. Mist, wir müssen also den Rest laufen. Wenigstens habe ich mal was gefragt.

Längeres Schweigen.

Sie fragt: „Was macht ihr hier?“
– Ja, hmm, was machen wir hier eigentlich? „Reisen“, antworte ich. (Immer eine sichere Antwort)
„Und wie gefällt euch das Land?“
– „Ein schönes Land, nur schade, dass die Leute nicht wirklich gut zusammenleben können.“ (Die unprovokativste Antwort, die mir einfällt).
„Habt ihr Europa nicht dasselbe Problem mit den Moslems?“
– „Eigentlich nicht“
„Werdet ihr aber bald haben, die kriegen nämlich so viele Kinder.“
-„Aha.“ (Kriegen das nicht auch die Orthodoxen?)
Sie zeigt auf die Apartheidsmauer, an der wir vorbeifahren.
„Die Mauer gibt es, weil sie sonst auf uns schießen.
Sie wollen keinen Frieden. Wir können nicht nach Bethlehem,
aber sie können hin, wo sie wollen“ (Da hab ich aber was anderes gehört)
-„Fühlen Sie sich bedroht durch die Palästinenser?“
„Ja, natürlich, letztens hat mich einer überholt und ich hatte Panik.
Wer weiß, ob der ein Terrorist ist und mich plötzlich rammt?“
-„Letzte Nacht habe ich auf einem der Hügel neben Newe Daniel geschlafen…“
„Ah, in Beitar Ilit?.“
-„Nein.“
„Rosh Tsurim?“
-„Nein. Bei einer christlich-palästinensischen Familie, direkt auf dem
Hügel neben Newe Daniel. Sie wollen Frieden und sind traurig, dass die
Leute aus Newe Daniel sie nie einfach so besuchen.“ (Also, ohne Waffen
 und ohne,dass sie was kaputt machen)
„Ah, die Christen sind anders.“ (Aha, und warum wird ihnen dann das
Leben genauso schwer gemacht?)

Die Fahrt ist zu Ende. Wir verabschieden uns höflich von ihr und kommen noch rechtzeitig zur Kirche.

Teil zwei folgt.

Ungewissheit

Die Inforeise der Christlichen Friedensstifterteams, an der ich die letzten zwei Wochen teilgenommen habe ist nun vorbei und ich habe heute ich wieder mit der Arbeit angefangen.

Eigentlich wurde ich erst morgen erwartet, aber da die Reise zu Ende ist habe ich mich entschieden jetzt schon zurück zu kommen, weil ich keine Lust hatte mein Hostel selbst bezahlen zu müssen und ich endlich anfangen wollte auf dem Weinberg zu arbeiten.

Ein weiterer Grund aber ist, dass niemand sicher weiß, ob ich morgen noch in das Westjordanland hinein gekommen wäre.

Heute hat die Generalversammlung der Vereinten Nationen begonnen und eines der Hauptthemen, neben vielen anderen spannenden Themen, ist der Antrag der palästinensischen Autonomieverwaltung auf die Aufnahme als volles Mitglied, was der internationalen Anerkennung als Staat entspricht.

Während der größte Teil der Welt Palästina bereits anerkannt hat, sind Israel, die USA und die EU, sowie die einige der von Ihnen abhängigen Staaten dagegen.

Die Abstimmung findet wahrscheinlich am Freitag statt, aber ob sie Erfolg hat, und was ein eventueller (Miss)Erfolg für Folgen hat, ist ungewiss.

Auf der Reise kamen fast alle unsere Gesprächspartner auf die Abstimmung zu sprechen. Die meisten pessimistisch, wenige optimistisch. Es kursieren allerlei Gerüchte, Israel werde das Westjordanland annexieren, bewaffnete Siedler planten Märsche auf palästinensische Städte, zahlreiche palästinensische Anschläge wären geplant. All dies gibt wenig Anlass zur Hoffnung.

Ich selbst, weiß auch nicht, was ich hoffen soll:

Dass die Abstimmung Erfolg hat, und wir hier Angriffe von mit Maschinengewehren bewaffneten Siedlern fürchten müssen, die Angst haben, dass sie „ihr“ Land verlassen müssen?

Oder ein komplett abgeriegeltes Westjordanland, sowie Gaza?

Eine dritte Intifada? Mit Steine werfenden palästinensischen Kindern und scharf schießenden israelischen Soldaten? Selbstmordattentaten und Vergeltungsbombardements?

