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5 Gründe, warum du mit mir „Nackter Glaube“ lesen solltest

Hier als Video, und unten nochmal als längerer Text.

Dank Corona habe ich zwar mit unseren Zoom-Gottesdiensten ordentlich zu tun, aber ich finde auch wieder Zeit zum Lesen.

Zur Zeit lese ich das Buch „Nackter Glaube–Christsein in einer nachchristlichen Welt“ von dem britischen Gemeindegründer Stuart Murray. Ich finde es eine sehr spannende Lektüre und würde mich freuen mit euch dazu ins Gespräch zu kommen!
Hier habe ich mal fünf Gründe zusammengefasst, warum ihr dieses Buch mit mir lesen solltet:

1. Es stellt in einfacher Sprache den Kern eines täuferisch geprägten Christseins dar.

Viele theologische Bücher sind ellenlang und schwer zu verstehen. Das stimmt leider. Anders hier. Dieses Buch ist kurzweilig und erklärt ohne unnötige Fachbegriffe was ein täuferisch geprägtes Christsein ausmacht. Man merkt dem Buch an, dass es aus langjährigen Gesprächen im Kreis von britischen Gemeindegründern entstanden ist, die sich im Anabaptist Network zusammengefunden haben. Hier geht es nie um abstrakte Wahrheiten um ihrer selbst willen, sondern um den Unterschied, den dieser Ansatz im praktischen Leben macht. Wie er uns hilft, Menschen für ein Leben in der Nachfolge Jesu zu interessieren.

2. Es nimmt den nachchristlichen Charakter unserer Gesellschaft ernst und entdeckt darin Chancen.

In Deutschland und in den meisten anderen westlichen Ländern werden die Kirchbänke immer leerer, Kirchen verlieren ihre gesellschaftliche Vormachtstellung. Einzelne Gemeinden mögen wachsen, aber die gesellschaftliche Entwicklung ist ziemlich eindeutig.
Viele Christinnen und Christen verschließen die Augen und tun so als könnte alles bleiben wie bisher. Andere trauern den goldenen Zeiten hinterher und hoffen, dass eine Erweckung alles wieder wie früher macht. Murray dagegen sagt, dass das „Ende des Christentums“ ist ein Grund zur Freude!

Denn, was sich hier auflöst ist nicht Jesus und seine Kirche, sondern die unheilige Verbindung von Kirche und Macht, die die gewaltfreie und revolutionäre Botschaft Jesu verdreht hat und den Namen Jesu missbraucht hat, um Kriege zu führen und Unrechtsregime zu rechtfertigen. Diese imperiale Form des christlichen Glaubens prägte Europa seit der „Bekehrung“ des römischen Kaisers Konstantin über das Mittelalter bis heute. Auch heute beschwören einige weiterhin das „christliche Abendland.“ Aber die Risse treten immer deutlicher zutage.

Wenn sich Menschen also vom Christentum verabschieden und Kirchen sich immer mehr am Rand der Gesellschaft wiederfinden, ist das eine Chance, denn das sogenannte „christliche Abendland“ war nie wirklich christlich, es baute Jesus zwar riesige Kathedralen, aber folgte ihm bis auf Ausnahmen (siehe 3.) nie nach. Wenn nun dieses „Christentum“ zu Ende geht, haben wir endlich eine Chance, Menschen den echten, „nackten“ Jesus vorzustellen, ohne immer missverstanden zu werden. Gleichzeitig heißt nachchristlich (oder postchristlich) auch das wir nicht so tun können, als hätte es das Christentum nie gegeben und als habe es auch uns nicht geprägt.

Was wir brauchen sind Vorbilder und Modelle, dafür wie authentisches Christsein am Rande der Gesellschaft aussehen kann. (Und damit kommen wir zum 3. Punkt)

3. Es hilft uns, den Schatz zu entdecken, den die täuferische Tradition für die gesamte Kirche hat.

Im Laufe der Kirchengeschichte gab es viele Experimente in radikaler Nachfolge (etwa die Mönche, oder die Waldenser, oder die frühe Pfingstbewegung), die jeweils unterschiedlich lange überlebt haben. Murray und das Anabaptist Network fanden in der Täuferbewegung der Reformationszeit Gesprächspartner der sie inspirierten.

Denn die Täufer positionierten sich schon in der Reformationszeit vor 500 Jahren am Rand der Gesellschaft, und zwar aus Überzeugung! Ihr gemeinsames Studium der Bibel überzeugte sie, die imperiale Kirche grundsätzlich infrage zu stellen, indem sie die untrennbare Einheit von Glaube und Nachfolge betonten. Sie weigerten sich, auf den gesellschaftlichen Konsens zu warten und nahmen als Preis der Treue zu Jesus auch Verfolgung in Kauf. Trotz aller Versuche der Auslöschung überlebte die Täuferbewegung unter anderem in den Mennoniten.