Oder soll ich beten, dass alles ruhig bleibt?

Nein, ich will, dass die Besatzung endlich aufhört und die beiden Völker ernsthaft am Frieden arbeiten können.

Auf meiner Reise habe ich viele PalästinenserInnen getroffen, die entschieden sind, ihre Freiheit und Würde zu erkämpfen. Durch gewaltfreien Widerstand und in der Überzeugung, dass die Geschichte ihnen recht geben wird.

Ich bete, dass die Abstimmung bei der UNO, egal was ihr Ergebnis sein wird, die PalästinenserInnen nicht entmutigt, sondern darin bestärkt ihre Rechte einzufordern. Ich bete, dass die Israelis einsehen, dass die Besatzung Unrecht ist und sie mit ihren Nachbarn in Frieden und Gerechtigkeit leben können.

Während ich dies bete, bleibt die Ungewissheit.

Nachtrag: Wer den Antrag der Palästinensischen Autonomiebehörde unterstützen will, unterschreibe hier.

„Das Lager macht uns wahnsinnig“

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Wir haben Fachkräftemangel, mehr Auswanderung als Zuwanderung und niedrige Geburtenraten. Aber wir klammern uns lieber an Träume von weißen Eliten, die plötzlich gerne in Deutschland arbeiten wollen, oder Untergangsvisionen von einem sich abschaffenden Deutschland, als dass wir mit den Menschen, die wegen Krieg, Hunger, Verfolgung und Armut hierher kommen zusammen arbeiten.

Flüchtlinge haben Fußmärsche, Schlepper und deutsche Behörden überlebt und wollen immer noch eine Ausbildung kriegen und arbeiten!
Aber statt in sie zu investieren grenzen wir sie aus und hoffen, dass nicht mehr kommen.

Bei dem Vorbereitungsseminar für meinen Freiwilligendienst haben wir ein Asylheim besucht. Ich war auf vieles vorbereitet, aber nicht darauf, dort Menschen zu treffen, die seit vier Jahren in einem Lager wohnen, nicht darauf alleinstehende Männer zu treffen, die noch nie selbst gekocht haben, die Essenspakete mit fremden, teils schimmeligen Gemüsen aber irgendwie verwenden wollen, und deswegen die Küche ihres Trakts nach wenigen Tagen ruiniert haben. Die sich aus lauter Frustration verprügeln, auch weil dort Männer aus verfeindeten Nationen zusammenwohnen müssen und weil sei außer ihrem gebrochenen bis teils beeindruckend guten Deutsch keine gemeinsame Sprache haben.

Der Satz, der mir immer wieder gesagt wurde, war: „Das Asylheim macht uns wahnsinnig.“

Flüchtlinge und Völkerwanderungen gab es seit Menschengedenken. Wieso glauben wir, wir könnten dieses natürliche Verhalten aufhalten? Und warum erkennen wir das gewaltige Potential dieser Leute nicht an?

Hier gibt es eine Petition, um wenigstens Kindern, die in Asylheimen wohnen müssen, ein besseres Leben zu verschaffen.

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Warum ich?

Für eine Zeltfreizeit in ein paar Tagen muss ich zwei Themeneinheiten vorbereiten: „Nachfolge Christi“ und „Vorbilder des Glaubens“ nach tagelangem Ringen bin ich jetzt mit „Vorbilder des Glaubens“ fertig geworden, wobei mir einiges über mich selbst klar werden musste und ich mich immer wieder fragte, ob das außer mir irgendjemand hören will. Vielleicht haben andere Leute ja gar nicht so große Schwierigkeiten mit sich selbst und brauchen keine Vorbilder. Vielleicht ist sind meine Vorbilder (Dorothy Day und St. Martin von Tours) eine zu starke Fokusierung auf den sozial-diakonischen Teil des Christentums?

Nach einigen Gesprächen mit Freunden habe ich jedenfalls dieses Thema heute beendet.

Nur um in noch größere Konflikte zu kommen.

Will ich wirklich 12-14 Jährigen davon erzählen, wie es ist Jesus nachzufolgen? Wovor habe ich mehr Angst? Das sie mir nicht zuhören und das alles blöd finden, oder dass sie mir zuhören und ihre Eltern das blöd finden? Überhöhe ich dabei nicht vielleicht die Nachfolge Christi in etwas unglaublich Radikales, dass man nicht tun kann, ohne alles andere hinter sich zu lassen?

Tatsächlich glaube ich, dass Nachfolge radikal sein muss, aber dass kann ich doch keiner Jugendlichen erzählen, die noch 4-6 in die Schule gehen soll. Soll sie radikal sein? Ich denke schon.

Ich erinnere mich an die Momente, in denen mir klarer wurde, dass Nachfolge mein ganzes Leben erfordern wird. Auf Freizeiten. Als ich „Ich muss verrückt sein, so zu leben“ las. In verschiedenen Predigten. Als ich kochen lernte und merkte, wie befreiend es ist. Beim CPT-Treffen in Berlin. Auf Freakstock.

Und ich erinnere mich, wie ungesund ich fast jedes Mal damit umgegangen bin. Ohne Freunde, die sich für dasselbe interessierten, und mit gigantischen, unpraktischen Ideen im Kopf war ich von dem Wissen um die Notwendigkeit radikaler Nachfolge nur gelähmt. Ich träumte von großen Experimenten und tat gar nichts und fühlte mich deswegen schlecht. Ich merkte, dass ich alleine nichts tun könnte, aber anstatt mich auszustrecken und Gleichgesinnte zu suchen, isolierte ich mich und lehnte Leute ab, weil sie „nicht radikal genug“ waren.

Will ich, dass es den Jugendlichen auch so geht?

Erst seit kurzem fühle ich mich von großen Visionen befreit und habe das Gefühl in kleinen Schritten in die Nachfolge zu treten. Das hat aber auch damit zu tun, dass ich jetzt nicht mehr zur Schule geh und mir aussuchen kann, was ich als nächstes mache. Aber was erzähl ich denen jetzt? „Wartet 4 Jahre, dann könnt ihr Jesus nachfolgen? Das kanns ja nicht sein.

Der nächste Punkt ist noch schlimmer:

Kann ich diesen Kindern überhaupt von Nachfolge erzählen?

Ich weiß nur, dass Jesus Nachfolge dauernd einfordert, aber was das jetzt genau heißt, darüber hab ich viel gelesen, aber gelebt?!

Ich habe jetzt mit einem anderen Mitarbeiter geredet, der mich bestärkt hat, auch meine Schwächen zuzugeben und mit dem ich das Thema wohl zusammenhalten werde.

Ich weigere mich, zu danken

Heute habe ich es im Gottesdienst einfach nicht mehr ausgehalten.

Die letzten Tage haben wir alle die schrecklichen Nachrichten aus Japan verfolgt, zuerst das stärkste Erdbeben seit Beginn der Messungen mit dem Tsunami, die alleine schon mindestens zehntausend Tote gefordert haben. Dazu kommt noch die Atomkatastrophe, was genau passiert ist, weiß ja niemand, die Informationen sind lückenhaft und sich widersprechend, aber es hört sich ziemlich grauenhaft an.

Dazu kommen noch: der weiterhin sein Volk abschlachtende Irre Gaddaffi, dass ein Freund von mir in Irakisch-Kurdistan gewaltfreie Aktivisten begleitet, aber niemand darüber berichtet grausame Verhältnisse, an die wir uns leider schon viel zu lange gewöhnt haben, und ich schreibe nächste Woche Abitur, was mich zwar eigentlich nicht sonderlich nervös macht, aber eigentlich meine Aufmerksamkeit verdient hätte.

Heute morgen also schaute ich Nachrichten und war wieder erschüttert und verzweifelt in meiner Ohnmacht, dem was in Japan geschieht gegenüber, und auch in Sorge, ob sich die deutsche Atompolitik endlich ändern wird, oder wie viele Katastrophen wir noch brauchen, bis wir merken, dass Atomenergie gefährlich ist. Da wurde wieder von „Brückentechnologie“ geredet, „die wir für den Übergang brauchen“, aber kein Wort wurde darüber verloren, dieses Konzept auch ernst zu nehmen, und diejenigen, die mit der angeblichen Brücke Millionen machen, für die Schäden haften zu lassen und den Rest des Profits für die Weiterentwicklung alternativer Energien zu benutzen.

Da wurden diejenigen, die jetzt einen deutschen Politikwechsel fordern, als pietätslos dargestellt, weil sie alles gleich zu einer innenpolitischen Debatte machten, und keinen Respekt vor den Opfern zeigten.