Wir Mennos haben also 500 Jahre Erfahrung damit, vom Rand der Gesellschaft aus Jesus nachzufolgen und aus der Kraft seines Friedens in die Gesellschaft hineinzuwirken. In dieser Zeit hat sich vieles bewährt und anderes als schädich erwiesen. Das ist ein reicher Schatz an Erfahrungen, die jetzt besonders wichtig sind! Und zwar nicht nur für uns, sondern für die gesamte Kirche und die Welt!

Leider tun wir Mennos aber oft nichts mit diesem Schatz. Manche stellen den Schatz gerne in ein Museum, andere wollen ihn am liebsten als unnötigen Kruscht in den nächsten Sperrmüll stellen. Murray dagegen ermahnt uns, den Reichtum der täuferischen Tradition zu erkennen, wiederzubeleben und großzügig zu teilen.

4. Die täuferischen Grundüberzeugungen des Buches decken sich stark mit den Werten unserer Gemeinde und helfen, die innere Einheit dieser Theologie zu entdecken.

Deshalb ist „Nackter Glaube“ auch kein historisches, sondern ein theologisches Buch, das—von der Täuferbewegung provoziert—fragt, wie wir heute Jesus nachfolgen können.

Das Buch ist entlang den sieben Grundüberzeugungen des Anabaptist Networks gegliedert. Als ich diese Grundüberzeugungen las, fielen mir sofort einige Überschneidungen mit dem Wertepapier der Regensburger Mennonitengemeinde auf. Dies zeigt, wie täuferisch die Werte unserer Gemeinde sind. Eine Stärke von Nackter Glaube ist es, dass es die Grundüberzeugungen nicht einfach als Liste darstellt, sondern vielmehr ihre innere Einheit aufzeigt. Dadurch hilft es, gerade auch unverständliche Aspekte täuferischer Theologie (z.B. Erwachsenentaufe oder Eidesverweigerung) in neuem Licht zu sehen.

Das ist besonders wichtig, da eine Theologie, die nicht mehr verstanden wird, immer Gefahr läuft, zu verknöchern. Dann wird sie sowohl starr als auch brüchig. Im Zweifelsfall gibt man sie auf (wie es etwa den deutschen Mennoniten während der Weltkriege mit dem Friedenszeugnis ging). Womit ich zum letzten Punkt komme.

5. Es hilft uns, gemeinsam sprachfähig über unseren Glauben zu werden

Wir wollen (sehr täuferisch) eine mündige Gemeinde sein, in der wir gemeinsam nach dem Willen Gottes für unser Leben fragen. Das dies gelingt ist vor allem Gottes Gnade, aber es hängt auch davon ab, dass wir einander verstehen, wenn wir über unseren Glauben reden. Und auch Mission gelingt nur, wenn wir über unseren Glauben sprechen können.

Hier stoßen wir manchmal an Grenzen. Wir sagen zwar vielleicht dieselben Worte, aber sie haben für uns je nach geistlichem Hintergrund unterschiedliche Bedeutungen. Oder wir wissen selbst nicht so genau was dieses Wort bedeutet, und sagen lieber gar nichts.

Nackter Glaube stellt in einfacher Sprache den Kern des christlichen Glaubens in täuferischer Perspektive dar. Bei der Lektüre entdeckt vielleicht manch ein Freund der Gemeinde darin einiges, dass ihn schon länger angesprochen hat, ohne dass er es konkret benennen konnte. Manch eine, die in einer Mennogemeinde aufgewachsen ist, lernt etwas wertzuschätzen, dass sie bisher als selbstverständlich erachtet hat. Und alle werden bestimmt auch das eine oder andere seltsame entdecken.

Aber egal ob alt vertraut, faszinierend, oder abstoßend, durch die gemeinsame Lektüre werden wir alle herausgefordert, selbst über unseren persönlichen Glauben nachzudenken und Zeugnis abzulegen. Dadurch werden sprachfähiger anderen gegenüber, in der Gemeinde, aber auch im Gespräch mit Kollegen, Freundinnen, und Nachbarn, die Jesus noch nicht kennen.

Zu guter letzt: Dank Zoom entfallen die Fahrwege. So können wir uns viel leichter für 90 Minuten treffen, um ins Gespräch zu kommen, wie wir Jesus heute nachfolgen können und was wir dafür von den Täufern lernen können.
Unsere Gespräche werden jeweils ein oder zwei Kapitel des Buches zur Grundlage haben, aber wir werden die Kernpassagen jeweils zusammen lesen, sodass auch die beitragen können, die keine Zeit zum Lesen gefunden haben.
Also kommt vorbei!

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