Verzweifelt und Trost suchend kam ich also in den Gottesdienst – und wir sangen Loblieder. Eines nach dem anderen. Wofür wir eigentlich lobten wurde nie so richtig klar, auch nicht, wie man in dieser Situation überhaupt loben kann und nicht zunächst mal klagen muss. In einem Gebet wurde deutlich, dass die Gottesdienstleitende ebenfalls bestürzt war, aber in der Liturgie habe ich es kein bisschen gespürt.

Es wurde Psalm 91 gelesen, und es klang für mich wie purer Hohn:

Auch wenn tausend neben dir fallen, zehntausend rings um dich her, zu dir wird es nicht kommen. Du siehst es noch mit eigenen Augen, wie er es den Gottlosen heimzahlt.          Psalm 91, 7 und 8

Ist das unsere Antwort auf das Leid in der Welt??:

Zum Glück hat es uns nicht erwischt.

Natürlich bin ich froh, dass es mich nicht erwischt hat, und ich sollte Gott dafür danken, aber ich kann es nicht. Ich bin nicht der Psalmist, der der Gefahr ausgesetzt war und heilfroh ist davon zu kommen. Ich sehe nur die zehntausend und weigere mich zu danken.

Die Schwester, die den Gottesdienst leitete, hat diesen natürlich vor dem Unglück geplant und hat gar nicht gemerkt, wie sich Lieder und Texte unter anderen Umständen jetzt anhörten. Sie wollte aus tiefstem Herzen Gott danken. Aber ich konnte es nicht, und wollte es auch gar nicht können.

Nach drei Liedern bin ich einfach aufgestanden und gegangen, meine Mutter holte mich ein, verstand aber, was mich bewegte. Sie ging wieder in den Gottesdienst und ich ging spazieren. Im Wald klagte ich Gott an und trauerte um die Japaner.

Gott hält meine Anklage aus und er tröstet mich. Aber noch will ich nicht getröstet werden. Noch klingt getröstet zu sehr wie vertröstet. Vertröstet auf andere Zeiten, auf das Reich der Himmel, auf die Apokalypse, die sich manche Evangelikalen ja gerade in solchen Bildern, wie wir sie in Japan sehen, vorstellen.

Ich will, dass Gott mit mir rechtet. Dass wir miteinander ringen, die Frage nach Theodizee neu beantworten. Zufriedenstellend beantwortet wird sie wohl nie sein, Jesus selbst ruft am Kreuz „Eli, eli, lama sabachthani?“

Diese Katastrophe ist in den Beginn der Passionszeit gefallen, in der Christen sich auf das Leiden und Sterben ihres Erlösers einstimmen. Ich mag diese Zeit, denn es ist die Zeit im Kirchenjahr, in der wir uns des Leids um uns mehr als sonst bewusst werden, und aufgefordert werden, in die Nachfolge Christi zu treten, der gelitten hat, der ungerechten Menschen willen.

Aber selbst Nachfolge wird Naturkatastrophen nicht verhindern können.

Gab es im Paradies Erdbeben?

Nachtrag: Als ich weg war, sagte im Gottesdienst jemand sie könne auch nicht danken, und als das Schweigen gebrochen war, äußerten viele den Wunsch einfach zu schweigen. Der Gottesdienst wurde spontan verändert und man schwieg und klagte vor Gott.

Ich liebe meine Gemeinde dafür, dass dies möglich ist und die Schwester als sie darauf angesprochen wurde, das Problem erkannte und einwilligte alles über den Haufen zu schmeißen. Ich habe ihr auch eine Mail geschrieben und mein Verhalten erklärt. Ich denke, wir haben kein Problem mit einander.

Faschisten lieben?!

Diesen Text habe ich für das heutige von unserem Jugendkreis gestaltete Friedensgebet im Rahmen der Friedensdekade: „Es ist Krieg. Entrüstet euch.“ geschrieben.

Die Verse, die wir ausgewählt haben, sind:

 

Wenn möglich, soviel an euch ist, lebt mit allen Menschen in Frieden! Rächt euch nicht selbst, Geliebte, sondern gebt Raum dem Zorn Gottes! Denn es steht geschrieben: „Mein ist die Rache; ich will vergelten, spricht der Herr.“
Wenn nun deinen Feind hungert, so speise ihn; wenn ihn dürstet, so gib ihm zu trinken! Denn wenn du das tust, wirst du feurige Kohlen auf sein Haupt sammeln.“
Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit dem Guten! Röm 12,18,21
Als die Zeit näherrückte, in der Jesus die Erde verlassen und in den Himmel zurückkehren sollte, machte er sich entschlossen auf den Weg nach Jerusalem.
Er schickte Boten voraus; diese kamen in ein Dorf in Samarien und wollten dort eine Unterkunft für ihn besorgen.
Aber weil er auf dem Weg nach Jerusalem war, wollte man ihn nicht aufnehmen.
Als seine Jünger Jakobus und Johannes das hörten, sagten sie: »Herr, sollen wir befehlen, dass Feuer vom Himmel fällt und sie vernichtet?«
Da wandte sich Jesus zu ihnen um und wies sie streng zurecht.
Sie übernachteten dann in einem anderen Dorf. Lk 9,51-56

Als ich an dem Haus vorbei lief, konnte ich meinen Augen kaum trauen, direkt aus dem Geschichtsunterricht trat der Faschismus direkt vor mich und forderte mich durch die gehisste Reichskriegsflagge in einem Bammentaler Garten heraus.
Allzu oft hatte ich solche Flaggen schon bei Naziaufmärschen gesehen, als dass ich sie als Symbol erzkonservativer Kaisertreue hätte deuten können – das war eindeutig ein Nazisymbol.
Was tun, als überzeugter Antifaschist? Wie die Jünger wünschte ich Feuer vom Himmel und überlegte dem himmlischen Treiben auch ein wenig nachzuhelfen. Eine brennende Flagge als Zeichen gegen brennende Bücher, Reichspogromnacht und Todeslager.
Symbolische Gewalt gegen Dinge ist für mich keine richtige Gewalt. Sie sendet ein Zeichen – aber was für eins ist die Frage.

Wahrscheinlich eins der Ablehnung und des Hasses. Zurecht, schließlich reden wir hier vom Faschismus, den ich auf jeden Fall ablehne und auch hasse. Aber was ist mit dem Flaggenhisser? Lehne ich den auch ab und hasse ihn?
Ich muss zugegeben, dass ich es tue. All die Liebe, die Christus mir gezeigt hat, in seinem Tod für uns und die Auferstehung durch den Vater, Christi Vorbild und eindeutige Mahnung, all das fasziniert mich und zieht mich an, aber es hat mich nicht so erfüllt, dass ich diesen Menschen lieben kann.

Aber ich wollte mein bestes tun und so ging ich betend zu ihm hin, mein Vater stand mir im Gebet bei, und zitternd klingelte ich.

Die Tür öffnet sich und wir reden. Ich frage was er mit der Flagge bewirken will, er wird aggressiv, ich solle sein Grundstück verlassen, ich versuche auf meine Worte zu achten, sage ihm aber auch, dass die Flagge ein Nazisymbol ist – nein, ist sie nicht, dass sei die Reichskriegsflagge des Kaiserreichs – ich stimme ihm zu, aber mittlerweile benutzen sie Neonazis, und das Kaiserreich habe auch einen Weltkrieg zu verantworten.  Ich werde gepackt und durch seinen Glasvorbau gedrückt, ich rede weiter, davon, dass er sich bewusst sein müsse mit Neonazis in Verbindung gebracht zu werden, und bitte ihn die Flagge zu entfernen. Ich habe drei Sekunden sein Grundstück zu verlassen, sonst schießt er auf mich.
Ich stolpere die Treppe herunter und werde von ihm unter als Beleidigungen gemeinten Schreien, wie Anarchist  über das Gartentor geworfen. Draußen rede ich weiter, er zielt auf mich und ich fange bewusst an ihn zu provozieren: Ich bin doch draußen. hier herrsche immer noch Redefreiheit. Seine Partnerin fleht mich an zu gehen und will die Polizei rufen, er geht rein, um zu sehen, ob der Weg nicht auch noch zu seinem Grundstück gehört.

Als beide weg sind, nutze ich die Gelegenheit, zu verschwinden. Den ganzen Heimweg zittere ich und entdecke, dass ich vom Glas einen kleinen Kratzer davongetragen habe.

Ich bete für den Mann und bin nicht mehr wütend, eher traurig. Mein Vater ist auch noch mal hingegangen, wurde aber nicht bedroht. Die Flagge hängt immer noch. Ich laufe immer noch an ihr vorbei.

Was hat mein Einsatz nun gebracht?
Ich rede mir gerne ein, ich hätte brennende Kohlen auf sein Haupt gestreut, aber es scheint mir, dass ich ihn nicht in Gewissensnöte gebracht habe und er seine rechte Gesinnung nicht überdacht hat.
Wahrscheinlich hat das ganze vor allem mir etwas gebracht. Ich musste mich mit dem Mann auseinandersetzen, war physischer und verbaler Gewalt ausgeliefert und lernte, was es heißt für seine Feinde zu beten.
Ich versuche mein Bestes, aber bis jetzt kann ich den Mann nicht lieben. Ich räche mich nicht, sondern vertraue auf Gottes Gerechtigkeit und versuche dem Gutes zu tun, oder ihm aus dem Weg zu gehen.

Wozu öffentliche Bibliotheken führen können

Robs hat einen neuen Artikel geschrieben, eine Anekdote aus der Gemeinde über Autonomie und einfaches Leben, und über ein Buch, das in ihrer Gemeindebibliothek vorhanden sein wird. Er schreibt auch, dass ihn dieser Blogeintrag über Andrew Carnegie“ nochmal bestätigt hat in der Idee die Gemeindebibliothek zu gründen.

Mal nachsehen, vom wem „dieser Blogeintragist. Ah, Kerstin, von ihr habe ich schon länger nichts mehr gelesen, schön was schreibt sie denn so über Andrew Carnegie, den zweitreichsten Mann der Welt, nach John Rockefeller?

„Vor fast 200 Jahren tat sich ein Weber in Schottland mit einigen anderen Männern zusammen. Sie stellten die fünf (!!!) Bücher, die sie besaßen, der Allgemeinheit zur Verfügung, eröffneten eine Leihbibliothek. Als dampfbetriebene Webstühle aufkamen und die Handweber mit der Konkurrenz nicht mithalten konnten, verarmte die Familie und wanderte nach Amerika aus.
Sein Sohn Andrew
[Carnegie] profitierte davon, dass ein reicher Bürger Philadelphias, seine private Bibliothek für interessierte Arbeiterjungs öffnete – man konnte sich jede Woche ein Buch ausleihen. Andrew bildete sich so gut er konnte und er hatte die Fähigkeit, Trends zu erkennen“

Da hat Robert also die Bestätigung für die Gemeindebibliothek her. Schön, dass Andrew trotz dem wirtschaftlichen Ruin seiner Eltern durch die industrielle Revolution eine zweite Chance bekommen hat. Hoffentlich behält er in Erinnerung was er erfahren und nutzt seine Fähigkeit, Trends zu erkennen“ dazu, den beginnenden Großkapitalismus zu erkennen und etwas für die zu tun, die ein ebenso hartes, oder härteres Schicksal hatten wie er.

Ich lese weiter:

„In seinem Essay “The Gospel of Wealth” schrieb er einige seiner Überzeugungen nieder. Für ihn war der Glaube an den Fortschritt und die Weiterentwicklung der Menschheit Antrieb und Motivation. Er war überzeugt davon, dass begabte Menschen den technischen und wirtschaftlichen Fortschritt der Menschheit entscheidend voranbringen würden. Dass sie in dem Prozess auch reich würden, war für ihn selbstverständlich.“

Da Carnegie sich nicht als Christ bezeichnete, werde ich nicht auf den seltsamen Begriff des „Evangelium des Reichtums“ und den Widerspruch zum Evangelium Christi eingehen. Das könnt ihr selber tun, ich empfehle Matthäus 19,24.

Begabte Menschen bringen die Menschheit technisch und wirtschaftlich in der Tat weiter. Aber auf diesen Fortschritt kommt es doch gar nicht an. Es kommt darauf an, dass wir wissen, was wir mit den neuen Techniken anfangen sollen, ob diese uns hilft bessere Menschen zu sein. Gleiches gilt für die Wirtschaft.

Aber das tun sie beide gerade nicht, Technik macht uns abhängiger von der Wirtschaft, weil wir nicht länger wissen, wie wir ohne die Technik, die auf komplizierter Arbeitsteilung aufgebaut ist, leben sollen und die Wirtschaft redet uns ein, wir müssten immer mehr Technik kaufen. Um diese Technik herzustellen wird ein Großteil der Hersteller (der echten Hersteller!) ausgebeutet, muss in unwürdigen und giftigen Bedingung arbeiten, stirbt in Folge dessen früher und ihre Kinder haben keine Bildung – außer natürlich wenn wie bei dem jungen Carnegie ein netter reicher Mann die Bibliothek öffnet.

Das man reich wird, wenn man die Arbeitskraft derer ausnutzt, die ungebildet sind, deshalb keine andere Arbeit finden können und ihnen dann weniger zahlt, als das, was sie produzieren, wert ist, ist irgendwie selbstverständlich.“ .

Aber, „Er hielt es für eine Schande, wenn ein Mensch reich sterben würde.“

Mist, da hat er jetzt das ganze Geld, wohin nur damit? Der Artikel verrät uns wie Carnegie darüber dachte:

„- Geld zu vererben betrachtete er als Gefahr für den Charakter der Erben, die möglicherweise nicht gut mit dem Reichtum umgehen würden.
– Geld zu verteilen hielt er für unsinnig, da seiner Meinung nach viele Menschen es nur für Konsum, nicht jedoch für persönliche Weiterentwicklung verwenden würden. Nachvollziehbar. Als ich im Flugzeug über die Spenden las, sagte mein Sitznachbar: “Die sollten mir was von dem Geld geben.” Auf meine Frage, was er denn mit dem Geld tun würde, antwortete er “Going to the beach and party…and have some drinks.” Aha.
– Geld dem Staat zu vererben hielt er für unsinnig, da damit nicht sichergestellt wäre, dass das Vermögen auf eine gute Art und Weise und im Sinn des Spenders verwendet würde.
Damit blieb für ihn nur die Option
– Geld während der eigenen Lebenszeit in Projekte und Dinge zu investieren, die dem Wohl und dem Fortschritt der Menschheit dienen.
Andrew Carnegie, lebte gemäß seiner eigenen Überzeugungen. Für ihn war der Zugang zu Bildung sehr wichtig und so finanzierte er unter anderem den Bau und die Ausstattung von mehr als Tausend Bibliotheken. Auch die Carnegie Hall in New York wurde von ihm finanziert. Insgesamt spendete er zu seinen Lebzeiten mehr als 90 % seines enormen Vermögens für Bildung und andere soziale Zwecke.“

Ich muss Carnegie recht geben, die drei ersten Optionen sind Schwachsinn und würden wahrscheinlich großen Schaden anrichten, weil Menschen mit so viel Geld eben nichts anfangen können.

Und seine Lösung ist doch genial, der Mann finanziert nachhaltige Institutionen, die vielen Menschen geholfen haben.

Bleibt nur die Frage, wie vielen Menschen er auf dem Weg dorthin geschadet hat.

Wie viele sind wegen ihm verarmt und brauchten deshalb erst seine Hilfe?

Ich hoffe, dass die Gemeindebibliothek in Costa Azul keine Carnegies hervorbringt. Die Welt hat schon genug wohlmeinende Kapitalisten. Ich hoffe, dass die Gemeindebibliothek Aktivisten, Rechtsanwälte, Bauern, Pastoren und Politiker hervorbringt, die die Unterdrückung, die uns Technik und Wirtschaft gebracht haben beenden. In Paraguay, Südamerika und der ganzen Welt. Und wenn ich mir die Bücher ansehe, von denen ich weiß, dass sie dort stehen werden, bin ich guter Hoffnung.


1:1 für Paraguay und mein innerer Kampf mit der WM

Heute habe ich freiwillig ein Fußballspiel geschaut. Meine Prinzipien gebrochen. Aber, es war immerhin ein Paraguayspiel, da musste ich ja zuschauen, alleine um zu beweisen, dass ich mich dort eingelebt habe. Während ich die unbequeme Frage nach dem Nationalismus für neunzig Minuten ignoriert habe, bin ich ein wenig betrübt, dass Paraguay das 0:1 nicht halten konnte. Wenigstens war es noch unentschieden.

Die Paraguayer nehmen aber ihren Fußball um einiges ernster als wir Deutschen. Immerhin hat der paraguayische Präsident Lugo, den heutigen Tag des ersten Spiels der Paraguayer zum Ruhetag erklärt. Da würde ich mich auch mehr für Fußball begeistern, wenn das in Deutschland zur Norm würde.

Unglaublich, dass ich schon zwei Artikel über die WM geschrieben habe, es scheint als, würde meine misathletische Haltung zu bröckeln beginnen, NEIN!!!